Berliner Allee (Berlin)
Auf dem Bild verläuft die Berliner Allee im Bereich des Antonplatzes von links nach rechts.

Die Berliner Allee ist eine Straße im Ortsteil Weißensee im Berliner Bezirk Pankow. Sie ist die Verlängerung der Greifswalder Straße in Richtung Bernau und ein Teil der Bundesstraße 2. Zudem ist sie die Hauptstraße des Ortsteils.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Verkehr

Berliner Allee mit Nebenstraßen.
Zusätzlich eingetragen sind der Weiße See, die Dorfkirche Weißensee und die Darßer Brücke.

Die etwa 3,5 Kilometer lange Berliner Allee (BA) beginnt westlich an der Kreuzung mit der Gürtel- und Lehderstraße als Verlängerung der Greifswalder Straße im Ortsteil Berlin-Prenzlauer Berg. Sie passt sich in ihrem Verlauf dem Weißen See und dem Park am Weißen See durch eine geschwungene Führung an. Im Nordosten, an der Einmündung des Nachtalbenwegs hinter der Darßer Straße, geht sie in die Malchower Chaussee im Ortsteil Berlin-Malchow des Bezirks Lichtenberg über. Der gesamte Straßenzug ist ein Teilstück der B 2.

Die Neue Berliner Pferdebahn-Gesellschaft hatte 1877 eine Strecke zur Personenbeförderung von Berlin nach Weißensee eröffnet. Die Allee wird in der heutigen Zeit zwischen der Gürtelstraße und der Rennbahnstraße abschnittsweise von den Straßenbahnlinien M4, M13, 12 und 27 befahren sowie von den Buslinien 156, 255 und 259 erschlossen.

Geschichte

Die heutige Berliner Allee existierte in ihrem Verlauf bereits seit dem Mittelalter und diente als Fernhandelsweg zwischen Berlin und Bernau sowie weiter Richtung Nordosten. Weißensee war von Berlin aus das erste Dorf, es profitierte von dem Warenhandel und dem Ausbau des Verkehrsweges durch das Gemeindeland. Ab 1810 bekam der heutige südwestliche Abschnitt im Bereich Neu-Weißensee den Namen Königschaussee. Die Bezeichnung rührt daher, dass dieser Handelsweg am Berliner Königstor als Fortsetzung der innerstädtischen Königsstraße bzw. Neue Königsstraße begann.

Der Abschnitt im Dorfkern Weißensee (zwischen heutiger Indira-Gandhi-Straße und Malchower Chaussee) erhielt ab spätestens 1884 die Bezeichnung Berliner Straße. Zuvor wurde sie wahrscheinlich schlichtweg als Dorfstraße bezeichnet.

Beide Abschnitte wurden 1910 zusammengelegt und in Berliner Allee umbenannt. In diesen Jahren beschloss die Gemeindeverwaltung den Bau eines neuen Dorfzentrums um den Kreuzpfuhl, der als Park angelegt und mit völlig neuer Bebauung umgeben wurde. Die gewünschte Bedeutung erhielt das neue Gebiet jedoch nicht; die Verkehrsführung über die Berliner Allee blieb prägend für die Ortsentwicklung. – Bis zum 13. Juni 1953 behielt die Straße den Namen Berliner Allee, an diesem Tag erfolgte eine Umbenennung in Klement-Gottwald-Allee. Pate stand hierfür der tschechoslowakische Politiker Klement Gottwald. – Nach der Wende erfolgte am 1. September 1991 die Rückbenennung in Berliner Allee.

Blick in die Berliner Allee von der Pistoriusstraße aus.

Bebauung entlang der Berliner Allee

Wohnhäuser und Dienstleistungseinrichtungen

Berliner Allee 185: zeitweiliges Wohnhaus von Bertolt Brecht

Zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden entlang der Verkehrswege für die schnell wachsende Bevölkerung neue Wohnhäuser. Einige der Gründerzeit-Wohnhäuser haben den Zweiten Weltkrieg nicht überdauert, einige sind einfach verfallen und mussten abgerissen werden. Trotzdem weist die Berliner Denkmalliste noch größere erhaltene und meist inzwischen sanierte Wohnanlagen aus wie Berliner Allee 18 (privates Wohnhaus)[1], Berliner Allee Ecke Buschallee (1914–1928)[2], Karree Berliner Allee 218–238 / Graacher Straße/ Wehlener Straße[3], [4] oder Berliner Allee 185[5].

Berliner Allee 109: Flora-Apotheke

Hinzu kamen zur medizinischen Versorgung ein eigenes Krankenhaus (St. Joseph, etwas zurückgesetzt an der Gartenstraße, südöstlich des Parks am Weißen See) und eine Apotheke (1875)[6].

Gewerbebauten

eh. Brauerei, Haupteingang Berliner Allee 123

Im mittleren Bereich ist die Berliner Allee eine belebte Einkaufsstraße, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts neben Wohnhäusern als zusammenhängende Straßenzüge in kleinerem Umfang auch Geschäftsbauten erhielt. Begünstigt durch die Einrichtung eines Industrie-Eisenbahnanschlusses am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden an der Allee auch kleinere und größere Betriebe wie die nach dem Unternehmer Rudolf Sternecker benannte Sternecker-Brauerei mit Fabrikhallen, Bürohaus und Speichergebäuden (um 1900)[7], ein Karstadt-Kaufhaus an der Ecke Smetanastraße (1930), heute tw. vom Bezirksamt Pankow genutzt oder das markante verklinkerte Gebäudeensemble der eh. Apparatewerke von Carl Otto Raspe („Askanierhaus“ von 1941, heute Rathaus Pankow, Filiale Weißensee) an der Ecke Liebermannstraße. Die vorgenannten Gebäude sind ebenfalls Bestandteil der Landesdenkmalliste.[8]

Das Teilstück der Berliner Allee Richtung Nordosten in der Nähe zu dem Park erhielt in den vergangenen Jahrzehnten Seniorenheime, gefolgt von Einkaufszentren, einem Autohaus, Tankstellen – neue Wohnbebauung entstand aber nicht.

Kirche, Kulturhaus und Bismarckstein

Kulturhaus „Peter Edel“ zwischen der eh. Brauerei und dem Park am Weißensee

Das älteste und bekannteste Baudenkmal in der Berliner Allee ist die Dorfkirche Weißensee an der Ecke Falkenberger Straße, die bereits im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde und nach umfangreichen Sanierungsarbeiten in den 2000er-Jahren wieder im frischen Glanz erstrahlt.[9]

Zwischen dem Park am Weißensee und der Sternecker-Brauerei wurde zu DDR-Zeiten Anfang der 1960er-Jahre das Kulturhaus „Peter Edel“ eingerichtet (BA 125). Nach dem Willen des Berliner Senats soll es nach einigen Jahren der Zwischennutzung an die Schauspielschule „Die Möwe“ verpachtet werden, aber es ist kein Verhandlungserfolg bekannt geworden.[10] Im Frühjahr 2010 forderte die CDU-Fraktion in der BVV Pankow, das Gebäude mit dem entsprechenden Bauland dem Liegenschaftsfonds zur weiteren Verwertung zu übergeben.[11]

Kolorierte Ansichtskarte von Weißensee mit „Bismarckstein“ und historischer Straßenbahn (1911) an der Berliner Straße.

Das „Brechthaus“ in der Nähe des Weißen Sees gehört dem Literaturforum Brecht, das bis in die späten 1990er-Jahre gelegentlich im Gebäude Lesungen mit Autoren und Werkstattgespräche mit Künstlern veranstaltet hat.[12] Seit einigen Jahren ist kein Nutzer zu erkennen.

Einen bei Bauarbeiten freigelegten großen Granitfindling hat die Gemeindeverwaltung dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck gewidmet. Er wurde am 30. Juli 1908 eingeweiht und in einer kleinen Grünanlage platziert.[13] Ende des 20. Jahrhunderts wurde er an die Kreuzung mit der Rennbahnstraße/Bernkasteler Straße versetzt.

Parks und Plätze

Denkmal im Park am Weißen See

Rund um den für den Ortsteil namensgebenden Weißen See ist bereits im 19. Jahrhundert ein Park mit Spazierwegen, einem Tiergehege, einem Café („Milchhäuschen“) und einigen Denkmalen angelegt worden. Er dient als grüne Lunge von Weißensee ist aber auch Ort für größere Freiluftveranstaltungen. An der Einmündung der Langhansstraße in die Berliner Allee befindet sich der Antonplatz, der von der Allee in einen nördlichen und einen südlichen Bereich geteilt wird.

Namensvettern

Der Name Berliner Allee ist ein häufig verwendeter Straßenname in Deutschland. Ursprünglich erhielten die Verkehrswege die Bezeichnung nach ihrem Ziel, und Berlin lag am Schnittpunkt vieler Straßen. Straßen mit dieser Bezeichnung gibt es in: Altlandsberg, Aschaffenburg, Augsburg, Berlin-Blankenfelde, Darmstadt, Detmold, Düsseldorf, Hannover und auf dem Messegelände Hannover, Hilden, Lübeck und Norderstedt. Berliner Allee ist auch der Name einer Hauptschule in Iserlohn.

Weblinks

 Commons: Berliner Allee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Baudenkmal Mietswohnhaus BA 18; 1883
  2. Baudenkmalsensemble BA 174+178 Ecke Buschallee (1914–1928)
  3. Wohnblöcke Berliner Allee 196+198/ Caseler Straße (um 1914)
  4. Baudenkmal Wohnanlage BA 218-238/ Graacher Straße/ Wehlener Straße (um 1928)
  5. Baudenkmal BA 185 „Brechthaus Weißensee“ (um 1870)
  6. Baudenkmal Flora-Apotheke BA 109 (1875)
  7. Kurztext zur Sternecker-Brauerei und eine Reihe Fotos auf 'Silent Ruins; abgerufen am 18. Dezember 2010
  8. Baudenkmal Produktionshallen der Brauerei (1886) und des Saalgebäudes (1927), BA 121–125, Baudenkmal BA 252–260 Askanierhaus mit MfS-Wachturm von 1970, BA 100 Baudenkmal Karstadt-Kaufhaus
  9. Baudenkmal Dorfkirche Weißensee
  10. Aufruf zu einer Demo (im Dezember 2009): Rettet Weißensees Kulturhaus; abgerufen am 29. März 2010
  11. Homepage der Kunstgalerie Paradox.Berlin (eh. Wallywood); abgerufen am 29. März 2010
  12. Homepage des Literaturforums Weißensee; abgerufen am 29. März 2010
  13. Private Homepage mit Kurzinfo zu einigen Findlingen im Berliner Straßenbild; abgerufen am 30. März 2010
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