Bentō
Bentō „mit allem“. Von links oben im Uhrzeigersinn: Nudelsalat, Schwarzwurzeln, Hühnchen-Nuggets, Tempura, Krokette, Tsukemono, Rindfleisch-Streifen sowie Lachs und eine eingelegte Pflaume auf Reis.
Sushi bentō.

Das Bentō (jap. 弁当) ist eine in Japan weit verbreitete Darreichungsform von Speisen, bei der in einem speziellen Kästchen mehrere Speisen durch Schieber voneinander getrennt sind. Das Kästchen zusammen mit den Speisen nennt man ebenfalls Bentō.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In Japan gibt es Bentō schon seit dem 5. Jahrhundert. Die ersten Bentōboxen waren Bambusröhren, die auch antiseptisch gewirkt haben sollen. Schon bald nutzte man kleine, recht einfache Holzdosen, die man teilweise sogar nach der Mahlzeit weg warf, um sein Essen bei der Jagd, der Feldarbeit oder der Schlacht gegen den Feind stets dabei zu haben. Seit dem 15. Jahrhundert sind Bentō immer beliebter geworden. Je nach Zweck der Reise entwickelten sich unterschiedliche Formen der Wegzehrung: Die inzwischen lackierten und häufig in kleine Fächer unterteilten Holzboxen wurden im Theater ebenso wie bei einer Teezeremonie oder einer Beerdigung gereicht. Erfunden wurde der Begriff Bentō angeblich von Oda Nobunaga (1584 bis 1632), der damit die Mahlzeiten benannt haben soll, die an Soldaten verteilt wurden.[1][2]

Darreichungsform

In Japan wurden und werden Speisen nach westlicher Art auf Tellern, aber öfter nach japanischer Art in vielen verschiedenen kleinen Schälchen gereicht, aus denen gleichzeitig gegessen wird. Das Bentō bietet die Möglichkeit, diese vielen kleinen Speisen in einem einzigen Behälter aufzubewahren und zu transportieren, ohne dass sie sich mischen.

Das Bentō ist ursprünglich eine Mahlzeit zum Mitnehmen, analog zum Schulbrot oder zu Fish and Chips, die einfach in Butterbrotpapier oder Zeitungspapier eingewickelt werden. Einfache Speisen wie Reisbällchen werden auch in Japan in Plastik eingewickelt.

Bentō-Verpackungen sind im Inneren in mehrere Fächer aufgeteilt, in denen das Essen angeordnet werden kann. Ursprünglich bestanden Bentō aus leichtem Holz. Heutzutage werden meistens als Holzschachteln kaschiertes Polystyrol oder Kunststoffschachteln verwendet, die mit einem Holzdeckel oder einem durchsichtigen Plastikdeckel versehen werden, der den Blick auf das Essen erlaubt. Es gibt aber auch Bentō in Form von Metallkästchen oder kostbaren handgefertigten und lackierten Holzkästen.

Da neben der Auswahl der Bestandteile und der Zubereitung auch das optische Arrangement und die Art der Verpackung von Bedeutung sind, können Bentō regelrechte Gesamtkunstwerke sein.

Arten

Shōkadō bentō

Shōkadō bentō (松花堂弁当) ist eine traditionelle, schwarz lackierte Bentō mit vier Fächern und einem Deckel. Sie wurde nach dem Shingon-Mönch Shōkadō Shōjō (1582 bis 1639) benannt. Die Box inspirierte das Design des ThinkPad von IBM.

Inhalt

Das Bentō ist nur eine Darreichungsform, keine bestimmte Mahlzeit. Praktisch jede Speise wird heute in Japan auch als Bentō angeboten, bis hin zu Hamburger-Bentō, Spaghetti-Bentō und Schnitzel-Curry-Bentō. Seltener sind verschüttbare Mahlzeiten wie Suppen. Hier gibt es allerdings inzwischen von einigen japanischen Firmen, für das zuhause zubereitete Bentō, absolut dichte Bentō-Thermobehälter.

Alle Speisen, die als Bentō verpackt werden, können sowohl warm als auch kalt gegessen werden. Viele Bentō-Verpackungen sind mikrowellendurchlässig, damit man das Bentō bei Bedarf erwärmen kann. In den meisten Läden stehen sogar Mikrowellenöfen bereit, mit denen die Kunden ihr dem Kühlfach entnommenes Bentō selbst erhitzen können.

Traditionell besteht ein Bentō aus den Hauptbestandteilen der japanischen Küche: Reis, Fisch- oder Fleischstücken und diverse (eingelegte oder gekochte) Beilagen, wie etwa verschiedene Gemüsearten, Pilze und andere. Praktisch allen Bentō (auch den „westlichen“) ist gemein, dass sie:

Verfügbarkeit

Im Allgemeinen werden Bentō von der Ehefrau bzw. der Mutter morgens frisch zubereitet. Sie können aber auch in vielen eigens dafür eingerichteten Bentō-Geschäften (弁当屋 bentō-ya) gekauft werden, beispielsweise auf Bahnsteigen oder in Einkaufszentren. In den überall vorhandenen 24-Stunden-Geschäften sind auch preiswerte Bentō erhältlich.

Besonders um die so genannten „Bahnhofs-Bentō“ (駅弁当 eki-bentō oder auch 駅弁 eki-ben) hat sich eine eigene Esskultur entwickelt, da jedes Geschäft an jedem japanischen Schnellzug-Bahnhof Bentō in einer nur für ihn typischen Zusammenstellung anbietet.[3] Es gibt sogar eigene Essensführer, in denen alle Bahnhofs-Bentō mit Bild und Beschreibung aufgeführt sind.

Sonstiges

An japanischen Schulen kommt es vor, dass ein Mädchen einem Jungen (niemals umgekehrt) selbst zubereitete, besonders kunstvoll arrangierte Bentō schenkt – in der Hoffnung, dass eine solche Gelegenheit für ein gemeinsames Essen die Beziehung vertieft. Dieses Verhalten hat auch in der japanischen Populärkultur seinen Platz gefunden und wird beispielsweise in zahllosen Manga- und Animeserien zitiert.

Literatur

  • Naomi Kijima: Bento Boxes: Japanese Meals on the Go. Japan Publications Trading Company, 2001, ISBN 4-88996-073-2 (englisch)
  • Christopher D. Salyers: Face Food: The Visual Creativity of Japanese Bento Boxes. Mark Batty Publ, 2008, ISBN 978-0-9790486-6-1

Einzelnachweise

  1. Doreen Brumme: Bento – Essen in der Dose. 8. Dezember 2009, abgerufen am 26. Dezember 2009.
  2. Bento - Japanese Food. In: h2g2. BBC, 28. Juli 2003, abgerufen am 26. Januar 2010 (englisch).
  3. Essen & Trinken Boxenstopp in: Der Tagesspiegel vom 2. Mai 2010

Weblinks

 Commons: Bentō – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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