Berliner Moschee
Wilmersdorfer Moschee
Versammlungsraum in der Moschee
Imam Muhammad Abdullah, 1930
Gottesdienst in der Moschee, 1931

Die Wilmersdorfer Moschee (historisch auch Berliner Moschee oder Ahmadiyya-Moschee) ist die älteste Moschee Deutschlands und wurde zwischen 1924 und 1928 im Auftrag der Ahmadiyya Anjuman Ischat-i-Islam Lahore in Berlin-Wilmersdorf erbaut. Sie hat zwei Minarette, die 32 Meter hoch sind, und eine 26 Meter hohe Kuppel von zehn Metern Durchmesser.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Weimarer Zeit

Die Moschee wurde den Mausoleen der Mogulfürsten Indiens, insbesondere dem Taj Mahal, nachempfunden und entstand nach Plänen des Berliner Architekten K. A. Hermann. Sie ist die älteste Moschee in Deutschland. Zuvor war 1915 eine Moschee aus Holz auf Kosten des Deutschen Reichs für muslimische Kriegsgefangene in Wünsdorf (sogenanntes „Halbmondlager“) errichtet. Bauherr und auch heutiger Eigentümer der Berliner Moschee in Wilmersdorf ist die AAIIL, die den Bau ausschließlich mit Spenden finanziert hat. Die Moschee wurde in den Jahren 1924 bis 1928 erbaut. Feierlich eröffnet wurde der Sakralbau am 23. März 1928.

Die Gemeindegründung fand 1922 in der Giesebrechtstraße 5 in Charlottenburg statt. Auf Anregung des syrischen Studenten Muhammad Nafi Tschelebi[A 1] wurde am 30. Mai 1930 die „Deutsch-Moslemische Gesellschaft e.V.“ gegründet. Durch seine Vermittlungen normalisierte sich auch das Verhältnis zwischen der Islamischen Gemeinde mit ihren zeitweilig 1500 Mitgliedern und der Ahmadiyya-Gemeinde. Nach dem Tod Muhammad Nafi Tschelebis im Sommer 1933 führte die Deutsch-Moslemische Gesellschaft nur noch ein Schattendasein.[1]

Im Januar 1934 wurde in der Moschee das erste deutsches Ehepaar (Abdullah Dayer und Fatima Adaresh), das den Islam angenommen hatte, vom Imam getraut.[2] Die Moschee bietet bis zu 400 Personen Platz.

Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs

Die Nationalsozialisten sahen in der „Deutsche Muslimische Gesellschaft e.V.“ einen „Zufluchtsort für Kurfürstendammjuden“.[3] Nach dem Tod Mohammed Nafi Tschelebis im Sommer 1933 gelang es den Nationalsozialisten, die Islamische Gemeinde zu instrumentalisieren und die Moschee für Propagandaauftritte mit Mohammed Amin al-Husseini zu missbrauchen,[1] z. B. anlässlich des Festes des Fastenbrechens im Jahr 1942.[4]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Moschee stark beschädigt, nachdem deutsche MG-Schützen auf den Minaretten Stellung bezogen hatten und die Moschee deshalb unter das Feuer der Roten Armee geriet. Die Minarette stürzten bis auf einen Stumpf ein und die Kuppel erhielt einen Artillerie-Treffer. Nach dem Krieg wurde die Moschee durch Hilfe der Alliierten wieder notdürftig hergerichtet. Weitere Spenden kamen von Mitgliedern der AAIIL aus aller Welt, hauptsächlich aus den USA.

Nachkriegszeit

Im August 1945 fanden sich ca. 200 Muslime ein, die in den erhalten gebliebenen Räumen des Gemeindehauses ihren ersten Gottesdienst abhielten. Mit Unterstützung der Alliierten erfolgte zunächst die Instandsetzung des Hauptgebäudes. Am 24. Juni 1952 wurde sie mit einer Festpredigt des Berliner Imams, Mohammed Aman Hobohm, wieder ihrer Bestimmung übergeben.[5]

Als Förderverein für die Wilmersdorfer Moschee (AAIIL) entstand am 17. November 1990 die „Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e.V.“ (Berlin VR 11145)[A 2] Seit 1993 steht die Moschee unter Denkmalschutz. 1996 wurde das Haupthaus wiederhergerichtet. 1999 wurde das nördliche und 2001 das südliche Minarett wiederaufgebaut.[6]

Vom 25. bis 27. Mai 2007 wurde eine Konferenz von der deutschen und niederländischen Sektion der AAIIL in der Moschee abgehalten, an der auch der der Präsident und Emir der weltweiten Gemeinschaft Abdul Karim Saeed Pasha und seine Frau Sahiba Saeed teilnahmen.[7]

Schließung

Seit Juli 2007 finden in der Berliner Moschee freitags keine regelmäßigen Freitagsgebete mehr statt. Zuletzt waren knapp 30 Gläubige anwesend. Der Moscheegemeinde fehlt Geld und Personal, um die Moschee weiter offen zu halten. Ein Sufi-Orden unter Leitung des deutschen Konvertiten Erwin Helle nutzte zuletzt die Moschee jeden Donnerstag zum Dhikr. Nur für besondere Ereignisse wird die Moschee noch geöffnet, wie beim „Tag des offenen Denkmals“ am 14. September 2008 und am „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober 2008.[8]

Berlin Muslim Mission

Maulana Muhammad Ali, das damalige Oberhaupt der AAIIL, rief auf der „Jährlichen Konferenz in Lahore“ im Dezember 1921 zu Spendensammlungen auf, um sowohl in Amerika und Deutschland Missionshäuser zu errichten. Im darauffolgenden Jahr wurde die „Berlin Muslim Mission“ von Maulvi Abdul Majid und Maulana Sadr ud-Din, dem späteren Oberhaupt der AAIIL, gegründet.

Die Berlin Muslim Mission gab von 1924 bis 1940 die Zeitschrift Moslemische Revue heraus, und ihr Sadr ud-Din legte 1939 die erste deutsche Koranübersetzung aus muslimischer Feder vor.[9][10]

Im November 1959 übernahm Maulana Muhammad Yahya Butt die Leitung der Berliner Mission. Yahya Butt arbeitete 27 Jahre als Imam in der Berliner Moschee und – nach Eigenangaben der AAIIL Berlin – traten unter seiner Leitung 157 Menschen dem Islam bei.[11] 1962 belebte Yahya Butt die Deutsch-Muslimische-Gesellschaft wieder.[12]

Die „Islamische Gemeinde Berlin“ ist die deutsche Zentrale der Ahmadiyya Anjuman Ischat-i-Islam Lahore und hat etwa 60 Mitglieder.[13] Nach anderen Quellen soll von 50 Gottesdienstbesuchern (1996) nur der Imam Saeed Ahmed Chaudhry Mitglied der Lahori-Gemeinschaft sein.[14]

Nach Manfred Backhausen gab es in „ganz Deutschland 2006 nur eine Handvoll Lahore-Ahmadis“. Zwar konnte das Ziel „Menschen des Westens den Islam näher zu bringen“ bedingt erreicht werden, doch zu keiner Zeit gab es eine kontinuierliche deutsche Gemeinde in der Berliner Moschee. Dazu war die Zahl der gewonnenen Konvertiten zu gering und die Moschee blieb fast ausschließlich Gebetsstätte für ausländische Muslime in Berlin. Erschwerend kam hinzu, dass durch die Masseneinwanderung von Muslimen in Deutschland die Berliner-Moschee ihre zentrale Rolle verloren hat. So wird die Moschee in der deutschen Hauptstadt hauptsächlich als „ein exotisches oder indisches Zeugnis“ wahrgenommen mit wenig Bezug auf den Islam in Deutschland.[15]

Die Berliner Mission war nach der Woking Muslim Mission die zweite Missionstelle der AAIIL in Europa.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. siehe: Muhammad-Nafi-Tschelebi-Preis
  2. Handelsregister: „Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e.V.“, Vereinsregisterauszug Berlin (Charlottenburg) VR 11145

Einzelnachweise

  1. a b Burkhard Schröder: „Führer unter sich“, Berliner Stadtmagazin tip am 29. Mai 1996
  2. Die Berliner Moschee und Mission der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore), S. 40
  3. NSDAP Reichsleitung, Abt. Verbände am 13. April 1937
  4. Mohammed Aman Hobohm: Islam in Deutschland: Neuanfänge muslimischen Gemeindelebens in Berlin nach dem Krieg, aus der Vortragsreihe der Islamischen Hochschulvereinigung an der Universität Köln im WS99/00
  5. Islamische Moschee Wilmersdorf
  6. Älteste Moschee Berlins ist wieder komplett, Berliner Zeitung, am 30. August 2001
  7. Lahore Ahmadiyya Conference at the Berlin Mosque, Mai 2007
  8. Hoffnung auf neuen Imam, Berliner Morgenpost am 2. Oktober 2008
  9. „Der Koran – Arabisch-Deutsch“; Übersetzung, Einleitung und Erklärung von Maulana Sadr ud-Din; Verlag der Moslemischen Revue, Berlin 1939; 3. unveränderte Auflage 2006.
  10. Die Berliner Moschee und Mission der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore), S. 27
  11. A Brief History of The Berlin Muslim Mission (Germany) (1922–1988)
  12. Die Berliner Moschee und Mission der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore), S. 74
  13. Moschee in Wilmersdorf: Mit Kuppel komplett, Der Tagesspiegel am 29. August 2001
  14. Deutschlands älteste Moschee verfällt, Berliner Zeitung am 26. März 1996
  15. Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa, S. 204f

52.48755555555613.3115277777787Koordinaten: 52° 29′ 15,2″ N, 13° 18′ 41,5″ O


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