Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn
Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn
Streckennummer: 110c
Streckenlänge: 13,9 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Legende
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nach Aumühle (Berlin)
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0,0 Hamburg-Bergedorf-Nord
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nach Hamburg Hbf
   
   
nach Hamburg
Bahnhof ohne Personenverkehr
Güterbahnhof Bergedorf
Bahnübergang
Weidenbaumsweg
Brücke über Wasserlauf (groß)
Schleusengraben
Bahnübergang
Vierlandenstraße
Bahnübergang
Neuer Weg
Bahnhof, Station
1,6 Bergedorf-Süd
   
nach Zollenspieker
Bahnübergang
Brookdeich
Brücke über Wasserlauf (klein)
Brookwetter
Bahnübergang
Pollhof
Bahnübergang
Curslacker Heerweg
Bahnhof, Station
3,7 Holtenklinke
Bahnübergang
Speckenweg
   
Landesgrenze Hamburg - Schleswig-Holstein
Bahnhof, Station
6,2 Börnsen
Bahnübergang
Bahnstrasse
Bahnübergang
Am Weidengrund
Bahnübergang
Dröge Wisch
Bahnhof, Station
8,8 Escheburg
Bahnübergang
Radelsweg
Bahnübergang
Niederlande
Bahnübergang
Alte B404
Straßenbrücke
Bundesstrasse B404
Bahnübergang
Feldweg
Bahnübergang
Bauernvogtsweg
Bahnhof, Station
11,4 Besenhorst
   
Anschluss Pulverfabrik bis 1921
Bahnübergang
Schäferstrift
   
von Zollenspieker
Bahnhof, Station
13,0 Düneberg
Bahnübergang
Düneberger Strasse
Bahnübergang
Neuer Krug
   
Anschluss Pulverfabrik
Bahnhof, Station
13,9 Geesthacht
   
Anschluss Geesthachter Hafen
Bahnübergang
Dünenstrasse
Strecke – geradeaus
nach Krümmel
Ehemaliger Bahnhof „Bergedorf-Süd“ (2006)

Die Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn AG (B.G.E.) war eine Eisenbahngesellschaft im Norden Deutschlands, die seit 1907 normalspurige Kleinbahnstrecken betrieb. Im Jahr 1954 entstand durch Fusion die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau der Bahnstrecken

Die Dampflok „Karoline“

Die Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn AG erschloss mit drei normalspurigen Kleinbahnstrecken die Vierlande am rechten Ufer der Elbe im östlichen Teil Hamburgs, wo Blumen-, Obst- und Gemüseanbau vorherrschen. Sie eröffnete am 20. Dezember 1906 zunächst provisorisch eine Verbindung zwischen den Hamburger Stadtteilen Bergedorf und Geesthacht, das bis 1937 auch zu Hamburg gehörte. Der vollständige Personen- und Güterverkehr auf der knapp 14 Kilometer langen Strecke, die teilweise auch über preußisches Gebiet führte, von Bergedorf Staatsbahnhof (heute Bahnhof Hamburg-Bergedorf) über die Stationen Bergedorf Süd, Holtenklinke, Börnsen, Escheburg, Besenhorst und Düneberg nach Geesthacht wurde erst am 1. Mai 1907 aufgenommen.

Am 1. April 1912 kam als zweite Strecke die Vierländer Eisenbahn vom Bahnhof Bergedorf Süd über Curslack-Neuengamme – Kirchwärder Nord (heute: Kirchwerder) nach Zollenspieker mit 11 km Länge hinzu. In Düneberg und in Krümmel bei Geesthacht wurden Gleisanschlüsse zu den dort ansässigen großen Sprengstoff- und Pulverfabriken angelegt, darunter auch eine sechs km lange Bahn (Krümmelbahn) zu dem von Alfred Nobel gegründeten Werk der Dynamit AG in Krümmel, das 1916 angeschlossen wurde. Im Volksmund wurde die Bahnlinie daher auch als „Pulverbahn“ bezeichnet, die in den beiden Weltkriegen beachtliche Mengen von kriegswichtigen Gütern, aber auch von Arbeitskräften zu befördern hatte. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges gingen die Transportleistungen schnell zurück. Um das große Heer der Arbeitslosen zu beschäftigen, ließ die Stadt Hamburg die schon früher geplante Hamburger Marschbahn erbauen und abschnittsweise eröffnen. Den Betrieb führte von Anfang an die BGE. Er begann am 12. Mai 1921 mit der Teilstrecke von Düneberg über AltengammeKrauel nach Fünfhausen. In Zollenspieker Querweg mündete sie in die Vierländer Eisenbahn zum Kopfbahnhof Zollenspieker ein, den sie in Gegenrichtung wieder verließ. 1923 war Ochsenwärder (heute: Ochsenwerder), 1926 Tatenberg und 1927 nach 33 km Fahrt Moorfleth erreicht, wo man an der Station Billwärder-Moorfleth (heute: Billwerder-Moorfleet) in die Vorortzüge der Reichsbahnstrecke Hamburg – Büchen umsteigen konnte.

Die Billwerder Industriebahn

Von Moorfleth bestand seit 1926/27 eine Gleisverbindung über Billbrook zum Bahnhof Tiefstack. Güterzüge gingen von dort in den Verschiebebahnhof Hamburg-Rothenburgsort über. Die ursprüngliche 4 km lange Strecke Tiefstack – Billbrook – Schiffbek-Kirchsteinbek (später: Billstädt, heute: Billstedt) war am 1. August 1907 von der Billwärder Industriebahn in Betrieb genommen worden; seit 17. Dezember 1907 benutzten sie auch die Personenzüge der Südstormarnschen Kreisbahn von Trittau kommend bis Tiefstack. Später endeten auch die Züge der Marschbahn in Billbrook. Die Billwärder Industriebahn ist am 21. Oktober 1921 und die staatliche Hamburger Marschbahn im Jahre 1942 von der BGE übernommen worden. Deren Aktien waren im Laufe der Jahre aus Privatbesitz fast hundertprozentig auf den Staat Hamburg übergegangen.

Die letzten Jahrzehnte

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und im Zweiten Weltkrieg stieg die Produktion in den Fabriken von Krümmel und Düneberg wieder an und der Verkehr auf der BGE nahm kräftig zu. Arbeiterzüge fuhren sogar von Krümmel bis Hamburg Hauptbahnhof durch. Die Deutsche Reichsbahn stellte teilweise dazu Fahrzeuge und Personal. Von der Vierländer Eisenbahn zweigte ein Anschlussgleis bei Curslack in das Konzentrationslager Neuengamme ab, zum Transport der Häftlinge vor allem zum Arbeiten in Hamburg, aber auch zum Transport der im KZ produzierten Güter zu den Auftraggebern, meist Firmen der Hansestadt. Armand Gatti hat in seinem Stück Die zweite Existenz des Lagers Tatenberg jener Bahnstrecke mit ihrem gleichnamigen Bahnhof einen literarischen Namen gegeben, auf der er 1943/44 zum Wohnlager Lindemann auf der Veddel hin- und herfahren musste. Da das Stück tatsächlich im KZ Mauthausen in Österreich nach 1945 spielt, ruft Gatti so das europaweite Universum der Konzentrationslager auf.

Nach der Befreiung 1945 wurden die Sprengstofffabriken geschlossen und demontiert. Hamsterfahrten und Ausflugsverkehr führten zu verstärktem Personenverkehr. Anfang der 1950er Jahre wurden zwei neue Esslinger Triebwagen beschafft, die bis zum Hamburger Hauptbahnhof fuhren. Aber bald nahm der Personenverkehr von Jahr zu Jahr wieder ab. Diesen konnte der Busbetrieb der BGE, der bereits am 15. Mai 1926 eröffnet und ständig erweitert worden war, übernehmen. Seine Linien führten schon vor dem Zweiten Weltkrieg über Bergedorf und Geesthacht hinaus bis nach Lauenburg, ja bis nach Boizenburg in Mecklenburg.

Am 1. März 1952 wurde der Gesamtbetrieb auf der Marschbahn eingestellt, nachdem schon um 1950 zwischen Geesthacht und Krauel kaum noch Verkehr herrschte. Am 17. Mai 1953 endete auch der Personenverkehr auf der Vierländer Eisenbahn, während der Güterverkehr noch bis 1961 bestand. Am 1. September 1953 übernahm die BGE den Restbetrieb der Südstormarnschen Kreisbahn (VKSt) und firmierte ab 7. April 1954 als Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH). Am 26. Oktober 1953 fuhr der letzte Personenzug von Bergedorf nach Geesthacht. Die Gleise der Marschbahn und der Vierländer Bahn sind komplett abgebaut worden; auf der Geesthachter Strecke ist ein bescheidener Güterverkehr geblieben, der seit dem 1. Januar 1956 von der AKN geführt wird. Seit 1976 betreibt die in Geesthacht ansässige Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn einen Museumsdampfzugbetrieb, unter anderem mit originalen BGE-Waggons, auf dieser Strecke.

Laufweg

  • BGE: Bergedorf (Kleinbahnhof) – Bergedorf Süd – Holtenklinke – Börnsen – Escheburg – Besenhorst – Düneberg-West (wurde um 1918 an den Zufahrtsgleisen zur Sprengstofffabrik errichtet) – Düneberg – Geesthacht
  • Vierländer Bahn: Bergedorf – Curslack-Neuengamme (ab 1942 Zweiggleis ins KZ Neuengamme hinein) – Zollenspieker
  • Hamburger Marschbahn: Billwerder-Moorfleet – Zollenspieker – Krauel – Geesthacht (auch "Marschlandbahn" genannt)
  • Krümmelbahn: Geesthacht – Fährstraße (Bedarfshaltepunkt um 1944) – Freizeitbad – Energiepark – Krümmel

Literatur

  • Stefan Meyer: 100 Jahre Eisenbahn zwischen Bergedorf und Geesthacht. Von der BGE zur AKN-Güterbahn. Lokrundschau Verlag, Gülzow 2006, ISBN 3-931647-21-8.
  • Jürgen Opravil: Die Bergedorf Geesthachter-Eisenbahn. Kurt Viebranz-Verlag, Schwarzenbek 1978, ISBN 3-921595-01-0.
  • Rolf Wobbe: Chronik der Vierländer Eisenbahn. Walter Flügge, Geesthacht 1984, ISBN 3-923952-03-1.

Weblinks


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