ABOAG
Busdepot der ABOAG (1908)
Ein Beamter der ABOAG (rechts), 1909

Die Allgemeine Berliner Omnibus AG (ABOAG) war eine 1868 gegründete Aktiengesellschaft und der größte Betreiber von Pferdeomnibussen in Berlin, die 1928 in der Berliner Aktien-Verkehrs-Gesellschaft (BVG) fusionierte[1].

Viele der bis 1868 in Berlin bestehenden kleineren Busbetriebe hatten wirtschaftliche Schwierigkeiten aufgrund der großen Konkurrenz, 1864 existierten beispielsweise schon 36 Busbetriebe. So wurde am 25. Juni 1868 die Gesellschaft mit einem Aktienkapital von einer Million Talern gegründet und nahm am 1. Juli den Betrieb von pferdebespannten Omnibussen auf.[2] Dabei verfügte die Gesellschaft schon zu Beginn über 257 gezogene Omnibusse und 1089 Pferde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der ABOAG

Der eigene Omnibus-Bau und andere Marken

Die ABOAG stellte 1897 auf Anregung von Frederic SIMMS (englischer Bosch-Vertreter) eigene Omnibusse her, indem Pferde-Omnibusse umgebaut und mit einem Elektroantrieb versehen wurden[3][4]. Am 13. Juni 1906 wurde ein Büssing Omnibus und ab den 3. Juli 1907 auch noch ein erster Doppeldecker-Omnibus mit 19 unteren und 20 oberen Sitzplätzen erprobt. Insgesamt hatte der Doppeldecker-Omnibus Platz für 42 Personen und von hinten wurde eingestiegen, um dann auch über eine Eisene Wendeltreppe nach oben zu gelangen. Den seitlichen Einstieg gab es erst später[5].

1913 wurden eigene Omnibusse mit Benzin-Motor nach Plänen des Generaldirektors Richard Kaufmann gebaut, wovon die meisten als Dopeldecker hergestellt wurden und erhieten die Typenbezeichnung: „RK“ [6].

Im Jahr 1924 wurden bei ABOAG neue Omnibusse mit geschlossenem Oberdeck zusammen mit den Nutzfahrzeugherstellern Büssing und NAG entwickelt. Diese auch mit Luftreifen erprobten 4 m hohen Doppeldecker-Omnibusse hatten ein Niederrahmen, die Lenkung links und Einstig rechts. 350 solcher Busse kamen im Laufe der nächten Zeit in den Betreib. Büssing entwickelte 1927 neue Dreiachser- bzw. Sechsrad- Doppeldecker-Omnibusse, die bis zu 82 Personen befördern konnten und waren derzeit die größten Omnibusse der Welt. Von diesem Omnibus Typ wurden 1928 sofort 100 Busse bestellt, die nun auch eine Heizung hatten. In dem Jahr stellte der Betrieb alle Omnibusse auf Luftreifen um. In Berlin-Halensee wurde von Büssing 1929 mit 50 Beschäftigten ein Wartungs- und Reparaturbetrieb u. a. extra für die neuen BVG eingerichtet[7].

Ab 1928 wurden zwei Omnibusse mit einem Maybach-6-Zylindermotor und Vorderrad-Antrieb in Zusammenarbeit mit Richard Bussien (Besitzer der Voran-Automobil AG in Berlin -Wilmersdorf von der BVG gebaut[8].

Der Omnibus-Verkehr

Am 19. November 1905 ließ die ABOAG die beiden ersten motorisierten Omnibusse (Kraftomnibusse) in Berlin verkehren.

ABOAG Doppeldecker- Büssing Omnibus Bj. 1927

Im Jahr 1914 verkehrten in Berlin erst insg. 336 Omnibusse[9]. 1926 wurde von Linden nach Grunewald ein Omnibus-Schnellverkehr eingerichtet und als optisches Zeichen hatte der Büssing-Bus vorne/oben ein weißes „E“ auf rotem Schild[10]. 1928 besaß die ABOAG bereits 580 Omnibusse und hatte 4340 Beschäftigte, von denen 1317 Kraftfahrer und 1235 Schaffner waren. Sie betrieb 24 Stadtlinien, mit einer Streckenlänge 253 Kilometer, sechs Vorortlinien über 52 Kilometer und eine Eilstrecke über 11 Kilometer. Die tägliche Fahrleistung betrug etwa 100.000 Kilometer und es wurden rund 600.000 Personen befördert. In dem Jahr hatte auch die Umsteigeberechtigung der Fahrgäste von der S-, U- und Straßenbahnen iZm. den Omnibusslinien begonnen[11].

Umzug zum Treptower Betriebshof und Fusion

1925 (evtl. schon 1924) erwarb die ABOAG das Gelände der Maschinenfabrik Carl Beermann zwischen Eichenstraße, heutiger Puschkinallee, Flutgraben und Spree (gegenüber dem Osthafen) im heutigen Alt-Treptow. Im Mai 1925 zog die Hauptwerkstatt für Fahrgestelle aus dem Betriebshof Usedomer/Jasmunder Straße in die Shedhalle auf den Treptower Betriebshof um. Dieser Bau war noch für Beermann nach Plänen von Bruno Buch errichtet worden.

Die nicht mehr verwendbare Gießerei von Beermann machte einem Neubau Platz. Nach den Plänen von Franz Ahrens wurde dort 1927 die Omnibus-Hauptwerkstatt der Allgemeinen Berliner Omnibus AG mit zugehörigem Verwaltungstrakt errichtet. Der stark rationalisierte Betrieb erforderte eine Halle, in der die doppelstöckigen Omnibusse gut und schnell rangiert werden konnten, um notwendige Reparaturarbeiten in der gebotenen Kürze durchführen zu können. Sie war mit 100 Metern Länge und 70 Metern Spannweite (7000 m²) damals die größte freitragende Halle Berlins und eine der größten Europas. Tageslicht fällt auch heute noch durch die Oberlichter und die verglasten Stirnseiten der Halle ein. Am 15. Februar 1928 wurde in der Halle der Betrieb aufgenommen; die letzten Innenausbauten zogen sich bis in den Juni hin. Ein Erweiterungsbau wurde nach Plänen von Alfred Warthmüller ausgeführt.

Die beiden großen Konkurrenten, die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin und die Große Berliner Straßenbahn AG erwarben um 1913 herum jeweils größere Anteile an der ABOAG, so dass die Voraussetzungen für eine Koordination der Verkehrsträger untereinander günstig war. Am 10. Dezember 1928 gingen diese drei Betriebe in die Berliner Verkehrs-AG (BVG) auf.

Literatur

  • Förderverein für das Heimatmuseum Treptow e. V. (Hrsg.): Alt-Treptow in Berlin. 2004
  • Judith Uhlig: Treptow. Band 22 in der Reihe Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke, Stapp Verlag, 1995
  • Dieter Gammrath: Berliner Omnibusse, alba-Verlag Düsseldorf, diverse Ausgaben
  • Frank Pieter Hesse: Die Friedrichshain-Kreuzberger Spree - Stadtraum und Denkmale im Wandel, Landesdenkmalamt Berlin. 2004, Online (pdf-Datei, 1,6 MB)
  • Oldtimer Nutzfahrzeug Lexikon. Motorbuch Verlag 2008 ISBN 978-3-613-02944-6
  • Geschichte des deutschen LKW-Baus. Weltbild Verlag 1994 ISBN 3-89350-811-2
  • H. Büssing: Mensch, Werk, Erbe. Vandenhoeck & Ruprecht-Verlag 1989 ISBN 3-525-13175-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Oldtimer Nutzfahrzeug Lexikon, Seite 12
  2. luise-berlin.de
  3. Oldtimer Nutzfahrzeug Lexikon, Seite 12
  4. Geschichte des deutschen LKW-Baus, Seite 22
  5. H. Büssing: Mensch, Werk, Erbe, Seite 263
  6. Geschichte des deutschen LKW-Baus, Seite 22
  7. H. Büssing: Mensch, Werk, Erbe, Seite 269 + 285,286
  8. Oldtimer Nutzfahrzeug Lexikon, Seite 12
  9. H. Büssing: Mensch, Werk, Erbe, Seite 263
  10. H. Büssing: Mensch, Werk, Erbe, Seite 269
  11. H. Büssing: Mensch, Werk, Erbe, Seite 286

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