Berlin-Fennpfuhl

Fennpfuhl
Ortsteil von Berlin

Berlin Brandenburg Wartenberg Falkenberg Malchow Neu-Hohenschönhausen Alt-Hohenschönhausen Fennpfuhl Lichtenberg Rummelsburg Friedrichsfelde KarlshorstFennpfuhl auf der Karte von Lichtenberg
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Koordinaten 52° 31′ 42″ N, 13° 28′ 27″ O52.52833333333313.474166666667Koordinaten: 52° 31′ 42″ N, 13° 28′ 27″ O
Fläche 2,12 km²
Einwohner 31.480 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 14.849 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 10367 und 10369
Ortsteilnummer 1111
Verwaltungsbezirk Lichtenberg

Fennpfuhl ist ein Ortsteil im Bezirk Lichtenberg von Berlin. Der Name leitet sich vom Wohngebiet am Fennpfuhl beziehungsweise dem dortigen Fennpfuhl ab. Erst nach der Verwaltungsreform 2001 wurde das Wohngebiet zu einem eigenen Ortsteil, zuvor gehörte es zu Lichtenberg mit dem Zusatz (Nord). Fennpfuhl ist nach Friedenau der am zweitdichtesten besiedelte Ortsteil Berlins.

Inhaltsverzeichnis

Planungen

Blick auf den Fennpfuhlpark, im Zentrum das Hochhaus am Anton-Saefkow-Platz

Im April 1961 wurde mit der Bebauung des damaligen Gebietes Lichtenberg (Nord) begonnen. Die Planung war in drei Bauabschnitte untergliedert. Das insgesamt zu bebauende Gebiet umfasst eine Fläche von 175 Hektar. In der Erich-Kuttner-Straße am Rande des Gebietes (Bauabschnitt I) wurde das erste Haus des künftigen Plattenbau-Typs P2 errichtet, eines der meistgebauten Wohnungstypen der DDR. Das als Muster- und Experimentalbau errichtete Gebäude steht mittlerweile unter Denkmalschutz.[1]

Dem heutigen Neubaugebiet mussten einige Kleingartenanlagen und eine alte Randbebauung um den Roederplatz herum weichen. Erste Ausschreibungen für die Bebauung des feuchten Gebietes gab es bereits 1956/1957 als gesamtdeutschen Architekturwettbewerb Fennpfuhl, die der Hamburger Architekt Ernst May gewonnen hatte. Die Realisierung wurde wegen der zu erwartenden Probleme mit der Trockenlegung des Gebietes und aus Geldmangel auf unbestimmte Zeit verschoben.[2]

Die Bauphase von 1972 bis 1986

Am Langpfuhl, 1976
Die Kirche am Fennpfuhl

Am 2. Dezember 1972 erfolgte dann mit der Grundsteinlegung für das Doppel-Hochhaus am Roederplatz der offizielle Baubeginn für das Gebiet am Fennpfuhl, das die erste zusammenhängende Plattenbau-Großwohnsiedlung der DDR wurde. In den nächsten Jahren entstanden im heutigen Fennpfuhlgebiet Wohnhäuser für 50.000 Einwohner. Von der sehr dünnen alten Bebauung blieb nur wenig erhalten. Neben einem größeren Komplex von Wohnhäusern aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Karl-Lade- und Erich-Kuttner-Straße blieben lediglich einige Gebäude an der Alfred-Jung-Straße sowie zwischen der Josef-Orlopp-Straße und der Herzbergstraße auf der Ostseite der Möllendorffstraße erhalten. Außerdem gibt es an Altbauten noch das 1912 in Betrieb genommene Schulgebäude in der Paul-Junius-Straße (jetzt Musikschule Lichtenberg und Volkshochschule), eine ehemalige Fabrikantenvilla am Anton-Saefkow-Platz, die auch als Standesamt des Bezirks dient, ein Kinderheim in der Möllendorffstraße sowie Reste einer ehemaligen Fabrik in der Franz-Jacob-Straße.

Gleichzeitig mit der Umbenennung der Landsberger Chaussee im Gebiet in Leninallee wurden am 11. Juli 1973 nördlich der Landsberger Chaussee sowie östlich des Weißenseer Wegs sechs neu angelegte Straßen benannt. Ebenso wie fünf weitere Straßen und der Anton-Saefkow-Platz, die am 2. April 1975 im Zentrum und im Süden des Gebietes benannt wurden, erhielten sie Namen von kommunistischen Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus aus der Gruppe um Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein. Am 14. Januar 1976 erfolgten die Umbenennungen des Weißenseer Wegs in Ho-Chi-Minh-Straße nach dem ersten (nord)vietnamesischen Präsidenten Ho Chi Minh sowie der Möllendorffstraße in Jacques-Duclos-Straße nach dem französischen kommunistischen Politiker Jacques Duclos.

Die Bebauung um den als gesellschaftliches Zentrum geplanten Anton-Saefkow-Platz mit Wohnhochhäusern mit Geschäften, einer Schwimmhalle, einer Sporthalle und einem Kaufhaus (Konsument) sowie die Anlage des Fennpfuhlparks dauerte hingegen auf Grund von Bauproblemen wegen des morastigen Untergrunds noch bis in die 1980er Jahre.

Gaststättenkomplex Seeterrassen, im Oktober 2008 abgerissen
Blick über den Park zum Anton-Saefkow-Platz

Zwischen 1978 und 1981 wurde der frühere Fennpfuhl mit dem ebenso alten Langpfuhl zu einem zusammenhängenden Gewässer verbunden und eine Brücke über den Verbindungskanal gebaut, die Fennpfuhlbrücke. Um das Gewässer wurde unter Einbeziehung vorhandener alter Bäume ein Park angelegt. Ein zweigeschossiges Gasthaus, die Seeterrassen, wurde direkt am Fennpfuhl gebaut. Der Name ist vermutlich eine Anlehnung an die hier um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts vorhandene Vergnügungslokalität Seeterrasse, die gut besucht war und auch kulturelle Veranstaltungen ausrichtete, wofür sie sogar über Tribünen verfügte.

1983/1984 errichteten Bauarbeiter aus dem erzgebirgischen Schwarzenberg am Rande des Parks das evangelische Gemeindezentrum Am Fennpfuhl. Es war das zweite neue Gotteshaus, das auf Basis eines am 6. März 1976 vereinbarten Kirchenneubauprogramms zwischen Erich Honecker und Albrecht Schönherr fertiggestellt wurde.

Die aus der vorherigen Bebauung erhalten gebliebene 1905/1906 errichtete Fabrikantenvilla im neoklassizistischen Stil, die während der Bauzeit für Lichtenberg (Nord) der Bauleitung gedient hatte, wurde nach Bauabschluss renoviert und am 12. Mai 1986 zum neuen Standort des Standesamtes Berlin-Lichtenberg, das zuvor im Lichtenberger Rathaus angesiedelt war.

Änderungen und Ergänzungen von 1987 bis 1990

An der Leninallee Ecke Ho-Chi-Minh-Straße hatten die Planungen eine Sportanlage mit Aschenbahn und Fußballstadion vorgesehen. Die Fläche wurde längere Zeit offen gehalten. Doch nach einer Besichtigung des Neubaugebietes durch wichtige Vertreter des damaligen Berliner Magistrats wurde an dieser Stelle eine Wohnbebauung vorgenommen. Es entstanden drei von Bauarbeitern aus Frankfurt (Oder) errichtete Punkthochhäuser. Ein kleinerer Sportplatz wurde danach etwas weiter südlich an der Ho-Chi-Minh-Straße doch noch fertiggestellt.

Nach 1990

Hochhaus am Anton-Saefkow-Platz

Die Handels- und Dienstleistungsqualität des Ortsteils wurde durch Um- oder Neubauten erheblich verbessert. So zog das Warenhaus Horten in das alte Konsument-Gebäude, (später Kaufhof bis April 2007), die drei Gebäude des ehemaligen Bauarbeiter-Hotels nordöstlich des Wohngebietes wurden mit einem Neubau zusammengefasst (wofür die Gaststätte „Suhler Eck“ abgerissen wurde) und zu einem neuen Hotelkomplex (heute Quality Hotels und Holiday Inn) mit eigener Gaststätte Wilhelmsberg aufgewertet. Die Einkaufs- und Bürozentren Storkower Bogen am S-Bahnhof Storkower Straße, City-Point-Center am Roederplatz sowie die Landsberger Spitze an der Landsberger Allee Ecke Oderbruchstraße entstanden. Unmittelbar westlich des Gebietes wurde am S-Bahnhof Landsberger Allee das Einkaufs- und Dienstleistungscenter Forum Landsberger Allee an der Ecke Storkower Straße am 5. November 1998 eröffnet.

1992 erhielten die den Ortsteil querenden großen Magistralen, die Leninallee, die Ho-Chi-Minh-Straße und die Jacques-Duclos-Straße nach Empfehlungen des Senats von Berlin ihre früheren Namen zurück.

Bis 2001 wurden fast alle Wohnhäuser saniert. Der Besitzer der meisten Wohngebäude im Fennpfuhl-Gebiet war bereits von Anfang an eine Genossenschaft, die AWG-Elektrokohle, aus der nun nach Beschluss durch die Mitgliederversammlung die Wohnungsbaugenossenschaft Lichtenberg e.G. (WGLi) wurde. Diese Genossenschaft saniert seit 1991 ihre Wohngebäude, das Umfeld wird durch Grünanlagen und Parkmöglichkeiten aufgewertet. Ebenso wurde das Altersheim an der Judith-Auer-Straße umfassend saniert. Die frühere HO-Kaufhalle an der Judith-Auer-Straße/ Ecke Landsberger Allee, in die kurzzeitig Kaiser's eingezogen war, wurde abgetragen. An ihrer Stelle entstand ein – durch den deutschen Architekten Hinrich Baller realisierter – Wohn- und Geschäftskomplex in sehr eigenwilliger Architektur, der den Namen Castello erhielt.

Ende 2001 wurde die Sanierung des Fennpfuhl-Gebietes abgeschlossen. Die WGLi zog aus ihren alten provisorischen Baracken an der Paul-Junius-Straße in einen Neubau an der Landsberger Allee, in dem auch attraktive Eigentumswohnungen vorhanden sind. An Stelle der Baracken entstand im Herbst 2007 eine gärtnerische Anlage, die den Fennpfuhlpark erweitert.

Der Gaststättenkomplex Seeterrassen wurde nach einigen Neubewirtschaftungsversuchen um das Jahr 2000 leergezogen. Weil sich kein neuer Betreiber oder Erwerber finden ließ, wurde das Gebäude im Oktober 2008 abgetragen. Die Fläche wurde schrittweise eingeebnet und in den Park voll mit einbezogen.

Im Jahr 2010 erfolgte durch den Verein Junge Tauchpioniere Berlin e.V. eine umfangreiche Grundreinigung des Sees.

Siehe auch

Literatur

  • Hauptstadt der DDR Berlin. Stadtinformationen und Straßenverzeichnis von 1977 und 1978. VEB Tourist Verlag 1977, 1978.

Weblinks

 Commons: Berlin-Fennpfuhl – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Musterbau P2 an der Erich-Kuttner-Straße
  2. Ostberlin. Am Fennpfuhl; In: Der Spiegel Nr. 17/1957 vom 3. April 1957

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