Beratender Ingenieur

Der Begriff Ingenieur (Abk.: Ing., ital.franz. von mittellatein. ingenium (Kriegsgerät) und ingeniarius (Zeugmeister, später Festungsbaumeister)) umfasst im herkömmlichen deutschen Sprachgebrauch im weiteren Sinne ein Berufsbild, welches durch die systematische Aneignung, Beherrschung und Anwendung von wissenschaftlich-theoretisch fundierten und empirisch gesicherten technischen Erkenntnissen und Methoden gekennzeichnet ist. Im engeren Sinne und modernen deutschen Sprachgebrauch beschreibt er als Oberbegriff die Summe verschiedener an Technischen Hochschulen und technischen Fakultäten der Fachhochschulen, Berufsakademien und Universitäten sowie an ehemaligen Technischen Fachschulen und Ingenieurschulen erworbener Berufsabschlüsse unter Erlangung des akademischen Grades eines Diplom-Ingenieurs bzw. Bachelor of Engineering, Master of Engineering oder Bachelor of Science, Master of Science.

Ingenieure sind in einer Vielzahl von Fachrichtungen tätig. Sie beschäftigen sich ingenieurwissenschaftlich mit den in der Natur vorhandenen Materialien und Kräften, um sie für technische Anwendungen nutzbar zu machen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliche Entwicklung

Der Begriff ist vom mittellateinischen Titel „ingeniarius“ (Zeugmeister, Festungsbaumeister) abgeleitet, den auch Leonardo da Vinci in der damaligen italienischen Form „ingegnier“ trug. Unter Sebastien le Pestre de Vauban, den Festungsbaumeister von Ludwig XIV., bildete sich die französische bis heute übliche Form heraus. Das erste Ingenieurkorps für Straßen- und Brückenbau wurde 1720 in Frankreich gegründet. Zum Zweck der wissenschaftlichen Ausbildung der Ingenieure folgte die Eröffnung der Zivilingenieurschule 1747 in Paris, der die polytechnische Schule und die Schule für Straßen- und Brückenbau 1795 (École Nationale des Ponts et Chaussées) folgten. Seit dieser Zeit entstanden auch in zahlreichen anderen Ländern Ingenieurschulen und später auch Technische Hochschulen, die sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zu den Universitäten emanzipieren konnten. Seit den 1970er Jahren wurden in den deutschsprachigen Ländern viele Ingenieurschulen in Fachhochschulen umgewandelt.

Berufsbild

Ingenieure sollten sich durch analytisches Denken, gute theoretische und anwendungsorientierte Fachkenntnisse, verbunden mit praxisorientierten und auf termingerechte Umsetzung bedachte Vorgehensweisen auszeichnen; Grundlage für erfolgreiches Arbeiten ist ein fundiertes Fachwissen und eine gute technische Allgemeinbildung.

Die Hauptaufgabe des Ingenieurs stellt der Entwurf von Systemen dar. Dabei handelt es sich um einen komplexen Prozess, bei dem sowohl analytische Fähigkeiten als auch Kreativität eine große Rolle spielen. Die Entwurfstätigkeit ist eine schöpferische Tätigkeit, bei der der Ingenieur sein Wissen einsetzt, einem System eine bestimmte Funktion, Form oder Materialeigenschaft zu geben. Ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung eines Systems ist aus Wettbewerbsgründen die Zeit. So muss sich der Ingenieur in der Praxis häufig mit einer nichtidealen Lösung zufrieden geben, die aber dennoch als gut einstufbar ist.

Ingenieure sind in fast allen Bereichen der Wirtschaft tätig. Die Berufsmöglichkeiten in den Unternehmen sind vorwiegend die Bereiche Beratung, Entwicklung, Planung, Fertigung, Messung (Chemische und Physikalische Untersuchungen), Gutachtenerstellung, Programmierung, Prototyping, Logistik, (Produktentwicklung), Vertrieb, Marketing, Steuerung (Produktions-, Prozess-), Konstruktion, Technische Dokumentation, Controlling und Management. Ingenieure arbeiten außerdem als selbständige Unternehmer, als Angestellte in Ingenieurbüros oder bei Behörden.

Die Industrie basiert hauptsächlich auf ingenieurmäßiger Umsetzung technischen Wissens, so etwa die Telekommunikation, die KFZ-Industrie, die Computertechnik, die Energieversorgung usw.

Die Ingenieure stellen die Berufsgruppe mit der größten Beteiligung an Erfindungen dar.

Länderspezifische Informationen

Deutschland

Die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ist in der Bundesrepublik Deutschland seit Anfang der 1970er Jahre durch die Ingenieurgesetze der Bundesländer geschützt und wird seither nur an Absolventen entsprechender Bildungseinrichtungen verliehen. Zuvor durften (und dürfen weiterhin) auch Personen ohne eine Ingenieurausbildung, aber mit langjähriger einschlägiger Berufspraxis die Standesbezeichnung „Ingenieur“ führen. Absolventen früherer Ingenieurschulen dürfen nach landesrechtlicher Regelung die vormals verliehene staatliche Bezeichnung „Ing. (grad.)“ (graduierter Ingenieur) führen und im Rahmen eines Nachdiplomierungsverfahrens beim für die zugrundeliegende Ausbildung zuständigen Kultusminister unter bestimmten Voraussetzungen den akademischen Grad „Dipl.-Ing. (FH)“ erhalten.

Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ingenieure in Deutschland:[1]
1999 2001 2003 2005 2007
637.935 657.491 647.051 639.119 654.358

Der Ingenieur in der DDR

Absolventen früherer Ingenieurschulen der DDR bzw. deren Vorgängereinrichtungen dürfen nach landesrechtlicher Regelung die vormals verliehene staatliche Bezeichnung „Ing. (grad.)“ (graduierter Ingenieur) führen und im Rahmen eines Nachdiplomierungsverfahrens beim für die zugrundeliegende Ausbildung örtlich zuständigen Kultusminister unter bestimmten Voraussetzungen die staatliche Bezeichnung „Dipl.-Ing. (FH)“ erwerben. An staatlich anerkannten Bergakademien oder Bergschulen ausgebildete Betriebsführer (Bergbau) führen ebenfalls die Berufsbezeichnung „Ingenieur“.

Absolventen technischer Fachrichtungen von Fach- oder Ingenieurschulen der DDR erhielten generell die Berechtigung, die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ zu führen. Diese Berechtigung ist durch den Einigungsvertrag fortgeltend. Ausbildungen mit wirtschaftlichem oder pädagogischem Schwerpunkt führen die Bezeichnungen „Ingenieur-Ökonom“ oder „Ingenieur-Pädagoge“.

Der Bologna-Prozess

Aufgrund des Bologna-Prozesses haben bereits heute die meisten Fachhochschulen und Universitäten auch ihre Ingenieurstudiengänge auf den Abschluss Bachelor oder/und Master umgestellt oder bieten zumindest beide Varianten parallel an. Die entsprechenden akademischen Grade lauten Bachelor of Engineering (B. Eng.) oder Bachelor of Science (B. Sc.) bzw. Master of Engineering (M. Eng.) oder Master of Science (M. Sc.).

Berufsverbände und Ingenieurvereinigungen wie beispielsweise der Akkreditierungsverbund für Studiengänge des Bauwesens (ASBau) stehen der Umstellung auf die neuen Abschlüsse kritisch gegenüber und zweifeln an, dass das Bachelor-Studium eine ausreichend berufsbefähigende Ausbildung leistet. Sie sehen in den neuen Abschlüssen den Versuch, einen großen Teil der Ausbildung in das Berufsleben zu verlagern.

Der „Beratende Ingenieur“

Ein „Beratender Ingenieur“ muss bestimmte gesetzlich festgeschriebene Vorgaben erfüllen und sich in die „Liste der Beratenden Ingenieure“ der Ingenieurkammer seines jeweiligen Bundeslandes eintragen. Die Berufsbezeichnung Beratender Ingenieur für einen freiberuflich tätigen Ingenieur ist landesrechtlich geschützt.

Der Diplom-Ingenieur

Diplom-Ingenieure werden an Hochschulen (Universitäten, Technische Hochschulen, Fachhochschulen) und Berufsakademien ausgebildet. Der akademische Grad bzw. die staatliche Abschlussbezeichnung kann grundsätzlich nur so geführt werden wie in der verleihenden Urkunde angegeben. An Universitäten wird der akademische Grad „Diplomingenieur“ vergeben. In einigen Fällen kann der akademische Diplomgrad um die Bezeichnung der Hochschule ergänzt werden. An bayerischen Universitäten kann der Diplomgrad auch um den Zusatz „Universität“ ergänzt werden („Diplomingenieur Universität“, „Dipl.-Ing. Univ.“). Seit 1987 verleihen Fachhochschulen einen Diplom-Fachhochschulgrad bundeseinheitlich mit dem Zusatz „FH“, also als „Diplom-Ingenieur (FH)“ oder „Diplom-Ingenieur (Fachhochschule)“, abgekürzt „Dipl.-Ing. (FH)“. An Berufsakademien wird kein Grad, sondern ein staatlicher Abschlusstitel als Ing. (BA) oder als Dipl.-Ing. (BA) („Ingenieur (Berufsakademie)“, „Diplom-Ingenieur (Berufsakademie)“) verliehen. Im Rahmen des Bologna-Prozesses werden an vielen Universitäten und anderen Hochschulen sowie Fachhochschulen und Berufsakademien die Diplomstudiengänge bis 2010 auslaufen.

Bachelor- und Master-Abschlüsse führen in den Ingenieurwissenschaften zum akademischen Grad Bachelor of Engineering (B. Eng.) nach entsprechender Weiterbildung zum Master of Engineering (M. Eng.). Liegt der Studienschwerpunkt überwiegend in Mathematik oder Naturwissenschaften, kann auch ein Bachelor of Science (B. Sc.) bzw. Master of Science (M. Sc.) verliehen werden. Architekturstudiengänge können aufgrund von entsprechenden Schwerpunkten auch zum Bachelor of Arts (B. A.) bzw. Master of Arts (M. A.) führen. Der Masterabschluss ist dem universitären Diplomabschluss gleichgestellt und berechtigt zur Promotion. Die Studiengänge unterliegen den Anforderungen einer Akkreditierung.

Nach einer Promotion in den Ingenieurwissenschaften wird der akademische Grad eines Doktors der Ingenieurwissenschaften (Doktoringenieur, Dr.-Ing.) vergeben, möglich sind aber auch der Dr. tech. bzw. der Dr. mont. für technische bzw. montanistische Wissenschaften.

Berufsverbände

Als Ingenieurverein hat sich in Deutschland der bereits 1856 gegründete VDI (Verein Deutscher Ingenieure) seit vielen Jahren erfolgreich etabliert. Mit derzeit rund 132 000 Mitgliedern (Stand Jahresanfang 2007) gehört er zu den größten technisch-orientierten Vereinen und Verbänden weltweit.

Speziell die Interessen weiblicher Ingenieure vertritt der deutsche ingenieurinnenbund e.V. (dib).

Österreich

Die Ausbildung zum Ingenieur und die Führung der Berufsbezeichnung Ingenieur ist bundeseinheitlich geregelt. In Österreich werden Ingenieure mit wissenschaftlich fundierter Ausrichtung traditionell an technischen Universitäten und Fakultäten und Ingenieure mit fachpraktisch fundierter Ausrichtung im Rahmen des Schulsystems an Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) sowie an Höheren Bundeslehranstalten für Landwirtschaft ausgebildet. Im Rahmen des EU-Beitrittes wurden im Jahr 1994 die Fachhochschulen gegründet. Akademisch ausgebildete Ingenieure mit fachpraktischem Schwerpunkt und wissenschaftlicher Orientierung werden seitdem an Fachhochschulen ausgebildet.

In Österreich ist der Titel Ingenieur eine Standesbezeichnung, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit verliehen wird. Grundlage ist das Ingenieurgesetz 2006 (IngG 2006).

Voraussetzung hierfür ist die Reife- und Diplomprüfung einer österreichischen Höheren Technischen Lehranstalt oder einer Höheren Land- und Forstwirtschaftlichen Lehranstalt, sowie der Nachweis der Absolvierung einer mindestens 3-jährigen fachbezogenen Praxis, die gehobene Kenntnisse auf jenen Fachgebieten voraussetzt, auf denen Reife- und Diplomprüfungen abgelegt werden können (§ 2 Z 1 lit. b IngG 2006).

Ohne Reife- und Diplomprüfung, aber mit nachgewiesenen gleichwertigen Fachkenntnissen, kann der Ingenieurtitel auch nach sechs Jahren Praxis verliehen werden. Es ist hierzu eine kommissionelle Ingenieurprüfung abzulegen, die Gleichwertigkeit der Kenntnisse als Prüfungsvoraussetzung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit streng geprüft nach Maßgabe der Dinge.

Zusätzlich gab es auch den Diplom-HTL-Ingenieur, der sechs Jahre Praxis sowie eine Diplomarbeit und eine kommissionelle Diplomprüfung ablegen musste. Diese Möglichkeit der akademischen Nachqualifizierung für HTL-Ingenieure war für die Übergangsphase nach Einführung der Fachhochschulen gedacht und lief mit dem 31. Dezember 2006 aus (Ingenieurgesetznovelle 2006).

Den Absolventen der 10-semestrigen technischen Diplom- bzw. Magisterstudien der Technischen (und anderer) Universitäten und der Universität für Bodenkultur Wien wird der akademische Grad Diplomingenieur (Abk.: Dipl.-Ing. oder DI) mit 300 ECTS-Leistungspunkten verliehen, den Absolventen der 8-semestrigen Fachhochschulen der akademische Titel Diplomingenieur (FH) (Abk.: Dipl.-Ing. (FH) oder DI (FH) ) mit 240 ETCS Leistungspunkten verliehen. An Fachhochschulen und Universitäten werden in letzter Zeit vermehrt Bakkalaureats-Abschlüsse nach 6 Semestern erworben, die mit 180 ETCS bewertet werden. Die Absolventen von Diplom-Studiengängen beider Studienformen werden für ein anschließendes Doktoratsstudium zugelassen, wobei sich die Mindeststudiendauer der FH-Absolventen gegenüber den TU-Absolventen um zwei Semester verlängert.

Der Zugang und die Ausübung des Berufs des „Ziviltechnikers“ (Architekten und Ingenieurkonsulenten) wird durch das Ziviltechnikergesetz reglementiert, die Vertretung der Ingenieurkonsulenten erfolgt durch die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten.

Der reglementierte Beruf „Beratender Ingenieur“ bzw. die Zugangsvoraussetzung zum Betreiben eines Ingenieurbüros wird geregelt in der Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über das BGBL. II 89/2003 (Zugangsvoraussetzungs-Verordnung für reglementierte Gewerbe Ingenieurbüros (Beratende Ingenieure).

Die Berufsvoraussetzung ist gegeben für Personen die

  • eine technische Hochschule oder Fachhochschule und eine mindestens dreijährige fachliche Tätigkeit im betreffenden Fachgebiet, oder
  • eine dem Fachgebiet entsprechende HTL (Höhere Technische Lehranstalt bzw. entsprechende Sonderform HFL) und eine mindestens sechsjährige fachliche Tätigkeit im betreffenden Fachgebiet, und
  • eine Befähigungsprüfung gemäß Gewerbeordnung 1994, BGBL. Nr. 111/2002, nachweisen.[2]

Personen die für das reglementierte Gewerbe Ingenieurbüro/beratende Ingenieure in Österreich zugelassen sind, dürfen dieses auch in den anderen EU Ländern ausüben (EU Diplomanerkennungsrichtline für reglementierte Berufe).

Als Ingenieurvereine haben sich in Österreich der VÖI (Verein Österreichischer Ingenieure) und ÖIAV (Österr. Ingenieur- und Architektenverein) seit vielen Jahren erfolgreich etabliert. Das österreichische Ingenieurregister wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit geführt.

Schweiz

In der Schweiz können Ingenieurwissenschaften auf Universitätsniveau (Masters Degree, „Diplomierter Ingenieur ETH“, Abk.: „Dipl.-Ing. ETH“) an den beiden ETH, den Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne studiert werden, sowie andere technische Hochschulstudiengänge auch von den kantonal/regional organisierten Fachhochschulen (Dipl.-Ing. FH) angeboten werden

Als Ingenieurvereine haben sich in der Schweiz einerseits der 1837 gegründete „Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein“ und andererseits „Swiss Engineering“ (ehemals Schweizerischer Technischer Verband, STV), etabliert.

Frankreich

In Frankreich erfolgt das Ingenieurstudium an „Écoles d’Ingénieurs“ (Ingenieurhochschulen), auch „Grandes Écoles“ genannt, und an den Universitäten. Der Titel und Beruf Ingénieur ist an sich in Frankreich nicht geschützt.

Die „Grandes Écoles“ gelten als Ausbildungsstätten der Führungselite von Staat und Wirtschaft. Die Ausbildung an den Ingenieurhochschulen ist durch Projekte und Praktika während des fünf jährigen Studiums stärker an den Erfordernissen des Arbeitsmarkts orientiert. Es gibt ungefähr 240 Ingenieurhochschulen, an denen jährlich rund 26 000 Studenten ein Diplom erhalten. Um ein Ingenieurdiplom erteilen zu dürfen, muss die Schule vom Hochschulminister dazu berechtigt werden. Die an den „Grandes Écoles“ ausgebildeten Ingenieure tragen den Titel „ingénieur diplômé“ gefolgt von dem Namen ihrer Ingenieurhochschule. Das Studium an den „Grandes Écoles“ entspricht weitgehend einem verlängerten Studium des Ingenieurwesens an einer Fachhochschule (Masterniveau) in Deutschland. Dies liegt an der verschulten und praxisnahen weniger forschungsorientierten Ausbildung an einer Grande École.

1992 wurden die IUP (Institut Universitaire Professionnalisé = Praxisorientiertes Universitäts-Institut) an Universitäten eröffnet. Dort bekamen die Absolventen nach 4 Jahren Studium mit der Maîtrise IUP einen Titel als ingénieur-maître. Seit der Umsetzung des Bologna-Prozess wird dieser Titel nicht mehr verliehen. Andererseits gab es schon damals auf dem Arbeitsmarkt Ingenieure, die ein DESS nach 5 Jahren Studium an einer Universität erworben hatten. Heute ist in Frankreich jeder Master-Absolvent eines entsprechenden Studiengangs Ingenieur. Das Ingenieurstudium an einer Universität in Frankreich ist weitgehend mit dem Studium an einer deutschen (Technischen) Universität vergleichbar.

Die ca. 50 % der in Frankreich arbeitenden Ingenieure, die von den Universitäten kommen, sind meistens in einem besonderen Fach spezialisiert, während die in Grandes Ecoles ausgebildeten ingénieurs diplômés (Diplom-Ingenieure) grundsätzlich allgemeine Kenntnisse haben. Deswegen werden diese auch Ingénieur généraliste genannt. Dessen Spezialisierung ist also relativ gering und soll theoretisch den französischen ingénieur diplômé vielseitige Einsatzfähigkeiten geben.

In den Unternehmen werden sowohl Ingenieure von Universitäten als auch ingénieurs diplômés d'École am selben Posten Ingénieur genannt, die Lohnskala ist allerdings unterschiedlich: ein ingénieur diplômé verdient in der Regel mehr.

Finnland

In Finnland erfolgt das Ingenieurstudium an Technischen Universitäten, an technischen Fakultäten anderer Universitäten und an Fachhochschulen. An Universitäten legen die Studenten zuerst das Examen tekniiikan kandidaatti mit 180 Leistungspunkten nach etwa sechs Semestern ab und setzen ihre Studien danach bis zum Examen diplomi-insinööri (Diplomingenieur) fort. Die Gesamtdauer des Studiums ist 300 Leistungspunkte, das heißt zehn Semester. Im internationalen Vergleich werden tekniikan kandidaatti und diplomi-insinööri als Bachelor of Science (Eng.) und Master of Science (Eng.) übersetzt. Die Absolventen können direkt promovieren.

An den Fachhochschulen heißt der Abschluss insinööri (AMK) (Ingenieur (FH)) mit 240 Leistungspunkten. Als Abschluss ist insinööri (AMK) mit tekniikan kandidaatti vergleichbar aber wird jedoch als Bachelor of Engineering übersetzt. Nach drei Jahren Berufserfahrung können die Fachhochschulingenieure ihre Studien an Fachhochschulen fortsetzen. Dann können sie den Abschluss insinööri (ylempi AMK) (Ingenieur (hohere FH)) mit 120 Leistungspunkten ablegen. Gesetzlich ist insinööri (ylempi AMK) mit diplomi-insinööri vergleichbar und wird als Master of Engineering gewertet. Die FH-Ingenieure haben auch die Möglichkeit an den Universitäten zu studieren. Dort ist es ihnen möglich mit Studien von 180 Leistungspunkten das Diplomingenieurexamen abzulegen.

Vor Einführung des finnischen Fachhochschulsystems in den 1990er Jahren wurden Ingenieure auch in technische Lehranstalten (teknillinen oppilaitos) ausgebildet. Das Ingenieursstudium in einer solchen technischen Lehranstalt dauerte vier Jahre und schloss mit dem Abschluss insinööri (Ingenieur) ab. Die Abschlüsse insinööri und insinööri (AMK) sind gesetzlich fast gleichgestellt.

Osteuropa

In vielen Ländern Osteuropas wie z.B. der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Polen wird gemäß dem Bologna-Prozess inzwischen der Bachelor bzw. Master verliehen. Hier verwendet man mittlerweile auch den internationalen Bachelor of Engineering (B. Eng.) bzw. Master of Engineering (M. Eng.).

Andere Länder

Die Bezeichnung Engineer ist auch in den meisten englischsprachigen Ländern kein geschützter Begriff. Nur Titel wie Professional Engineer (P. E. oder Pr. Eng.), Chartered Engineer (CEng) in UK, Irland, Indien, Registered Engineer (R. Eng.), civil engineer (Bauingenieur) oder mechanical engineer (Maschinenbauingenieur) sind teilweise (z. B. in Kanada und einigen Bundesstaaten der USA) gesetzlich geschützt). In Italien ist der Titel ingegnere dagegen gesetzlich geschützt und an ein Hochschulstudium sowie eine Staatsprüfung gebunden.

Fachrichtungen

Sehr bekannte ingenieurwissenschaftliche Fachrichtungen sind beispielsweise:

Weitere Fachrichtungen finden sich in der Liste der ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen.

Zitate

  • „Ich war der oberste Leiter jedes Werkes, und alle Werkstätten standen unter meinem Befehl. Ich war groß über alle Begriffe, immer machtvoll und hatte keine Unglücke. Ich war der Aufseher aller Aufseher und irrte mich nie.“ Grabinschrift eines Ingenieurs, der beim Pyramidenbau in Ägypten beteiligt war.
  • „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ aus dem Ingenieurslied (1871) von Heinrich Seidel; Variante: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ von Erika Fuchs, Übersetzerin des Daniel Düsentrieb (Gyro Gearloose)
  • „Die Zeichnung ist die Sprache des Ingenieurs“ (Ursprung möglicherweise: Karl Culmann)

Einzelbelege

  1. Berufe im Spiegel der Statistik 1999 - 2007. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Abgerufen am 14. April 2009.
  2. http://www.ingenieurbueros.at

Literatur

  • Walter Kaiser, Wolfgang König: Geschichte des Ingenieurs. Ein Beruf in sechs Jahrtausenden. München, Wien 2006, ISBN 3-446-40484-8. 
  • Horst Czichos, Manfred Hennecke: HÜTTE – Das Ingenieurwissen. Berlin 2007, ISBN 978-3-540-71851-2. 

Siehe auch

Weblinks


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