Berliner Linie der Vernunft

Die Berliner Linie (seitens des damaligen Berliner Senats auch als „Berliner Linie der Vernunft“ bezeichnet) ist eine Verordnung nach welcher besetzte Häuser in Berlin innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden der Besetzung zu räumen sind. Sie entstand 1981 und wird mittlerweile auch in anderen Städten ähnlich angewandt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Auf Grund zunehmender Hausbesetzungen, besonders in Berlin-Kreuzberg, entwickelte 1981 der Übergangssenat unter dem regierenden Bürgermeister Hans-Jochen Vogel die „Berliner Linie der Vernunft“ um der Problematik gezielter entgegen wirken zu können. Sie besagte, dass neu besetzte Häuser, Plätze oder Wohnungen in Berlin innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden der Besetzung zu räumen sind. Bereits besetzte Häuser sollten allerdings nur geräumt werden, wenn der Eigentümer Strafantrag stellt und einen zügigen Beginn von Sanierungsmaßnahmen zusichert.

Nach den Wahlen vom 10. Mai 1981 erklärte der neue CDU-Senat unter Richard von Weizsäcker, die Berliner Linie weiterführen und konsequenter anwenden zu wollen. Auf die Erklärung des Bausenator Ulrich Rastemborski neun Häuser räumen zu wollen, gaben die Besetzer die Parole „1 Million Sachschaden pro Räumung“ aus. Bei den Protesten gegen die Räumung der Häuser am 22. September starb der Demonstrant Klaus-Jürgen Rattay. Am Ende des Jahres 1981 löste sich die Hausbesetzerbewegung allmählich auf. Von den zwischenzeitlich rund 170 besetzten Häusern in Berlin (1981) wurden 78 bis zum November 1984 durch den Abschluss von Miet-, Kauf- oder Pachtverträgen legalisiert, die Restlichen geräumt.[1]

Die Berliner Linie wurde ebenfalls auf die im Rahmen der Wende in Ost-Berlin besetzten Häuser angewandt. 1996 wurde das erste Mal gegen die Berliner Linie verstoßen, als unter dem CDU-Innensenator Jörg Schönbohm ein seit 1990 besetztes Haus ohne gerichtlichen Räumungstitel auf Grundlage des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) geräumt wurde. In der Folge wurde der „Schutz“ von alten Besetzungen fast gar nicht mehr beachtet.[2]

Im Falle des Hausprojekts Yorck 59 wurde die Berliner Linie unter anderen Vorzeichen nicht eingehalten und eine Hausbesetzung toleriert. Am 6. Juni 2005 wurde die Yorckstr. 59 (Kreuzberg) geräumt. Die Bewohner, die Menschen aus den Projekten und viele Unterstützer besetzten daraufhin am 11. Juni 2005 einen leerstehenden Seitenflügel des Bethanien, ebenfalls in Kreuzberg gelegen. Die Bewohner des von „Yorck 59“ in „New Yorck“ umbenannten Projektes leben und arbeiten dort bisher (Stand 11. Juli 2006), verhandelnd aber ohne Vertrag weiterhin zusammen.

Literatur

Sabine Rosenblatt und Stefan Aust: Hausbesetzer. Wofür sie kämpfen, wie sie leben und wie sie leben wollen. Hoffmann und Campe, 1981, ISBN 978-3455087659

Quellen

  1. Volker Rekittke & Klaus Martin Becker: Politische Aktionen gegen Wohnungsnot und Umstrukturierung und die HausbesetzerInnenbewegung in Düsseldorf von 1972 bis heute. 1.4.1 Häuserkämpfe in Berlin 1979 - 81, 17. November 1995
  2. Kleine Chronologie für Berlin squat.net

Weblinks


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