Berline (Kutsche)
Berline des belgischen Königs Leopold II.

Die Pferdekutsche Berline ist ein voll durchgefederter Reisewagen. Der Wagentyp erhielt seinen Namen aufgrund der Beliebtheit, die er in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts am Brandenburger Hof erlangte.

Inhaltsverzeichnis

Erfindung

Der brandenburgische Baumeister Philip de Chiese gilt als Erfinder dieser in der Barockzeit sehr bekannten Pferdekutsche. Die Kurfürstin Dorothea fuhr erstmals 1671 in einer solchen Kutsche. 1683 schenkte der Große Kurfürst dem französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. ein vergoldetes Exemplar.[1] Die Erfindung durch de Chiese ist allerdings nicht unbestritten, teilweise wird auch die erstmalige Herstellung in Frankreich behauptet.[2] Für de Chiese als Erfinder spricht aber, dass bereits das Grammatisch-kritische Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart von Johann Christoph Adelung aus dem Jahr 1793 berichtet: „Philipp de Chiese, General- Quartiermeister und erster Baumeister des Churfürsten Friedrich Wilhelms des Großen, machte sie zuerst in Paris bekannt.[3]

Konstruktion und Typen

Bei den Berlinen war der viersitzige Kutschkasten über und nicht zwischen den sehr hoch gekröpften Langbäumen aufgehängt, so dass die Vorderräder höher sein und doch unterlaufen konnten. Der Kutschkasten hatte zwei bis auf den Boden reichende Türen und hing in Riemen an hölzernen oder stählernen Federn. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts kamen die in C-Federn hängenden zweisitzigen Halbberlinen auf. Sie wurden auch verwendet als Berliner Droschken erster Klasse. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren zunehmend Kutschen mit beweglichem Verdeck beliebt, die so genannten Stadtberlinen.[4]

Die Berline wurde besonders als Reisewagen und Postkutsche eingesetzt und im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts zunehmend durch den gleichartig gefederten Landauer verdrängt, der den Vorteil eines vollständig zu öffnenden Faltverdecks bot.

Weiterverwendung der Bezeichnung

Citroën Traction Avant: Im Französischen bezeichnet das Wort berline eine Fahrzeugbauart

In der französischen Sprache ist berline belegt seit 1721, im Wörterbuch der Académie française von 1740 auch mit der Variante breline. Über die Verwendung des Begriffs Berline durch die Franzosen schrieb schon Johann Christoph Gottsched:

Wo man die Sache selbst von einem benachbarten Volke bekommen hat, da muß man auch wohl das Wort behalten: so wie die Franzosen eine zurückschlagende Kutsche Berline nennen, weil sie in Berlin erfunden worden.[5]

Im heutigen Französischen bezeichnet das Wort berline im Automobilwesen eine geschlossenen Personenwagen mit jeweils zwei Seitenfenstern (wohingegen eine Limousine drei Seitenfenster besitzt) und im Bergbau einen Grubenwagen. Im Italienischen, Spanischen und Portugiesischen ist berlina ebenfalls die gängige Bezeichnung für diese Fahrzeugbauart.

Einzelnachweise

  1. Vehse, Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation, 1851, S. 139
  2. Kluge, Etymologisches Wörterbuch, Berlin 1999, S. 99 mit weiteren Nachweisen
  3. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 882-883
  4. Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Band 16, S. 318
  5. Johann Christoph Gottsched, Ausgewählte Werke, Band 8, Berlin und New York 1968–1987, S. 242

Literatur

  • Meyers Konversationslexikon. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885 bis 1892
  • Karl Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Hamburg 1851 bis 1858

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