Bensberger Rathaus
Rathaus Bensberg, Blick auf Treppenturm

Das Bensberger Rathaus ist ein in den Jahren 1964-1969 nach den Plänen des Architekten Gottfried Böhm entstandener Bau. Das durch eine exzentrische Kombination aus Glas und Sichtbeton geprägte Gebäude gilt als eines der hervorstechendsten Werke Böhms und bildete neben der Wallfahrtskirche in Neviges die Grundlage für die Verleihung des Pritzker-Preises[1] an den Architekten im Jahre 1986.

Anfänglich sehr umstritten, stellt das Gebäude inzwischen eine anerkannte Sehenswürdigkeit des 1975 zu Bergisch Gladbach eingemeindeten Ortes Bensberg dar.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ende der 1950er Jahre wuchs in Bensberg der Wunsch nach einem neuen und zweckmäßigen Rathausgebäude.[2] Die Wahl des Standortes fiel auf eine erhaben gelegene Fläche mit Blick auf die Kölner Bucht, auf der sich die Reste der erstmalig 1103 erwähnten Burg Bensberg befinden.

Zunächst wurde eine Bestandsaufnahme und Sicherung der vorhandenen Burgreste durchgeführt. Die aus der Zeit vor 1850 stammenden Bauteile wurden in die Planung einbezogen. Dazu gehörten der aus dem 12. Jahrhundert stammende fünfeckige Bergfried, der Engelsturm, die dazwischen liegende Außenmauer sowie die ehemaligen Burgportale, ein Gewölbekeller sowie ein weiterer kleinerer Turm.

Diese Elemente bildeten gemeinsam mit der alten Burgmauer in ihrer ringförmigen Anordnung die Grundfläche der Neubebauung.

Eine Integration der alten Burgreste und der damit verknüpften Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart wurde Bestandteil der Ausschreibung, welche zugunsten eines Entwurfes des Architektenbüros Gottfried Böhm ausfiel. Ausschlaggebend war dabei auch die Abkehr des Böhmschen Modells von der Eintönigkeit der Architektur der 1960er Jahre.

Das Preisgericht sah in dem Entwurf Böhms eine künstlerische Antwort auf die gestellte städtebauliche Aufgabe. Hervorgehoben wurde die Marktplatzkonzeption nebst der Kontrapunkte Treppenturm und kleiner Innenhof. Im Innenbereich erlaube das Konzept der zusammenhängenden Flure mit angehängten Räumen eine markante Orientierung, welche eine zentrale Halle verzichtbar mache.[3]

Das Gebäude polarisierte anfänglich sehr stark. Die FAZ sah in ihm eine "begehbare Plastik", der Kunsthistoriker Jürgen Paul den "kristallinisch gefrorenen Barock, in dem die hochgespannten Visionen des Expressionismus wiederauferstehen.[4] Der Kölner Stadt Anzeiger taufte das Gebäude "Bensberger Akropolis".

Auch international wurde der Bau wahrgenommen:[5] Die Londoner "Times" berichtete in Wort und Bild über die "ungewöhnliche Form", die Hongkonger "China Mail" über die "Zementburg" und das Genueser Blatt "Il Nuevo Cittadino" erkannte das "modernste Rathaus Deutschlands".

Auf der anderen Seite erschrak der Bensberger Bürgermeister Müller-Frank nach Abnahme des Gerüstes und assoziierte den Turm mit einem "zerschossenen Minarett". Zahllose Protestschreiben an Zeitungen und Ratsherren wünschten das "Schießschartrenungeheuer" auf den Mond geschossen. Der damalige Bundesinnenminister Paul Lücke - Anrainer des Rathauses - empfahl seinen Mitbewohnern mit dem "Beamtenbunker" zu leben. "Ein Bauwerk für die Zukunft gebaut"

Umsetzung

Um einen nach Süden abfallenden Platz herum verschmelzen heute die Reste der Burganlage mit dem von Böhm in Sichtbeton gestalteten Rathausbau.

Von Außen betrachtet fällt zunächst die hohe Ringmauer mit ihren ehemals vermauerten zwei- und dreibogigen Fenster aus dem frühen 13. Jahrhundert auf, die eine Fortsetzung aus Beton erfährt. Der Zutritt zu dem Rathausplatz erfolgt durch den Bereich zwischen den beiden Türmen.

Im linken Bereich des Innenhofes befindet sich der Ratssaal, dessen Rückwand aus den Resten des alten Ringwalls besteht, und dessen Innenhofseite mit einer von der Decke bis zum Boden reichenden Verglasung gestaltet wurde. Der Ringform folgend steigert das Gebäude seine Geschosszahl bis zum Treppenturm, der durch seine skulpturale Erscheinung das markanteste Element des Rathauses darstellt und zu dessen Fuße sich der Haupteingang befindet. Der Turm wird von den Bensbergern scherzhaft „Aapenfels“ (Affenfelsen) genannt.

Rechts vom Treppenturm aus reduziert sich die Etagenzahl wieder der Hofkontur folgend von fünf auf ein Geschoss und endet vor dem rechten der beiden Türme am Ausgangspunkt. Mit diesem verschmolzen erfolgt noch eine kleinere Fortsetzung der Bebauung außerhalb des Innenhofes in Form einer Hausmeisterwohnung und weiteren Nebenräumen.

Auf der Rückseite des Gebäudekomplexes befindet sich hinter dem rechten Flügel ein kleinerer Treppenaufgang, welcher – wie der Treppenturm – durch eine unterbrechungsfreie Verglasung in Außenrichtung einen permanenten Blick beim Begehen der Treppe ermöglicht. Anders als im Treppenturm, dessen Verglasung mit der Fassade bündig ausgeführt ist, sind die Fenster hier – wie im gesamten Rest des Gebäudekomplexes – hinter die Fassade versetzt. Auch sind die Glasflächen – anders als im Treppenturm –aus rechtwinklig geformten und montierten Glaselementen gestaltet. So wird dem Betrachter der Eindruck suggeriert, die Glaselemente hätten die Last der wuchtigen Betonelemente zu tragen.

Die Flachdächer sind aus gefalztem Zinkblech erstellt, die Wasserableitung erfolgt u.a. über zahlreiche Wasserspeier.

Der Innenbereich des Gebäudes wird durch die Ästhetik des Sichtbetons geprägt, aus dem sämtliche Wände und Decken bestehen. Innerhalb der Betonelemente befinden sich verschiedene Öffnungen und Nischen. Die Decken im Bereich der Gänge zu den Amtsräumen sind mit hellbraunen, matten Holzpanelen verblendet. Alle Böden und Treppen bestehen ausnahmslos aus roten Ziegelsteinen. In dieser Kombination entwickelt das Gebäude eine fast sakrale Atmosphäre.

Das Erdgeschoss ist auf der Länge zwischen Ratssaal und Treppenturm vom Innenhof ausschließlich durch vollflächige Glaselemente getrennt. Diese Front ist mit mehreren an Ausluchten erinnernde Elementen versehen, welche bis zum zweiten Obergeschoss ragen.

Der Treppenturm bietet einen besonderen Effekt: Durch die dem Lauf der Wendeltreppe spiralförmig folgende, rahmenlose Verglasung kann der Benutzer während des Begehens der Treppe einen permanenten Blick auf die von Etage zu Etage besser werdende Sicht in Richtung Kölner Bucht erleben.

Auch die Beleuchtung des Gebäudes ist unveränderbarer Bestandteil der Architektur. In der Betondecke befinden sich flächig verteilt und im Randbereich der Treppen kleine Einbuchtungen, die aus spitzem Winkel betrachtet kaum sichtbar - mit kleinen kugelförmigen Glühlampen bestückt sind. Im Bereich der Gänge zu den Amtsräumen besteht die Beleuchtung aus oberhalb der Türen in der Holzdecke eingelassenen Leuchtstoffröhren.

Heutige Nutzung

Bis zur Eingemeindung im Jahre 1975 befand sich im Rathaus die Stadtverwaltung der Stadt Bensberg. Nach der kommunalen Neugliederung wurde die Stadtverwaltung in andere Gebäude in Bergisch Gladbach ausgegliedert. Im Bensberger Rathaus befindet sich heute das technische Dezernat der Stadtverwaltung. Auch finden hier Tagungen des Rates und der Ausschüsse statt. Ferner werden der Rathaussaal sowie der Innenhof für Konzerte und Veranstaltungen unterschiedlichster Art genutzt.

In den vergangenen Jahren wurde das Gebäude unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes aufwändig saniert. Somit offenbart es sich heute innen und außen in nahezu unveränderter Form, zumal auf nachträgliche Ein- oder Umbauten konsequent verzichtet wurde.

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. [1] – Pritzker Preis 1986
  2. "Rathaus Bensberg", Broschüre, Presseabteilung Stadt Bergisch Gladbach
  3. Schaukasten im Gebäude
  4. Ausgeburten kommunalen Größenwahns. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1980 (online).
  5. Dat Dingen. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1966 (online).

Weblinks

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