Berentzen-Gruppe AG
Berentzen-Gruppe AG
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gründung 1758
Unternehmenssitz Haselünne
Unternehmensleitung

Stefan Blaschak (Vorstandsvorsitzender), Gert Purkert (Vorsitzender des Aufsichtsrats) (seit 18. September 2008)

Mitarbeiter ca. 729 (31. März 2007)[1]
Umsatz ca. 180 Mio. Euro (2006, ohne Branntweinsteuer)[2]
Branche Nahrungs- und Genussmittelindustrie
Produkte

Korn, Wodka, Liköre, Rum, Mineralwasser, Pepsi-Cola, Erfrischungsgetränke

Website

www.berentzen-gruppe.de

Berentzen Brennerei Haselünne

Die Berentzen-Gruppe AG ist ein börsennotiertes mittelständisches Unternehmen mit Hauptsitz in Haselünne. Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit sind Herstellung und Vertrieb von Spirituosen und alkoholfreien Getränken. Die Gruppe beschäftigt über 700 Mitarbeiter (davon rund 400 in Haselünne) an sechs Standorten in Deutschland und Tschechien.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die heutige Berentzen-Gruppe geht auf mehrere Familienunternehmen zurück. Das älteste, die Kornbrennerei „I. B. Berentzen“, wurde 1758 von Ratsherr Johann Bernhard Tobias Berentzen (* 2. April 1718, † 18. Dezember 1798) im emsländischen Haselünne gegründet. Damals gab es bereits 25 weitere „Fuselbrenner“ in Haselünne, wie aus dem Protokoll einer gerichtlichen Visitation des Jahres 1758 hervorgeht. Über 250 Jahre – bis 2008 – sollte die Brennerei Berentzen und später die Berentzen-Gruppe in Familienhand bleiben.

Die markenrechtliche Sicherung des Familiennamens erfolgte schon früh: der Kornbrand „Berentzen vom alten Faß“ wurde 1898 als eine der ersten deutschen Spirituosen als Marke eingetragen. 1958 gelang durch die Gründung der Emsland-Getränke GmbH der Einstieg in den Vertrieb alkoholfreier Getränke. Im Jahr 1960 konnte die Pepsi-Cola-Konzession für Deutschland erworben werden. Heute ist das Tochterunternehmen Vivaris größter deutscher PepsiCo-Konzessionär.

Einen Durchbruch in der Unternehmensgeschichte markierte die Einführung des Apfelkorns im Jahr 1976 durch die Brüder Friedrich und Dr. Hans Berentzen. Erstmals wurde die beliebte Partymischung von Weizenkorn und Apfelsaft als fertiges Produkt angeboten. Berentzen Apfelkorn gilt als erfolgreichste Neueinführung einer Spirituose in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg und wird seit 1979 auch in das Ausland exportiert.

1988 entstand die Berentzen-Gruppe durch Fusion mit der Weinbrennerei Pabst & Richarz und wurde zum zweitgrößten Spirituosenunternehmen Deutschlands. Die Wurzeln von Pabst und Richarz liegen im 19. Jahrhundert: 1861 begann Wilhelm Josef Richarz in Königswinter, Wein zu brennen; 1898 gründete Hermann Pabst in Düsseldorf eine Weinhandlung, der später eine Brennerei folgte. Die beiden Familienunternehmen schlossen sich 1969 zusammen.

1994 wagte die Berentzen-Gruppe als bis dahin einziger deutscher Spirituosenhersteller einen Börsengang. Wenig später kaufte Berentzen die Unternehmen Strothmann (1996) und Dethleffsen (1999). Nach anfänglichen Kurserfolgen büßte die Aktie jedoch gegenüber ihrem Allzeithoch von 1996 (über 35 EUR) bis 2003 (3 EUR) über 90 % ihres Wertes ein. Trotz mehrerer Umstrukturierungen, verschiedener Wechsel an der Unternehmensspitze und einer Übernahme hat sich die Aktie bis April 2009 nicht von diesem Kursrutsch erholen können.

Probleme gab es vor allem im Kerngeschäft Spirituosen. Innerhalb von zehn Jahren schrumpfte der Inlandsumsatz in diesem Bereich – trotz zwischenzeitlicher Zukäufe und dem Erwerb von Lizenzmarken – von über 200 Mio. EUR im Jahr 1996 auf nur noch 104 Mio. EUR im Jahr 2006. Der Konzernumsatz (ohne Branntweinsteuer) betrug im Jahr 2006 180 Mio. EUR. Davon entfielen gut ein Viertel auf alkoholfreie Getränke.

2006 schied Dr. Jan Berentzen aus dem Vorstand aus. Erstmals lag das operative Geschäft nun in den Händen eines familienfremden Managements.[3] 2007 kündigte Berentzen einen Konsolidierungskurs an. Mit dem neuen Claim „So schmeckt Lebensfreude“ und einer umfangreichen Marketingkampagne sollte die Position des Unternehmens auf dem insgesamt rückläufigen Spirituosenmarkt in Deutschland gestärkt werden. Das erste Umsetzungsjahr 2007 schloss mit einem Verlust von 11,8 Millionen Euro ab.

Im Sommer 2008, dem Jahr des 250jährigen Bestehens des Unternehmens, zogen sich die bisherigen Eigentümerfamilien Berentzen, Pabst, Richarz und Wolff aus dem Unternehmen zurück und verkauften etwa 75 % der Stammaktien an eine Tochtergesellschaft des Münchner Finanzinvestors Aurelius AG.[4] Infolge eines Übernahmeangebotes nach WpÜG wechselten bis Ende 2008 weitere Stammaktien und ein Teil der Vorzugsaktien[5] zu Aurelius.

Die neue Geschäftsleitung beschloss Sanierungsmaßnahmen, darunter eine Verschlankung der Verwaltung, die Ausgliederung des Vertriebs und die Verlagerung der Spirituosenherstellung von Haselünne an den Standort Minden. Wegen der damit verbundenen Entlassungen wurde das 250jährige Firmenjubiläum nicht gefeiert. Die Destillerie in Haselünne wurde im März 2009 stillgelegt. Seit April 2009 befinden sich zwei bedeutende Importmarken, der spanische Likör Licor 43 und Linie Aquavit aus Norwegen, nicht mehr im Vertrieb von Berentzen. Die Hersteller hatten die entsprechenden Verträge nach der Übernahme gekündigt. Im Geschäftsjahr 2008 entstand ein Verlust von 22,5 Millionen Euro.

Eigentümer und Beteiligungen

Das Grundkapital von knapp 25 Millionen Euro verteilt sich auf je 4,8 Millionen nennwertlose Stammaktien und ebensoviele Vorzugsaktien. Die Stammaktien und damit alle Stimmrechte wurden bis 2008 von mehreren Eigentümerfamilien gehalten. Seit 3. September 2008 sind etwa 80 % der Stammaktien im Besitz des Finanzinvestors Aurelius AG, der damit das Unternehmen kontrolliert. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien werden an der Börse gehandelt und befinden sich zu etwa drei Vierteln in Streubesitz, darunter Mitarbeiter des Unternehmens und Anleger aus der Region. Viele Anleger erwarben die Aktie früher als „Eintrittskarte“ zu den Hauptversammlungen, die bis 2005 in Festzelten in Haselünne stattfanden und beliebt waren, da die Produkte des Hauses großzügig ausgeschenkt wurden.

Zu den wichtigsten Beteiligungen der Berentzen-Gruppe gehören: Dethleffsen Spirituosen GmbH, Flensburg (100 %); Der Berentzen Hof GmbH, Haselünne (100 %); Zinnaer Klosterspirituosen GmbH, Kloster Zinna (100 %); Doornkaat AG, Norden (100 %); Berentzen Distillers International GmbH, Haselünne (100 %); Berentzen Distillers CR s.r.o., Slapanice u Brna, Tschechien (10 % und weitere 90 % über Berentzen Distillers International GmbH), Berentzen Distillers Slovakia s.r.o., Bratislava, Slowakei (100 %); Pabst & Richarz Vertriebs GmbH, Elsfleth (100 %); Vivaris Getränke GmbH & Co. KG, Haselünne (100 %), Sucra AS, Oslo, Norwegen (27 %).[6]

Produkte und Marken

Insgesamt wurden im Jahr 2006 über 38 Mio. 0,7l-Flaschen Markenspirituosen abgesetzt. Dem stehen fast 55 Mio. Flaschen gegenüber, die als Handels- oder Zweitmarke unter verschiedenen Bezeichnungen in den Handel gingen.

Die bekanntesten und umsatzstärksten Eigenmarken der Gruppe sind Berentzen und Puschkin. Weiterhin stellt Berentzen norddeutsche Klassiker wie Weizenkorn und Bommerlunder her und vertreibt als Importeur internationale Lizenzmarken.

Das Tochterunternehmen Vivaris verzeichnet nach eigenen Angaben 150 Millionen Füllungen alkoholfreier Getränke (z.B. Mineralwasser und Softdrinks).[7]

Die wichtigsten Marken der Berentzen-Gruppe:

Berentzen Fruchtige

Diese Fruchtspirituosen mit Weizenkorn haben einen Alkoholgehalt zwischen 15 und 20 %. Sie werden in schlanken, eckigen Flaschen und verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten, darunter Apfel, Saurer Apfel, Plum (Pflaume), WildKirsch, GrüneBirne, JohannisBeer, HofsKirsch, HerberZwetsch, RoterApfel (seit 2007), Melone. Einige Produkte gibt es auch als Mini-Flasche für unterwegs.

Weitere Spirituosen

Zu den Klassikern von Berentzen gehören der Berentzen Traditionskorn (32 % vol), Berentzen DoppelKorn (38 % vol) und der in Eichenfässern gereifte Berentzen Edelkorn vom alten Faß (38,5 % vol). Unter der Hausmarke werden außerdem Sahneliköre angeboten (Großmutters Vanille Geheimnis und Großmutters Schoko Geheimnis, je 19 % vol, seit April 2008 auch Karamell und Milch-Kaffee mit je 17 % vol).

Weitere Marken der Gruppe sind:

Seit 2005 wird auch der aus den 60er Jahren bekannte Lufthansa Cocktail, ein Orangen-Aprikosenlikör mit 30 % vol, wieder produziert.

Internationale Lizenzmarken

Zu den Lizenzmarken, deren Vertriebsrechte für Deutschland Berentzen besitzt, gehören:

Alkoholfreie Getränke

  • Mineralwässer (Emsland-Quelle, Grüneberg-Quelle, Märkisch Kristall, St. Ansgari)
  • Wellness-Drinks und Sportgetränke der Marke Vivaris
  • Pepsi Cola

Einzelnachweise

  1. Zwischenbericht 2007
  2. Geschäftsbericht 2006
  3. Familienfremder Manager bei Berentzen Handelsblatt vom 23. Oktober 2006 (abgerufen am 22. Oktober 2007)
  4. Pressemitteilung der Berentzen-Gruppe vom 4. September 2008 (aufgerufen am 2. April 2009)
  5. Adhoc-Mitteilung
  6. Geschäftsbericht 2006
  7. www.vivaris.net (abgerufen am 7. September 2007)

Weblinks


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