Berlin-Pankow

Pankow
Ortsteil von Berlin

Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowPankow auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 34′ 9″ N, 13° 24′ 12″ O52.56916666666713.403333333333Koordinaten: 52° 34′ 9″ N, 13° 24′ 12″ O
Fläche 5,66 km²
Einwohner 56.692 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 10.016 Einwohner/km²
Postleitzahlen 13187, 13189
Ortsteilnummer 0307
Verwaltungsbezirk Pankow

Pankow [ˈpaŋkoː] ist der namensgebende Ortsteil des Berliner Bezirks Pankow.

Im Sprachgebrauch können Örtlichkeiten von Pankow auch in den nördlich angrenzenden Bebauungen von Heinersdorf (Pankow-Heinersdorf) und Niederschönhausen (Pankow-Schönhausen) liegen. Pankow liegt im Urstromtal der Panke und ist nach diesem Nebenfluss der Spree benannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vom 13. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Pankow ist eine slawische Gründung, ein Wendendorf, das auf dem Pankower Piesel, einer Landerhebung entstand. Pankow wurde vermutlich um 1230 gegründet, wobei die erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahr 1311 nachzuweisen ist. Eine ausführliche Beschreibung Pankows, über seine Siedler und die Besitzverhältnisse ist in dem 1375 verfassten Landbuch Kaiser Karls IV. enthalten.

Die dörfliche Entwicklungsetappe vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde von einem städtischen Aufschwung der Gründerjahre im 19. Jahrhundert abgelöst.[1] Noch immer ist der ursprüngliche Dorfcharakter am Verlauf der Breiten Straße zu erkennen, die den ursprünglichen Dorfanger mit der Kirche im Zentrum nachzeichnet. Das am Anfang der heutigen Damerowstraße befindliche Kavalierschloss unterstreicht diese gewachsene Struktur des Ortsteils. Von hier aus starteten im 19. Jahrhundert die Jagdgesellschaften nach Buchholz und darüber hinaus in das Umland. Dieses Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kindergarten genutzt.

In den folgenden Jahrhunderten wurde Pankow von wechselnden Besitzverhältnissen geprägt, u. a. kaufte es 1691 auch der Kurfürst Friedrich III. und ließ das Schloss Schönhausen errichten. Damit erhielt Pankow eine verstärkte Bedeutung als Residenz des Hauses Hohenzollern. Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Entwicklung zu einem Ort der Sommerfrische für die Städter ein, was wiederum zu einem Ausbau der Infrastruktur führte. Das heutige Straßensystem wurde um 1900 herum angelegt unter Nutzung vorhandener früherer Handelswege wie der Wollankstraße.

1920 wurde Pankow durch das Groß-Berlin-Gesetz als Ortsteil zum Bezirk Pankow eingemeindet. Das Rathaus Pankow ist bis heute Sitz des Bezirksbürgermeisters.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges stieß die Rote Armee nach Pankow zuerst über Heinersdorf vor. Im Bereich der Prenzlauer Promenade /Binzstraße fanden erbitterte Gefechte mit letzten Gruppen des Volkssturms statt, die sich in der Neumannstraße verschanzt hatten. Am 22. April 1945 schlugen die Truppen ihr Quartier in der Binzstraße auf. In Höhe der Trelleborger Straße wurde eine Begräbnisstätte für die gefallenen Sowjetsoldaten errichtet. Die Umbettung der Toten erfolgte mit der Errichtung des Ehrenmals in der Schönholzer Heide.

Ortsteilgeschichte bis in das 21. Jahrhundert

Zwischen 1945 und 1949 war Pankow ein Ortsteil im Sowjetischen Sektor Berlins und zwischen 1949 und 1990 Ortsteil im Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow. Zu diesem Verwaltungsbereich gehörten die heute eigenständigen Ortsteile Niederschönhausen mit Schönholz und Nordend, Rosenthal mit Wilhelmsruh, Blankenfelde, Buchholz, Heinersdorf, Blankenburg, Karow und Buch.

In den 1980er Jahren ließ der Magistrat von Berlin größere Flächen von Kleingartenanlagen räumen und auf dem gewonnenen Bauland neue Wohnviertel errichten, beispielsweise beiderseits der Arnold-Zweig-Straße.

Nach der Wende war (Alt-)Pankow dann zwischen 1990 und 2001 Ortsteil im Bezirk Pankow. Nach der Bezirksverwaltungsreform des Jahres 2001 blieb Pankow weiterhin ein Ortsteil im nunmehr vergrößerten Bezirk Pankow.

Großbauvorhaben Pankower Tor

Im Bereich des früheren Güterbahnhofs zwischen den Stationen Pankow und Pankow-Heinersdorf, nördlich begrenzt durch die S-Bahntrasse und südlich durch den Straßenzug Granitzstraße/Prenzlauer Promenade, entsteht ab 2012 schrittweise das neue Stadtviertel Pankower Tor. Hier engagiert sich der unweit in Schlossparknähe aufgewachsene Unternehmer Kurt Krieger, dem u. a. die Einrichtungshäuser Möbel-Krieger, Höffner und Sconto gehören. Ein neues Straßensystem wird eine Schule für 1.200 Schüler, einen Stadtpark, ein Einkaufszentrum und zwei Möbelhäuser aufnehmen. Zu dem von Krieger erworbenen und bereits seit einigen Jahren in der Planungsphase befindlichen Areal gehört auch der denkmalgeschützte Rund-Lokschuppen an der Heinersdorfer Brücke.[2][3] Der Rangier- und Güterbahnhof wurde 1996 stillgelegt. Die Mehrheit der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat die Planungen Kriegers auf ihren Sitzungen bislang unterstützt (Stand: Mai 2011).[4]. Damit andere Einkaufszentren und weitere Geschäfte im Bezirk nicht gefährdet werden, einigte sich die BVV mit dem Investor auf einen Kompromiss: das neue Einkaufszentrum wird kleiner ausfallen und soll nicht nahe dem Bahnhof Pankow, sondern Richtung Prenzlauer Promenade gebaut werden. Krieger rechnet mit einer Investition von etwa 350 Millionen Euro und einer Fertigstellung der Baumaßnahmen bis frühestens 2021. [5]

Einwohnerentwicklung

Nachdem sich die Bevölkerungszahl seit der Gründung nicht wesentlich erhöht hatte, stieg sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf das etwa Hundertfache bis um 1910 an.[6] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der im Ortsteil durchgeführten Enttrümmerung gab es eine stetige Zunahme der Einwohner, die erst seit 1990 wieder rückläufig ist.

Bevölkerungsentwicklung
1801 1850 1856 1860 1870 1880 1890 1900 1910 1920 1930 2010
286 1.037 1.343 1.611 2.105 4.109 7.480 21.534 29.346 61.070 72.064 56.324

Verkehr

S-Bahn

Im Ortsteil befinden sich die S-Bahn-Stationen Pankow und Pankow-Heinersdorf, die von den Linien S2, S8 und S9 bedient werden. Ebenfalls noch auf dem Gebiet des Ortsteils Pankow an der Grenze zu Wedding liegt der Bahnhof Wollankstraße (Linien S1, S25, S85).

U-Bahn

Außerdem gibt es zwei U-Bahnhöfe, beide an der U-Bahnlinie 2 gelegen. Bis 1993 hieß der heutige U-Bahnhof Vinetastraße, der am 1. Juli 1930 eröffnet wurde, noch Pankow (Vinetastraße). Ursprünglich war er als Vinetastraße eröffnet worden. Damals war eine Verlängerung über den heutigen Bahnhof Berlin-Pankow bis Pankow-Kirche geplant. Die Weltwirtschaftskrise verhinderte jedoch den Weiterbau. Der Bahnhof befindet sich unterirdisch, sodass die vom Hochbahnhof Schönhauser Allee kommenden Züge eine Rampe herunterfahren müssen.

Der heutige U-Bahnhof Pankow ist der Endbahnhof der U2. Er wurde am 16. September 2000 eröffnet. Bereits 1988 wurde die Strecke nördlich des Bahnhofs Vinetastraße verlängert, um eine geplante Betriebswerkstatt anzuschließen. Diese wurde jedoch aufgrund des Falls der Mauer nie verwirklicht. 1994 wurden die Gleisanlagen dann zu einer Kehrgleisanlage erweitert und 1997 begann der Weiterbau bis zum Umsteigebahnhof mit der S-Bahn. Hinter dem Bahnhof befindet sich eine Kehrgleisanlage, die auch bei einem immer noch geplanten Ausbau bis Pankow-Kirche in die Strecke miteinbezogen werden kann.

Öffentlicher Nahverkehr

Mehrere Straßenbahn- und Omnibuslinien erschließen den Ortsteil. Ein großer Verkehrsknoten ist der Bereich um den Bahnhof Pankow.

Bürgermeister

Im Jahr 1920 wurde Pankow nach Groß-Berlin eingemeindet. Die Bürgermeister des Bezirks Pankow sind dort beschrieben.

Bedeutende Baudenkmale in Pankow

Alte Bäckerei in der Wollankstraße
Darrentürme der Alten Mälzerei
Ehemaliges Jüdisches Waisenhaus, heute Bibliothek und Schule
Typisches Gründerzeithaus in der Florastraße 26
  • Rathaus Pankow[7]
  • Alte und Neue Mälzerei an der Mühlenstraße aus dem Jahr 1874, die derzeit zu Wohnzwecken umgebaut wird
  • Alte Pfarrkirche Zu den vier Evangelisten aus dem 15. Jahrhundert, erweitert durch Friedrich August Stüler in den Jahren 1858/1859
  • das barocke Kavaliershaus in der Breiten Straße aus dem Jahr 1770
  • Alte Bäckerei in der Wollankstraße als letztes Zeugnis der dörflichen Bebauung[8]
  • die 1912/1913 mit Anklängen an den Jugendstil erbaute Hoffnungskirche
  • Amtsgericht in der Kissingenstraße, 1902–1906 im Stil des fränkischen Barock erbaut, heute ein Dienstgebäude des Amtsgerichts Pankow-Weißensee[9]
  • Kissingenviertel mit seinen Wohnensemblen aus den 1920er und 1930er Jahren.[10]
    Das in den 1920er Jahren geschaffene Wohngebiet Prenzlauer Promenade, Binzstraße, Retzbacher Weg und Kissingenstraße gehört zu den architektonischen Besonderheiten aus dieser Zeit, da die Wohnblocks mit sogenannten Zeppelindächern versehen wurden und in dieser Art einmalig sind
  • ehemaliges Jüdisches Waisenhaus[11]
  • ehemaliges Jüdisches Lehrlingsheim, heute die Caragiale-Bibliothek[12]
  • mehrere Schulgebäude aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, darunter das ehemalige Realgymnasium (für Jungen)[13] heute Rosa-Luxemburg-Oberschule
  • das Postamt Pankow in der Berliner Straße[14]
  • Villa Garbáty in der Berliner Straße 126/127 [15]

Pankow in der Kunst, in den Medien und im Sport

Die im Norden Berlins gelegene Ortschaft Pankow mit ihren umliegenden Gebieten galt bereits Ende des 19. Jahrhunderts als beliebtes Ausflugsziel. In diversen Liedern kommt Pankow vor, so zum Beispiel in:

„Komm Karlineken komm […] wir woll'n nach Pankow geh'n […] Pankow, kille, kille, Pankow […]“

oder in

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel […] Auf der Schönholzer Heide da gab's 'ne Keilerei […]“

Im Jahre 1983 veröffentlichte Udo Lindenberg sein Lied Sonderzug nach Pankow, nachdem die DDR-Behörden seinen Wunsch abgelehnt hatten, in der DDR ein Konzert geben zu können.

Der Fußballverein VfB Einheit zu Pankow war 1893 (damals als VfB Pankow) gilt als Erfinder von Vereinsnamen wie VfB, VfL, VfR.[16]

Siehe auch

Literatur

  • Ralph Hoppe: Bolle reiste jüngst … – Pankow im Wandel der Geschichte. be.bra Verlag GmbH, Berlin-Brandenburg 1998, ISBN 3-930863-45-6.
  • Verdinand Beyer: Aus vergilbten Blättern – Geschichte von Pankow. Buchdruckerei Gutenberg, 1922.
  • Rudolph Dörrier: Pankow., Panko-Press 2000 (Nachdruck der Kleinen Chronik eine Berliner Bezirks. 1949).
  • Dirk Finkemeier, Elke Rölling und Projektgruppe: Vom petit palais zum Gästehaus – Die Geschichte von Schloß und Park Schönhausen in Pankow/Niederschönhausen. Kulturamt Pankow, Berlin 1998.
  • Heinz Knobloch: Berliner Fenster. Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig 1981, ISBN 3-354-00140-2, S. 26–73 („Bei uns in Pankow“).
  • Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 20–49.

Weblinks

 Commons: Berlin-Pankow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zur Geschichte von Pankow, Berlin.de (offizielles Stadtportal)
  2. Stefan Strauss: Ein neues Stadtviertel für Pankow. Der Unternehmer Kurt Krieger will einen Park anlegen, Wohnungen bauen und Möbel verkaufen. Artikel in der Berliner Zeitung vom 13. Mai 2011
  3. Website mit allen aktuellen Informationen zum Projekt Pankower Tor; abgerufen am 19. Mai 2011
  4. Prenzlberger Stimme: Krieg um Krieger
  5. Berliner Woche/Ausgabe Pankow vom 25. Mai 2011: Ein erster Schritt in Richtung Pankower Tor
  6. Rudolf Dörrier: Kleine Pankower Chronik. Nachdruck von 1949.
  7. BD Rathaus Pankow, Breite Straße 24a-26, 1901–1903 von Wilhelm Johow; Erweiterungsbau 1927–1929 von A. Poetschke und Rudolf Klante
  8. BD Alte Bäckerei Wollankstraße 130, Wohnhaus mit Seitenflügel, um 1860; Nebengebäude für die Bäckerei Hartmann, um 1875
  9. BD Amtsgericht Pankow mit Vorgarteneinfriedung und Gerichtsgefängnis, Kissingenstraße 5/6, 1902–1906 von Paul Thoemer und Rudolf Mönnich
  10. Baudenkmalsensemble Kissingenviertel
  11. BD ehemaliges Jüdisches Waisenhaus, Berliner Straße 120/121 (Pankow), 1912/1913 von Alexander Beer
  12. BD Caragiale-Bibliothek, Mühlenstraße 24, ehemaliges jüdisches Lehrlingsheim, 1896
  13. BD Realgymnasium Pankow mit Rektorenwohnhaus und Turnhalle, Kissingenstraße 12, 1906/1907 von Wilhelm Johow
  14. BD Postamt, Berliner Straße 12, 1924 von Carl Schmidt
  15. BD Villa Garbáty mit Gartenanlage und Einfriedung, um 1890
  16. www.vereinsnamen.de, Website über Vereinsnamen, Absatz „Vertiefungen“, unterer Bereich

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