Berlin Brandenburg International
Flughafen Berlin Brandenburg International
Flughafen Berlin Brandenburg International (Brandenburg)
DEC
Kenndaten
IATA-Code BER (geplant)
ICAO-Code EDDB (geplant)
Flugplatztyp Verkehrsflughafen
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 18 km südlich von Berlin (Dom)
Straße A113
Basisdaten
Eröffnung 30. Oktober 2011 (geplant)
Fläche 1.470 ha
Terminals 1
Kapazität
(PAX pro Jahr)
30 Mio. (1. Ausbaustufe)
Start- und Landebahnen
Nord 3.600 m × 45 m
Süd 4.000 m × 60 m
Planung (hell) und Bestand (dunkel) am Standort des künftigen Flughafens BBI

Der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) ist ein im Bau befindlicher Flughafen an der südlichen Stadtgrenze Berlins auf dem Gebiet der Gemeinde Schönefeld im Land Brandenburg, der teilweise auf dem Gelände des jetzigen Flughafens Berlin-Schönefeld sowie auf zusätzlichen Flächen südlich davon errichtet wird. Betreiber wird die Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH (FBS) sein. Der erste Spatenstich von Klaus Wowereit, Matthias Platzeck, Hartmut Mehdorn und Wolfgang Tiefensee erfolgte am 5. September 2006. BBI ist eines der größten im Bau befindlichen Verkehrsinfrastrukturprojekte Deutschlands.

Inhaltsverzeichnis

Planung

Der neue Flughafen soll die Kapazitäten des Flugverkehrs in und um Berlin verbessern. Grundlage für den Ausbau ist der Planfeststellungsbeschluss des Brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung vom 13. August 2004.[1] Geplant ist darin der Ausbau des Schönefelder Flughafens und als Voraussetzung dafür die Schließung der beiden anderen Berliner Flughäfen Tempelhof und Tegel,[2][3] da die Flughäfen in Berlin zum Teil ihre Kapazitäten überschritten haben. So ist der Flughafen Tegel mit einer Kapazität von 9,5 Mio. Passagieren, jedoch einer Passagieranzahl von über 14,5 Millionen im Jahr 2008 deutlich überlastet. Auch Schönefeld wird nach Prognosen von Verkehrsstatistiken schon bald überlastet sein. Im Jahr 2008 sind insgesamt 21,4 Mio. Passagiere von und nach Berlin geflogen. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 6,8 % (gegenüber bundesweit: 0,7 %). Die Flughafengesellschaft rechnet nach Eröffnung des neuen Single-Airports mit 25 Mio. Passagieren. Aufgrund der schneller als erwartet steigenden Passagierzahlen wird in der ersten Ausbaustufe der Hauptterminal um zusätzliche Flügelbauten erweitert, um kurzfristig auch bis zu 30 Mio. Passagiere zu bewältigen.[4] Durch den planrechtlich gesicherten Bau weiterer Satellitenterminals kann die Kapazität auf 50 Mio. Fluggästen gesteigert werden.

Der neue BBI-Flughafen soll Ende Oktober 2011[5] in Betrieb genommen werden. Der Baubeginn erfolgte mit dem ersten Spatenstich für die zentrale Baustelleneinrichtung am 5. September 2006. Zuerst wurden Baustraßen und die Bau-Infrastruktur errichtet und die Rollbahnanschlüsse an die BBI-Nordbahn hergestellt. Im Jahr 2007 begann der Bau des Bahntunnels, des unterirdischen Bahnhofes und der neuen Südbahn sowie der Lückenschlusses der Bundesautobahn 113. Der neue Abschnitt der A 113 wurde bereits im Mai 2008 eröffnet. Im Juli 2008 startete der Bau des neuen Hauptterminals, für 2010 ist die Inbetriebnahme der Feuerwache vorgesehen. Der Probebetrieb für den neuen Terminal beginnt im Mai 2011.

Am 9. Oktober 2007 wurde bekannt gegeben, dass der Terminal in sieben Teilbereichen erneut ausgeschrieben wird. Der Grund waren die Angebote, die weit über den geplanten Baukosten von 630 Mio. Euro lagen und Preisabsprachen zwischen den bietenden Konsortien nahelegten.[6] Für den Bau wird nun gezielt versucht, kleine und mittelständige Firmen an der Auftragsvergabe zu beteiligen.

Der Baubeginn des Terminals war im Juli 2008, sodass der Flughafen wie geplant im November 2011 eröffnet werden kann.[7] Die Gesamtkosten sollen 2,83 Mrd. Euro nicht überschreiten. Neben den Eigenmitteln in Höhe von 430 Mio. Euro der Flughafengesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg sind für Kredite und Zinsen 2,4 Mrd. Euro veranschlagt.[8]

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums für Verteidigung wird in der Nähe des alten Flughafenterminals über eine Fläche von 16 Hektar verfügen. Dort finden auch die offiziellen Empfänge des Auswärtigen Amtes statt.[9] Die Bundesregierung plant zu diesem Zweck Investitionen in Höhe von 125 Mio. Euro, die zur Erstellung eines repräsentativen Terminals und entsprechenden Verwaltungs- und Technikgebäuden vorgesehen sind und in der allgemeinen Kostenplanung des BBI keine Berücksichtigung finden.[10]

Für die Ortschaften Diepensee und Selchow sind Umsiedlungen durchgeführt worden, da auf den Gemeinden noch das geplante Flughafengelände liegen würde. 335 Menschen mussten Diepensee verlassen. Ihnen wurde neuer Wohnraum in Königs Wusterhausen angeboten. Von Selchow zogen 35 Einwohner nach Großziethen.[11]

Der Ausbau des Flughafens stößt teilweise auf Widerstand von Anwohnern im weiteren Umland, die sich im Bürgerverein Brandenburg-Berlin e.V. (BVBB) zusammengeschlossen haben. Auch die Art und Weise der Bahnanbindung (S-Bahn nur von Westen und mit großem Umweg; Fernbahn auf neuer Trasse durch den Bohnsdorfer Forst) stößt bei Verkehrs- und Umweltexperten auf erhebliche Kritik.

Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes

Gegen den Ausbau des Flughafens Schönefeld hatten etwa 4000 Anwohner vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig geklagt. Das Gericht verhandelte ab dem 7. Februar 2006 über vier Musterklagen gegen die Ausbaugenehmigung, am 23. Februar 2006 endeten die mündlichen Verhandlungen. Mit seinem Urteil vom 16. März 2006 wies das BVerwG die Klagen als zum größten Teil unbegründet ab. Allerdings wurden verschärfte Auflagen zum Lärmschutz gemacht und Einschränkungen für den Nachtflugbetrieb zwischen Mitternacht und 5:00 Uhr festgelegt. Mit der Entscheidung ist der Weg frei für den Bau des BBI. Das Urteil ist rechtskräftig. Das Bundesverfassungsgericht hat Verfassungsbeschwerden gegen diese Urteile abgewiesen.[12]

Prognosen

Die jetzigen Berliner Flughäfen hatten 2008 zusammengenommen 21,4 Millionen Passagiere, das sind 1,4 Millionen mehr als 2007 und 6,5 Millionen mehr als 2004. Dies entspricht der Position des drittgrößten Flughafenstandorts Deutschlands nach Frankfurt am Main und München, wobei die Berliner Flughäfen für 2008 bundesweit den größten Zuwachs bei den Passagierzahlen verzeichnen konnten (Berlin: +6,8 %; Frankfurt/M.: –1,3 %; München: +1,7 %; bundesweit: +0,7 %). Im Januar 2009 war das Passagieraufkommen – wie auch an anderen deutschen Flughäfen – wegen der derzeit allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise allerdings rückläufig.

Im Oktober 2008 wurde der Zentralflughafen Berlin-Tempelhof für den Flugbetrieb geschlossen, die genutzte Kapazität von zuletzt weit unter einer Million Passagieren kann von den beiden anderen Plätzen übernommen werden.

Im Mai 2007 wurde ein neues Abfertigungsgebäude am Flughafen Tegel für 2,5 Mio. Passagiere eröffnet. Die zwei verbleibenden Berliner Flughäfen haben nun eine Abfertigungskapazität von etwa 22 Mio. Passagieren. Die technische Kapazität der Start- und Landebahnen beträgt 426.000 Flugbewegungen pro Jahr, was eine theoretische Abfertigung von über 50 Mio. Passagieren ermöglicht, soweit die vorhandenen Terminals entsprechend ausgebaut werden würden. Schon für das Jahr 2020 rechnet man mit einem Aufkommen von mehr als 30 Mio. Passagieren, weshalb der Flughafen langfristig schrittweise mit ergänzenden Modulen auf eine Kapazität für bis zu 50 Mio. Passagiere (45 Mio. bisher genehmigt) ausgebaut werden soll.

Bei den Wachstumsraten der letzten Jahre dürften 30 Mio. Passagiere allerdings erheblich früher erreicht sein. Entgegen dem weltweiten Trend haben die Fluggesellschaften für den Winterflugplan 2008/2009 4,8 % mehr Starts und Landungen beantragt.[13] Aufgrund der Kapazitätsengpässe an ihren Drehkreuzen Frankfurt am Main und München hat die Lufthansa die zügige Fertigstellung von BBI gefordert. Sie will zukünftig auch Interkontinentalflüge von Berlin aus anbieten, sodass BBI zumindest teilweise die Funktion eines weiteren Drehkreuzes bekommt.[14] In der Ausweitung der Fernstreckenverbindungen wird somit das größte Wachstumspotential gesehen. Im Bereich der innerdeutschen Flugstrecken liegt Berlin heute schon an zweiter Stelle hinter München und vor Frankfurt. Im Jahr 2007 war dieser Bereich in Frankfurt um 1 % rückläufig und stieg in Berlin um 10,8 % an.[15]

Ein Vorteil des BBI wird darin gesehen, dass die Flugzeiten nach Osteuropa, Asien und in den pazifischen Raum rund eine Stunde kürzer sind als von den westlicheren Drehkreuzen.[16]

Der Kerosinverbrauch durch Warteschleifen lag bei der Lufthansa im Jahr 2006 bei 142.000 Tonnen.[17] Für die Warteschleifen über Frankfurt wurden dabei alleine 45.000 Tonnen verbraucht.[18]

Namensgebung

Da die häufig genutzte Abkürzung BBI als IATA-Code bereits für den indischen Flughafen Bhubaneswar vergeben ist,[19] bekommt Berlin Brandenburg International den Code BER zugeteilt, der zurzeit als Metropolitan Area Code für alle drei Flughäfen Berlins steht.

Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck, selbst Mitglied des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft, schlug im Oktober 2007 erneut als zukünftigen Namen oder Beinamen „Willy Brandt“, für den ehemaligen Berliner Regierenden Bürgermeister und späteren Bundeskanzler, vor. Die CDU schlug „Marlene Dietrich“ und „Albert Einstein“ vor. Die FDP ist für „Gustav Stresemann“ oder einen Großsponsor; die Grünen für „Otto Lilienthal“ (was bereits der Beiname des derzeitigen Flughafens Berlin-Tegel ist, der zeitgleich mit der Eröffnung des BBI geschlossen werden soll). Ein weiterer Vorschlag wurde von der SPD Brandenburg ins Spiel gebracht: „Flughafen der deutschen Einheit“.[20] Eine Entscheidung zur endgültigen Namensgebung wurde bislang noch nicht getroffen.

Bauliche Anlagen

Bauzustand Ende Juli 2008

Im Verlauf des Flughafenbaus sollen insgesamt 3,4 Mio. Tonnen Beton verbaut, sowie 16 Kilometer Baustraßen und 19 Straßenbrücken errichtet werden. Das Straßennetz auf dem Flughafen soll nach Abschluss des Ausbaus etwa 20 km betragen.[21]

Start- und Landebahnen

Im Dezember 2007 wurde die sofortige Schließung der nördlichen Start- und Landebahn durchgeführt, sodass innerhalb weniger Monate das fehlende Stück von 650 Metern Autobahn (A 113) geschlossen werden konnte.[22] Somit wird bis zur Eröffnung der neuen Südbahn in Schönefeld nur eine Start- und Landebahn betrieben. Gleichzeitig wird die bisherige Südbahn zur neuen BBI-Nordbahn und von bisher 3000 auf 3600 Meter verlängert.[23] Der Abstand zwischen den Start- und Landebahnen beträgt 1900 Meter. Damit können beide Start- und Landebahnen ohne Beeinträchtigungen von Wirbelschleppen unabhängig voneinander betrieben werden.

Terminal

Der BBI-Terminal soll sich in der Mitte der beiden Start- und Landebahnen befinden. Er ist 220 m breit, 180 m lang und 32 m hoch. Die Bruttogrundfläche beträgt 220.000 m².[24] Er soll bei der geplanten Fertigstellung 2011 eine Kapazität von 30 Mio. Passagieren im Jahr haben. In den nachfolgenden Jahren kann durch „Ausbaumodule“ die genehmigte Kapazität auf bis zu 45 Mio. Fluggäste im Jahr aufgestockt werden.[25] Die theoretische Kapazität in der Endausbaustufe liegt bei mindestens 50 Millionen Fluggästen. Die bereits mitkonzipierten Ausbaumodule werden bei Bedarf in Form von Satelliten parallel zum dann bestehenden Terminal angeordnet. Die A380-Abfertigung ist möglich.[26]

Der U-förmige Terminalkomplex umfasst außerdem einen 715 Meter langen, dem Terminal vorgelagerten Hauptflugsteig mit 15 Fluggastbrücken (darunter eine für den A380) und als Erweiterung zwei 350 Meter lange Nebenflugsteige – im Norden ohne Fluggastbrücken („Walkboarding“) und im Süden mit zehn Fluggastbrücken.[27] Zusätzlich werden die Vorfeldflächen für die Abfertigung des A380 vorbereitet. Die Mehrkosten für die Kapazitätserweiterung liegen bei 160 Mio. Euro.[28] Ausgestattet wird der Terminal zunächst mit acht Check-in-Inseln, bestehend aus insgesamt 112 Check-in-Positionen und rund 120 Check-in-Automaten.[29] Die Betreiber der Berliner Flughäfen betonen, dass BBI nicht zu klein geplant sei und das prognostizierte Berliner Passagieraufkommen über Jahrzehnte bewältigen könne.[30] Der Terminal-Baubeginn war am 11. Juli 2008.[31]

Für den Frachtbereich ist ein erstes Modul im Midfield-Bereich für eine Kapazität von jährlich 60.000 Tonnen geplant. Insgesamt könnte BBI bei Bedarf auf eine planfestgestellte Kapazität von bis zu 600.000 Tonnen Fracht jährlich ausgebaut werden.[32]

Zusätzlich zu den Kapazitäten des planfestgestellten BBI kann laut dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. März 2006 auch der vorhandene Bestand des heutigen Flughafens Berlin-Schönefeld genutzt werden.[33] Damit hat der BBI bereits vor Inbetriebnahme im November 2011 erhebliche Kapazitätsreserven.

Ausstellung und Infocenter

BBI-Infotower auf dem Gelände des Flughafens Schönefeld

Mit dem ersten Spatenstich für die neue Großbaustelle im Oktober 2006 wurde gegenüber dem S-Bahnhof Berlin-Schönefeld ein Ausstellungs- und Infocenter eingerichtet. In der Ausstellung kann man sich über sämtliche Aspekte des Ausbaus des Großflughafens, sowie die Geschichte der Deutschen Lufthansa und des Flugwesens in Deutschland, sowie den Flughafen Schönefeld informieren.

Seit 14. November 2007 steht direkt an der Baustelle ein neues Informationszentrum in Form eines Info-Turms. Von der Aussichtsplattform des 32 Meter hohem Turms kann man die größte Flughafen-Baustelle Deutschlands betrachten. Der Besuch ist kostenpflichtig.[34] Von dem futuristisch konzipierten Turm ist ein Überblick über die gesamte Baufläche möglich.[35]

Gewerbeflächen

Rund um das Gelände des Flughafens BBI sind ausreichende Gewerbeflächen geplant. In ihnen sollen sich Einkaufszentren, Parkhäuser und möglichst flughafennahe Unternehmen ansiedeln. Ursprüngliche Planungen sprachen von den drei Gewerbeflächen im Zentrum, Norden und Osten. Diese sollten jeweils zwischen 60 und 80 Hektar groß werden.

Inzwischen wurde das Konzept konkretisiert. Die Vermarktung der Gewerbeflächen hat im Herbst 2006 begonnen. Vor dem neuen Terminalgebäude des Flughafens entsteht ab 2009 ein 16 Hektar großes Büro-, Gastronomie- und Einzelhandelsensemble.

Zwischen der Straße Am Seegraben am S-Bahnhof Grünbergallee (Bohnsdorf) und nordöstlich des Flughafens soll der BBI Business Park Berlin vermarktet werden. Das 109 Hektar große Areal bietet auf den in den 1990er-Jahren zugekauften Flächen Platz für Gewerbe- und Industrieansiedlungen unterschiedlicher Branchen.[36] Der BBI Business Park Berlin ist der größte zusammenhängende Gewerbepark Berlins. Im Januar 2008 wurden 35 % der Fläche an den britischen Gewerbeparkbetreiber Segro veräußert. Zusätzlich wurde eine Option auf weitere 22 % vereinbart. Die Erschließungsarbeiten sollen Mitte 2008 beginnen. [37]

Im Oktober 2008 hat ein irisches Investorenkonsortium unter Führung von Bulberry Properties Ltd. ein 59 Hektar umfassendes Areal direkt am Flughafen erworben. Geplant sind Investitionen in den Bau von hochwertigen Hotels, Logistik-Standorten und Konferenzräumen in Höhe von 1,1 Mrd. Euro.[38]

Die Nachnutzung der frei werdenden Flächen am alten Terminal ist unklar. Ursprünglich war hier die nördliche Gewerbefläche geplant.[39]

Verkehrsanbindung

Schienenanbindung/Bahnhof

Der Terminal wird durch einen Eisenbahntunnel erschlossen, der in Ost-West-Richtung verläuft. Der Tunnel unterquert auf einer Länge von etwa 2,2 Kilometern das Vorfeld, das Terminalgebäude mitsamt dem östlich folgenden Flughafencenter sowie weiter östlich Grünflächen und Straßenverkehrswege. Die Gesamtlänge des Tunnels beträgt ungefähr 3,1 Kilometer. Er ist in neun Teilabschnitte untergliedert, die zeitlich versetzt zueinander errichtet werden. Die Baugruben der Bauwerke werden dazu größtenteils im Schutze einer Grundwasserabsenkung errichtet, sodass ein konventioneller Aushub erfolgen kann. In den Baugruben werden anschließend die Bauwerke als Stahlbetonkonstruktionen (Weiße Wanne) in Ortbetonbauweise errichtet. Nach der Fertigstellung wird die Grundwasserabsenkung abgeschaltet und die Restbaugruben werden verfüllt.

Als Teil dieser Tunnelbauwerke soll direkt unter dem Terminal ein sechsgleisiger Bahnhof entstehen, der sich innerhalb von 17 Minuten von der Berliner Innenstadt aus erreichen lässt. Von den sechs Gleisen sind zwei für die S-Bahn (Anschluss als Kopfbahnhof von Westen, Verbindung zum bisherigen Bahnhof Schönefeld durch Verlängerung der Strecken S9/S45) und vier Gleise für die Fernbahn (IC- und ICE-Anschluss als Durchgangsbahnhof) vorgesehen. Dabei wird die neu zu errichtende Strecke im Westen vom Berliner Außenring herangeführt, untertunnelt den Flughafenbereich und wird nicht über die bestehende Flughafenanschlussstrecke (ehemalige Henschel-Werksbahn), sondern weiter südlich auf die Görlitzer Bahn in Höhe Bohnsdorf/Grünau geführt. Dadurch ist ein Verkehrsanschluss sowohl von Westen von der Anhalter und Dresdner Bahn her, als auch von Osten von Königs Wusterhausen sowie von Berlin über die Görlitzer Bahn möglich. Da der Flughafen südlich von Berlin liegt, reicht sein unmittelbares Einzugsgebiet über den Eisenbahnfernverkehr bis Dresden, Halle/Saale und Leipzig. Die Berlin-Dresdner Eisenbahn wird frühestens ab 2011 für Geschwindigkeiten bis 200 km/h ausgebaut (mittelfristig zurückgestellte zweite Ausbaustufe [40][41]) und könnte dann Dresden mit Fahrzeiten von etwa einer Stunde an den Flughafen anbinden. Die Berlin-Anhaltische Eisenbahn verbindet als fertiggestellte Ausbaustrecke Berlin mit Leipzig und Halle bereits in gut einer Stunde Fahrzeit. Im Fernverkehr soll der Flughafenbahnhof in jede Richtung im Zwei-Stunden-Takt angebunden werden[42].

Nach der Planung soll die Hälfte der Flugreisenden BBI auf der Schiene erreichen.[43] Eine Regionalbahn als „Flughafen-Express“ soll dann von Berlin Hauptbahnhof mit Zwischenhalten am Potsdamer Platz und Südkreuz ohne weiteren Halt zum Flughafen führen. Die Frage des Betreibers ist derzeit noch offen. Planungen zur Verlängerung der jetzt schon relativ langen U-Bahnlinie 7 über die Station Rudow hinaus bis BBI sind derzeit zurückgestellt.

Mit der Ausführung des Tunnelrohbaus wurde eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) beauftragt, die sich aus mittelständischen Berliner Bauunternehmungen zusammensetzt. Die Bauarbeiten begannen im Sommer 2007. Die Tunnelstation liegt in etwa 14,5 Meter Tiefe unter Gelände als unterstes Stockwerk des neuen Terminals. Drei Bahnsteige mit je elf Metern Breite sollen errichtet werden, einer davon für die S-Bahn.[44].

Im November 2007 erfolgte die Auftragsvergabe zu den Rohbauarbeiten der westlichen Schienenanbindung, sowie zu Oberbauarbeiten und zu den Bahnsteigen des zukünftigen Flughafenbahnhofs. Die beiden Aufträge umfassen 2,4 km Trogbauwerke, drei Eisenbahn- und vier Straßenbrücken. Rund 330.000 m³ Erdmassen werden bewegt, etwa 87.000 m³ Stahlbeton eingebaut. Insgesamt werden 33 km Gleise mit 23 Weichen verlegt.[45]

Anfang Juli 2008 wurde der erste – 185 m lange – Abschnitt des Bahnhofs im Rohbau soweit fertiggestellt, dass darauf das Terminalgebäude errichtet werden kann.[46]

Aufgrund von Verzögerungen bei der Fertigstellung der Berlin-Dresdner Bahn auf Berliner Gebiet sowie angekündigten Klagen ist im Moment (Stand: Januar 2008) unklar, ob und wie der Flughafen mit Aufnahme des Flugbetriebs an das Schienennetz angeschlossen sein wird. Nach Bahnangaben ist die Realisierung eines durchgehenden 15-Minuten-Taktes auf der bestehenden Strecke schwierig. Eine Arbeitsgruppe soll Möglichkeiten klären, wie der Flughafen auch vor Fertigstellung der Dresdner Bahn auf der Schiene angebunden werden kann.[43] Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgericht wird auch die Alternativ-Strecke über Ostkreuz aus Lärmschutzgründen nicht rechtzeitig fertig. Bahnintern rechnet man frühestens 2015 mit einem 15-Minuten-Takt. Bis dahin kann nur ein 30-Minuten-Takt realisiert werden[47].

Die Gesamtkosten für Bahnhof und Strecke belaufen sich auf etwa 636 Mio. Euro. Hiervon übernimmt der Bund 576 Mio. Euro sowie die Stadt Berlin und das Land Brandenburg jeweils 30 Mio. Euro. Allein zwischen 2007 und 2010 sollen 405 Mio. Euro investiert werden.[48] Die Unterzeichnung der Verträge erfolgte am 5. September 2006. Die Kosten für den Rohbau der Schienenanbindung (Tunnel und Bahnhof) wurden mit 285 Mio. Euro beziffert, nach Medienberichten[49] sollen die Kosten nicht über 160 Mio. Euro liegen.

Die Bundesregierung rechnet zur Betriebsaufnahme mit 10,6 Millionen Bahnreisenden pro Jahr, davon nur 1,8 Millionen bei der relativ langsamen S-Bahn.[42]

Straße

Über die Straße erreicht man den Flughafen nur noch aus Richtung Osten über die BAB 113, die etwas nördlich des Autobahndreiecks Waltersdorf eine neue Ausfahrt erhalten hat. Die bisherige Zufahrt am alten Terminal Berlin-Schönefeld wird mit der Betriebsaufnahme des neuen Flughafens geschlossen.

Archäologie

Wie jedes Großbauprojekt hat auch die Flughafengesellschaft mit dem Großprojekt BBI die Auflage nach dem Landesdenkmalschutzgesetz, die Dokumentation der von Zerstörung betroffenen Bodendenkmale auf dem Baugebiet zu finanzieren. Unter Leitung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) wird hier das größte Ausgrabungsvorhaben der Region betreut. Insbesondere die Umsiedlung der Ortslage Diepensee ermöglichte eine zweijährige archäologische Erforschung des Bodens, die noch nicht abgeschlossen ist. 14 Hektar werden untersucht. Dabei kam das mittelalterliche Dypensey, dessen Geschichte bislang weitgehend unbekannt war, sehr gut erhalten zu Tage. Die Rekonstruktion ergab ein komplettes Angerdorf des 13. und 14. Jahrhunderts mit einer Dorfbefestigung und zwei – den Anger mit dem Tiefen See umschließenden – Straßen. Besonders überraschend waren zahlreiche Hauskeller aus Feldsteinen, der Grundriss einer kleinen Dorfkirche, sowie der Friedhof mit über 400 Gräbern.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.mir.brandenburg.de/cms/detail.php?id=173010&_siteid=45 Planfeststellungsbeschluss des Landes Brandenburg für den Ausbau des Flughafens Berlin-Brandenburg International vom 13.August 2004
  2. http://www.mir.brandenburg.de/cms/media.php/2239/PFSB_283-350.pdf Planfeststellungsbeschluss zum BBI des Brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung, S. 327f., S. 335
  3. http://www.bverwg.bund.de/media/archive/3830.pdf Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVerwG 4 A 1073.04, Absatz 193, S. 86
  4. Erweiterung des Hauptterminals durch längere Flügelbauten, Zugriff am 31. Juli 2008
  5. Berliner Flughäfen: Zeitplan BBI
  6. Verdacht auf Preisabsprachen, Potsdamer Neue Nachrichten, 28. November 2007
  7. BBI: Neuer Bauauftrag für Terminal, RBB-Online, 9. Oktober 2007
  8. Noch nicht gebaut und schon teurer in Berliner Zeitung vom 10. Juli 2008
  9. Flugbereitschaft - Warum die Bundesregierung umweltschädlich ist, Berliner Morgenpost, 27. Juli 2008
  10. Regierungsflughafen für 125 Millionen Euro Der Tagesspiegel, 06. April 2009
  11. Zahlen der Flughafengesellschaft zur Umsiedlung, 15. Juni 2007
  12. Pressemitteilung Nr. 31/2008 des BVerfG vom 14. März 2008
  13. Tagesspiegel: [1]
  14. Tagesspiegel: [2]
  15. Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) e.V.: [3]
  16. IHK Berlin: http://www.berlin.ihk24.de/servicemarken/presse/berl_wirt/bwarchiv/Berliner_Wirtschaft_Maerz_2008/TitelthemaBW0803.jsp
  17. Regierungonline: [4]
  18. Fraport AG: [5]
  19. BBI Bhubaneswar Airport, Indien, Zugriff am 1. März 2009
  20. Nach wem soll der BBI benannt werden?, B.Z., 17. Oktober 2007.
  21. FliegerRevue Juni 2008, S. 48, BBI-Arbeiten im vollen Gang
  22. Tagesspiegel.de
  23. Überblick über den BBI
  24. Berliner Flughäfen: [6]
  25. Tagesspiegel: [7]
  26. Berliner Flughäfen: [8]
  27. BBI-Terminal: Startschuss für die Bauarbeiten in Berliner Flughäfen Pressemitteilung vom 11. Juli 2008
  28. Noch nicht gebaut und schon teurer in Berliner Zeitung vom 10. Juli 2008
  29. Berliner Flughäfen: [9]
  30. Großflughafen wird noch größer in Der Tagesspiegel vom 16. Januar 2008
  31. Start frei für das Terminal Rohbau des Flughafenbahnhofs in Schönefeld fertig in Der Tagesspiegel vom 3. Juli 2008
  32. Berliner Flughäfen und LogistikNetz Berlin-Brandenburg unterzeichnen Kooperationsvereinbarung, Pressemitteilung der Berliner Flughäfen vom 30. Mai 2008
  33. Bundesverwaltungsgericht BVerwG 4 A 1075.04, Absatz 285, Seite 121
  34. BBI-Infotower eröffnet
  35. BBI-Infotower
  36. Flughafen Berlin Schönefeld GmbH: Imagebroschüren BBI Airport City und BBI Business Park Berlin
  37. Berliner Flughäfen: [10]
  38. Focus online:[11]
  39. Berliner Flughäfen: Übersicht geplanter Business Park Berlin
  40. Bahn investiert kräftig in das Berliner Netz, in Berliner Morgenpost vom 18. April 2007
  41. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Mücke, Horst Friedrich (Bayreuth), Patrick Döring, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur im Zeitraum 2006 bis 2010'. In: Drucksache 16/5488 des Deutschen Bundestages
  42. a b Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Winfried Hermann, Dr. Anton Hofreiter, Peter Hettlich, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/7104 –. In: Drucksache 16/7371, 29. November 2007
  43. a b Regionalbahn soll Airport-Shuttle ersetzen. In: Welt online, 10. Januar 2008
  44. RBB Online: Bericht: Baustart für BBI-Bahnhof im Sommer Meldung vom 19. Juni 2007
  45. Deutsche Bahn AG: Aufträge für Schienenanbindung Flughafen BBI vergeben. Presseinformation vom 21. November 2007
  46. Erster Bauabschnitt des BBI fertig. In: Die Welt, 3. Juli 2008
  47. Der Tagesspiegel, 2. August 2008
  48. Bahn investiert kräftig in das Berliner Netz in Berliner Morgenpost vom 18. April 2007
  49. Bahnhof könnte Steuerzahler 100 Mio. Euro zu viel kosten, Der Spiegel, 24. Februar 2007

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