Bergün
Bergün/Bravuogn
Wappen von Bergün/Bravuogn
Basisdaten
Kanton: Graubünden
Bezirk: Albula
BFS-Nr.: 3521Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 7482
Koordinaten: (777025 / 165431)46.6166659.7499991367Koordinaten: 46° 37′ 0″ N, 9° 45′ 0″ O; CH1903: (777025 / 165431)
Höhe: 1'367 m ü. M.
Fläche: 145.65 km²
Einwohner: 486
(31. Dezember 2007)[1]
Website: www.berguen.ch
Bergün/Bravuogn
Bergün/Bravuogn
Karte
Karte von Bergün/Bravuogn

Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Wartung/Pixel

Bergün/Bravuogn (deutsch Bergün, rätoromanisch Bravuogn, Doppelname offiziell seit 1943) ist eine politische Gemeinde im gleichnamigen Kreis, Bezirk Albula im Kanton Graubünden in der Schweiz. Das Dorf liegt an der Albulapassstrasse und an der Albulalinie der Rhätischen Bahn. In der früher romanischsprachigen, wirtschaftlich und kulturell eng mit dem Engadin verbundenen Gemeinde spricht man heute mehrheitlich deutsch.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gemeindegebiet umfasst den gesamten Oberlauf der Albula nebst Seitentälern. Die Albula entspringt aus mehreren Quellen unterhalb des Albulapasses und der westlich benachbarten Fuorcla Crap Alv. Oberhalb einer markanten Talstufe bildet sie den Lai da Palpuogna, unterhalb schliesst sich der Talkessel von Preda an, in welchen von links das Val Mulix und von rechts das Val Zavretta münden. Der unterhalb Preda tief in die Felsen eingeschnittene Fluss zwang die Erbauer der Bahn zu der berühmt gewordenen Linienentwicklung mit mehreren Viadukten und Kehrtunnels. Unterhalb dieser Schlucht, an deren Ausgang sich das Seitental Val Tisch mit dem Haupttal vereinigt, erstreckt sich das Strassendorf Bergün (1'367 m ü. M.) in einer weiten Mulde. Hier mündet von rechts das insgesamt etwa 10 km lange, aus den drei Quelltälern Val Plazbi, Val da Ravais-ch und Val Salect entstehende Val Tuors ein. Knapp unterhalb des Dorfes liegt die Schlüsselstelle der Albulastrasse, die sich im Bergünerstein (Crap da Bravuogn) eng an den fast senkrecht abfallenden Fels schmiegt. Am mit 1'111 m ü. M. tiefsten Punkt der Gemeinde mündet von rechts die Ava da Stugl mit einer steilen Schlucht in die Albula. Sie entwässert das etwa 8 km lange Val da Stugl, ein Gebiet mit ausgedehnten Alpweiden.

Das stattliche Territorium ist an allen Seiten von Dreitausendern umgeben. Die westliche Gemeindegrenze zieht vom vorgelagerten Chavagl Grond über den Piz Spadlatscha (2871 m) zum dominierenden Piz Ela (3339 m) und weiter nach Süden - nunmehr als Wasserscheide gegen das Oberhalbstein - über die Gipfel von Piz Val Lunga (3078 m), Piz Salteras (3111 m), Piz Bleis Marscha (3128 m) zum Piz Laviner (3137 m). Die anschliessende Südgrenze gegen das Engadin verläuft über Piz Bial (3061 m), La Piramida (2964 m) und die beiden Dschimels (2777 m und 2782 m) zum Piz da las Blais (2930 m); diese Bergkette wird lediglich durch den Passübergang Fuorcla Crap Alv unterbrochen. Auf dem breiten, flachen Albulapass wird die Grenze durch den Punkt Cruschetta etwa 1 km westlich der Passhöhe markiert, dann nach Nordosten über Igl Compass (3016 m), Piz Üertsch (3267 m) und Piz Blaisun (3200 m) zum Piz Kesch, der mit 3418 m den höchsten Punkt der Gemeinde bildet. Nördlich schliesst sich eine abwechslungsreiche hochalpine Landschaft an. Der Bergstock mit den Spitzen Piz Forun (3052 m) und Piz Murtelet (3019 m) ist ringsum von Hochtälern umgeben; die Pässe Fuorcla da Funtauna und Fuorcla Ravais-ch führen ins Engadin und nach Davos. Den nordöstlichen Eckpfeiler des Bergüner Gebietes bildet der im Piz Ducan (3063 m) kulminierende Ducangrat. Vom Ducan Dador (3020 m) ausgehend umgreift die Gemeindegrenze das oberste Val da Stugl und folgt dann dem an der Nordseite steil abfallenden Kamm über Maschengrat', Büelenhorn (2808 m) und Stulsergrat zur vorspringenden Muchetta (2623 m).

Neben dem Hauptort gehören zur Gemeinde die am rechten Talhang gelegenen Dörfer Latsch (1588 m) und Stuls (1551 m), das erst seit dem Bahnbau um 1900 ganzjährig bewohnte Preda (1789 m) am Nordportal des Albulatunnels, die Maiensässe Chants im Val Tuors, Runsolas im Val da Stugl und Naz sowie eine Reihe von Alpsiedlungen.

Im Jahr 1997 wurden 21.4 % der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt, der Wald nahm 20.4 % ein, die Siedlungen 0.8 %. Als unproduktiv galten 57.5 %.

Nachbargemeinden sind Filisur, Davos, S-chanf, Zuoz (Exklave), La Punt-Chamues-ch, Samedan, Bever (Exklave) und Tinizong-Rona.

Wappen

Blasonierung: In Silber auf rotem Dreiberg aufrechter schwarzer Steinbock, rot bewehrt, blaues Schwert mit goldenem Griff haltend. Abwandlung des Wappens des Gotteshausbundes durch Gerichtsschwert und Dreiberg, um auf die Bedeutung der ehemaligen Gerichtsgemeinde hinzuweisen.

Geschichte

Um die (auf Gemeindegebiet Filisur gelegene) Burg Greifenstein entstand im 12. Jahrhundert ein kleines Herrschaftsgebiet, welches 1394 in den Besitz des Churer Bischofs kam. Urkundliche Erwähnung fanden Latsch im Jahre 1154, Bergün 1209 und Stuls 1270. 1537 konnte Bergün die bischöflichen Rechte durch Geldzahlung ablösen und erlangte damit die volle Souveränität innerhalb des Gotteshausbundes. Das Gericht Bergün umfasste auch die Nachbarschaften Filisur, Latsch und Stuls.

Neben der Viehwirtschaft bildeten der Passverkehr über den Albula und der Bergbau die Lebensgrundlagen des Ortes. Unter Einsatz von Sprengstoff - damals eine Premiere im Bündner Strassenbau - wurde 1696 ein neuer Fahrweg durch den Bergünerstein gebaut. Abbau und Verhüttung von Eisenerz (Hämatit) aus dem hinteren Val Tisch und Val Plazbi erlebten ihre letzte Blütezeit um 1840.

Als 1903 die Albulabahn eröffnet wurde, erwarteten die Bergüner einen touristischen Aufschwung, der das Dorf auf das Niveau der Oberengadiner Kurorte St. Moritz und Pontresina heben sollte. Zeugnis jener Hoffnungen ist das 1905 erbaute Kurhaus. Dass sich Bergün bereits im Ersten Weltkrieg von diesen hochfliegenden Plänen verabschieden musste, betrachtet man heute eher als eine glückliche Fügung, denn so konnte das Dorf sein historisches Ortsbild unverfälscht bewahren.

Die im Jahre 1851 zu selbständigen politischen Gemeinden erhobenen Latsch und Stuls wurden 1912 beziehungsweise 1921 wieder mit Bergün fusioniert.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 1850 1888 1900 1910 1950 1980 2005
Einwohnerzahl 637 625 1537 715 604 459 505

Bei den tabellierten Zahlen ist zu beachten, dass im Jahre 1900 die beim Bau der Albulabahn Beschäftigten mitgezählt wurden, auch wenn sie nur vorübergehend in Bergün ansässig waren. Die Einwohnerzahl bezieht sich auf die heutigen Gemeindegrenzen. Somit sind auch die um den Ersten Weltkrieg eingemeindeten Orte Latsch und Stugl/Stuls einbezogen.

Sprachen

Bei der Volkszählung 2000 nannten als Hauptsprache: Deutsch 83.9 %, Romanisch 10.6 %, Italienisch 3.1 %. Die Bergüner Romanen sprechen einen eigenen Dialekt, geschrieben wird das Oberengadiner Idiom Putér. Diese Mundart war bis weit ins 19. Jahrhundert die Umgangssprache der Bewohner (1880 80,4 %). Doch setzte kurz danach ein starker Erosionsprozess bei den Romanischsprachigen ein (1910 noch 57,62 %). Dann stabilisierte sich die Lage bis nach dem Zweiten Weltkrieg (1941 noch 53,6 % Romanisschsprachige). Bis 1980 setzte anschliessend ein langsamer Rückgang der Rätoromanen ein - ein Prozess, der sich seither rasant beschleunigt hat. Dies belegt folgende Tabelle:

Sprachen in Bergün/Bravuogn
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 251 54,68 % 350 72,92 % 436 83,85 %
Rätoromanisch 158 34,42 % 101 21,04 % 55 10,58 %
Italienisch 40 8,71 % 21 4,38 % 16 3,08 %
Einwohner 459 100 % 480 100 % 520 100 %

Deutsch ist heute alleinige Behördensprache, obwohl noch 26,7 % der Einwohner Romanisch verstehen.

Herkunft und Nationalität

Von den Ende 2005 505 Bewohnern waren 444 (=87,92 %) Schweizer Staatsangehörige.

Wirtschaft

In der Landwirtschaft waren im Jahr 2000 55 Personen tätig, im produzierenden Gewerbe 59 und im Dienstleistungssektor 157. Der Ort lebt vor allem vom Tourismus und von der Landwirtschaft. Daneben finden die Bewohner Beschäftigung im lokalen Gewerbe und bei der Rhätischen Bahn. Eine wirtschaftliche Nutzung der eisenhaltigen Mineralquellen scheiterte bisher.

Verkehr

Bergün und Preda sind Schnellzugshalte an der Albulalinie Chur - St. Moritz. Im Winter verkehren zusätzlich spezielle Schlittelzüge. Mehrmals täglich fährt ein Postauto (Kleinbus) nach Latsch und Stuls, im Sommer auch ins Val Tuors.

Tourismus

Wie erwähnt zerschlugen sich die Pläne vom mondänen Kurort Bergün rasch. Heute präsentiert sich das Dorf als ruhiger Ort für Familienferien, wobei die Umgebung zu allen Arten von Freiluftaktivitäten einlädt.

Im Sommer bieten sich gute Wandermöglichkeiten in die umliegenden Täler. Besondere Anziehungspunkte bilden der Bahnhistorische Lehrpfad und das Freiluftschwimmbad. Bergün ist auch Ausgangspunkt für klassische Bergtouren, beispielsweise zur Keschhütte, auf den Piz Kesch, den Piz Ela und andere der umliegenden Dreitausender. Mountain-Bike-Touren, nicht nur auf Passstrassen, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Ansicht aus dem Zug Richtung Preda

Im Winter wird vor allem die längste Naturschlittelbahn Europas, die auf einer Strecke von über 6 km auf der (im Winter für Motorfahrzeuge gesperrten) Albulapassstrasse von Preda nach Bergün führt, genützt. Die Rodler können im Bahnhof Bergün einen Schlitten mieten und sich von der Rhätischen Bahn nach Preda hinauffahren lassen. Nachts ist die Strecke mit Flutlicht ausgeleuchtet. Eine weitere Schlittelbahn (rund 4 km lang) führt von der Alp Darlux in das 576 m tiefer gelegene Bergün. Sie gilt als das Lauberhorn der Schlittelbahnen und ist steiler und enger als die Klassikerbahn. Für Skifahrer gibt es das Skigebiet Darlux mit 25 km Pisten bis auf 2552 m, zwei Sesselbahnen, einem Skilift sowie zahlreichen Pisten, die auch Snowboardern zur Verfügung stehen. Das Bergrestaurant La Diala bietet Speis und Trank und traumhafte Aussicht. Daneben gibt es 2 Skilifte im Dorf bei Tect/Zinols für Anfänger und Familien. Im Januar findet ein Winter-Weekend für wetterfeste Bike-Freaks statt. Dann wird die Schlittelbahn für ein internationales Mountain-Bike-X-Treme-Down-Hill-Rennen kurzzeitig gesperrt.

Im Dorf gibt es mehrere traditionelle und ein modernes Hotel. Auch das 1949 durch Brand beschädigte und lange Zeit ungenutzte Kurhaus steht jetzt wieder als Unterkunft zur Verfügung.

Im Jahr 1993 war Bergün der Hauptdreh- und -handlungsort der 26-teiligen Schweizer Fernsehserie Die Direktorin. Das Dorf hiess in der 1994/1995 ausgestrahlten Serie Madruns. Trotz der vielbeachteten Ausstrahlung in der Schweiz (die ursprünglich vorgesehene Ausstrahlung im ZDF wurde abgesagt) brachte die Serie dem Dorf keinen weiteren touristischen Aufschwung.

Sehenswürdigkeiten

Das Gemeindehaus und der Platzturm La Tuor im Dorfzentrum
Lokdenkmal (Lok C-C Krokodil) in Bergün

Bergün ist ein typisches Strassendorf. Zu beiden Seiten der ansteigenden Hauptstrasse reihen sich Häuser im Engadiner Stil aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, mit Fassadenmalereien, Erkern und Fenstergittern. Die reformierte Kirche ist im Kern romanisch, der rippengewölbte Chor und der spitze Turmhelm sind spätgotische Zutaten. Die Kirche wurde gegen 1500 komplett ausgemalt. Der Zyklus zeigt Stationen aus der Passion und Christus mit den 12 Aposteln. Dabei ist deutlich, dass die Bemalung der Wände vermutlich vor der Gestaltung der bestehenden gotischen Fenster geschehen sein wird (Sie durchbrechen die Malerei). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die lange Zeit übermalten Bildwerke freigelegt und ergänzt (Vgl. Jürg A. Bossardt und Diego Giovanoli: Bergün/Bravuogn, 1983 (Schweizerische Kunstführer)). Das Zentrum des unteren Dorfteils bildet der Platzturm la Tuor aus dem 12. Jahrhundert.

Hauptattraktion für Eisenbahnfreunde ist die verschlungene Linienführung der Albulabahn mit ihren Viadukten und Kehrtunnels. Beim Bahnhof Bergün, wo bereits vor einigen Jahren eine historische Elektrolokomotive als Denkmal aufgestellt wurde, soll zukünftig ein Eisenbahnmuseum entstehen.

Einzelnachweise

  1. Statistik Schweiz – Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen, Bezirken und Gemeinden

Weblinks


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