Bergwerk Käpfnach
Bergwerk Käpfnach (Schweiz)
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Das Bergwerk Käpfnach ist ein ehemaliges Braunkohle- und Mergel-Bergwerk in Horgen im Kanton Zürich in der Schweiz. Mit einer gesamten Stollenlänge von 80 km ist es das grösste seiner Art in der Schweiz.

Steigerwohnungen und Kohlenmagazin von 1784

Inhaltsverzeichnis

Geologie

In der oberen Süsswassermolasse entstand in 16 Millionen[1] Jahren ein einziges Flöz mit mehreren Quadratkilometern Ausdehnung. Durch die Alpenbildung wurde das ehemalige Flachmoor gehoben und bildet heute ein von Osten nach Westen verlaufendes Gewölbe mit leichter Neigung von 5.2 Promille. Der Verlauf konnte bis ins Sihltal bei Sihlbrugg festgestellt werden, auf der anderen Seite des Zürichsees wurden jedoch keine Spuren gefunden. Das Flöz erreicht eine Mächtigkeit von bis zu 60 cm, ist an vielen Stellen nur 20–50 cm stark.

Als Nebengesteine ist vor allem der Tonmergel zu nennen, der über dem Kohleflöz eine bis zu 7 m dicke Schicht bildet und als Rohmaterial im Käpfnacher Zementwerk, zur Verarbeitung zu Portlandzement Verwendung fand. Unter dem Flöz liegt eisenhaltiger Mergelton, Mergelkalk und toniger Sandstein einige dieser Schichten wurden als Rohmaterial für Ziegel und Zement oder als Dünger verwendet.[2]

In den Gesteinsschichten haben sich Versteinerungen von Farnen, Eiche, Zypressen, Mastodon, Krokodilen und einigen anderen Gattungen erhalten.[3]

Die Ablagerung der Schichten erfolgte unruhig, entsprechend schlecht und uneinheitlich ist die Qualität der Braunkohle. Bei der Käpfnacher Kohle handelt es sich um eine stark schwefelhaltige Pechkohle von minderer Qualität. Sie besteht zu 45-69% aus Kohlenstoff und hat einen Sauerstoffgehalt von 19-30%, die Anteile entsprechen etwa der Braunkohle. Der Brennwert liegt bei etwa 40% desjenigen von Heizöl.

Abbaugeschichte

Markierungstafel an der Wetterstrecke

Da das Flöz im Bereich des Aabachs und des Aabachtobels an mehrerer Stellen zutage tritt, war das Vorhandensein der Kohle schon sehr lange bekannt.[4]

Die Anfänge

Eingang Bergwerk Käpfnach (Rotweg-Stollen)

Die ersten schriftlichen Zeugnisse eines Kohlevorkommens in Käpfnach sind um 1548 in der Chronik von Johannes Stumpf zu finden. Um 1663 wird vom Abbau des Zieglers von Käpfnach berichtet, der die Kohle zur Produktion seiner Ziegel verwendete. Erst 1708 wird für den Zeitraum von 20 Jahren ein regelmässsiger Kohlenabbau vermerkt. Ein weiterer Abbauversuch 1763, diesmal unter der Beteiligung ausländischer Fachleute, schlägt fehl, sodass die Stolleneingänge schon 1776 zerfallen.

Der Staatliche Abbau

Die Zürcher Regierung richtet 1784 durch Johann Sebastian Clais den Abbau in Käpfnach ein. Fachleute sollten die Infrastruktur und die Stollenanlagen nach bewährten Vorlagen organisieren. Im Jahr 1874 wird die Zementsteinfabrik als Kohleabnehmerin vor dem Ausgang des Rotwegstollens gebaut. Das staatliche Unternehmen wird 1911 aufgelöst, die Zementsteinfabrikation verkauft und durch die Firma Ritter bis 1934, unabhängig weiter geführt.

1. Weltkrieg 1917 bis 1921

Angetrieben von der Kohlenachfrage der Industrie und der mangelnden Verfügbarkeit von Importkohle wurde das Kohlevorkommen in Käpfnach wieder interessant. Bergbauingenieur Max Zschokke gründet die Kommanditgesellschaft “Bergwerk Gottshalden M. Zschokke & Compagnie” für den gemischtwirtschaftlichen Abbau zusammen mit der Gemeinde Horgen. In dieser Zeit arbeiten bis zu 80 Bergleute unter Tage. Nach dem Krieg erweist sich der Abbau als unrentabel und die Liquidation erfolgt 1921.

2. Weltkrieg 1941 bis 1947

Letztmalig erfolgte im 2. Weltkrieg ein Abbau der Käpfnacher Kohle durch die, von Max Zschokke gegründete, Braunkohlen-Genossenschaft Horgen.[5] In dieser Periode bauen bis zu 260 Mitarbeiter rund 55'500 Tonnen Kohle ab, was etwa 4 % der gesamtschweizerischen Fördermenge entspricht.

Vor der Schliessung des Bergwerks und der Liquidation der Betreiberfirma wurden ein grosser Teil der Stollen mit Versatzmaterial aufgefüllt und alle Installationen entfernt und verkauft.

Nebenbetriebe

Zementfabrik mit 2 Oefen (Kamine) der staatlichen Bergwerksverwaltung von 1880

Als wichtigster Nebenbetrieb des Bergwerks wurde von 1874 bis 1934 ein Zementwerk betrieben.

Heutiges Besucherbergwerk

Das Bergwerk geriet nach 1947 in Vergessenheit, bis es 1982 zum Thema des Jahrhefts der Gemeinde Horgen gemachte wurde. Der am 2. Dezember 1982[6] gegründete Bergwerkverein Käpfnach setzte sich zum Ziel ein Museum einzurichten und die Stollen soweit möglich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bedingt durch die gesetzlichen Vorschriften musste er die Abbaurechte an der noch vorhandenen Kohle, rund 300'000 Tonnen, erwerben.

Heute stehen das Bergwerk und ein kleiner Teil der Stollenanlage dem Besucher offen und wird von der 1.4 km langen Stollenbahn befahren. Das Bergwerkmuseum ist im ehemaligen Kohlemagazin untergebracht. Bisher haben 170'000 Besucher auf rund 9500 Führungen einen Einblick in den Horgner Untergrund erhalten (Stand 2008).

Literatur

  • Paul Kläui: Geschichte der Gemeinde Horgen. Horgen 1952
  • Gemeinde Horgen (Hrsg.): Horgner Jahrheft 1982: Das Käpfnacher Bergwerk. Horgen 1982
  • Bergwerkverein Käpfnach Horgen (Hrsg.): 25 Bergwerkverein Käpfnach. Horgen 2007
  • Bergwerkverein Käpfnach Horgen (Hrsg.): Das Bergwerk, Offizielles Mitteilungsblatt des Bergwerkvereins Käpfnach, Erscheint dreimal jährlich seit 1984
  • Peter Laager, Hermann Sarbach: Das Bergwerk Käpfnach-Gottshalden gestern und heute, Minaria Helvetica. Nr. 25b-2005, Egg 2005, ISSN 1018-7421
  • Wolfgang Taubert: 125 Jahre Zementi z'Käpfnach, Horgen 2000
  • Emil Letsch: Die Schweizerische Molassekohle östlich der Reuss, Bern 1899
  • Emil Letsch und Ernst Ritter: Die Schweizerische Molassekohle III, Schweizerische Naturforschende Gesellschaft (Hrsg.), Kümmerly & Frey, Bern 1925
  • E. Kündig, F. de Quervain: Fundstellen mineralischer Rohstoffe der Schweiz, Schweizerische Geotechnische Kommission, 1953

Weblinks

 Commons: Bergwerk Käpfnach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bergwerkverein Käpfnach Horgen: Das Bergwerk, Ausgabe Nr. 72, Horgen 2008, S. 14
  2. Gemeinde Horgen (Hrsg.): Horgner Jahrheft 1982: Das Käpfnacher Bergwerk. Horgen 1982, S. 46-48.
  3. Gemeinde Horgen (Hrsg.): Horgner Jahrheft 1982: Das Käpfnacher Bergwerk. Horgen 1982, S. 42-44.
  4. Peter Laager, Hermann Sarbach: Das Bergwerk Käpfnach-Gottshalden gestern und heute. Minaria Helvetica. Nr. 25b-2005, S. 16.
  5. Peter Laager, Hermann Sarbach: Das Bergwerk Käpfnach-Gottshalden gestern und heute. Minaria Helvetica. Nr. 25b-2005, S. 21-25.
  6. Gemeinde Horgen (Hrsg.): Horgner Jahrheft 1982: Das Käpfnacher Bergwerk. Horgen 1982, S. 1.
47.2532698.613505427

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