Berlin-Heiligensee

Heiligensee
Ortsteil von Berlin

Berlin Heiligensee Konradshöhe Frohnau Tegel Hermsdorf Waidmannslust Lübars Märkisches Viertel Wittenau Reinickendorf BrandenburgHeiligensee auf der Karte von Reinickendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 37′ 0″ N, 13° 14′ 0″ O52.61666666666713.233333333333Koordinaten: 52° 37′ 0″ N, 13° 14′ 0″ O
Höhe 30–65 m ü. NN
Fläche 10,7 km²
Einwohner 17.643 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 1649 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 13503, 13505
Ortsteilnummer 1204
Gliederung
Verwaltungsbezirk Reinickendorf
Ortslagen

Heiligensee ist der westlichste Ortsteil des zwölften Berliner Verwaltungsbezirks Reinickendorf.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Das ursprüngliche Dorf liegt auf einer Halbinsel zwischen der Havel und dem namensgebenden Heiligensee. Inzwischen erstreckt sich der Ortsteil längs der Havel weiter nach Süden bis zum Ortsteil Konradshöhe.

Die nördliche und westliche Grenze entspricht der von Berlin: Die Stadt grenzt hier an den Landkreis Oberhavel mit den Gemeinden Hennigsdorf und Hohen Neuendorf. Auf der östlichen Seite grenzt Heiligensee an Tegel und auf der nordöstlichen Seite an Frohnau. Heiligensee beinhaltet die kleine Ortslage Schulzendorf. Eine natürliche Grenze bildet dabei der Tegeler Forst im Osten und Süden und der Nieder Neuendorfer See im Westen.

Die Baumberge (früher auch Der Bumberg) sind eine Besonderheit in Heiligensee. Es ist eine Binnendünenlandschaft, die zum Ende der letzten Eiszeit entstand. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Baumberge bis in die 1980er-Jahre als französisches Manövergebiet benutzt. Die Franzosen waren damals alliierte Schutzmacht in Reinickendorf.

Geschichte

Wappen von Heiligensee

Die erste nachweisliche Besiedlung Heiligensees fand etwa 2000 v. Chr. durch germanische Semnonen statt. Sie wurden etwa 300 n. Chr. durch slawische Wenden abgelöst. Nach dem Sieg Albrecht des Bären über die Wenden (um das Jahr 1200) kamen deutsche Bauern nach Heiligensee, die gegen 1250 eine Kirche errichteten. Etwa zu dieser Zeit wurde Heiligensee ein Rittersitz, um den Havelübergang zu kontrollieren. 1308 erfolgte erstmals eine urkundliche Erwähnung Heiligensees. Es erlangte seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zunehmend Bekanntheit, weil es am damals stark frequentierten Pilgerweg Berlin–Wilsnack lag. Seit dem 1. Oktober 1920 ist Heiligensee ein Teil von Berlin. Im August/September 2008 beging Heiligensee mit zahlreichen Veranstaltungen sein 700-jähriges Jubiläum, meist rund um den historischen Dorfanger. Hierbei wurde am 12. September 2008 eine Stele des Berliner Künstlers Kai Dräger mit einer Umzäunung des Kunstschmieds Jupp Kaiser von der damaligen Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura enthüllt.

Wirtschaft

Bis ins 20. Jahrhundert lebten die Bewohner Heiligensees größtenteils von den Erträgen der Landwirtschaft. Davon zeugen noch heute das bewirtschaftete Südfeld an der Heiligenseestraße und das Mittelfeld in der Straße Am Dachsbau.

In den 1930er Jahren wurde die Borsigsiedlung errichtet, in der die Arbeiter der Borsigwerke lebten.

Heutzutage füllt die Firma Underberg an der Hennigsdorfer Straße unter anderem ihren Boonekamp ab. Auf dem Nachbargelände stellt die Firma Tetra-Pak ihre bekannten Verpackungen her.

Das ehemalige Straßenbahndepot ist das letzte Gewerbegrundstück am historischen Dorfkern von Alt-Heiligensee. Von 1989 bis 2003 hatte dort der Steinrestaurierungs- und Steinmetzbetrieb Steinforum seinen Sitz. Bis April 2009 war dort die Prometheus Projekt GmbH ansässig, ein Unternehmen, das innovative IT- und CNC-Technologie mit traditionellem Handwerk verbindet. Im Oktober 2008 wurde das Grundstück vom Liegenschaftsfonds Berlin an eine Immobilienverwaltungsgesellschaft verkauft.

Kunst

Zwischen 1939 und 1978 lebte die bekannte Collagekünstlerin Hannah Höch in ihrem Haus An der Wildbahn 33. Im ehemaligen Straßenbahndepot am historischen Dorfanger (Alt-Heiligensee 73–75) war von 1989 bis 2008 der Künstler und Bildhauer Kai Dräger mit seinem Atelier ansässig.

Öffentliche Einrichtungen

Kindergärten

  • Elterninitiativ-Kindertagesstätte Regenbogenkinder e.V., Sandhauser Straße 145
  • Dachskinder e.V., Am Dachsbau 3–5, Kindertagesstätte mit naturverbundenem Konzept.
  • Montessori-Kinderhaus Zwergenstube e.V., Am Bärensprung 42

Grundschulen

In Heiligensee befinden folgende Grundschulen:

  • die Ellef-Ringnes-Grundschule (bis 1967 17. Grundschule) im Stolpmünder Weg 45
  • die Otfried-Preußler-Grundschule (2010 aus der Heiligensee-Grundschule und der Erpelgrund-Schule zusammengelegt) in der Schulzendorfer Straße 99–101
  • außerdem der Grundschulteil des Martin-Luther-King-Förderzentrums (Klassen 3 bis 6) im Stolpmünder Weg 47

Oberschule

Im Kurzebracker Weg 40–46 befindet sich die Albrecht-Haushofer-Oberschule, eine Sekundarschule.

Diakonieeinrichtung

In Schulzendorf, unweit des gleichnamigen S-Bahnhofes, befindet sich das 1966 gegründete Diakonie-Zentrum. Das Besondere an diesem Zentrum ist die soziale Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Altersklassen und Schichten. So helfen sich die Menschen mit professioneller Unterstützung gegenseitig.

Auf dem Gelände des Diakoniezentrums befindet sich seit Dezember 2010 die Demokratische Schule X (Gemeinschaftsschule in freier Trägerschaft).

Justiz

In den ehemaligen Flak-Kasernen von 1937 in der Ruppiner Chaussee 268 befindet sich die offene Justizvollzugsanstalt Heiligensee mit über 240 Haftplätzen.

Feuerwehr

In Alt-Heiligensee steht mitten auf dem historischen Dorfanger die alte Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr von Heiligensee. Hier finden auch die regelmäßigen Übungen statt.

Kirchengemeinden

Es befinden sich drei Kirchengemeinden in Heiligensee, davon sind zwei evangelischer und eine katholischer Konfession:

  • Die Kirche der katholischen St. Marien-Gemeinde befindet sich in der Schulzendorfer Straße 74/78 unweit der Erpelgrundschule. Die Kirche gehört seit dem 1. Juli 2004 zur katholischen Gemeinde Herz Jesu, deren Pfarrkirche und Pfarrhaus sich in Berlin-Tegel befinden.
  • Die Kirche der evangelischen Matthias-Claudius-Gemeinde befindet sich in der Schulzendorfer Straße 19–21.

Die beiden anderen Kirchen, die zur evangelischen Kirchengemeinde Heiligensee gehören, befinden sich

  • auf dem Dorfanger in Alt-Heiligensee (Dorfkirche Heiligensee) und
  • in der Borsigsiedlung im Stolpmünder Weg 35–43 (Waldkirche) direkt neben der Ellef-Ringnes-Grundschule.

Weiterhin versammelt sich eine Religionsgemeinde der Zeugen Jehovas im eigenen Saal am Mattenbuder Pfad 21.

Freizeiteinrichtungen

In Heiligensee befinden sich zahlreiche Jugendfreizeitheime und Spielplätze. So zum Beispiel

  • das Walter-May-Schullandheim am Elchdamm in den Baumbergen,
  • das Jugendfreizeitheim auf dem Dorfanger und
  • das Freibad Heiligensee in der Sandhauser Straße 132–140.

Verkehr

Öffentlicher Nahverkehr

Aktuell ist Heiligensee durch die Linie S25 (früher Kremmener Bahn) über die Bahnhöfe Schulzendorf (b. Tegel) und Heiligensee mit dem Berliner S-Bahn-Netz, sowie tagsüber mit den Bus-Linien 124, 133 (Richtung Tegel), 324 (Richtung Konradshöhe) und mit den Nachtbuslinien N24, N22 verbunden.

Individualverkehr

Nahezu parallel zur Bahntrasse führt seit 1987 die A 111 als Europastraße 26 durch den Ortsteil. Die Anbindung erfolgt über die Anschlussstelle 3 – Schulzendorfer Straße. Bis zum Mauerfall befand sich auf Höhe der Polizeikaserne auf dieser Strecke auch der Grenzkontrollpunkt Heiligensee in die DDR.

Historisches

Meilenstein in der Ruppiner Chaussee

Im Jahre 1840 wurde ein Meilenstein in der heutigen Ruppiner Chaussee mit der Aufschrift „II MEILEN bis BERLIN“ errichtet. Mit „Berlin“ bezog man sich seinerzeit auf das Oranienburger Tor und eine preußische Meile entspricht einer Strecke von etwa 7,53 Kilometern. Dieser Meilenstein ist noch heute dort zu sehen.

Im Mittelalter befuhr eine Fähre die engste Stelle des Nieder Neuendorfer Sees und verband somit die Dörfer Heiligensee und Nieder Neuendorf. Davon zeugt noch heute die Namensgebung der beiden Straßen: Fährweg auf Nieder Neuendorfer Seite und Fährstraße auf Heiligenseer Seite. Mit Errichtung einer Brücke in Hennigsdorf im Jahre 1506 fuhren allerdings immer seltener Menschen mit der Fähre. Das Fährrecht an dieser Stelle besteht allerdings noch bis heute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand unter sowjetischer Besatzung eine Behelfsbrücke, die wenige Jahre später wieder abgetragen wurde.

Am 29. Mai 1913 eröffnete die Straßenbahn der Gemeinde Heiligensee an der Havel ihren Betrieb und verband das Dorf Heiligensee mit Tegel über die damalige Kirschallee (heute Heiligenseestraße). Hiervon zeugt noch heute das alte – inzwischen unter Denkmalschutz stehende – Depot am Dorfanger (Alt-Heiligensee 73–75) und der breite Grünstreifen entlang der Heiligenseestraße. 1920 übernahm die Große Berliner Straßenbahn mit der Eingemeindung des Dorfes zu Groß-Berlin auch die Straßenbahn. Aufgrund der Eröffnung der U-Bahnlinie U6 in Tegel wurde die Straßenbahnlinie am 1. Juni 1958 eingestellt. Von diesem Zeitpunkt an übernahmen Busse diese Strecke.

In der Zeit um den Ersten Weltkrieg befand sich ein kleiner Flugplatz in Schulzendorf zwischen den heutigen Straßen Am Dachsbau und der Heiligenseestraße.

Galerie

Literatur

  • Gerhard Kühn: Heiligensee Chronik. 3 Bände, 1977–1982, Ev. Kirchengemeinde Berlin-Heiligensee (auszugsweise auch unter www.kg-heiligensee.de).
  • Ralf Schmiedecke: Archivbilder Reinickendorf – Berlins grüner Norden. Sutton Verlag GmbH, ISBN 3-89702-587-6.

Weblinks

 Commons: Berlin-Heiligensee – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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