Bergera koenigii
Currybaum

Currybaum (Bergera koenigii)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Rautengewächse (Rutaceae)
Gattung: Bergera
Art: Currybaum
Wissenschaftlicher Name
Bergera koenigii
L.
Frisches gefiedertes Curryblatt.
Blütenstand.

Der Currybaum (Bergera koenigii, Syn.: Murraya koenigii) ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) gehört. Die Curryblätter genannten Blätter dieser in Asien beheimateten Art werden als Gewürz verwendet. Sie werden vor allem in der srilankanischen und südindischen Küche in großem Umfang in vegetarischen Gerichten verwendet. Bei uns käufliche Currypulver sind nicht aus Curryblättern hergestellt.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Bergera koenigii ist im tropischen bis subtropischen Asien beheimatet, insbesondere auf dem gesamten indischen Subkontinent bis an die Ausläufer des Himalaya und in Sri Lanka. Ihr Verbreitungsgebiet reicht mittlerweile von Nepal, Kambodscha, Laos Myanmar, Thailand, Vietnam bis nach China. [1] Bergera koenigii wächst in Höhenlagen bis 1500 Meter. In Indien wird es vor allem privat angepflanzt, in geringem Umfang jedoch auch kommerziell kultiviert. [2]

Beschreibung

Bergera koenigii wächst als Baum oder Strauch [3]und erreicht Wuchshöhen von 4 bis 6 m. Die Krone bis 4 m breit. Der Stamm hat eine dunkelgraue Rinde und erreicht Durchmesser von 40 cm.[4] Die dunkelgrünen Blätter sind unpaarig gefiedert mit 11 bis 31 Fiederblättchen. Das Hauptmerkmal der Fiederblättchen ist der schief angesetzte Spreitengrund; sie sind eiförmig, 2 bis 5 cm lang und 0,5 bis 2 cm breit. Der Blattrand ist glatt bis gekerbt. [3]

Viele Blüten stehen in endständigen, rispigen Blütenständen zusammen. Die kleinen duftenden Blüten sind fünfzählig. Die fünf eiförmigen Kelchblätter sind kleiner als 1 mm. Die fünf weißen Blütenkronblätter sind 5 bis 7 mm groß. Es sind zwei Kreise mit je fünf Staubblättern vorhanden. Die Narbe ist kopfig. [3]

Die kleinen, glänzenden, schwarz-violetten Früchte sind 1 bis 1,5 cm groß, süß und essbar. Sie enthalten jedoch einen oder zwei giftige Samen, die von Vögeln verbreitet werden.[5]

Systematik

Diese Art wird seit 2006 der Gattung Bergera zugeordnet. Vorher rechnete man es zur Gattung Orangenrauten (Murraya). Unter dem Namen Murraya koenigii (L.) Spreng. findet es sich nach wie vor in der meisten Literatur. Ein weiteres Synonym ist Chalcas koenigii (L.) Kurz. [6]

Junge Bäume von Bergera koenigii.

Verwendung

Verwendung in der Küche

Das Aroma der Curryblätter ist frisch, leicht fruchtig bis rauchig. Sie sind in der vegetarischen südindischen und sri-lankischen Küche äußerst beliebt. Da die Blätter sehr dünn sind, brauchen sie nicht aus dem fertigen Gericht entfernt zu werden, sondern werden mitgegessen. Aufgrund ihres sehr vollen, runden und gleichzeitig dominanten Aromas, werden sie in vielen Speisen als einziges Gewürz (neben Salz und Chili) verwendet. Meistens brät man sie zuerst in heißem Öl oder Ghee (Butterreinfett) in einer Pfanne, bevor man die übrigen Zutaten hinzugibt. Gewürfelter, gebratener Panir (indischer Käse) ist so ohne weitere Gewürze äußerst schmackhaft. In vielen anderen Gerichten werden Curryblätter mit Kokos und Tamarinde kombiniert. Beliebte Gewürzkombinationen sind zum Beispiel Curryblätter mit Chili und schwarzen Senfsamen für Dal (Linsengerichte) oder Curryblätter mit fein geriebenem Kokosfleisch, Tamarinde und Chili für Reisgerichte. In Indien kann man Curryblatt-Pulver (nicht zu verwechseln mit westlichem Currypulver) fertig kaufen. Hierbei handelt es sich um ein Würzpulver aus in Fett gebratenen, zerstoßenen Curryblättern, das zur Bereicherung von Reisgerichten, Parathas (gefüllten Fladenbroten) und Vielem mehr verwendet wird. Sein Aroma ist jedoch weniger intensiv als das der frischen Blätter.
Curryblätter können auch als Tee aufgegossen werden.

Medizinische Verwendung

Im Ayurveda, der traditionellen indischen Naturmedizin, finden die Blätter, die Rinde, die Wurzel und die Früchte des Currybaumes, also alle Pflanzenteile außer den giftigen Samen, Verwendung. Das Anwendungsspektrum ist dabei groß:

  • Magendarmtrakt: Gegen Durchfall oder Blähungen soll man mehrmals täglich ein Blatt (Fiedern mit Stängel) zermahlen und in Buttermilch trinken. Gegen Magenverstimmungen und Verdauungsstörungen werden Curryblätter mit Ingwer zerstoßen und mit Kaliumchlorid unter Reis gemischt.
  • Haare: Gegen vorzeitiges Ergrauen wird die gleiche Mischung auf die Haare aufgetragen, zusätzlich zu einem reichlichen Verzehr von Curryblättern. In Kokosöl gekochte Blätter werden als Haarwuchsmittel verwendet.
  • Ekzeme: Ein Aufguss aus zerstoßenen Curryblättern und Gelbwurzel soll auf die Haut aufgetragen gegen Ekzeme wirken.[7]
  • Diabetes: Zur Vorbeugung gegen erbliche Diabetes und zur Behandlung von Diabetes aufgrund Fettleibigkeit sollen morgens drei Monate lang zehn Curryblätter gegessen werden.
  • Nierenleiden: Gegen Nierenkrankheiten wird aus den Wurzeln ein Saft hergestellt.
  • Augenkrankheiten: Für strahlende Augen und zur Vorbeugung gegen grauen Star wird frischer Curryblattsaft in die Augen getropft.
  • Insektenstiche: Gegen Insektenstiche wird der Saft der reifen, violetten Currybaum-Beeren mit Zitronensaft gemischt und äußerlich angewendet.[8]

Diese traditionellen Anwendungsformen werden heute in modernen Labors auf ihre kommerzielle Verwertbarkeit hin untersucht. Dabei zeigt sich, dass der Currybaum einige medizinisch wirksame Substanzen enthält. Versuche an Laborratten haben nachgewiesen, dass ein wässriger Extrakt der Curryblätter tatsächlich den Blutzuckerspiegel senkt und somit zur Begleitbehandlung von Diabetes mellitus geeignet ist.[9] [10]

In der Rinde des Baumstammes wurden antimikrobiell wirkende Alkaloide gefunden. [11]

Sonstige Verwendung

Das ätherische Öl der Blätter dient zur Parfümierung von Seife.[2]

Das Holz wird gelegentlich zur Holzschnitzerei verwendet. [12]

Namensgebung

Der Name Curryblatt ist vom Englischen curry leaf ins Deutsche übernommen worden. In vielen dravidischen Sprachen Südindiens beginnt der Name des Curryblattes mit Kari, was ähnlich wie das englische Wort curry gesprochen wird, jedoch eine andere Bedeutung hat:

  • Kannada: „dunkler Niem“ = Karibevu (ಕರಿ ಬೇವು )
  • Malayalam: "„schwarzer Niem“ = Kariveppila, Kariveppu (കറിവേപ്പില, കറിവേപ്പ്, കരിവേപ്പില)
  • Tamil: Kari Vempu, Kariveppilai (கறி வேம்பு, கறிவேப்பிலை)
  • Telugu: Karivepaku – In diesen Namen zeigt sich die Ähnlichkeit der Curryblätter mit denen des Niembaumes (Azadirachta indica). Letztere sind ebenfalls gefiedert, allerdings deutlich größer und von hellerem Grün. Auch sind die Früchte des Niem nicht schwarz und süß, sondern gelb und bitter.

Im nordindischen Sprachraum finden sich in den Namen für das Curryblatt ebenfalls Verweise auf den Niem:

  • Sanskrit: „süßlich duftender Niem“ = Surabhinimba oder „Berg-Neem“ = girinimba (गिरिनिंब)
  • Hindi: „süßer Niem“ = Mitha Nim (मीठा नीम)[13][2]

Das Artepipethon koenigii ehrt den deutschstämmigen Botaniker Johann Gerhard König (1728–1785), einen Schüler Linnés, der die letzten 12 Jahre seines Lebens als Naturforscher und Missionsarzt in Südostindien verbrachte, im heutigen Bundesstaat Tamil Nadu.

Aufbewahrung

Curryblätter sollten möglichst frisch verwendet werden. An der Luft getrocknet verlieren sie in kürzester Zeit ihr Aroma. In Indien stehen die Bäume daher meist in der Nähe der Häuser, so dass sich mehrere Familien schnell bedienen können. Hierzulande kann man frische Curryblätter in indischen Supermärkten bekommen, die in einigen Großstädten zu finden sind. Zur Aufbewahrung eignet sich der Kühlschrank nur für wenige Tage, Einfrieren ist auf jeden Fall vorzuziehen. Luftdicht verpackt hält sich das Aroma im Gefrierschrank für einige Wochen, wobei die Blattfiedern nicht vom Stängel abgetrennt werden sollten. Eine weitere Möglichkeit zur Haltbarmachung ist die Herstellung eines Curryblatt-Pulvers, bei dem das Aroma der Blätter in Öl gebunden wird. Dafür werden die sehr frischen Blätter in Öl gebraten bis sie so trocken sind, dass sie knistern, dann im Mörser mit Salz und evtl. anderen Gewürzen zerstoßen. In einem luftdichten Behälter bleibt das Aroma im Kühlschrank einige Wochen erhalten.

Curryblatt als Zimmerpflanze

Bergera koenigii ist in ihren Temperaturansprüchen recht variabel. In Deutschland lässt sie sich als Zimmerpflanze ziehen und bleibt dann deutlich kleiner als am Naturstandort. Sie sollte jedoch nicht zu feucht gehalten werden. [14] Auch ein Wintergarten eignet sich sehr gut. Die Pflanze verträgt sogar kurzfristig leichte Fröste und verliert dann die Blätter. So wird sie in Südkalifornien erfolgreich im Freiland kultiviert, solange sie in der kälteren Periode nicht gegossen wird. [15] Auch in Großbritannien wird sie stellenweise im Freiland gezogen, wobei ein Fleece als Winterschutz notwendig ist.[4]

Einen sonnigen bis halbschattigen Standort und ein gut drainiertes, nährstoffreiches und lehmig-humoses Substrat mag die Pflanze am liebsten.[16]

Quellen

Einzelnachweise

  1. GRIN = Taxonomy for Plants.
  2. a b c Indianspices, Indien.
  3. a b c Dianxiang Zhang & Thomas G. Hartley: Murraya in der Flora of China, Volume 11, S. 87: Murraya koenigii (L.) Sprengel - Online.
  4. a b Wyevale Garden Centers, UK
  5. Dave's Garden, USA.
  6. Mehrsprachige Pflanzennamen-Datenbank der University of Melbourne, Australien.
  7. Ayurvedam Online, Kerala, Indien.
  8. Divine Remedies, Ayurveda-Produkte, USA.
  9. Untersuchung der Medizinischen Universität Allahabad, Indien, 2004.
  10. Untersuchung der University of Madras, Indien, 2006.
  11. Untersuchung der University of Strathclyde, Glasgow, UK, 2004.
  12. Holz-Elefant aus Sri Lanka in der Sammlung Kew Gardens, London, UK.
  13. Medizinische Pflanzen Indiens, Bangalore, Indien
  14. Rühlemann's Kräuter und Duftpflanzen, BRD
  15. Tradewindsfruit, Samenhandel, USA
  16. Flora Mediterranea - Versandgärtnerei, BRD.

Weblinks


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