Bergedorfer Gesprächskreis

Die Körber-Stiftung ist eine nach dem Unternehmer Kurt A. Körber benannte Stiftung. Sie wurde im Jahr 1959 als Kurt-A.-Körber-Stiftung gegründet und 1981 mit der 1969 gegründeten Hauni-Stiftung vereinigt. Die Stiftung ist heute Eigentümerin der Körber AG.

Inhaltsverzeichnis

Zielsetzung

Die Körber-Stiftung will mit ihren Projekten „Menschen verschiedener politischer, sozialer und kultureller Herkunft zusammenführen. Wir wollen ihnen Impulse zur individuellen Urteilsbildung geben und ihr Mitwirken an gesellschaftlicher Gestaltung fördern. Dafür bieten wir mit unseren Wettbewerben, Preisverleihungen, Gesprächskreisen, Podiumsdiskussionen und Symposien vielfältige Foren zur Erprobung und Präsentation neuer Ideen.“ [1]

Das Ziel der politisch und wirtschaftlich unabhängigen Körber-Stiftung ist es, zur Verständigung in der internationalen Politik beizutragen. In vertraulichen Konferenzen und Hintergrundgesprächen sollen neue Ideen entwickelt werden und vor allem in Zeiten politischer Konflikte ein offener Dialog zwischen außenpolitischen Entscheidungsträgern ermöglicht werden. Im Mittelpunkt stehen Fragen europäischer Außenpolitik im Mittleren Osten, in Osteuropa und der GUS.

Die Stiftung verfolgt ihre Zielsetzung innerhalb von vier Formaten:

  • dem Bergedorfer Gesprächskreis,
  • dem Körber Dialogue Middle East
  • den Politischen Frühstücken und
  • dem Körber-Netzwerk Außenpolitik.

Das Stiftungsvermögen beträgt rund 516 Millionen Euro. Die Körber-Stiftung hält 100% des Grundkapitals in Höhe von nominell 170 Millionen Euro der Körber AG. Im Jahr 2006 wurden rund 14,9 Millionen Euro für die Tätigkeit der Stiftung eingesetzt.

Gremien

Die Körber-Stiftung verfügt über einen Vorstand, einen Stiftungsrat und ein Kuratorium. Vorsitzender des für die operative Arbeit zuständigen dreiköpfigen Vorstands ist Christian Wriedt. Der sechsköpfige Stiftungsrat unter Vorsitz von Ulrich Voswinckel hat die Aufgabe, die Tätigkeit des Vorstandes zu überwachen, während das sechsköpfige Kuratorium unter Vorsitz von Eberhard Reuther für die Vermögensverwaltung der Stiftung zuständig ist.

Die CDU-Politikerin Dagmar Schipanski legte im Juli 2005 ihr Mandat im Stiftungsrat nieder, nachdem öffentlich kritisiert wurde, dass ihre Tätigkeit für eine Stiftung, die unter anderem durch Herstellung von Produktionsmaschinen für Zigaretten finanziert wird, schwerlich mit ihrem Amt als Präsidentin der Deutschen Krebshilfe vereinbar sei.[2]

Der Bergedorfer Gesprächskreis

Der Bergedorfer Gesprächskreis wurde 1961 gegründet und ist eine internationale Konferenzreihe der Körber-Stiftung. Er hat seither den internationalen Dialog zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gefördert und richtet sich heute auf den Dialog von Entscheidungsträgern, Diplomaten und Experten in den internationalen Beziehungen.

Eine Gruppe internationaler Politiker, Experten, Unternehmensvertreter und Publizisten trifft sich dreimal jährlich an wechselnden Orten, um über Fragen der internationalen Politik zu sprechen. Bei dem zweitägigen Treffen dieses Gesprächskreises nehmen etwa 30 Teilnehmern unter dem Vorsitz von Richard von Weizsäcker teil.

Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, an vertraulichen Diskussionen teilzunehmen, die über die tagespolitischen Zwänge hinausgehen. Bis heute haben mehr als 2000 Politiker und Experten – und ihnen Papst Johannes Paul II., Vladimir Putin, Helmut Kohl und Helmut Schmidt – an mindestens einem von 139 Bergedorfer Gesprächskreisen teilgenommen.

Mit Ausnahme von kurzen Einführungsstatements, die dazu dienen, die Diskussion anzustoßen, intervenieren die Teilnehmer spontan und geben keine vorbereiteten Erklärungen ab. Die Konferenz findet an Orten statt, wo das Thema der Diskussion unmittelbar greifbar ist. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, anderen Mitgliedstaaten der EU, aus den USA und aus den Ländern der jeweils betroffenen Region. Im Anschluss an die Konferenz erhalten die Teilnehmer und eine Reihe ausgewählter außenpolitischer Entscheidungsträger eine Kurzzusammenfassung. Jeder Bergedorfer Gesprächskreis wird als Protokoll auf deutsch und englisch veröffentlicht. Um die Vertraulichkeit zu garantieren, redigieren die Teilnehmer ihre Beiträge vor der Veröffentlichung.

Der Körber Dialogue Middle East

Dreimal im Jahr bietet der Körber Dialogue Middle East eine Plattform für multilaterale Diskussionen über einzelne Fragen zur Außen- und Sicherheitspolitik im Mittleren Osten. Etwa zehn außenpolitische Experten aus der EU, den USA und dem Mittleren Osten diskutieren in vertraulicher und informeller Atmosphäre und artikulieren Politikempfehlungen. Die Konferenz findet entweder in Istanbul oder in Berlin statt.

Die Politischen Frühstücke

Politische Frühstücke sind hochrangige und vertrauliche Hintergrundgespräche, die den außenpolitischen Diskurs in der deutschen Hauptstadt fördern sollen. Unter den Referenten sind Präsidenten, Außenminister und andere hochrangige Politiker aus dem Ausland, welche die Möglichkeit haben, mit einer kleinen Gruppe von außenpolitischen Entscheidungsträgern aus dem Bundestag, dem Auswärtigen Amt, dem Bundeskanzleramt, dem Verteidigungsministerium, anderen Behörden und ausgewählten Think Tanks zu diskutieren.

Das Körber-Netzwerk Außenpolitik

Seit 2005 bringt das Körber-Netzwerk Außenpolitik regelmäßig eine Gruppe junger Außenpolitiker aus dem Bundestag, dem Bundeskanzleramt, dem Auswärtigen Amt, dem Verteidigungsministerium und ausgewählter ausländischer Botschaften in Berlin zusammen. Die Mitglieder des Netzwerks, die auf der Basis von persönlichen Empfehlungen eingeladen werden, beschäftigen sich mit Herausforderungen der europäischen Außenpolitik. Einmal im Monat diskutieren sie in vertraulichen Gesprächen mit Außenpolitikern und außenpolitischen Beratern im Rahmen eines Abendessens im Hauptstadtbüro der Körber-Stiftung.

Einmal im Jahr unternimmt die Gruppe einen Field Trip, um eigene Erfahrung an Brennpunkten internationaler Politik zu sammeln. Die Teilnehmer treffen auf diesen Reisen Vertreter von Regierungen und von internationalen Organisationen und Mitarbeiter von UN-Einsätzen und großen Wirtschaftsprojekten. 2005 besuchte das Körber-Netzwerk Außenpolitik Kosovo und Belgrad, 2006 Georgien (einschließlich Abchasien) und 2007 den Iran.

Körber-Preis

Der mit 750.000 € dotierte Körber-Preis fördert über nationale Grenzen hinaus die Zusammenarbeit europäischer Wissenschaftler. Ausgezeichnet werden gemeinsame Forschungsarbeiten auf den Gebieten Naturwissenschaft, Medizin und Technik. Der transatlantischen Ideenwettbewerb „USable“ ist mit 150.000 Euro dotiert und wird für Vorschläge zur Umsetzung amerikanischer Ideen in Deutschland vergeben.

Boy-Gobert-Preis

Mit dem Boy-Gobert-Preis zeichnet die Stiftung jährlich „herausragende schauspielerische Leistungen“ von Nachwuchsschauspielern aus.

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Mit dem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten versucht die Körber-Stiftung seit 1973 bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, sowie Selbstständigkeit zu fördern und das Verantwortungsbewusstsein zu stärken.

Quellen

  1. http://www.koerber-stiftung.de/allgemeines/index.html
  2. Schipanski raucht nicht. Präsidentin der Krebshilfe verlässt Körber-Stiftung. die tageszeitung Hamburg, 29. Juli 2005, S. 22

Weblinks


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