Berlin-Weissensee

Weißensee
Ortsteil von Berlin

Buch Blankenfelde Rosenthal Wilhelmsruh Französisch Buchholz Karow Niederschönhausen Blankenburg Stadtrandsiedlung Malchow Heinersdorf Pankow Weißensee Prenzlauer BergWeißensee auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 33′ 0″ N, 13° 28′ 0″ O52.5513.4666666666677Koordinaten: 52° 33′ 0″ N, 13° 28′ 0″ O
Einwohner 45.485 (30. Juni 2008)
Postleitzahlen 13086, 13088
Ortsteilnummer 0302
Verwaltungsbezirk Pankow
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
Ehemaliger Bezirk Berlin-Weißensee

Weißensee ist ein Ortsteil im Bezirk Pankow von Berlin. Bis zur Verwaltungsreform 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Weißensee.

Bis zu seiner Auflösung 2000 war der Bezirk Weißensee der bevölkerungsärmste Bezirk Berlins, da 1985 aus dem Stadtbezirk Weißensee ein neuer Stadtbezirk Hohenschönhausen ausgegliedert wurde. Am 1. Januar 2001 wurden die drei bis dahin eigenständigen Bezirke Weißensee und Pankow und Prenzlauer Berg zum neuen Verwaltungsbezirk Pankow fusioniert. Der ehemalige Bezirk Weißensee umfasste neben dem namensgebenden Ortsteil Weißensee auch die Ortsteile Heinersdorf, Blankenburg und Karow. Spricht man vom Berliner Ortsteil Weißensee, so liegt die Betonung korrekterweise auf der dritten Silbe des Wortes und nicht etwa auf der ersten. Der Name leitet sich vom Weißen See, einem Gewässer, ab.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

13. Jahrhundert

Der am beinahe kreisrunden See gelegene Ort Weißensee wurde um 1230 als Straßendorf an der mittelalterlichen Heerstraße von Berlin über Weißensee, Malchow und Bernau nach Oderberg gegründet. Seine erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1313 zurück, als dem Heilig-Geist-Hospital in Berlin Rechte über vier Hufen aus Wittense (niederdeutsch: Heller See) veräußert wurden.

Das Dorf Weißensee entstand im 13. Jahrhundert aus dem Dorf Wittenze um den Weißen See herum. Seine Existenz geht auf eine Nebenurkunde über eine Verpfändung an Conradus von Widense (vermutlich der erste Lehnschulze des Dorfes) aus dem Jahre 1242 zurück. An einer Handelsstraße, die Böhmen und Sachsen mit der Ostsee verband, wurde das Dorf Anfang des 13. Jahrhundert gegründet. Der fischreiche See bildete die Erwerbsgrundlage der ersten Bewohner. Sie siedelten sich am Ostufer des Sees an. Reste der in dieser Zeit gebauten frühgotischen Kirche sind noch heute an der Pfarrkirche Weißensee zu sehen. Katharina von Alexandrien ist die Schutzheilige dieser Pfarrkirche. Das Wappen von Weißensee bezieht sich auf das Rad, mit dem sie gerädert, und auf das Schwert, mit dem sie gevierteilt wurde. Gegenüber der Kirche befand sich ein Lehnschulzenhof. Der Ort dehnte sich mit seinen Bauern- und Kossätenhöfen in einer Länge von 500 Meter beiderseits der Dorfstraße aus.

14. Jahrhundert

Dorfkirche Weißensee

In einer Urkunde aus dem Jahre 1313 wurde das Dorf Weißensee zum ersten Mal erwähnt. 1376 lässt der in Prag residierende Kaiser Karl IV. Weißensee wie alle Dörfer seines Herrschaftsbereichs in das „Landbuch der Mark Brandenburg“ eintragen. Im 14. Jahrhundert waren vorrangig Berliner Bürger Eigentümer oder Pächter des Dorfes.

15. bis 18. Jahrhundert

1486 belehnte Kurfürst Johann Cicero den Berliner Gewandschneider Thomas von Blankenfelde mit einem Bauernhof und machte ihn zum ersten Gutsherren von Weißensee.

Um 1540 wurde in Weißensee ein Rittergut eingerichtet, das in der Folgezeit mehrere Male geteilt wurde und häufig seine Besitzer wechselte. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) wurde Weißensee mehrmals besetzt, so 1636 und 1639 von den Schweden. Nach dem Ende des Krieges leben in Weißensee nur noch drei Familien. Erst 30 Jahre später wohnten hier wieder 143 Menschen.

Carl Gottlob von Nüßler vereinigte 1745 die getrennten Güter und errichtete am Südufer des Sees ein schlichtes Gutshaus.

„Weißensee, ein Dorf, 1 Meile von Berlin, dem Hrn. von Schenkendorf gehörig. Es ist daselbst ein sehr schöner Garten, dem die angenehme Lage an dem großen See, von dem das Dorf den Namen hat, noch mehr Reiz gibt… Es gehet von Berlin dahin eine Allee …“

Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, 1786

19. Jahrhundert

Noch 1798 verlief die Bernauer Chaussee weitab von Weißensee an der Westseite des Weißen Sees. Ab 1804 begann man mit dem Bau der „Provinzial-Chaussee“ Berlin–Weißensee–Bernau. Allerdings reichten die Mittel für diese Straße nur bis Weißensee. Erste wirtschaftliche Impulse kamen mit dem Brennen von Kartoffelschnaps durch den 1817 von Johann Heinrich Leberecht Pistorius patentierten Brennapparat.

Kreuzpfuhl in Berlin-Weißensee, gesehen von der Woelckpromenade. Links mittig der Turm der Kirchenruine am Mirbachplatz.
Wappen des ehemaligen Stadtbezirks Weißensee (1987)
Wappen des damaligen Bezirks Weißensee (1992)

Verwaltungsstrukturen

Aus dem Gutsbezirk Weißensee wurde, bedingt durch sein rasches Wachstum, 1880 die Landgemeinde Neu-Weißensee, die bis 1900 bereits auf über 30.000 Einwohner wuchs.

1905 erfolgte die Vereinigung des Barnim-Dorfes Weißensee mit der Landgemeinde Neu-Weißensee zur Gemeinde Weißensee um gemeinsam das Stadtrecht zu beantragen.

1910 suchte die Gemeinde erneut um das Stadtrecht nach, dies wurde aber wie schon vorher abgelehnt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Weißensee 1920 zusammen mit umliegenden Gemeinden Hohenschönhausen, Malchow, Falkenberg und Wartenberg zum 18. Verwaltungsbezirk von Groß-Berlin in die Hauptstadt der Deutschen Republik eingemeindet. Mit der Besetzung Berlins im Jahre 1945 wurde Weißensee Bestandteil des sowjetischen Sektors.

Ab 1950 wurde es als Stadtbezirk Berlin-Weißensee geführt. 1985 nach umfangreichen Wohnungsneubauten wurde Hohenschönhausen als eigenständiger Stadtbezirk ausgegliedert. Zum 1. Januar 1986 wurden dabei die Ortsteile Blankenburg, Heinersdorf und Karow aus dem Stadtbezirk Pankow dem Stadtbezirk Weißensee zugeordnet.

Mit der Wiedervereinigung 1990 kam Weißensee mit allen anderen Ost-Berliner Stadtbezirken in die Verwaltung des wiedervereinigten Berlins und wurde in Anpassung zur Verwaltungsstruktur des Landes Berlin zum Bezirk Weißensee von Berlin. Diese bezirkliche Selbstständigkeit der Nachwendezeit wurde mit der Bezirksreform von 2001 aufgehoben. Damit wurde es gleichgeordnet neben den ehemals zugehörigen eher dörflichen Ortsteilen zum Ortsteil Weißensee im Bezirk Dritter, Pankow, Weißensee, Prenzlauer Berg von Berlin. Als sich die zusammengefasste Bezirksverordnetenversammlung 2004 auf den kürzeren Namen Bezirk Pankow von Berlin einigen konnte, wird es nunmehr als ein Ortsteil von Pankow geführt. Weißensee hat im Bezirk Pankow die Ortsnummer 0302.

Industrie

Zwischen 1898 und 1906 wurde in mehreren Etappen die Ruthenberg'schen Fabrikanlagen errichtet. Es waren von Werkstätten und Lagerräumen umschlossenen Höfe, die sich zwischen der Langhansstraße und der Lehderstraße, im Karree zwischen Behaimstraße und der Roelckestraße erstreckte. Die Mieter bekamen auch Strom, Gas und Wärme geliefert. Man kann sie zu Recht als Vorläufer der heute neu wiederentdeckten Gewerbehöfe bezeichnen. Die einzigen zwei höheren, nämlich vierstöckigen Gebäude in der Lehderstraße 16–19 beherbergten eine Goldleistenfabrik.

Um weitere Industriebetriebe im Norden Berlins anzusiedeln, wurde beschlossen, eine Industriebahn zu bauen. Sie sollte Friedrichsfelde im Osten mit dem Tegeler Hafen im Westen verbinden und berührte auch Weißensee. Nach ihrer Eröffnung 1908 konnten nun auch Großbetriebe hier tätig werden.

In der Zeit zwischen 1913 und 1929 wurden in Weißensee zahlreiche Filme produziert, so auch Das Cabinet des Dr. Caligari. Zahlreiche Produktionsfirmen verlegten ihren Sitz nach Weißensee. 1929 eröffnete in der Gustav-Adolf-Straße das Kino Delphi. Allein um den Antonplatz gab es sieben weitere Kinos.

Verkehr

Am 1. November 1873 fuhr der erste Pferdeomnibus vom Alexanderplatz nach Weißensee, allerdings gab das Unternehmen wegen der schlechten Straßen nach kurzer Zeit wieder auf. Dennoch ist diese Trasse heute die älteste in der ursprünglichen Führung betriebene Trasse.

Die 1872 eröffnete Berliner Ringbahn erhielt 1875 einen Bahnhof Weißensee, den heutigen S-Bahnhof Greifswalder Straße.

1901 wurde die Straßenbahn von Alexanderplatz nach Weißensee auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die seit 1892 bestehende Zweitlinie vom Zentrum über Prenzlauer Allee durch die Langhansstraße wurde ebenfalls elektrifiziert. Mit der Einrichtung der Trabrennbahn war eine Ringführung durch die Schönstraße ausgeführt.

1929 war geplant das wachsende Weißensee an das U-Bahn-Netz anzuschließen. Der Plan ab Alexanderplatz die U-Bahn-Anbindung zu schaffen blieb 1935 mit den Kriegsvorbereitungen am Königstor in Friedrichshain stecken. Das Ende des Projektes rettete die alte Dorfkirche, da an dieser Stelle eine Station entstehen sollte.

Heute fährt die Metro-Tram M4 auf dieser Trasse oberirdisch bis Hohenschönhausen durch die Berliner Allee im Fünf-Minuten-Takt. Ergänzt wird diese Linie durch die West-Ost-Verbindung der Metro-Tram M13 von Gesundbrunnen bis fast nach Kreuzberg.

Ortslagen in Weißensee

Der alte Ortskern/Berliner Allee

Die heutige Berliner Allee existierte in ihrem Verlauf bereits seit dem Mittelalter und diente als Fernhandelsweg. Ab 1810 bekam der heutige südliche Abschnitt den Namen Königschaussee.

Der Abschnitt im Dorfkern Weißensee erhielt ab spätestens 1884 die Bezeichnung Berliner Straße. Zuvor wurde sie wahrscheinlich nur als Dorfstraße bezeichnet. Beide Abschnitte wurden 1910 zusammengelegt und in Berliner Allee umbenannt. Diesen Namen behielt die Straße bis zum 13. Juni 1953, an diesem Tag erfolgte eine erneute Umbenennung, diesmal in Klement-Gottwald-Allee. Pate stand hierfür der tschechoslowakische Politiker Klement Gottwald. Nach der Wende erfolgte am 1. September 1991 die Rückbenennung in Berliner Allee.

Komponistenviertel

Während es viele Immobilienspekulanten Berlins nach Westen zog, erwarb 1872 der Hamburger Kaufmann Gustav Adolf Schön das Gut Weißensee für 700.000 Taler, das er parzellierte und dann stückweise weiter veräußerte. Ernst Gäbler errichtete mit seiner „Gesellschaft für Mittelwohnungen“ südöstlich der Königschaussee das Französische Viertel, ein Wohngebiet das heute Komponistenviertel genannt wird.

Das Komponistenviertel östlich der Zentrale Berliner Allee erhielt seinen Namen durch die dortigen Straßennamen, die nach Komponisten benannt sind. Das Viertel ist ein Komplex von Mehrfamilienhäusern, die ihr Entstehen bis an den Jüdischen Friedhof heran aus der Ansiedlung der Haupt- und Geschäftsstraße von Neu-Weißensee verdankt.

Gründerviertel

Das westlich der Weißenseer Geschäftsstraße liegenden Flächen wurden entlang der Langhansstraße bebaut. Bis an das damalige Berliner Stadtgebiet heran wurden dabei an der Streustraße Gewerbebauten von der Gemeinde eingerichtet, die den dort siedelnden Gewerben die Einheit von Wohnen und Arbeit boten.

Munizipialviertel

Weißenseer Gründerarchitektur im Munizipialviertel von Carl James Bühring (Paul-Oestreich-Straße)

Anfang des 20. Jahrhunderts setzten umfangreiche Wohnungsbauprojekte ein, da viele Berliner in den Vorort nach Weißensee zogen. Als Munizipialviertel ist der Bereich am Kreuzpfuhl geläufig. Mit der Errichtung des Gemeindeforums am Kreuzpfuhl wurde um 1910 der gewachsenen Kommune ein repräsentatives, parkartig gestaltetes Zentrum gegeben. In dem Gebäude hat heute der „Frei-Zeit-Haus e.V.“ seine Heimat gefunden. Das Gemeindeforum und die Wohnhäuser Woelckpromenade 2–7, sind eine auch heute noch anerkannte städtebauliche und architektonische Meisterleistung des Architekten Carl James Bühring.

Taut-Siedlung Buschallee

Mit der Eingemeindung 1920 stieg der Bedarf an Wohnraum abermals. So entstand nach der Inflation in Weißensee eine neuer Bauboom. Ab 1925 entstand in der Buschallee ein Wohnhaus-Ensemble, das von Bruno Taut nach den Gesichtspunkten des „Neuen Bauens“ entworfen wurde.

Nachkriegsbauten

In den 1950er-Jahren bestand Bedarf die Kriegsverluste an Wohnungen zu ersetzen, bald erreichte dieser Bauboom auch den Außenstadtbezirk Weißensee. 1959 entstand das Wohngebiet am Hamburger Platz, 1967 an der Else-Jahn-Straße und 1975 entstand das Gebiet Falkenberger Straße Süd. In den 1990er-Jahren wurde im Ortsteil Karow das neue Wohngebiet Karow Nord gebaut mit Wohnraum für ca. 20.000 Menschen.

Kultur und Gemeinwesen

Kirchen

Die Pfarrkirche befindet sich östlich des Weißen Sees, an der Berliner Allee. Umgeben ist sie von einem alten Friedhof, auf dem unter anderem der Leibarzt des letzten Kaisers begraben liegt und ein Mausoleum für Christian Leberecht Pistorius steht. Die ältesten Steine der Kirche stammen aus dem 13. Jahrhundert. Wie diese Kirche der ersten Siedler am Weißen See aussah, kann man nur erahnen. Offenbar war es ein kleines kurzes Kirchenschiff. Das älteste Weißenseer Kirchenbuch berichtet von einem Altar, auf dem Johannes, Maria und Katharina abgebildet waren. Offenbar war dieser erste Kirchenbau jenen Heiligen geweiht.

Als sich Mitte des 19. Jahrhunderts mehr Menschen in Weißensee ansiedelten wurde die Kirche 1863 nach Osten erweitert. Doch damit gab es immer noch nicht genug Platz. So entschied man sich 1899 die Kirche mit einem Querschiff zu versehen. Der damalige Baumeister Theodor Prüfer ließ den Kirchenbau im Osten in einer polygonalen Apsis enden. Von der alten Ausstattung der Kirche ist nichts erhalten. Nicht nur im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche und die Gräber der Patronatsherren plündert. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche 1943 völlig aus. Doch bereits kurz nach dem Krieg konnte sie 1948/1949 durch den Baumeister Herbert Erbs wieder errichtet werden. In den Jahren 2005/2006 wurde die Kirche aufwendig restauriert

Die Bethanienkirche auf dem Mirbachplatz wurde 1902 von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria eröffnet. 1906 wurde das Amtsgericht, erbaut „im Stile deutscher Renaissance mit gotischen Motiven“, eingeweiht.

Park am Weißen See

Anstelle des Gutshauses am Südufer des Sees entstand 1859 ein schlossähnliches Gebäude mit einem Park, dem heutigen Park am Weißen See.

1874 wurde das Schloss zu einer Vergnügungsstätte umgebaut, deren Betreiber zunächst häufig wechselten. Erst Rudolf Sternecker entwickelte das Unternehmen zu dem vielbesuchten Welt-Etablissement Schloss Weißensee, mit zwei Tanzsälen, einer Rutschbahn, Ballonfahrten, Karussells, Würfelbuden und verschiedene Bierlokalen.

Die Gemeinde erwarb zur Jahrhundertwende das Schloss Weißensee und die Parkanlage mit dem See und machte ihn der Öffentlichkeit zugänglich. Hier entstand vor dem ersten Weltkrieg ein Vergnügungspark. Das Schloss brannte 1919 ab, als es Quartier für zurückkehrende Soldaten während der Novemberrevolution war. Verblieben ist das Freibad am Weißensee und dass Milchhäuschen.

Die Planschwiese, die sich gegenüber der Seebrücke befindet, wurde 1920 angelegt, um eine Bademöglichkeit für Kinder zu schaffen. 1928 fiel der älteste Gasthof „Zum grünen Baum“ einer Straßenverbreiterung der Berliner Allee zum Opfer.

Kinderkrankenhaus

Eine inzwischen fast in Vergessenheit geratene Einrichtung war das 1911 eröffnete und 1992 geschlossene erste kommunale Säuglings- und Kinderkrankenhaus Preußens, das sich in der Kniprodeallee (heute Hansastraße) befand. Es besaß damals einen eigenen Kuhstall.

Rennbahn Weißensee

1877 errichtete der Berliner Traber-Club auf einem an Heinersdorf grenzenden Gelände die erste Berliner Trabrennbahn. Erste Rennen fanden am 16. und 17. Juni 1878 statt und führten mehr als 12.000 Besucher nach Weißensee. Später wurde sogar eine Sonderlinie der Straßenbahn bis vor die Tore der Rennbahn geführt. Nach mehreren Umbauten und zeitweiligen Schließungen wurden die Rennen 1912 auf neuere Rennbahnen verlegt. 1955 erwachte das Gelände der Trabrennbahn für kurze Zeit zu neuem Leben als Radrennbahn. In den 1980er-Jahren wurde als Fläche für Musikgroßveranstaltungen genutzt.

Blumenfest

Das erste Weißenseer Blumenfest wurde 1963 gefeiert. Seitdem ist es fester Bestandteil der Kultur in Weißensee, heute gehört es als drittes Straßenfest zum Pankower Kulturplan. Ursprünglich fand es am Ende des Sommers, seit einigen Jahren findet es am dritten Juni-Wochenende statt. Alljährlich wurde es vom Bürgermeister Weißensees eröffnet, nach der Bezirksfusion kommt dies dem Pankower Bürgermeister zu. War das Blumenfest anfangs bevorzugt eine Blumenschau, hat es sich mittlerweile zu einem Kulturevent entwickelt, und ist mit seinen Festzelten und Karussells eine Weißenseer Tradition geworden.

Das Milchhäuschen
Das Milchhäuschen

Eines der bekanntesten Cafés in Weißensee, das „Milchhäuschen“, öffnete 1911 als kommunaler Betrieb. Hier befand sich eine Milchsammelstelle von Ammenmilch. Spreewälder Ammen lieferten hier Muttermilch für bedürftige Berliner Kinder ab. Um die Kühlanlage des 1906 gebauten Elektrizitätswerks zu verdecken, wurde 1912 die Seebrücke erbaut. Hans Schellhorn schuf die beiden Tritonen-Skulpturen, die die Seebrücke bewachen. Unterhalb der Seebrücke liegt der Regenwasserüberlauf, über den Regenwasser einläuft, sobald die Regenwasserkanalisation überlastet ist.

1967 wurde das Milchhäuschen wegen Baufälligkeit abgerissen und in seiner jetzigen Form wieder aufgebaut. Es ist heute neben dem Freibad wieder eine der gastronomischen Einrichtungen am See.

Kulturelle und Bildungseinrichtungen
  • Kunsthochschule Berlin-Weißensee
  • Kulturhaus „Peter Edel“, das unter Förderung des Senats zur Schauspielschule wird.
  • Brotfabrik, Kunst- und Kulturzentrum mit Bühne und Kino am Caligariplatz.
  • Kino „Toni“ am Antonplatz
  • Freilichtbühne am Weißen See
  • Milchhäuschen am Weißen See
  • Frei-Zeit-Haus e.V. Berlin-Weißensee
  • Umweltbüro Am Weißen See [1], das zur Hansastraße umgelegt wurde.
  • Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek[2], die Weißenseer Zentralbibliothek nahe dem Antonplatz in der Bizetstraße.
  • Haus der Jugend „Bunte Kuh e.V.“

Sport

Der Weißenseer FC ist ein traditionsreicher Fußballverein, gegründet 1900.

Am Stadion Buschallee gleich neben dem Faulen See befindet sich der Tennisclub Berlin-Weißensee e.V.

Straßen und Plätze in Berlin-Weißensee

Friedhöfe

1893 wurde ein Gemeindefriedhof an der Roelckestraße eingerichtet, der Gemeindefriedhof Berlin-Weißensee wurde auch für die Verstorbenen Berlins genutzt. Von Bühring stammt das Ensemble aus Verwalterhaus, Feierhalle und Portal auf dem Friedhof Weißensee.

Zur gleichen Zeit entstanden die evangelischen Friedhöfe der Berliner Parochial-, St.Georgen-, und Segensgemeinde, die westlich der Roelckestraße angelegt sind.

Durch den Zuzug osteuropäischer Juden nach Berlin wegen anhaltender Pogrome waren die Flächen der Jüdischen Friedhöfe im Berlin vor der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 zu klein geworden. Nach jüdischer Tradition bleibt der Bestattungsplatz bis zum Jüngsten Tag reserviert und Neubelegungen sind nicht möglich. Auf ihrer Suche nach ausreichender Fläche erhielt die Jüdischen Gemeinde Berlins 1875 östlich von Weißensee eine 42 ha große Fläche. 1880 wurde der heute größte europäische Jüdische Friedhof eingeweiht.

Literatur

  • Rainer Kolitsch: Berlin-Weißensee wie es früher war. ISBN 3-7759-0381-X
  • Walter Püschel: Spaziergänge in Weißensee. ISBN 3-86134-340-1
  • Stadtgeschichtliches Museum Weißensee (Herausg.): Gummi, Goldleisten, Großdrehmaschinen. Verlag Angela Glaß, Berlin. ISBN 3-933210-02-X
  • Peter Glaß: Es ist daselbst ein sehr schöner Garten. ISBN 3-933210-03-8
  • Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin. ISBN 3-345-00243-4
  • Joachim Bennewitz: Berlin-Weissensee. ISBN 3-89702-553-1

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Umweltbüro Am Weißen See
  2. Bezirksbibliothek

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