Berlin-Steglitz

Steglitz
Ortsteil von Berlin

Berlin Brandenburg Wannsee Nikolassee Zehlendorf Dahlem Steglitz Lankwitz LichterfeldeSteglitz auf der Karte von Steglitz-Zehlendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 28′ 0″ N, 13° 20′ 0″ O52.46666666666713.333333333333Koordinaten: 52° 28′ 0″ N, 13° 20′ 0″ O
Fläche 6,79 km²
Einwohner 72.009 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 10.605 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12157, 12161, 12163, 12165, 12167, 12169
Ortsteilnummer 0601
Gliederung
Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortslagen

Steglitz ist ein Berliner Ortsteil im sechsten Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf, der auf das historische brandenburgische Dorf Steglitz zurückgeht.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Steglitz liegt im Südwesten Berlins, am Übergang zwischen den dicht bebauten Innenstadtbezirken und den suburbanen Villen- und Eigenheimvororten. Steglitz ist traditionell bürgerlich geprägt, zahlreiche Wohngebiete entstanden in der industriellen Epoche in der Umgebung als Villenkolonie, und bis heute liegen die üblichen sozialgeografischen Indikatoren über dem Berliner Durchschnitt.

Die Steglitzer Schloßstraße bildet das Zentrum des Ortsteils. Sie ist die zweitgrößte Einkaufsstraße Berlins[1] und somit der wichtigste Zentralort des Berliner Südens. Architektonische Besonderheiten dort sind der Bierpinsel, der Steglitzer Kreisel, das Rathaus Steglitz, das Gutshaus Steglitz und das angrenzende Schlossparktheater.

Steglitz liegt in der geologischen Hochfläche Landschaft Teltow am Höhenzug der Rauhen Berge, der heute nur noch teilweise erhalten ist. Der höchste Punkt von Steglitz ist der Fichtenberg mit 68 Metern über NN. Durch den Ortsteil fließen die Bäke und der Teltowkanal.

Der Ortsteil Steglitz grenzt von Süden beginnend innerhalb des Bezirks an die benachbarten Ortsteile Lankwitz, Lichterfelde und Dahlem, im Norden an den Ortsteil Friedenau des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Die Ortslage Südende grenzt im weiteren Verlauf im Uhrzeigersinn an die Ortsteile Schöneberg und Tempelhof des Bezirks Tempelhof-Schöneberg.

Geschichte

Herkunft des Namens und erste Erwähnung

Steglitz ist möglicherweise slawischen Ursprungs und leitet sich von stygl (deutsch: am Berghang) und der im Märkischen häufigen Endung itz (deutsch: Ansiedlung) ab.[2]

Das Dorf Steglitz ist vermutlich im Rahmen des askanischen Landausbaus während des 13. Jahrhunderts gegründet worden.[3] 1242 wurde es erstmals als Stegelitze erwähnt.[2] 1375 wurde Steglitz im Ortsregister des Landbuchs Kaiser Karl IV. erstmals beurkundet.[3]

Bis zum 18. Jahrhundert blieb Steglitz ein kleines Dorf von nur etwa hundert Bewohnern, die den kargen Böden nur bescheidene Erträge abzuringen vermochten und von den Gutsherren, die ihnen das Land lediglich zur Pacht überlassen hatten, praktisch völlig abhängig waren.[2]

Vom Dorf zum Bezirk

Steglitz profitierte von seiner Lage an der alten Reichsstraße 1, der heutigen Bundesstraße 1, die – einem mittelalterlichen Handelsweg folgend – ursprünglich über mehr als 1000 Kilometer von Aachen über Berlin und Königsberg bis an die deutsch-litauische Grenze reichte und als wichtigste Straßenverbindung Deutschlands galt. Sie wurde 1792 als erste Landstraße in Preußen gepflastert.

Im Jahr 1801[3] oder 1802[2] erwarb der preußische Staatsminister Carl Friedrich von Beyme Gut und Dorf Stegelitz.

Im Bereich der heutigen Albrecht- und Breite Straße entstand die Kolonie Neu-Steglitz.[2] Der Berliner Seidenhändler und Fabrikant Johann Adolph Heese siedelte 1840 im Gebiet der heutigen Bergstraße eine Maulbeerplantage mit Seidenraupenzucht an. Steglitz wurde zum bedeutendsten Seidenbauzentrum Preußens.[3]

1838 wurde die Strecke der Eisenbahnstrecke Berlin–Potsdam durch Steglitz gebaut, heute die S-Bahnlinie 1. 1839 erhielt Steglitz einen Bahnhof an der Strecke, der 1845 wieder geschlossen und 1864 neu eröffnet wurde. 1873 erhielt der Bahnhof Steglitz ein repräsentatives Bahnhofsgebäude, das 1965 für den Bau der Westtangente abgerissen wurde.

Im Jahre 1870 schlossen sich Stegelitz und die Kolonie Neu-Steglitz zusammen. Das Dorf Stegelitz verlor aus diesem Anlass das zweite „e“ im Namen und nannte sich nunmehr Steglitz.[2]

Die Erschließung der Vororte Berlins führte zu einem raschen Bevölkerungswachstum. Dadurch – ebenso wie durch die Gründung ausgedehnter Villenkolonien in den Nachbardörfern Lichterfelde-West und Dahlem – kam es rasch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. 1872/1873 kam es zur Gründung der Villen- und Landhauskolonie Südende, die damals aber noch kein Teil von Steglitz war. 1875 wurde der Friedhof Steglitz eröffnet.

Das seit 1886 bestehende Gymnasium Steglitz war die Keimzelle der Wandervogelbewegung, die 1901 im Ratskeller des Steglitzer Rathauses gegründet wurde und seinerseits den Ursprung der Jugendbewegung darstellt. Dessen Chronist Hans Blüher beschrieb Steglitz 1913:

„Von den Steglitzer Großbaumeistern hätte man wohl sagen können, dass sie begabte Silhouettenschneider gewesen seien. Wenn man nämlich des Abends von Osten nach Westen ging und aus der Bäkeniederung und den anderen Villenvororten auf Steglitz zukam, da sah man im Golde das aufgereckte Dorf prangen, die Kuppel des Wasserturmes oben an, die spitzen Türme des Protestantenheiligtums und des Rathauses etwas tiefer daneben, dann die ernste Schönheit der katholischen Kirche, die so breit dastand im Heldengefühle der Diaspora; […] und es gab auch in der ganzen weiten Umgebung von Berlin keine Silhouette einer Ortschaft, die in so unvergeßlichen Formen dastand, wie die von Steglitz.“

Hans Blüher[4]

1905 wurde die Straßenbahn der Gemeinde Steglitz zwischen Bahnhof und Grunewald eröffnet. Von 1912 bis 1914 verkehrte in Steglitz der Gleislobus Steglitz, einer der ersten Oberleitungsbusse der Welt.

Nachdem die Steglitzer Bevölkerung auf über 80.000 Einwohner angewachsen und Steglitz damit zur größten Landgemeinde Preußens geworden war, fand 1920 die Eingemeindung in das neu geschaffene Groß-Berlin statt.

1927 kamen in der Steglitzer Schülertragödie nach einem Selbstmordpakt zwei Schüler ums Leben.

Nationalsozialismus

Der Bezirk Steglitz zeigte bei der Reichstagswahl März 1933 die höchste Zustimmung für die Nationalsozialisten von allen Berliner Bezirken.

Seinerzeitige Stimmverteilung:

Aufgrund der Größe seiner Kirchengemeinde wurde Steglitz zu einem Hauptschauplatz des Kirchenkampfs zwischen der Bekennenden Kirche und der Glaubensbewegung der Deutschen Christen, der im Juni 1933 mit der Verhaftung des Pfarrers der Markusgemeinde Otto Großmann durch Mitglieder der SA von der Kanzel weg begann. Als Reaktion auf den Erlass der Nürnberger Rassengesetze tagte im Markusgemeindesaal im September 1935 die Steglitzer Synode.[5]

Holocaust-Mahnmal

Internationale Beachtung fand Anfang der 1990er die Auseinandersetzung im Bezirk über die Errichtung des Holocaust-Mahnmals Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz. Sie sollte an die Synagoge der jüdischen Bürger an der Düppelstraße und den Holocaust in Berlin erinnern. Nach einem Wettbewerb gewann 1992 der Entwurf über eine hochpolierte Chromstahlwand mit 1723 eingravierten Namen von jüdischen Bürgern aus Steglitz.[6] Die CDU war gegen das Denkmal, da sie die Wand für überdimensioniert hielt. Sie bezweifelte, dass am Wettbewerbsverfahren ausreichend Bürger beteiligt worden waren und führte in einem parteinahen Blatt eine öffentliche Debatte über den Sinn eines solchen Denkmals. Schließlich wurde bei der Abstimmung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 18. Mai 1994 mit den Stimmen von CDU, FDP und Republikanern die Errichtung des Denkmals abgelehnt. Da Landespolitiker den Vorgang beschämend nannten und Schaden für das Ansehen Berlins fürchteten, zog der damalige Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) das Verfahren an sich und ließ, entgegen dem Beschluss, das Mahnmal selbst aufstellen. Am 7. Juni 1995 wurde die Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz vollendet. Zum erneuten negativen Medienecho führte bei der Einweihung die Weigerung der BVV-Mehrheit, dazu Gäste aus Israel einzuladen.[7][8]

Bezirk Steglitz (von 1920 bis 2001)

Hauptartikel: Bezirk Steglitz

Mit der Schaffung von Groß-Berlin 1920 wurde Steglitz auch der Name des 12. Verwaltungsbezirkes von Berlin. Dieser wurde aus Steglitz, Groß-Lichterfelde, Lankwitz und der bisher zu Mariendorf gehörenden Villenkolonie Südende gebildet.

Die ehemalige Landgemeinde Steglitz wurde als Ortsteil Steglitz nun ein Teil des Bezirkes Steglitz. Weitere Ortsteile waren Lichterfelde und Lankwitz. Bis 1960 war Südende ein weiterer Ortsteil, danach wurde es in den Ortsteil Steglitz eingegliedert.

2001 erfolgte die Fusion des Bezirkes Steglitz mit dem Bezirk Zehlendorf zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Der Ortsteil Steglitz blieb unverändert bestehen.

Kirchen

1880 wurde die evangelische Matthäuskirche als Ersatz für die zu kleine und baufällige Steglitzer Dorfkirche eingeweiht.

Im Jahre 1900 wurde die katholische Rosenkranz-Basilika als repräsentatives Gotteshaus für die Steglitzer Katholiken erbaut.

Zwischen 1914 und 1919 wurde die evangelische Lukaskirche östlich des Ortskerns an der Bergstraße erbaut. Sie lag zunächst noch in fast unbebautem Gebiet, da die umgebenden Wohnhäuser erst anschließend in den 1920er Jahren erbaut wurden.

Die Markus-Kirche von 1912 brannte im Zweiten Weltkrieg vollständig aus und wurde in den 1950er Jahren in vereinfachter Form wiederaufgebaut.

Weitere evangelische Kirchen sind die 1958 eingeweihte Kirche in Südende und die Patmos-Kirchengemeinde, deren Gebäude 1963 entstand.

Öffentlicher Verkehr

S-Bahn
U-Bahn
Bus

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Berlin-Steglitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Verkaufsfläche betrug 2006 137.000 m², die Schloßstraße ist damit nach der an Ganzes erfassten City-West (223.000 m²) und vor dem ebenfalls sehr weitläufig definierten Zentrenbereich Kottbusser Damm / Hermannplatz / Karl-Marx-Straße in Neukölln (106.000 m²) der zweitgrößte Berliner Einzelhandelsstandort. (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung I A: Bericht zur Zentren- und Einzelhandelsentwicklung und zur Förderung der städtischen Zentren, 2007. Tabelle 2 auf Seite 12.)
  2. a b c d e f Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf: Steglitz im Wandel der Geschichte.
  3. a b c d Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf: Die Chronik von Steglitz
  4. Wandervogel. Geschichte einer Jugendbewegung. 3. Auflage. Berlin-Tempelhof 1913, S. 6.
  5. Heidemarie Oehm: Kirchenkampf in Steglitz 1933–1945.
  6. Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf: „Spiegelwand“ – Denkzeichen, ehemalige Synagoge Haus Wolfenstein
  7. Massenmord, in Metern debattiert. In: Berliner Zeitung vom 14. Mai 1994.
  8. Drei Jahre Streit und eine Allianz mit den Republikanern. In: Berliner Zeitung vom 7. Juni 2000.

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