Berliner Mittwochsgesellschaft

(Geheime) Berliner Mittwochsgesellschaft. Bereits 1783 bestand eine dem Gedankengut der Spätaufklärung verpflichtete „Berliner Mittwochsgesellschaft“ (mit Johann Erich Biester, der als Sekretär fungierte), die sich Gesellschaft der Freunde der Aufklärung nannte. Sie wurde von Wilhelm Abraham Teller (mit)gegründet. Mitglieder waren u. a. der preußische Finanzminister Carl August von Struensee, der Oberfinanzrat Johann Heinrich Wloemer (1726–1797), der Dichter Leopold Friedrich Günther von Goeckingk, Christian Konrad Wilhelm von Dohm, der Theaterdirektor und Schriftsteller Johann Jacob Engel, der Kammergerichtsrat Friedrich Wilhelm von Benecke (1752–1793), Friedrich Gedike, Karl Franz von Irwing, der Jurist Ernst Ferdinand Klein, Franz Michael Leuchsenring, die Mediziner Johann Carl Wilhelm Moehsen und Christian Gottlieb Selle, die Prediger Johann Joachim Spalding und Johann Friedrich Zöllner, Karl Gottlieb Suarez, Wilhelm Abraham Teller; Ehrenmitglied wurde Moses Mendelssohn.

Erst durch diese gelehrte (Geheim-)Gesellschaft, die sich von dem gleichzeitig und schon länger bestehenden Montagsclub – der mehr gesellschaftlichen Charakter hatte – abhob, verbreitete sich die Berliner Aufklärung, deren Meinungsforum die Berlinische Monatsschrift wurde, in der nahezu jedes Mitglied der Mittwochsgesellschaft sich zu Wort meldete und die, nach Werner Krauss, das bedeutendste Forum der Spätaufklärung wurde. Mit den kurzlebigen Berliner Blättern und der Neuen Berlinischen Monatsschrift wirkte Biester zwar im Sinne einer mittlerweile durch den Idealismus verdrängten Aufklärung bis 1811 weiter, doch erreichte die Monatsschrift nie mehr das Niveau früherer Jahre, als Immanuel Kant mit vielen Artikeln die Berlinische Monatsschrift bereicherte – bis Biester, der Oberbibliothekar der „Kommode“ und letzter der Berliner Aufklärung, im Jahr 1816 starb. Jedoch bereits 1798 wurde die Mittwochsgesellschaft von Friedrich Wilhelm III. aufgelöst, weil sie angeblich die innere Sicherheit bedrohte.

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