Bergwanderung
Wegweiser für Bergwanderwege in der Schweiz

Das Bergwandern ist die Wanderung in bergigem Gelände. Entscheidender Faktor ist in Abgrenzung zum Wandern nicht die Entfernung in Kilometern, sondern der zu überwindende Höhenunterschied (in Höhenmetern) multipliziert mit der Kilometerzahl. Beim Bergwandern wird im Gegensatz zum Bergsteigen komplett auf eine Partnersicherung verzichtet. Jeder Bergwanderer muss das Gelände allein beherrschen.

Inhaltsverzeichnis

Arten von Bergwandertouren

  • Bergwandern im engeren Sinn bezieht sich auf das Begehen von Bergwegen
    • Bergwandern wird zur Gratwanderung, wenn sie in größerer Höhe ohne starke Höhenunterschiede verläuft und das Gelände auf beiden Seiten abfällt.
    • Von Überquerung oder Übergang spricht man, wenn ein Bergsattel oder Gebirgspass zu übersteigen ist und der Weg meist von einer Schutzhütte zur nächsten führt oder von einem Tal zum nächsten Tal über einen Saumpfad.
  • Alpinwandern findet meist weglos auf Alpinen Routen in schwierigem Gehgelände statt und ist von den Anforderungen an den Einzelnen höher als eine leichte Hochtour einzustufen. Früher wurde der Alpinwanderer zur Unterscheidung vom Bergsteiger als Berggänger bezeichnet.

Regeln am Berg

Bergwandern, starker Höhenunterschied
  • Sandalen und Halbschuhe sind im Gebirge schlechtes Schuhwerk, am besten geeignet sind knöchelhohe Bergwanderstiefel mit rutschfesten Sohlen.
  • Mindestens zu zweit unterwegs sein und ein Handy mitführen. Bergnotruf gleich Euronotruf mit Ausnahme von Österreich: dort 140. (Berg-)Wanderführer verfügen zusätzlich über Funkgerät.
  • Ausrüstung: witterungsgerechte Bekleidung (Zwiebel-Prinzip), Bergschuhe, Handy und Verbandszeug, Trinkflasche (mind. ein Liter Fassungsvermögen), Notproviant und Traubenzucker, Teleskop-Wanderstöcke von Vorteil.
  • Auf das Wetter achten, im Gebirge kann es sich extrem und schnell ändern; bei Gewitter ist das Laufen von Klettersteigen lebensgefährlich, auch eine plötzliche Sichtbehinderung von Schlechtwetter bzw. ein Kälteeinbruch kann ernsthafte Folgen haben. Wird man von einem Gewitter im Gebirge überrascht, wenn möglich Schutzhütte (teils bewirtschaftet als Alm/Alpe) aufsuchen. Ansonsten auf den Boden in gehockter Stellung kauern. Beide Beine zusammen, Arme am Körper. Von metallführenden Gegenständen trennen.
  • Bergauf hat man Vorrang in schmalem Gelände vor dem Verkehr bergab.
  • Die Geschwindigkeit richtet sich immer nach dem Langsamsten, wobei regelmäßig Verschnaufpausen einzulegen sind. Diese sind auch für ausreichendes Trinken zu benützen, da die Gefahr des innerlichen Austrocknens - einer sog. Dehydrierung - droht.
  • Bergab sollte man kleine Schritte setzen, um die Gefahr eines Abrutschens zu minimieren. Kommt man jedoch ins Rutschen, immer versuchen mit dem Körper zum Hang zu drehen. Aufgeschürfte Hände oder Beine sind der geringerere Schaden als gebrochene Rippen / Extremitäten.
  • Überschätzen am Berg kann gefährlich werden. Es ist keine Schande umzukehren, wenn man merkt, dass man den Anforderungen nicht gewachsen ist oder aufkommende Müdigkeit wahrnimmt. Abwägen, welcher Weg weiter ist, kann von Vorteil sein. Bei aufziehendem Schlechtwetter ggf. auch umkehren.
  • Nasses Holz stellt eine Unfallgefahr dar, auch nasses Gras an steilen Hängen. Vorsichtiges Gehen ist indiziert. Nach längeren Regenfällen sind die Almen/Matten oft sehr nass und rutschig aufgrund Matsch. Auch Hochmoore gibt es. Hier sind Wanderstöcke gute Hilfe.
  • Tourismusbüros vor Ort halten immer Merkblätter bereit, deren Anweisungen man befolgen sollte.

Alpines Notsignal

Das Alpine Notsignal wird alpenweit einheitlich wie folgt gegeben: sechs Signale pro Minute, gefolgt von einer Minute Pause. Wiederholen, bis Bestätigung gegeben wird: drei Signale pro Minute, gefolgt von einer Minute Pause. Signale können optisch (Lampe, Spiegel ...) oder akustisch (Rufen ...) gegeben werden.

Alpinunfälle

2005 gab es in Österreich 416 Tote bei Alpinunfällen, im gleichen Jahr beklagte man 764 Verkehrstote. In Tirol standen sich 179 Alpintote und 57 Verkehrstote gegenüber. Bezogen auf Österreich ereigneten sich die meisten tödlichen Unfälle beim Bergwandern (130), dann folgte Klettern (36), Hochtourenbergsteigen (29). Nach einer schweizerischen Studie kommt auf 7.143 Wanderstunden ein Unfall. So gesehen ist von gängigen Freizeitsportarten nur das Schwimmen sicherer, während das Verletzungsrisiko beim Wintersport das des Wanderns 7,5-fach übersteigt (Fußballspielen 18-fach). Ursache tödlicher Alpinunfälle sind in 64% Stolpern, Ausrutschen und Absturz, in 21% Erschöpfung und Überlastung, die restlichen 15% verteilen sich auf Orientierungsverlust, Versteigen, Stein- und Blitzschlag, Hitze- oder Kälteschäden oder Lawinen. [1]

Betreiber alpiner Schutzhütten

Markierung

In vielen Gebieten sind die Bergwanderwege ja nach Schwierigkeitsgrad farblich unterschiedlich markiert, um die Wanderer nicht auf Wege zu führen, die für sie zu schwierig und damit gefährlich sind. So werden in den Alpen häufig die Farben Gelb (Familienwanderwege), Rot (Bergwanderwege) und Blau (Alpine Routen sowie Alpinsteige) verwendet.

Siehe auch: Wegmarkierung

Literatur

Siehe auch

SAC-Wanderskala

Einzelnachweise

  1. Abgewandelt zitiert nach „Alpen tödlicher als Straßenverkehr“, Medical Tribune, 12. Januar 2007, S. 12

Weblinks


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