Berlin-Marienfelde

Marienfelde
Ortsteil von Berlin

Berlin Friedenau Schöneberg Tempelhof Mariendorf Marienfelde Lichtenrade BrandenburgMarienfelde auf der Karte von Tempelhof-Schöneberg
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 25′ 0″ N, 13° 22′ 0″ O52.41666666666713.366666666667Koordinaten: 52° 25′ 0″ N, 13° 22′ 0″ O
Fläche 9,15 km²
Einwohner 30.144 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 3294 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12277, 12279, 12249
Ortsteilnummer 0705
Verwaltungsbezirk Tempelhof-Schöneberg

Berlin-Marienfelde ist ein Ortsteil des – seit 2001 neuen – siebten Verwaltungsbezirkes Tempelhof-Schöneberg im Süden von Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Dorfkirche

Das Angerdorf entstand, gemeinsam mit dem benachbarten Mariendorf, etwa um 1220 als Bauernsiedlung im Schutz des Komturhofs Tempelhof, der von Tempelrittern errichtet worden war. Die früheste bekannte urkundliche Erwähnung (als Merghenvelde) stammt von 1344. Das Dorf gehörte anfangs zu den Ländereien des Templerordens, nach dessen Auflösung ab 1312 zum Johanniterorden. 1435 ging es in den Besitz des Berliner Magistrats über. Seit 1831 gab es häufige Besitzwechsel. 1844 kaufte Adolf Kiepert das Gut und schuf einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb.

Bis 1800 war Marienfelde ein kleiner Ort mit weniger als 200 Bewohnern. Etwa ab 1850 nahm die Zahl der Einwohner langsam zu. Nach der Eröffnung des Bahnhofs Marienfelde im Jahr 1875 begann die Entwicklung des nördlichen Gebietes. Auf dem Gelände der Baumschulen Hranitzky entstand ab 1888 westlich der Eisenbahn die Villenkolonie Neu-Marienfelde. In dieser Zeit begann auch östlich der Eisenbahn die Entwicklung des Industriegebietes. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden nun schon fast 4.000 Einwohner gezählt. Der Krieg unterbrach die Aufwärtsbewegung.

1920 wurde Marienfelde mit der Bildung Groß-Berlins Teil des Bezirks Tempelhof. Etwa ab 1925 begann der Ausbau südlich der Villenkolonie. Im Südosten, zwischen Schichauweg und Landesgrenze, entstand entlang der Eisenbahn eine Siedlung. Diese wurde 1938 dem Ortsteil Lichtenrade zugeordnet. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gab es in Marienfelde über 10.000 Bewohner.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kern von Neu-Marienfelde durch Bombenangriffe weitgehend zerstört. Ende 1945 war die Einwohnerzahl auf etwas über 8.000 gesunken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Alt- und Neu-Marienfelde zusammen. Einfamilienhäuser und Mietwohnungen entstanden in den 1950er und 1960er Jahren nördlich des alten Ortskerns, insbesondere auf den südwestlichen Freiflächen und den Ländereien des Klosters zum Guten Hirten. 1970 wurden etwa 18.000 Einwohner registriert.

In den 1970er-Jahren entstand das von Hochhäusern geprägte Wohngebiet um die Waldsassener Straße und das Industriegebiet Nahmitzer Damm /Motzener Straße. Bis 1977 erhöhte sich die Zahl der hier wohnenden Menschen auf über 32.000. Im Jahr 1989 wurde das bisherige Maximum mit 33.126 Bewohnern registriert. Seit der Wiedervereinigung geht die Einwohnerzahl leicht zurück.

Der Ort

Der alte Dorfkern hat sich bis heute erhalten können. Durch weitgehende Verkehrsberuhigung bietet er die Möglichkeit zur Erholung. Er wird durch die um 1220 erbaute Dorfkirche markiert. Diese ist das älteste erhaltene Bauwerk Berlins und eine der ältesten Feldsteinkirchen der Mittelmark. Der Dorfanger geht unmittelbarer in den Gutspark über.

Westlich des Angers befindet sich das ehemalige Kloster vom Guten Hirten, das von 1905 bis 1968 als Erziehungsheim für Frauen und Mädchen betrieben wurde.

Am südlichen Stadtrand liegt der Freizeitpark Marienfelde und die Marienfelder Feldmark, ein Rest von landwirtschaftlicher Nutzung am Rande der Großstadt.

Wirtschaft

Im Nordosten von Marienfelde entstand um 1900 entlang der Eisenbahn ein großes Industrie- und Gewerbegebiet. Bekannte Unternehmen entstanden hier, darunter:

Zu den hier ansässigen großen Wirtschaftsunternehmen, die ihren Sitz zum Teil in dem in den 1960er Jahren angelegten Industriegebiet an der Motzener Straße haben, gehören Daimler, IBM, Klosterfrau und Stollwerck. Am Diedersdorfer Weg sind Dienststellen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz untergebracht: Teile des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, des Bundesinstituts für Risikobewertung und des Friedrich-Loeffler-Instituts.

Am 23. November 2004 gründeten sieben Unternehmen (Bartelt und Sohn, Immobilienservice Wesner, India-Dreusicke Berlin, Klosterfrau Berlin, Semperlux, Weber, Willy Vogel AG) das UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V. Der Zusammenschluss soll bei dringlichen Fragen gegenüber der Politik und der Verwaltung ein kompetentes Wort mitsprechen und engagiert sich auch in sozialen Belangen, wie beispielsweise bei der Einrichtung einer Kindertagesstätte mit Öffnungszeiten, die den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen. Die Unternehmen arbeiten bei zahlreichen Projekten zusammen, so im Einkauf, bei der Aus- und Weiterbildung sowie der Entwicklung eines Gebietsprofils und haben am 22. November 2007 das erste „Industriefest“ organisiert. Der Informations- und Meinungsaustausch wird über eine internetgestützte Kommunikationsplattform organisiert. Dieses erste gebietsbezogene und selbstorganisierte Unternehmensnetzwerk in einem industriell geprägten Gewerbegebiet in Deutschlands entstand im Rahmen eines EU-geförderten und vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg finanzierten Projektes. Es wurde von den Büros Regioconsult Berlin (regionalökonomische Beratung) sowie Planer-gemeinschaft (Stadtplanung) begleitet. In diesem Bereich sind ca. 220 Betriebe mit rund 7000 Mitarbeitern ansässig.

Notaufnahmelager Marienfelde

Hauptartikel: Notaufnahmelager Marienfelde

Der Ortsteil ist bekannt für sein Notaufnahmelager in der Marienfelder Allee, in dem zwischen 1953 und 1989 hunderttausende Deutsche aus der DDR auf ihrer Flucht in den Westen aufgenommen und versorgt wurden. Seit 1964 und insbesondere seit der Wiedervereinigung diente das ehemalige Notaufnahmelager auch als Heim für Spätaussiedler.

Seit April 2005 präsentiert die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in erheblich erweitertem Umfang das Leben in diesem Lager. Dieses Museum zeigt durch Erinnerungsstücke und Dokumente das Schicksal der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland. Schwerpunkt ist die Flucht aus der DDR zwischen 1952 und dem Mauerbau 1961 sowie den Folgejahren bis 1989.

Im Oktober 2005 wurde mit dem Abgeordnetenhauspräsidenten Walter Momper ein Koffer als Gedenken an die Flüchtlinge des Ostens enthüllt.

Zum Ende des Jahres 2008 wurde das ehemalige Notaufnahmelager Marienfelde geschlossen, da es nun auch als Übergangswohnheim für Spätaussiedler ausgedient hatte. Die Gedenkstätte und das zugehörige Museum bleiben weiterhin erhalten.

Der Senat von Berlin hat die Schließung des Notaufnahmelagers Ende 2010 erneut rückgängig gemacht und benutzt es wieder als Wohnheim. Die zahlreichen Kinder, die im Jahr 2011 dort untergebracht werden, bekommen von Lehrern und Lehrerinnen der Kiepert-Schule in Räumen des Notaufnahmelagers sogar regelmäßigen Schulunterricht erteilt. Die Kiepert-Schule ist seit Jahren die für das Notaufnahmelager Marienfelde zuständige Grundschule.

Verkehr

Schienenverkehr

Siemens-Drehstrom-Schnelltriebwagen, 1903

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in Marienfelde die Stromrichterstation für die erste Anlage zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung errichtet („Elbe-Projekt“), die allerdings nicht mehr in Betrieb ging.

Bereits seit 1875 führt die Dresdner Bahn durch Marienfelde. Diese Strecke wird derzeit nur von der S-Bahn (Linie S2 zwischen Blankenfelde (Landkreis Teltow-Fläming) und Bernau) befahren, wenn man von den einzelnen Müllzügen der BSR nach Schöneicher Plan bei Zossen absieht. Sie hat drei Haltepunkte im Ortsteil: S-Bahnhof Marienfelde, S-Bahnhof Buckower Chaussee und S-Bahnhof Schichauweg, der allerdings zum größten Teil in Lichtenrade liegt. Der Bahnhof Marienfelde war ein Vorortbahnhof an der Dresdner Bahn mit einem Abfertigungsgebäude, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Geblieben ist ein S-Bahnsteig mit überdachtem Zugang. Zum Bahnhof gehört ein Rangierbereich. Über die S-Bahn-Trasse werden auch Güterzüge zum Ölhafen Lankwitz und in das Gewerbegebiet Gradestraße geführt.

Rekordfahrten

Zwischen Marienfelde und Zossen wurden auf der Militär-Eisenbahn Marienfelde–Zossen–Jüterbog zwischen 1901 und 1904 verschiedene Schnellfahrtversuche mit elektrischen Lokomotiven und Triebwagen durchgeführt. Diese Fahrzeuge wurden mit Drehstrom von 10 kV und variabler Frequenz angetrieben. Die Stromzuführung erfolgte über drei übereinander angeordnete Oberleitungen. Es wurden Geschwindigkeiten von bis zu 210,2 km/h erreicht.

Busverkehr

Folgende Buslinien fahren nach oder durch Marienfelde:

Individualverkehr

Am südlichen Stadtrand Berlins liegt in Marienfelde der Knotenpunkt zwischen einer Ost-West-Achse (Nahmitzer Damm, Hildburghauser Straße) und den von Norden aus der Stadt nach Süden herausführenden Straßen, der Bundesstraße 101 (Marienfelder Allee, Großbeerenstraße) und der Verbindung nach Lankwitz (Malteserstraße).

Die Bundesstraße 101 vom Berliner Ortsteil Mariendorf nach Aue im Erzgebirge ist eine wichtige Berliner Ein- und Ausfallstraße zum Autobahnring A 10. Unmittelbar hinter der Stadtgrenze liegt an dieser Straße das Güterverteilzentrum Großbeeren. Dieses und die Industrie- und Gewerbegebiete in Marienfelde, Mariendorf und Tempelhof sorgen für einen lebhaften Lkw-Verkehr auf den Hauptstraßen im Ort.

Söhne und Töchter Marienfeldes

Sonstiges

Die Eingangsseite der Kapelle auf dem Friedhof Marienfelde

In Marienfelde entwarf der deutsche Architekt Bruno Möhring einige Häuser. Die sehenswerte Villa Emilienstraße 17 Ecke Bruno-Möhring-Straße hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und strahlt heute in neuem Glanz. Möhring leitete die Renovierung der Dorfkirche und entwarf die sehenswerte Kapelle auf dem evangelischen Friedhof Marienfelde. Sein eigenes Wohnhaus in der heutigen Bruno-Möhring-Straße 14a ist durch eine neuere Randbebauung des Grundstückes nur noch schwer zu erkennen.

Der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke war seit 1926 Direktor der Deutschen Bauernschaft. Er ließ das Haus Emilienstraße 16 errichten.

Der Ausbau der Dresdener Bahn zu einer schnellen Fernbahntrasse ist geplant. Die Anschlüsse zum Nord-Süd-Tunnel am S-Bahnhof Priesterweg sind bereits gebaut.

Schulen und Ausbildungsstätten

Grund- und Sonderschulen

  • Marienfelder Grundschule Haus 1 (ehemals Alfred-Adler-Grundschule) im Erbendorfer Weg 13
  • Marienfelder Grundschule Haus 2 (ehemals Malteser Grundschule) im Tirschenreuther Ring 69
  • Kiepert-Schule in der Prechtlstraße 21–23, die auch die Kinder im Notaufnahmelager Marienfelde schulisch betreut
  • Steinwald Schule im Hanielweg 7–9 bietet besondere Fördermöglichkeiten
  • Katholische Schule St. Alfons in der Tennstedter Straße 1
  • Katholische St. Hildegard Schule in der Malteserstraße 171a, die speziell auf gesundheitlich geschädigte Kinder ausgerichtet ist

Weiterführende Schulen

Ausbildungsstätten

  • Ausbildungszentrum des Berufsförderungswerkes für Bauberufe ist der Lehrbauhof Berlin in der Belßstraße 12

Literatur

  • Hans-Werner Fabarius: 100 Jahre Berlin-Marienfelde in 333 Bildern. herausgegeben vom Gemeindekirchenrat der evangelischen Kirchengemeinde Marienfelde 2006.
  • Hans-Werner Fabarius: Marienfelde – Vom Dorf zum Stadtteil Berlins. herausgegeben vom Gemeindekirchenrat der evangelischen Kirchengemeinde Marienfelde 2001.

Weblinks

 Commons: Berlin-Marienfelde – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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