Berlin-Rom-Wagen
Berlin-Rom-Wagen
Berlin-Rom-Wagen
Berlin-Rom-Wagen im Jahr 2011

Der Berlin-Rom-Wagen (VW Typ 60 K 10 bzw. Porsche Typ 64) war ein Sportwagen, den das Konstruktionsbüro von Ferdinand Porsche im Frühjahr 1939 nach früheren Plänen auf der Basis des KdF-Wagens (Volkswagen) entwickelte. Anlass war die für den Herbst 1939 geplante Fernfahrt von Berlin nach Rom, ein Gegenstück zu der populären Rallye Lüttich–Rom–Lüttich.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Beschreibung

Äußerlich unterschied sich der Berlin-Rom-Wagen vom VW Käfer, wie der KdF-Wagen später genannt wurde, durch eine Stromlinienkarosserie aus Aluminium (Länge ca. 4,15 m). Um einen schmalen Dachaufbau zu ermöglichen, befand sich der Fahrersitz fast in Fahrzeugmitte, sodass für den Beifahrer nur ein schräg nach hinten versetzter Notsitz blieb. Alle vier Radausschnitte waren abgedeckt. Die vorderen Abdeckungen hatten an der Innenseite Rollen, damit sie bei starkem Lenkeinschlag von den Rädern nach außen gedrückt werden konnten. Im Bug des Fahrzeugs befanden sich hintereinander zwei Reserveräder; Motor und Getriebe waren wie beim VW-Käfer im Heck, jedoch als Mittelmotor angeordnet.

Die hervorragende Aerodynamik erlaubte es, bei einer langen Getriebeübersetzung und mit dem stärksten von drei später entwickelten Motoren eine Spitzengeschwindigkeit von 190 km/h zu erreichen. (Dies war ein theoretischer Wert, da die Beschleunigung für ein Rennen bei einer solchen Auslegung zu gering gewesen wäre!) Porsche setzte mit dem Berlin-Rom-Wagen neue Maßstäbe in den Luftwiderstandswerten.

Technische Daten

Typ 60 K 10 Daten
Motor: 4-Zylinder-Viertakt-Boxermotor im Heck
Motorsteuerung: zentrale untenliegende Nockenwelle (OHV)
Kühlung: Luft (Gebläse)
Hubraum: ca. 1100 cm³
Leistung: 40 PS bei 3800/min
Getriebe: 4-Gang
Radaufhängung vorn: Kurbellängslenker
Radaufhängung hinten: Pendelachse
Federung: Drehstäbe
Radstand: 2400 mm
Spurweite vorn/hinten: 1290/1250 mm
Bereifung: 5,25–16 Zoll
Leergewicht ohne Fahrer: 525 kg
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h

Geschichtliches

Vor dem Termin der Fernfahrt Berlin–Rom brach am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg aus, sodass der Typ 60 K 10 nicht zum Einsatz kam.

Eins der insgesamt drei Fahrzeuge nutzte Ferdinand Porsche daraufhin als Kurierfahrzeug, den zweiten fuhr KdF-Leiter Bodo Lafferentz bereits 1939 zu Bruch und der dritte wurde nach dem Krieg in Österreich von amerikanischen Soldaten genutzt und schließlich zerstört. Wahrscheinlich überdauerten jedoch auch diese stark beschädigten Fahrzeuge und wurden zur Restaurierung des letzten verbliebenen Berlin-Rom-Wagens gebraucht, der auf Dr. Ing. F. Porsche zugelassen war. Dieses Fahrzeug kaufte 1949[1] der Österreicher Otto Mathé, der es bis 1951 im Motorsport einsetzte. Höhepunkt in Mathés Laufbahn als Rennfahrer war der Sieg im Alpencup 1950, in dem der Berlin-Rom-Wagen schnellster Sportwagen seiner Klasse war. Anfang der 1980er-Jahre bewegte Mathé seinen Berlin-Rom-Wagen bei mehreren Oldtimer-Veranstaltungen. Nach dem Tod von Otto Mathé im Jahr 1995 kaufte Dr. Thomas Gruber den Wagen und ließ ihn von Michael Barbach[2] restaurieren. 2009 wechselte das Auto in den Besitz der Schörghuber Gruppe, die ihn seitdem in ihrem Privatmuseum zeigt.[3]

Siehe auch

Literatur

  • Rüdiger Etzold: Der Käfer – Eine Dokumentation – II. Motorbuch, Stuttgart 1984. ISBN 3-7168-1613-2
  • Boschen/Barth: Das große Buch der Porschetypen. Motorbuch, Stuttgart 1984. ISBN 3-613-01284-7
  • Chris Barber: Der Käfer. Delius Klasing, Großbritannien 2004. ISBN 3-7688-1582-x

Einzelnachweise

  1. Volkswagen oder Porsche - Der Berlin-Rom-Wagen
  2. Homepage von Barbach
  3. Oldtimer-tv.com

Weblinks


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