Bergweide
Plattkofel über der Seiseralm in Südtirol

Eine Alm (bairisch-österreichisch), Alp, Alpe oder Alb (alemannisch), bezeichnete das Sömmerungsgebiet, die während der Sommermonate benutzten Bergweiden, Wirtschaftsgebäude und sonstige Infrastruktur mit eingeschlossen, als Flurform. Daneben bezeichnet bair. Alm, alemann. Matte die zum Weiden und Heuen genutzten Bergweiden und -wiesen als Vegetationsgesellschaft (Subalpiner Rasen).

Im weiteren Sinne bezeichnet Almwirtschaft oder Alpbetrieb sowohl die Sennerei (auch Senntum, alpine Milchwirtschaft), Bergweidewirtschaft (die sommerliche Viehwirtschaft, Sennwirtschaft beim Rind und Transhumanz von Pferd, Ziege, Schaf), wie auch Acker- und Feldbau der Bergräume (Berglandwirtschaft als Ganzes).

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft

Kuh auf der Täschalpe im Wallis

Der Ausdruck Alm ist die verschliffene Form von Alben, dem ursprünglichen Dativ Singular des Wortes Alb(e)/Alp(e), das im Nominativ noch in den alemannischen Dialekten weiterlebt.

Alp(e) wiederum ist dasselbe Wort wie der Name der Alpen: Dieser vorrömische Begriff bezeichnete ursprünglich wohl einen „(hohen) Berg“ und dann insbesondere die für die Landwirtschaft treibende Bevölkerung der Alpentäler wichtige „Bergweide“. Dagegen sind die früher oft angenommenen Verknüpfungen mit dem indogermanischen Adjektiv *albhos „weiß“ als falsch zu beurteilen.[1]

In Bayern (ausgenommen Allgäu) und Österreich (ausgenommen Vorarlberg) ist ‚Alp‘ nicht gebräuchlich, dort wird ‚Alm‘ benutzt. Davon abgeleitet sind die geographischen Bezeichnungen von Fluren, Tälern, Pässen und Gebirgen (meist im Plural). Im Südostalpenraum findet sich ‚Alm‘ nicht mehr in der Regionalsprache, dort steht Schwaig, (von mittelhochdeutsch sweige, „Sennerei“) für den milchverarbeitenden Almbetrieb (Schwaighof, bzw. dessen Melkalm).

Wird Alm mit Allmende in Beziehung gebracht, bezieht sich das auf eine regional verbreitete gemeinschaftliche Bewirtschaftungsform, etymologischer Zusammenhang besteht keiner.

Geschichte

Die Einrichtung von Almen ist seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. bekannt.

Archäologische Forschungen der ANISA[2] weisen auf dem Dachsteingebirge (Österreich) eine bronzezeitliche Almwirtschaft von 1700 bis 900 v. Chr. nach. Eine Reihe von Radiokohlenstoff- und AMS-Datierungen belegen dieses Alter. Diese Almen wurden auf Urweiden in Gruben mit eigenem Kleinklima und über der Waldgrenze zwischen 1500 m und 2100 m gegründet. Die Hüttenreste erkennt man zum Teil heute noch an den Steinkränzen, die als Fundamente für Blockbauten dienten. Bisher konnten 28 Almen nachgewiesen werden. Diese Almen dienten der Nahrungsversorgung des bronzezeitlichen Salzbergbaues in Hallstatt. Ohne Almwirtschaft wäre der expandierende Bergbau nicht möglich gewesen. Dies gilt für alle prähistorischen Bergbaugebiete in den Alpen. Bereits aus der antiken Literatur ist die Existenz römerzeitlicher Almwirtschaft bekannt. Auch aus dieser Zeit konnten mehrere Almen auf dem Dachsteingebirge und den Steiner Alpen in Slowenien archäologisch erforscht werden. Zusammenfassend darf an dieser Stelle hingewiesen werden, dass eine nennenswerte inneralpine Besiedlung ab dem Neolithikum bis zu den wirtschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts ohne Almwirtschaft nicht stattgefunden hätte. „Die Almwirtschaft entlastete die Talweiden und ermöglichte eine Vorratswirtschaft für den Winter“[3]

Almwirtschaft

Kühe auf der Fanes-Alm in Südtirol
weidende Rinder auf der Alm bei Latzfons/Südtirol

Die Almwirtschaft als Wirtschaftsform prägt das Landschaftsbild großer Teile der Hochgebirge in Europa, der Alpen und Pyrenäen: der überwiegende Teil der Nordalpen und westlichen französischen Pyrenäen wäre ohne Almwirtschaft bis auf ca. 1500 Meter durchgehend bewaldet. Während früher für die Schaffung neuer Weidefläche viel und unkontrolliert gerodet wurde, ist die Pflege vorhandener Almflächen wie auch die Rodung von Bergwald in den gesamten Alpen heute streng reglementiert.

Dennoch werden Almen teils sehr kritisch betrachtet. Vor allem in Nationalparks oder Schutzgebieten kommt es zum Konflikt zwischen Naturschutz auf der einen und Viehwirtschaft auf der anderen Seite. Allerdings gehen mit den auf Grund einer Unwirtschaftlichkeit aufgelassene Almen wertvolle Kulturlandschaften verloren und drohen zu verwildern.

Die Almbewirtschaftung, der Betrieb einer Alp, diente früher hauptsächlich bäuerlichen Zielen, heutzutage kommt die Landschaftspflege dazu und eine Vermarktung über den Tourismus.

Der Viehbesatz einer Alm/Alp wird als Bestoßung bezeichnet, und in Stößen angegeben. An vielen Orten ist die höchstzulässige Bestoßung einer Alm vorgeschrieben.

siehe auch: Transhumanz

Der Almsommer: Niederleger und Hochalm

Man unterscheidet in der Dreistufenwirtschaft den Niederleger (die unteren Almen, Maiensäss oder Unterstafel) und Oberleger (Hochalm) oder Oberstafel. Erstere ist die Alm der Montanzone, meist zwischen 1300 und 1500 Meter, die als Viehweide für den Früh- und Spätsommer brauchbar ist, zweitere die Hochweide der Subalpinzone über etwa 1500 Meter, die nur im Hochsommer begrast wird. Nach dem Abweiden der Hochalm belegt man nochmal einige Wochen die Niederleger, wo man besser vor frühen Wintereinbrüchen geschützt ist.

Während Nieder- und Oberleger die typischen Bergweidegründe von Rind und Pferd sind, werden höchstgelegene alpine Matten nicht mehr mit Almhütten befestigt, sondern nurmehr von den ganzen Almsommer über freiziehenden Schaf- und Ziegenherden bewirtschaftet. Diese werden nur hin und wieder aufgesucht, um sie auf Krankheiten und Verletzungen zu prüfen und Lecksalz zu bringen. Üblich sind hochgelegene Quellfassungen, an den sich das Kleinvieh sammeln kann, mancherorts sind Einzäunungen üblich, die sich dann bis in die 3000er-Regionen erstrecken können, in anderen Gebieten werden keine baulichen Maßnahmen getroffen, wenn das Gelände geeignet ist.

Auf den Wegen zur Alm wird im manchen Regionen zusätzlich auch noch Waldweidewirtschaft (Hutwirtschaft) betrieben.

Der jährliche Beginn der Almbewirtschaftung ist abhängig von Witterung und Höhenlage, meist um Pfingsten, und wird Almauftrieb genannt, am Ende der Almzeit, meist im September, findet der Almabtrieb und anschließende Viehscheid statt.

Sennbetrieb und Alpbetrieb

Je nach regionaler Tradition und Wirtschaftsverhältnissen sind üblich:

  • Sennbetrieb: Die Bauersfamilie bleibt im Tal, das Vieh wird einem Senner aus der Familie oder einem Bediensteten, einem speziell zu diesem Zweck eingestellten Senner oder einem gemeinschaftlichen Senn übergeben. Am Hof verbleiben nur kalbendes und krankes Vieh, Kälber (in diesem Jahr geborene), und ein, zwei Stück Melkvieh für die Versorgung des Hofs. Typisch für diese Wirtschaftsform sind kleine, verstreut liegenden Almhütten
  • Alpbetrieb: Die Hofschaft übersiedelt des Sommers geschlossen auf die Alm, am Stammhof verbleibt nur eine Sommerkraft. Typisch für diese Wirtschaftsform sind die Gruppenalmen und Almdörfer, in denen soziales Leben auch im Sommer möglich ist. Mancherorts stehen im Almdorf sogar fest gemauerte Kirchen.

Galtalm und Melkalm

Durch das Vieh erzeugte Hangstrukturen, hier in der Osterhorngruppe

  • Eine Galtalm dient für den Auftrieb und die Aufzucht von Jung- bzw. Galtvieh. Zum Galtvieh zählen weibliche Rinder bis zur ersten Abkalbung sowie Stiere und Ochsen unter 2 Jahre (Jungstiere), zum Jungvieh Kälber (Einjährige) und Färsen/Kalbinnen (Zweijährige).
  • Eine Melkalm oder Schwaig(-alp) dient vorwiegend dem Auftrieb von Milchkühen.
  • Wird eine Alm als Melk- und Galtalm geführt, spricht man von einer gemischten Alm.

Die Unterscheidung von Galtalm und Melkalm bezieht sich insbesondere auf die Infrastruktur, um die Milch des Melkviehs zu verarbeiten, also Butterei, Käserei, Kaskeller und so weiter. Auf der Galtalm ist das nicht nötig.

Direkt vor Ort wird von den Almen (Sennereien) die Erzeugung von Butter und Käse eingeleitet. Im letzteren Fall wird der fertige Käse anstelle der Milch per Materialseilbahn oder Kraftfahrzeug ins Tal verbracht und z. B. an die Käsestraße Bregenzerwald geliefert. In manchen Gegenden verfügen die Almen über gutausgebaute Kaskeller, in denen der Käse den ganzen Sommer über verbleibt. Er wird dann beim Almabtrieb als „stolze Beute“ geschlossen mit zu Tal gebracht.

Rossalmen

Traditionell hatten Höfe im Alpenraum, wenn sie nicht mit dem Ochsen wirtschafteten, nur ein, selten mehr Stück Rösser. Diese wurden bei der Sömmerung dem Rindvieh einfach beigestellt, oder blieben am Hof. Die Ansprüche der Rösser an das Futter sind anders, sie gelten als genügsamer, und sie können hinter dem heiklen Rind, das nur Blattwerk frisst, nachweiden, weil sie Stengelwerk vertragen, und sowieso eiweißreiches Grünfutter schlecht vertragen.

Nur in Landschaftstrichen mit großem herrschaftlichen Pferdebestand sind auch eigene Rossalmen verbreitet, sowie für Forstwirtschaftspferde (Rückpferde), Treidelrösser (zum Flussaufwärtsziehen der Schiffe und Flöße), und ähnlichen Beständen, die jeweils über den Sommer (keine Schlägerung, Niederwasser) – soferne sie nicht als Packpferde im Säumerwesen des Sommers unabkömmlich waren – „frei“ hatten. Auf diesem können die Pferde ihrem eigenen Ziehverhalten, das sie in größeren Herden wiederaufnehmen, frei nachkommen. Typische Rossalmen sind daher meist weitläufig, aber von minderer Futterqualität. Eine eigenes Almanwesen ist nicht nötig, meist steht nur eine Unterkunft für allfälligen Wachdienst.

Die Almmahd

Alte Heuhütte im Bregenzerwald

In der Zeit, die das Vieh auf dem Oberleger (der Alp) verbringt, wird auf dem Niederleger das Almerheu geschnitten, an den steilen Hängen auch heute noch großteils von Hand und kaum mit Maschinen. Ausserhalb der Weidegebiete wird das Wildheuen praktiziert. Das Heu wurde früher in den Heuhütten gelagert und nach Bedarf dann im Winter als besonders wertvolles Zusatzfutter ins Tal transportiert.

Dieses Heuziehen erfolgte mit Hornschlitten. Es war eine der gefährlichsten Arbeiten des alten Bergbauernlebens, mit hoher Unfall- und Todesrate. Die Schlitten wurden aufgrunde des mühseligen Winteraufstiegs zum Niederleger mit dem schweren Gerät so hoch als möglich aufgetürmt und wogen leicht mehr als eine Tonne. Von einem Mann gelenkt, der zweite hinten als Bremser, war die Talfahrt ein nur mühsam zu kontrollierendes Unternehmen. Zusätzlich war man auf ausreichenden Schnee angewiesen, und die beste Heuzieherzeit war die, die heute als höchste Lawinenwarnstufe gilt, nämlich sehr viel in kürzester Zeit gefallener Schnee: Er bietet Führung, ohne den Schlitten zu sehr zu bremsen, und vielleicht liegenzubleiben (was die Hilfe und den Spott anderer Bauern nach sich gezogen hätte). Daher war die Zahl der Lawinenopfer beim Heuziehen wohl ähnlich hoch wie die der von Schlitten überrollten oder im Gelände abgestürzten.[4]

Besitzformen

Bei Almenwirtschaften können verschiedene Besitzverhältnisse auftreten.

  • Privatalm
  • Genossenschaftsalm als genossenschaftlicher Besitz (z. B. Bergschaft)
  • Gemeinschaftsalmen (Allmende) mit Eigentums- und Nutzungsrechten z. B. eines gesamten Dorfes oder mehrerer Einzelpersonen. Das Personal wird hier von den einzelnen Eigentümern getrennt gestellt, lediglich Käser und Putzer werden gemeinschaftlich engagiert. Anhand einer Einung werden die Rechte und Pflichten festgelegt.
  • Die Servitutsalm, im Eigentum des Staates oder Herrschers, mit Nutzungsrechten einer umgrenzten Nutzergruppe.

Tourismusbetrieb

Almbewirtschaftung durch Jausenstationen ist eine wichtige Einnahmequelle der ansässigen Bergbauern. Sie muss hinsichtlich der Dauer in ganzjährig und saisonal unterteilt werden.

  • Saisonalalmen sind in den traditionellen Almbetrieb eingebunden. Dann wird auch ein Teil der erzeugten Waren - abgesehen vom Eigenverbrauch - für die Jausenstationen dabehalten und nur der übersteigende Teil weitergegeben.
  • Ganzjähriger Fremdenverkehr geht oft mit einem Abschied von Viehwirtschaft einher, um die touristische Infrastruktur aufrechterhalten zu können.

Ihr Vorhandensein ist für Bergwanderer insbesondere in abgelegenen Lagen von entscheidender Bedeutung.

Statistik

1997 bestanden in Österreich mehr als 12.000 bewirtschaftete Almen, auf denen von rund 70.000 Almbauern zirka 500.000 Stück Almvieh gehalten wurden. Auf Almen und Bergmähder entfiel in Österreich 1997 eine Fläche von 851.128 ha (rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche). Das größte zusammenhängende Almgebiet der österreichischen Alpen ist die Region Teichalm-Sommeralm im Grazer Bergland.

In Bayern bestanden 1384 bewirtschaftete Alpen und Almen mit einer Lichtweidefläche von 40.329 ha, jeweils die Hälfte davon in Oberbayern und im Allgäu. Dazu kommen noch rund 54.000 ha Waldweiderechte. Insgesamt wurden die bayrischen Alpen und Almen mit 47.840 Rindern, davon 4445 Kühe, 640 Pferden und 4470 Ziegen und Schafen bestoßen[5].

In der Schweiz werden rund 380.000 Stück Rinder, davon 130.000 Kühe auf Alpen gesömmert, dazu rund 200.000 Schafe. Die Alpfläche beträgt rund 35 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche, die größten Alpflächen gibt es in den Kantonen Graubünden (170.000 ha) und Bern (85.000 ha).

In Südtirol befindet sich die größte Hochalm Europas: die Seiser Alm.

Sonstiges

In Immenstadt und Miesbach gibt es die beiden einzigen Alp- bzw. Almwirtschaftsschulen in Deutschland.

Siehe auch

Quellen

  1. W. Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, München 2005, ISBN: 3-423-32511, Seite 30
  2. http://www.anisa.at
  3. Alpen, Archäologie, Geschichte, Gletscherforschung. Haus i. E. 2006, S. 149 ff.
  4. Hans Haid: Mythos Lawine: Eine Kulturgeschichte. Studienverlag, 2008, ISBN 3706544938
  5. http://www.bund-naturschutz.de/fileadmin/download/alpen/BN-Alpenstudie.pdf

Literatur

  • Neues Handbuch Alp, Handfestes für, Erstaunliches für Alpgäste, zalp-Verlag
  • Ernst Roth und Straubhaar: Wege zum Alpkäse, 5 Bände - Detaillierte Beschreibungen von Berner Alpen und ihren Produkten
  • Glatz, Egger, Bogner, Aigner und Ressi: Almen erleben - Wert und Vielfalt der österreichischen Almwirtschaft. ISBN 3-85391-240-0.
  • zalp, die Zeitung der Älplerinnen und Älpler. Erscheint einmal jährlich zum Alpsommer. www.zalp.ch
  • Eva Lechner, Reinhard Hölzl: Tiroler Almen. Löwenzahnverlag 2008, ISBN 978-3-7066-2422-0.

Weblinks


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