Bergkessel
Karwendelhauptkette von Süden mit eingelagerten Karen

Ein Kar, auch Kahr, Kaar (vom althochdeutschen char „Trog, Krug“) ist eine kesselförmige, amphitheaterähnliche Eintiefung an einem Berghang mit flachem Boden und steilen Rückwänden. Talwärts wird es häufig durch einen Karriegel (Karschwelle) abgeschlossen, in denen sich auch ein Karsee bildet.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsklärung Kar – Karre

Kare werden häufig mit Karren verwechselt, obwohl es einen großen Unterschied gibt: Kare entstehen durch glaziale Erosionen, Karren (längliche Rinnen als Karsterscheinungen) entstehen nur bei der chemischen Verwitterung von Kalk (in Kalkgebirgen). Deshalb kommen Karren nur in Gebieten mit löslichen Gesteinen und Kare in allen Gebirgen vor, die früher vergletschert waren oder noch vergletschert sind.

Bildung

Schnitt durch einen Kargletscher

Kare sind wie die Trogtäler eine von Gletschern geschaffene Ausräumungsform, aber mit weitaus kleinerem Maßstab. Offen liegen sie heute meist in den höheren Teilen eines Gebirges, in den Waldzonen sind sie durch Aufschüttungen wenig erkennbar. In Mittelgebirgen (z. B. Nordschwarzwald) sind sie meist nord- bis ostwärts ausgerichtet.

Neben der eigentlichen Karmulde umfasst der Begriff auch die umliegenden Hänge, sowie die in den Kessel hineinlaufenden Schuttfüße, die sich in ihrem unteren Teil zu einer gemeinsamen Schuttfläche vereinen. Hier liegt das Material dann meist recht stabil und es bildet sich Schuttboden (Syrosem) mit guten Bewuchs.

Karseen

Blaue Lacke, Stubaier Alpen – typischer Karsee als Gletscherendsee durch Moräne versperrt, in einem älteren, ausgebrochenen Karboden

Kare liegen oft dicht bei Quellhorizonten. Weil der Boden der Kare beckenartig flach oder eingetieft ist, werden durch den Karriegel häufig kleine Seen angestaut. Diese durchbrachen in vielen Fällen in einem schmalen, schluchtartig gestalteten Ausgang den Riegel. Durch Verschlammung bilden sich Karseen auch in Kalkgebieten, oft auch durch unterirdische Gerinne aus den Schutthalden gespeist.

Almbesiedlung

Im Karkessel bildet sich ebener Weidegrund und gibt – zusammen mit dem sicheren Wasser – ausgezeichnete Almen ab, auch im Kalkkarst.

Namenskunde

Kar ist wohl verwandt zu ahd. char „Gefäß, Geschirr“. Es ist im bayrisch-tirolischen Bereich auch als Kår, Diminutiv Karl häufig, etwa namensgebend beim Karwendel. Das Wort steht dann tirolerisch dann auch für „Umgebung der Almhütte“, aber auch „Bergscheitel“, gegen Osten dann allgemein für „alpiner Talkessel“, in Kärnten allgemein für „Weidegrund“ oder sogar „Jagdrevier“ (Koralpe).[1] Verwandtschaft dürfte zum slowenischen Wort Kras, kroatisch Krš „dünner Boden“ bestehen, von dem sich das Wort Karst ableitet, aber auch mit „Sumpf“, schottisch kair, isländisch ker, dänisch kär, kjär, norwegisch kjerr, schwedisch kärr. Trotzdem mischt sich die Bedeutung mit einer frühen gesamteuropäischen Wurzel car, allgemein Fels[1], auf das der Bezug auf Schutthänge, wie auch das erwähnte Karre zurückgeht, siehe hierzu „Fels“.

In Schottland und Irland findet sich das verwandte corries als Name, in Wales „cwms“ («kuhms»). In Schweden werden sie botn (Mehrzahl botner, verwandt zu Bottich,„ Gefäß“) genannt.
In den Pyrenäen oules („Zirkustäler“), im Norden Englands coombs, , in der Hohen Tatra heißen die Karseen (Bergseen) slowakisch pleso, bzw. plesa (Pl.), polnisch oko oder staw, bzw. stawy (Pl.).

Beispiele

Blick auf Huzenbacher See, einem Karsee, von der Karwand im Nordschwarzwald

Ein bekanntes Kar ist beispielsweise das Hochkar (1.808 m) in Niederösterreich.

Zahlreiche Kare sind im Karwendelgebirge anzutreffen, insbesondere auf der Südseite der großen Ketten finden sich zwischen ausgeprägten Seitengraten ausgedehnte Kare. Die meisten Gipfelnamen leiten sich von dem darunterliegenden Kar ab: Birkkarspitze, Ödkarspitze, Seekarspitze, Moserkarspitze, Vogelkarspitze und viele mehr.

Eine große Kardichte gibt es im Nordschwarzwald, davon weisen mehrere Kare noch Wasserflächen auf. Der bekannteste Karsee im Nordschwarzwald ist der Mummelsee, im Südschwarzwald der Feldsee oder die Karerseen in Südtirol.

Literatur

  • Fritz Fezer: Eiszeitliche Erscheinungen im nördlichen Schwarzwald. Bundesanstalt für Landeskunde Bd. 87. 1957

Weblinks

  1. a b Eintrag KAR, n. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854-1960 (germazope.uni-trier.de)

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