Benny und Joon
Filmdaten
Deutscher Titel Benny und Joon
Originaltitel Benny & Joon
Produktionsland USA
Originalsprache englisch
Erscheinungsjahr 1993
Länge 98 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Jeremiah S. Chechik
Drehbuch Barry Berman,
Lesley McNeil
Produktion Susan Arnold,
Bill Badalato
Musik Rachel Portman
Kamera John Schwartzman
Schnitt Carol Littleton
Besetzung

Benny und Joon ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1993, der psychisch kranke Menschen als facettenreiche Charaktere darstellt.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Die psychisch kranke Juniper, genannt Joon, wohnt mit ihrem älteren Bruder Benjamin, genannt Benny, zusammen in einem Haus. Seit ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, muss Benny immer ein Auge auf seine an sich erwachsene Schwester haben, da sie ihren Impulsen unbedacht nachgeht und deshalb zuweilen mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Neben seiner Arbeit als Automechaniker beansprucht diese Pflicht Benny sehr, aber er und seine Schwester sind ein eingespieltes Team. Auch wenn die Arbeit mit ihr ihm manchmal zu viel ist, möchte er seine sensible kleine Schwester nicht wieder in ein Heim geben, wie ihre Ärztin Dr. Garvey es rät.

Joons Einsamkeit als einziges erwachsenes Kind in einer Welt voller Vernünftiger wird gelindert, als sie beim Pokern den Cousin eines Mitspielers 'gewinnt'. Sam spricht wenig, trägt immer einen altmodischen Anzug und belustigt andere mit pantomimischen, stummfilmhaften Einlagen einerseits und Rezitationen eines Horrorfilms andererseits. Benny und Joon nehmen Sam bei sich im Haus auf, zumal seine Verwandten für den Sonderling nicht viel übrig haben. Ebenso wie Joon ist er kein gewöhnlicher Mensch, aber er ist weitaus weniger temperamentvoll und hat nicht zuletzt deshalb einen positiven Einfluss auf Joon.

Während die beiden sich behutsam näherkommen, fängt Benny an, sich nach langer Zeit wieder Gefühle für eine Frau zu gönnen. Er lernt Ruthie kennen, die in einem Café in der Nähe arbeitet. Mit Ärger muss er aber nach einer Weile entdecken, dass die Beziehung zwischen Joon und Sam nicht so unschuldig ist, wie er gedacht hat. Die haben sich ineinander verliebt, wie ganz „normale“ Menschen auch.

Daraufhin wirft Benny den in seinen Augen schuldigen Sam aus dem Haus. Ihm geht diese Verbindung zu weit, er hat Angst, auch noch Verantwortung für Joons Sexualleben zu tragen. Sam schafft es aber, Joon zu einem Ausbruch aus ihrem Nest und zu einer Flucht zu bewegen. Soweit kommt es allerdings nicht: Die Situation ist emotional viel zu anstrengend für Joon, sie bekommt im Bus einen Nervenzusammenbruch, bei dem der sanfte Sam ihr nicht helfen kann. Joon muss wieder in ein geschlossenes Heim.

In der Sorge um sie kommen sich der pragmatische Benny und der verschrobene Sam näher. Zusammen hecken sie einen Plan aus, Joon wieder aus ihrem Rückzugsort zu befreien, real wie mental. Mit Hilfe von Sams Fähigkeiten gelingt das auch. Am Ende gesteht Benny Joon und Sam zunächst widerwillig zu, zusammenwohnen zu dürfen, aber das Wagnis scheint sich zu lohnen. Auch Bennys zarte Verbindung mit Ruthie hat offenbar Zukunft.

Hintergrund

Sam ist eine von Johnny Depps Paraderollen, mit ernsthaftem Gesichtsausdruck imitiert er mal Buster Keaton, mal Charlie Chaplin. Eine Szene am Tresen im Café ist eine direkte Hommage an eine bekannte Szene aus "Goldrausch": Sam steckt zwei Gabeln in je ein Brötchen und tut mit diesen 'Beinchen' auf dem Tresen so, als ob sie tanzen würden. Selbst die Mimik Depps erinnert in dieser Szene frappierend an jene Chaplins. Diese Szene wurde wiederum von einer Simpsons-Folge aufgegriffen.

Auch die klassisch clownesken Paradestückchen, die Depp zum Amüsement einiger Zuschauer in einem Park abliefert, bietet er überzeugend dar. Insofern ist die Rolle des Sam eine Verbeugung vor den Figuren des klassischen Stummfilmkinos. Johnny Depp wurde aufgrund seiner Darstellung für einen Golden Globe und einen MTV Movie Award nominiert.

Der Titelsong "I'm Gonna Be (500 Miles)" verhalf den Proclaimers zum internationalen Durchbruch.

Kritik

  • Lexikon des Internationalen Films: Märchenhaft angelegtes Plädoyer für den normalen Umgang mit psychisch Kranken, das sein Anliegen durch eine gagbetonte Inszenierung etwas klischeehaft und oberflächlich behandelt und sich auf die perfekt choreografierten Kunststückchen des sympathischen Hauptdarstellers verläßt.
  • TV-Spielfilm: Der naiven Botschaft des Skripts zum Trotz erhebt Regisseur Chechik den Zeigefinger in seiner Love-Story nie zu hoch. Virtuos wechselt der Film zwischen Melancholie und Übermut, wozu neben dem beschwingten Schnitt vor allem die Darsteller beitragen: Mary Stuart Masterson läßt hinter Joons verletzlichem Äußeren stets unberechenbare Aggressivität durchscheinen, und Johnny Depps skurrile Pantomime-Einlagen geraten herrlich unkitschig. [1]

Einzelnachweise

  1. Webseite TV Spielfilm

Weblinks


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