Berka/Wipper
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sondershausen
Sondershausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sondershausen hervorgehoben
51.36666666666710.866666666667208Koordinaten: 51° 22′ N, 10° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Kyffhäuserkreis
Höhe: 208 m ü. NN
Fläche: 200,82 km²
Einwohner: 24.182 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 99701–99706
Vorwahl: 03632
Kfz-Kennzeichen: KYF
Gemeindeschlüssel: 16 0 65 067
Stadtgliederung: 12 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Markt 7
99706 Sondershausen
Webpräsenz:
Bürgermeister: Joachim Kreyer (CDU)
Lage der Kreisstadt Sondershausen
im Kyffhäuserkreis
Karte

Die Musik- und Bergstadt Sondershausen ist eine im Norden des Bundeslandes Thüringen gelegene Mittelstadt und die Kreisstadt des Kyffhäuserkreises. Sie liegt im Tal der Wipper zwischen den Höhenzügen Hainleite im Süden und Windleite im Norden.

Blick auf Stadtzentrum aus Richtung Spatenbergturm Possen


Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geologie und Vegetation

Sondershausen liegt im Bereich der Triasformation. Die Gesteinsschichten von Süden nach Norden können wie folgt benannt werden: In der Hainleite finden wir den Unteren und Mittleren Muschelkalk, der nach dem Steilabbruch in Richtung Norden bis zur Windleite in den Mittleren Buntsandstein ausläuft. Im westlichen Teil von Sondershausen bis zum Graß lagern eiszeitliche Sedimente. Die Landschaft ist durch Sandsteinboden und Lehmboden gekennzeichnet. Es finden sich vorwiegend Buchenwälder und andere Bäume und Pflanzen, die den Kalkboden bevorzugen. Im Bereich der Hainleite bei Sondershausen soll um 1680 durch Spontanmutation eine noch heute zu sehende Blutbuche entstanden sein.

Stadtgliederung

Die Stadt gliedert sich in die Stadtteile Stockhausen, Östertal, Hasenholz, Borntal, Zentrum, Jechaburg, Jecha und Bebra. Zur Stadt gehören weiterhin die Ortsteile Berka/Wipper (seit 1997), Großfurra und Oberspier sowie die Ortsteile der 2007 eingemeindeten Einheitsgemeinde Schernberg:

  • Großberndten: Die Geschichte des an einem südlichen Ausläufer der Hainleite gelegenen Ortes reicht weit zurück. Im 9. Jahrhundert wird Besitz des Klosters Fulda in villa Bergerede in pago Altgewe beurkundet. Im Jahr 1109 wird der Ort Bergeriden bezeichnet, im Jahr 1370 als Ostern Bergereden. Die alten Namensformen bezeichnen einen Ried auf dem Berge und rührt von der Lage des Ortes in einem trockengelegten Moorgelände auf der Hainleite.
  • Himmelsberg: Der Ort wird 1467 erstmals als Hemmelsberg urkundlich erwähnt. 1584 erfolgte die Angliederung zum Amt Straußberg. 1818 vereinigten sich das Himmelsberger und das Schernberger Pfarramt . 1845 wurde die Kirche St. Mauritii gebaut. 1974 wurde Himmelsberg nach Schernberg eingemeindet. Seit 1999 ist der Ort selbstständiger Ortsteil der Einheitsgemeinde Schernberg. In Himmelsberg besteht ein Weihnachtspostamt.
  • Hohenebra: Der Ort ist einer der ältesten Orte der Unterherrschaft Schwarzburg Sondershausen, er wurde 1128 erstmals in einer Urkunde des Erzbischofs Adalbert von Mainz genannt. Die Kirche Gloria Deo wurde zwischen 1724 und 1726 an Stelle der alten Kapelle St. Andreä errichtet.
  • Immenrode: Der Name könnte vom Namen des Rodungsherrn Immo abgeleitet sein oder das Wort Immen für Bienen könnte Pate gestanden haben. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1127. Seit dem 16. Jahrhundert haben sich Bürger jüdischen Glaubens angesiedelt, wovon eine kleine Synagoge, eine Schule und ein jüdischer Friedhof zeugen. Die Kirche wurde an Stelle eines 1872 bei einem Feuer zerstörten Vorgängerbaus aus dem Jahr 1778 errichtet. Beim Novemberpogrom 1938 schändeten Dorfbewohner den jüdischen Friedhof. Während des Zweiten Weltkrieges mussten Kriegsgefangene aus Serbien sowie Frauen und Männer aus Polen und der Ukraine in der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten.[2]
  • Kleinberndten: Der Ort wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Reinhardsbrunn als sekunda Peregeriedon genannt. Bis sich ab etwa 1600 die heutige Namensform herausbildete, traten verschiedene Namensformen wie Westernbergreden, Western Berthen, Western Berden und Klein Berden in Erscheinung. 1819 wurde die neugebaute Kirche St. Johannes geweiht.
  • Straußberg: Der Ort wurde 1267 erstmals urkundlich erwähnt. Nordwestlich des Ortes liegt die Burg Straußberg, die das Ortsbild wesentlich prägt.
  • Thalebra: Thalebra wurde 1080 erstmals urkundlich erwähnt. Die urkundlichen Namensformen änderten sich von Everha im Jahr 1080, Tal-Ebra im Jahr 1402, Taelbra im Jahr 1467, Talebra im Jahr 1483 zu Tallebra im Jahr 1496. Südwestlich des Ortes bestand seit 1791 ein Alaun- und Vitriolbergwerk.

Geschichte

Sondershausen entwickelte sich aus einer fränkischen Siedlung im 8. Jahrhundert. 1125 wurde Sondershausen erstmals urkundlich erwähnt als Siedlung unter Verwaltung von zwei Dienstmannen des Mainzer Erzbischofs namens Wydego und Remarus. Um 1300, unter den Grafen von Hohnstein (seit 1263 auf der Spatenburg ansässig), erhielt Sondershausen das Stadtrecht. Die Stadt umfasste damals etwa 400 Häuser, die in einem unregelmäßigen Viereck zu Füßen des Schlosses lagen. Seit 1356 war die Stadt im Besitz der gräflichen, dann fürstlichen Dynastie Schwarzburg und Residenz des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen (bis 1918). In diese Zeit fällt auch die erste größere Stadterweiterung, mit der sich die ummauerte Stadt mit der Neustadt und dem Plan genannten Gebiet nach Westen und Osten ausdehnte. Seit 1391 wurde ein Schulmeister in der Stadt ausgewiesen.

1531 bekannte sich die Stadt zur Reformation. Im 16. Jahrhundert begann der Aufbau des Schlosses anstelle der bisher hier befindlichen Burg, der sich bis in das 18. Jahrhundert fortsetzte. 1801 wurde die Hofkapelle Harmoniecorps gegründet, aus der später das Loh-Orchester hervorging. Der Fürstenhof, der zu dieser Zeit das wirtschaftliche und mit seinem Beamtentum auch das soziale Leben der Stadt bestimmte, sorgte auch für weitere kulturelle Einrichtungen. So wurden 1815 das Theater und 1883 das Konservatorium gegründet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Westen die Karlstadt angelegt.

Ehemaliges Bergwerk als Symbol für den Kalibergbau

1869 erhielt Sondershausen mit dem Bau der Nordhausen–Erfurter Eisenbahn Bahnanschluss. Durch die Kyffhäuserbahn entstand 1898 die Bahnverbindung nach Bad Frankenhausen. Seit Dezember 2006 ist diese Strecke stillgelegt. Die Eröffnung des ersten Kalibergwerks in Sondershausen 1893 markierte den Beginn der Industrialisierung. Der Kalibergbau bestimmte in den folgenden 100 Jahren die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Zwischen 1920 und 1945 war der Landkreis Sondershausen eine thüringische Enklave in der preußischen Provinz Sachsen.

Bereits zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden politische Gegner aus der Arbeiterklasse verfolgt, jedoch bildeten sich auch Widerstandsgruppen, wie die um Karl Haferung und Kurt Hafermalz, an welche Straßennamen im Wohngebiet Borntal erinnern. Zwischen 1934 und 1944 wurden 360 Frauen und Männer Opfer von im Landeskrankenhaus vorgenommenen Zwangssterilisationen. In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge der jüdischen Gemeinde geschändet. An dieses Gotteshaus, das 1960 abgerissen wurde, erinnert eine Gedenktafel am Einkaufszentrum, das dort heute steht. Aus dem Landessiechenhaus wurde eine noch unbekannte hohe Zahl von Personen in den nationalsozialistischen Krankenmorden, der „Aktion T4“, getötet. Auf dem Hauptfriedhof im Brückental wurde für die Opfer der Zwangsarbeit ein Ehrenhain mit Gedenkstein angelegt. Auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof an der Alexander-Puschkin-Promenade ruhen 80 Tote, davon mindestens 48 Opfer der Zwangsarbeit, unter ihnen 19 Kinder. An alle Opfer des Faschismus erinnert ein 1947 errichtetes Denkmal an der Güntherstraße.[3]

Von 1936 bis 1945 war Sondershausen Garnisonsstadt der Wehrmacht. Die nicht mehr genutzten Kalischächte 3 und 4 wurden 1937/1938 als Heeresmunitionsanstalt ausgebaut, in der später auch etwa 1.000 Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Weitere Gruppen von Frauen und Männern in hoher Zahl mussten Zwangsarbeit leisten: in der Firma Brunnquell & Co., der Firma Lindner & Co., auf dem Gut in Großfurra. Die Dichte rüstungsrelevanter Betriebe war am Ende des Zweiten Weltkriegs auch die Ursache für schwere Bombenangriffe der Alliierten, die zu schweren Zerstörungen in der Stadt führten. Wenige Tage vor Einmarsch US-amerikanischer Truppen, der mit Artilleriebeschuß eingeleitet wurde, erfolgte am 8. April 1945 ein Luftangriff auf die Innenstadt von Sondershausen, dem 180 Einwohner und 40 % des Wohnungsbestandes zum Opfer fielen. Zu Totalverlusten kam es vor allem bei den Bürgerhäusern im Bereich der Loh-, Leopold-, Günther- und Hauptstraße. Der Schlosskomplex wurde nur leicht beschädigt (besonders der Westflügel, auch der Karussellbau), die Orangerie wurde vernichtet.[4]

1952 wurde Sondershausen Kreisstadt des verkleinerten Kreises Sondershausen, der zum Bezirk Erfurt gehörte.

Das nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als SAG-Betrieb weitergeführte Kalibergwerk Glückauf wurde ab 1952 Volkseigener Betrieb. 1951 war es durch eine Schlagwetterexplosion zu 12 Toten und 22 Verletzten gekommen.[5] Der Betrieb bildete die Grundlage dafür, dass hier 1970 der VEB Kombinat Kali seinen Sitz erhielt. Nach dem Ende der DDR 1990 wurde in den Jahren 1991/1992 die Kaliförderung schrittweise eingestellt. Die damit einhergehende Deindustrialisierung sorgt bis heute dafür, dass die Arbeitslosigkeit in Sondershausen wie im gesamten Kyffhäuserkreis, der 1994 aus dem bisherigen Kreis Sondershausen und dem im ehemaligen Bezirk Halle gelegenen Kreis Artern gebildet wurde, mit am höchsten in Thüringen ist. Der zweitgrößte Betrieb Sondershausens war der VEB Elektroinstallation Sondershausen (EIS). Er hatte bis Ende des Jahres 1989 etwa 3200 Beschäftigte.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1981 31. Dezember):

1834 bis 1984

  • 1834 - 4.858
  • 1890 - 6.634
  • 1933 - 10.677
  • 1939 - 11.617
  • 1946 - 13.118 1
  • 1950 - 19.622 2
  • 1970 - 22.949
  • 1981 - 23.394
  • 1984 - 23.693
  • 1985 - 23.908

1994 bis 2001

  • 1994 - 21.808
  • 1995 - 21.528
  • 1996 - 21.168
  • 1997 - 23.860
  • 1998 - 23.557
  • 1999 - 23.323
  • 2000 - 23.088
  • 2001 - 22.753

2002 bis 2007

  • 2002 - 22.487
  • 2003 - 22.145
  • 2004 - 21.894
  • 2005 - 21.767
  • 2006 - 21.412
  • 2007 – 24.366 3
  • 2008 - 24.236 4
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

1 29. Oktober
2 31. August
3 18. Dezember (Stadtverwaltung)
4 März 2008 (Stadtverwaltung)

Politik

Rathaus von Sondershausen

Wappen

Blasonierung: „In Silber ein zwölfendiges rotes Hirschgeweih, zwischen den Stangen ein blauer Schild, darin ein nach rechts steigender goldener gekrönter, rot gezungter und bewehrter Löwe.“

Die roten Hirschstangen entstammen dem Wappen der Grundherren, der Löwenschild weist auf schwarzburgischen Besitz hin. Burg und Herrschaft Sondershausen gelangten zunächst um 1263 an die Grafen von Honstein, die ihren rot-silbern geschachten Schild zwischen die Hirschstangen setzten, aber später trat der schwarzburgische Löwenschild an diese Stelle. [6]

Städtepartnerschaften

Sondershausen pflegt Partnerschaften mit Rolla in den Vereinigten Staaten (seit 1998), mit Pecquencourt im Département Nord in Frankreich (seit 1969) sowie mit der litauischen Stadt Kazlų Rūda im Distrikt Marijampolė (seit (2000).

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftlich ist Sondershausen geprägt durch die Elektroindustrie und bis in die 1990er-Jahre durch das Kalibergwerk. In Sondershausen befindet sich der älteste noch befahrbare Kalischacht der Welt. Auch wenn die Kaliproduktion in großem Stil eingestellt wurde, wird in geringem Maße noch Industriesalz (vor allem als Streusalz) gefördert. Das Bergwerk Glückauf dient heute als Versatzbergwerk und wird von der Glückauf Sondershausen Entwicklungs- und Sicherungsgesellschaft mbH (GSES) betrieben. Teile der unterirdischen Anlagen wurden Ende der 1990er Jahre zu einem Besucherbergwerk ausgebaut. Größter Betrieb ist momentan in Sondershausen die Fertigungsstätte der WAGO Kontakttechnik GmbH Co. KG mit über 1000 Beschäftigten. Hergestellt werden Federklemmen und -systeme für die Elektroinstallation.

Verkehr

Der Bahnhof Sondershausen ist Halt für Regionalexpresszüge und Regionalbahnen der Bahnstrecke Nordhausen-Erfurt. Auf der von Sondershausen nach Bretleben führenden Kyffhäuserbahn wurde der Personenverkehr im Dezember 2006 eingestellt.

Die Stadt liegt an der Bundesstraße 4 zwischen Nordhausen und Erfurt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

In Sondershausen gibt es ein Schlossmuseum mit umfangreichen Sammlungen, z. B. die „Goldenen Kutsche“. Unter der Stadt befindet sich ein zum Besucherbergwerk umfunktioniertes Kalibergwerk. Unter der Galerie am Schlossberg gibt es ein 1999 ausgegrabenes jüdisches Bad aus dem 14. Jahrhundert, siehe Mikwe von Sondershausen. Sein ganzes Leben verbrachte der bedeutende Naturwissenschaftler Thilo Irmisch in Sondershausen.

Musik

Sondershausen führt neben dem Beinamen Bergstadt auch den Beinamen „Musikstadt“. Musikalische Traditionen lassen sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen.

Die Hofkapelle ist erstmals 1637 erwähnt worden und wurde 1918 in Loh-Orchester Sondershausen umbenannt, heute Bestandteil der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen. Hier wirkten Musiker wie Max Bruch, Gottfried Herrmann, Franz Liszt und Max Reger. Der Musikwissenschaftler Hugo Riemann lehrte am fürstlichen Konservatorium in Sondershausen, wo Max Reger für drei Monate sein Schüler war. Der Musikwissenschaftler Philipp Spitta ließ sich 1867 von Tallinn an das Gymnasium in Sondershausen versetzen.
Das von Carl Schroeder (1848-1935) im Jahre 1883 gegründete Konservatorium bildete bis 1938 Musiker aus. Zu den bekanntesten Schülern zählt unter anderen der Berliner Operettenkomponist Walter Kollo.
Außerdem wirken in der Stadt auf dem Gebiet des Chorgesangs der Albert-Fischer-Chor, die Madrigalisten und der Ökumenische Chor. Jährlich können junge Musiker aus vielen Ländern im Schloss die Meisterkurse für Violine besuchen.

Sondershausen ist darüber hinaus auch Namensgeber des Sondershäuser Verbandes Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) (Dachverband der nichtschlagenden musischen Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich). Neben Verbandfesten im fünfjährigen Turnus veranstaltet der SV hier regelmäßig Verbandstagungen und Fortbildungsseminare und ist darüber hinaus mit eigenen Konzerten regelmäßig in Sondershausen anzutreffen.

Sondershausen ist seit dessen Gründung Sitz der Landesmusikakademie Thüringen

Gesellschaften

Von 1932 bis 2003 war Sondershausen Sitz der Luther-Akademie Sondershausen e.V.. Kulturinteressierte Bürger finden sich zusammen in der Goethe-Gesellschaft und der Johann-Karl-Wezel-Gesellschaft. Zwei Karnevalsvereine organisieren jährlich einen der größten Rosenmontagsumzüge Thüringens.

Parks

  • Schlosspark: ab 1837 wurde der Park durch Carl Eduard Petzold, der auch den Parkteich anlegte, unter Einbeziehung von Schloß, Stadt und Umgebung nach den Prinzipien eines Landschaftsgartens umgestaltet, zum "Fürstlichen Park zu Sondershausen". Gegen Ende des 2. Weltkriegs und in den Nachkriegsjahrzehnten wurde die Anlage stark beeinträchtigt, bis es seit 1991 zu Instandsetzungsarbeiten kam.
  • Alter Gottesacker mit Gedenkstein für den Dichter Johann Karl Wezel

Ausflugsziele

Ein Ausflugsziel nahe Sondershausens ist der Freizeit- und Erholungspark Possen, der Teil der Hainleite ist. Im Bereich des Possens verändert sich die Hainleite zu einer Hochebene. Hier steht mit dem Possenturm der höchste Fachwerkturm Deutschlands (42 m), mit Fernsicht bis zum Brocken.

Weiter Ausflugsziele mit Aussicht im Süden Sondershausens sind der Spatenberg und das Rondell Sondershausen.

Unter Sondershausen verlaufen in 600 m Tiefe die Stollen eines ehemaligen Kalibergwerkes. Heute ist es zum Besucherbergwerk umfunktioniert, welches unter Tage vielfältige Aktivitäten anbietet. Am 20. November 2007 spielte hier die amerikanische Band Queens of the Stone Age das tiefstgelegene Rockkonzert der Geschichte [7].

Sondershausen, Marktplatz
Schloss, Gartenseite
Schloss, Innenhof
Schlossplatz, Innenhof
Erlebnisbergwerk Sondershausen

Bauwerke

  • Schloss Sondershausen: aus einer Burg und anschließendem Renaissanceschloss hervorgegangene und später erweiterte, mehrflügelige Anlage. Der Barockflügel von 1764 bis 1771 wurde im 19. Jahrhundert klassizistisch purifiziert, der Schmuck über der Hofseite präsentiert nach seiner Restaurierung wieder die historisch korrekte Barockdekoration. Besonders erwähnenswert sind der „Blaue Saal“ und im großzügigen Park das „Achteckhaus“, welches über einen drehbaren Tanzboden verfügte und heute für Konzerte genutzt wird.
  • Früheres Prinzenpalais (1721 - 1725). Es diente unter anderem in der Zeit von 1835 bis 1851 dem Fürst als Ausweichquartier. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude am Markt von Sondershausen beherbergt jetzt das Landratsamt des Kyffhäuserkreises.
  • St. Trinitatiskirche (evangelisch, barocke Saalkirche aus dem 17. Jahrhundert, von 1987 bis 1997 saniert). Hier finden häufig musikalische Veranstaltungen statt.
  • Gottschalcksches Haus (Barockes Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert)
  • Cruciskirche. Das älteste Gebäude von Sondershausen.

Natur

Die Umgebung von Sondershausen bietet mit ihren Wäldern in der Hainleite (hauptsächlich Buchenwald), südlich von Sondershausen, und der Windleite, nördlich von Sondershausen, eine umfangreiche Artenvielfalt von Pflanzen. Besonders Orchideen kann man hier finden, wie den Frauenschuh, Fuchs' Knabenkraut und das Weiße Waldvöglein. Ebenfalls häufig zu finden sind geologische Aufschlüsse und Fossilien (vorwiegend Kopffüßler (Ceratiten) und versteinerte Seelilien).

Sport

In Sondershausen haben sich 39 Sportvereine und ein Country- und Westernclub gebildet, die folgende Sportarten anbieten: Badminton, Basketball, Behinderten/Reha-Sport, Billard, Fußball, Handball, Judo, Karate, Kegeln, Leichtathletik, Luftsport (Ultraleicht), Motorsport, Radsport (Straße, Bahn), Reit- und Fahrsport, Schach, Schießsport, Schwimmen, Tauchsport, Tischtennis, Turnen/Gymnastik, Volleyball, Wandern, Tennis und Wasserski.

Über die Stadt hinaus bekannt ist die in Sondershausen geborene Eisschnellläuferin Gunda Niemann-Stirnemann. Das Besucherbergwerk bietet Leichtathletikveranstaltungen mit internationaler Beteiligung. Bekannt sind inzwischen der Untertage-Marathon und das Radrennen unter Tage. Weitere regelmäßige Sportveranstaltungen im Bergwerk sind: der Kristall-Lauf, der Sommer-Biathlon, Fechten, Kugelstoßen und Wandern unter Tage.

Außerdem findet in der Stadt jährlich das „Internationale Sparkassenmeeting der Leichtathletik“ mit vielen Medaillengewinnern der laufenden Saison statt. Jedes Jahr am dritten Wochenende im März gibt es den „Possenlauf“ und an jedem zweiten Wochenende im Oktober den „Stadtparklauf“.

Bekanntester Sportverein ist der Fußballverein BSV Eintracht Sondershausen (bis 1990 BSG Glückauf Sondershausen). Der Verein spielte von 1980 bis 1987 in der DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse) und wurde 2000 Landesmeister in der Landesliga Thüringen. Danach war er fünf Jahre in der NOFV Oberliga Süd (4. Liga). Spielstätte des Vereins ist das Sportzentrum „Am Göldner“ mit 5.000 Plätzen, davon 1.700 überdachten Sitzplätzen.

Bildung

In Sondershausen war bis 1990 die einzige Bibliothekarschule der DDR beheimatet. An Bildungseinrichtungen sind vorhanden: drei Grundschulen (dazu eine in Schernberg), zwei Regelschulen, zwei staatliche Gymnasien, ein Förderzentrum für Lernbehinderte, ein Förderzentrum mit Schwerpunkt für geistige Entwicklung, ein Staatliches Berufsschulzentrum (mit Berufsschule und Bibliothekarschule), eine Zivildienstschule, eine Volkshochschule mit 13 Außenstellen und eine Musikschule mit 15 Außenstellen.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Carl von Bloedau (1804-1886), Arzt, Kommunalpolitiker
  • Kurt Lindner (1877-1966), Unternehmer
  • Carl Schroeder (1848-1935), Hofkapellmeister, Komponist, Gründer des Konservatoriums

und 15 weitere Ehrenbürger von 1848 bis 1933. Seitdem wurden keine neuen Ehrenbürger ernannt.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Rudolf Arzinger (1922–1970), Völkerrechtler
  • Felix Becker (1864–1928), Kunsthistoriker
  • Johann Günther Friedrich Cannabich (1777–1859), Geograf
  • Edmund Döring (1860–1938), Heimatforscher
  • Ernst Ludwig Gerber (1746–1819), Komponist, Musikschriftsteller, Musiker
  • Thilo Irmisch (1816–1878), Botaniker
  • Günther Jahn (* 1933), Maler
  • Olaf Koch (* 1932), Rektor der Hochschule für Musik, Berlin
  • Michael Kohl (1929–1981), Jurist, stellv. Außenminister der DDR
  • Karl Krieghoff (1905–1984), Heimatdichter
  • Vera Lengsfeld (* 1952), Politikerin
  • Georg Lewin (1820–1896), Dermatologe, Hochschullehrer
  • Kurt Lindner (1906–1987), Jagdwissenschaftler
  • Valentin Ernst Löscher (1674–1749), Theologe, Schriftsteller
  • Günther Lutze (1840–1930), Botaniker, Heimatforscher, Chronist
  • Joachim Manard (Manhard, Manardt) (1564–1637), Chronist der Stadt
  • Ludwig Günther Martini (1647–1719), Jurist
  • Hermann Müller (1891–1984), Heimatforscher
  • Gunda Niemann-Stirnemann (1966–), Eisschnellläuferin
  • Ronald Paris (1933–), Maler
  • Heinz Scharr (* 1924), Bildender Künstler
  • Ferdinand Schlufter (1871–1948), Bürgermeister
  • Werner Schubert (1921–1991), Maler
  • Johann Friedrich Suckow (1769–1842), Musiker
  • Johann Karl Wezel (1747–1819), Dichter
  • Jörg Hoffmann (* 1963), Rennrodler, Olympiasieger von 1988 in Calgary
  • Volker Strübing (* 1971), Schriftsteller, Autor und Liedermacher.

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen

  • Albrecht von Halberstadt (Albertus) (um 1200), Dichter, Domherr
  • Max Bruch (1838–1920), Komponist, Kapellmeister
  • Heinrich Leonhard Brügmann (1832–1893), Unternehmer, Gründer des Kalischachtes
  • Christian Wilhelm von Schwarzburg-Sondershausen (1645-1721), Graf, 1697 durch Kaiser Leopold in den Reichsfürstenstand erhoben, ließ das Renaissance-Schloß in Sondershausen barock umbauen und machte die Stadt zu einem kulturellen Mittelpunkt Nordthüringens
  • Georg Friedrich Meinhart (1651-1718) evangelischer Theologe und Superintendent
  • Carl Corbach (1867–1947), Violinvirtuose, Dirigent, Leiter des Konservatoriums
  • Max von Erdmannsdörfer (1848–1905), Komponist, Dirigent
  • Albert Fischer (1873–1916), Kammersänger, Gesangspädagoge
  • Heinrich Friedrich Frankenberger (1824–1885), Komponist
  • Karl von Gerber (1823–1891), Jurist
  • Nikolaus Dietrich Giseke (1724–1765), Lyriker
  • Günther Friedrich Karl I. (1760-1837), Regierender Fürst von 1794-1835, legte mit Einführung von öffentlichen Konzerten, Theaterbauten 1815 und 1825 und Berufung von Hermstedt zum Hofkapellmeister Grundlagen zur "Musikstadt Sondershausen"
  • Günther Friedrich Karl II. (1801-1889), Regierender Fürst 1835-1880, gab dem Land 1841 die 1. Verfassung, unter ihm Beginn der Industrialisierung von Sondershausen, holte Schinkelschüler Scheppig aus Berlin und beauftragte ihn mit klassizistischer Umgestaltung von Schloß und Umfeld
  • Günther Victor von Schwarzburg-Rudolstadt (1852-1925), ab 1909-1918 in Personalunion auch Regierender Fürst von Schwarzburg-Sondershausen, war bis 1918 letzter Bundesfürst des Deutschen Kaiserreichs, dankte als letzter deutscher Fürst am 25. November 1918 ab
  • Willi Hera (1903-); Komponist
  • Carl Gustav Heraeus (1671–1725), Gelehrter, Hofrat
  • Johann Simon Hermstedt (1778–1846), Fürstlicher Hofkapellmeister, Klarinettist
  • Albert Hetterle (1918–2006), Schauspieler, Intendant
  • Anni Karstädt (1906–2006), Vortragskünstlerin
  • Edmund König (1858–1939), Kommunalpolitiker
  • Eugenie Marlitt (John) (1825–1887), Erzählerin
  • Ferdinand Menge (1876–1962), Maler
  • Max Reger (1873–1916), Komponist
  • Hugo Riemann (1849–1919), Musikwissenschaftler
  • Carl Scheppig (1803–1885), Architekt und Fürstlicher Hofbaurat, klassizistische Umgestaltung des Residenzschlosses und seiner Umgebung, Bau der Hauptwache und des Prinzenpalais
  • Erdmann Schott (1900–1983), Theologe, Luther-Akademie
  • Philipp Spitta (1841–1894), Musikwissenschaftler, Hofkapellmeister
  • Hans Stieber (1886–1969), Dirigent, Komponist
  • Sigismund Strophius (–1591), Chronist der Schwarzburger
  • Wilhelm Joseph von Wasielewski (1822–1896), deutscher Violinist, Dirigent und Musikwissenschaftler

Literatur

  • Hendrik Bärnighausen: Historische Bauten und Sehenswürdigkeiten in Sondershausen. Donhof, Arnstadt 1990, ISBN 3-86162-004-9.
  • Bettina Bärnighausen: Sondershausen um 1900. Donhof, Arnstadt 1991, ISBN 3-86162-005-7.
  • Bruno Falley, Siegfried Lange: Sondershausen. In: Thüringer Städte. Heft 11. Perthes, Gotha 1994, ISBN 3-623-00972-5.
  • Helmut Röttig: "Sondershausen. Aus der Vergangenheit", Bildarchiv Röttig, Sondershausen 2001
  • Eberhard von Wasielewski: Sondershausen. Nachklang einer Jugend. Donhof, Arnstadt 1992, ISBN 3-86162-008-1.

Siehe auch

Quellen

  1. Thüringer Landesamt für Statistik: Bevölkerung nach Gemeinden
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 175, ISBN 3-88864-343-0
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 178, ISBN 3-88864-343-0
  4. Sondershausen von Rudolf Zießler. In Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg, Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2, S. 496 - 497
  5. Jan Eik und Klaus Behling: Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR. Verlag Das Neue Berlin. Berlin 2008. ISBN 978-3-360-01944-8. S.68
  6. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 30; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X
  7. Daniel Koch: Queens Of The Stone Age: Stoner im Stollen. In: Intro, 22. November 2007

Weblinks


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