Berlin-Buch

Buch
Ortsteil von Berlin

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Über dieses Bild
Koordinaten 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O52.63361111111113.499166666667Koordinaten: 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O
Fläche 18,2 km²
Einwohner 12.892 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 710,3 Einwohner/km²
Postleitzahl 13125
Ortsteilnummer 0309
Verwaltungsbezirk Pankow

Buch ist ein Ortsteil im Bezirk Pankow von Berlin. Buch ist geprägt von dem alten Dorfkern, verschiedenen Krankenhaus-Ansiedlungen und Bereichen mit Plattenbau-Bebauung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1342. Das Dorf Buch lag nordöstlich von Berlin an der Panke, einem Nebenfluss der Spree.

Bis zum 17. Jahrhundert residierten hier nacheinander die Gutsherren von Bredow, Wiltberg, Röbell und Schmetstorp. 1669 erwarb Reichsfreiherr von Pölnitz das Anwesen. Einige Bucher Straßen sind noch heute nach den ehemaligen Gutsherren benannt. Von den Pölnitz-Erben kaufte 1724 der Geheime Etatsrat Adam Otto von Viereck das Gut. Er ließ 1731 bis 1736 die heute restaurierte Barockkirche errichten und baute das Landhaus im barocken Stil zum Schloss um. Wenig später entstand die Orangerie. Der Viereckepoche folgte 1761 die der Familie von Voss, die das Schloss 1881 nochmals umbauen ließen.

1898 erwarb die Stadt Berlin das Gut Buch für 3,5 Mio. Goldmark. Auf einem Teil der Flächen entstand bis 1929 die Krankenhausstadt Buch. In fünf Anlagen wurden vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann Kliniken für Psychiatrie/Irrenanstalten, Tuberkulosebehandlung und Alterskrankheiten errichtet. Damit war Buch der größte und modernste Heilstandort Europas. Von Schäden im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, beherbergen Teile dieser Anlagen bis heute medizinische Einrichtungen verschiedener Träger (Charité, Helios Kliniken).

Auf anderen Flächen des Gutes (dann „Hobrechtsfelde“ genannt) entstand nach einem Konzept von Rudolph Virchow (und vom Stadtbaurat James Hobrecht umgesetzt) der für damalige Verhältnisse modernste Bestandteil der Berliner Abwasser- und Kanalisationsanlagen. Als Versickerungsflächen in Form von Rieselfeldern dienten sie bis in die 1970er-Jahre. Nach der Umstellung auf moderne Kläranlagen erfolgte ein langsame Renaturierung. Wegen der Belastung mit Schadstoffen sind die Flächen immer noch nicht frei zu benutzen.

Der medizinische Standort Buch zeichnete sich von Anfang an durch eine enge Beziehung zwischen Behandlung und Forschung aus. Hier befand sich das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung (KWI), an dem der bedeutende Hirnforscher Oskar Vogt und seine Frau Cecile Vogt bis zu ihrer Absetzung durch die Nationalsozialisten tätig waren. Das KWI war nach 1949 als medizinisch-biologisches Institut Bestandteil der Akademie der Wissenschaften der DDR. Hier befand sich ein Forschungszentrum auf den Gebieten der Krebs- und Zellforschung. In dieser Tradition steht der 1992 entstandene „Campus Berlin-Buch“, dessen größte Einrichtung heute das Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC), eine biomedizinische Großforschungseinrichtung, ist. Unter anderem durch das MDC ist Berlin-Buch heute einer der wichtigsten Biotechnologiestandorte in der Region Berlin-Brandenburg. Zurzeit wird überlegt, ob in Buch ein Wissenschaftsmuseum, das sogenannte „Life-Science-Center“, untergebracht wird.

Sehenswürdigkeiten

Bedeutendstes historisches Bauwerk von Buch ist die 1736 vollendete Schlosskirche. Die Kirche wurde bereits teilweise restauriert (in den nächsten Jahren wird auch der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchturm wieder errichtet) und bildet heute einen architektonischen Mittelpunkt Buchs. Sie ist der Überrest der Gutsschlossanlage von Buch. Das barocke Schloss und die Orangerie überstanden den Zweiten Weltkrieg mit geringen Schäden, wurden jedoch später wegen Bauschäden infolge mangelnder Instandhaltung abgerissen (Orangerie 1955, Schloss 1964).[1] In ihrer unmittelbaren Nähe befindet sich der Bucher Schlosspark mit einem alten Baumbestand. Die historischen Wege und Wasserläufe werden in ihrer ursprünglichen Form wieder hergestellt. Auf einem abgegrenzten Teil des Parks befindet sich das Sowjetische Ehrenmal Buch.

Der ehemalige Gutshof liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schlosskirche und wurde noch bis ca. 1964 landwirtschaftlich genutzt. Bereits in den 1920er-Jahren schwärmte Käthe Kollwitz in einem offenen Brief von dem einzigartigen Ensemble des damaligen Gutshofes und hätte ihn sich als einen Künstlerhof vorgestellt. Nach einer Initiative engagierter kunstsinniger Menschen, die sich unter anderem auf den Brief von Käthe Kollwitz beriefen, wurde in den 1980er-Jahren der damals sehr verfallene Gutshof von der DDR-Führung zum „Künstlerhof Buch“ umgebaut und eingerichtet. Zu jener Zeit arbeiteten etwa 30 Künstler auf diesen Hof, um zunächst vorrangig staatliche Auftragskunst zu produzieren.

Nach einer Initiative des seinerzeitigen Kultursenators Ulrich Roloff-Momin übernahm 1992 die Akademie der Künste das Areal, unter deren Regie der ehemalige Gutshof teilweise saniert und weiter ausgebaut wurde. Die kurze Blütezeit, in der neben zahlreichen Ausstellungen auch klassische Konzerte und Theater gezeigt und aufgeführt wurden, fand durch die Einstellung der vergleichsweise geringen Förderung durch das Land Berlin 2003 ein Ende. In dem ungewissen Schicksal, durch den Liegenschaftsfonds an einen potenten Investor verkauft zu werden, arbeiten derzeit unter der Leitung des „Künstlerhof Berlin-Buch e.V.“ etwa 25 Künstler (Maler, Bildhauer, Klang-, Licht- und Installationskünstler) sowie Restauratoren auf dem Areal. Auf dem weiträumigen Gutshof sind einige bis sechs Meter hohe Metallskulpturen zu sehen.

Gesäumt wird der Hof mit dem restaurierten Gutshaus, einer großen Scheune und ehemaligen Ställen, in dem die gut ausgebauten Werkstätten, wie eine große Holzwerkstatt und die lebendige Schmiede zu finden sind. Weiter sind der ehemalige Speicher, eine Galerie, der ehemalige Taubenturm als Wahrzeichen des Künstlerhofes oder das Gesindehaus zu sehen.

Am S-Bahnhof Berlin-Buch erkennt man noch heute Überreste des ursprünglichen Bahnhofs. Dieser lag an der Stettiner Bahn, durch die der Ort schon Ende des 19. Jahrhunderts an die Region Großberlin angeschlossen wurde. Die Eingliederung erfolgte dann im Jahr 1920 durch das Groß-Berlin-Gesetz. Seitdem war Buch ein Ortsteil des Bezirks Pankow.

Klima

Klimadiagramm Berlin-Buch

In Buch herrscht das für den Berliner Raum übliche gemäßigte Klima, das von Norden und Westen vom atlantischen Klima und aus dem Osten vom kontinentalen Klima beeinflusst wird. Wetterextreme wie Stürme, starker Hagel oder überdurchschnittlicher Schneefall sind selten.

Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge von 564,4 mm[2] ist geringer als der bundesweite Durchschnitt von zirka 800 mm. Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 66 mm im Juni. Im Februar fällt der geringste Niederschlag mit 34 mm. Pro Jahr scheint die Sonne durchschnittlich 1595 Stunden.[3] Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,8 °C.

Die höchste in Buch gemessene Temperatur betrug 38,2 °C am 11. Juli 2010, die tiefste wurde am 9. Februar 1956 mit −24,5 °C gemessen. Der wärmste Monat war bisher in der Messreihe seit 1951 der Juli 2006 mit einer Durchschnittstemperatur von 23,3 °C. Der meiste Niederschlag fiel am 8. August 1978 mit 108,5 l/m².

Die regelmäßige Wetteraufzeichnung begann 1951 mit einer Messstation auf dem Gelände des Hufelandkrankenhauses. Später wurde in Buch das Forschungsinstitut für Bioklimatologie im Lindenberger Weg errichtet. Seit 1993 befindet sich dort die Abteilung Hydrometeorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Bevölkerungsentwicklung

Nach einer maximalen Einwohnerzahl von 16.750 im Jahr 1991 leben heute rund 13.000 Menschen in Buch. Diese verteilen sich auf die Gebiete des alten Dorfkerns, das Siedlungsgebiet der „Kolonie Buch“, das ab 1880 entstand, und die modernen Neubausiedlungen, die ab 1967 errichtet wurden (Buch I–IV).

Persönlichkeiten

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: Berlin-Buch – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Die Panke im Schlosspark Buch – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Berlin-Buch. Die Gesundheitsregion: Der Ort – Orts-Chronik
  2. Deutscher Wetterdienst: Mittlere Niederschlagshöhe 1961–1990.
  3. Deutscher Wetterdienst: Mittlere Sonnenscheindauer 1961–1990.

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