Berliner Schauspielhaus
Das Konzerthaus 2008

Das Konzerthaus Berlin ist ein klassizistisches Gebäude auf dem Gendarmenmarkt im Berliner Ortsteil Mitte, das nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaut und als „Königliches Schauspielhaus“ am 26. Mai 1821 eingeweiht worden ist. 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, erlitt das Theater schwere Schäden. Nach Wiederaufbau und Umbau zum Konzerthaus wurde es am 1. Oktober 1984 wieder eröffnet und später als „Konzerthaus am Gendarmenmarkt“ bzw. „Konzerthaus Berlin“ bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Rekonstruktion und Umbauten

Schinkels Entwurf für das Berliner Schauspielhaus
Ruinen des Schauspielhauses (links) und des französischen Doms im Oktober 1951
Das Konzerthaus abends

Entwicklung zum Konzerthaus

Nach Sicherungsarbeiten in den 1950er- und 1960er-Jahren wurde das Gebäude unter Leitung der Architekten Erhardt Gißke, Klaus Just und Manfred Prasser zwischen 1979 und 1984 wieder aufgebaut. Die Rekonstruktion der Fassade folgte fast vollständig den Plänen Schinkels. Die Innenräume mussten neu konzipiert werden, weil das Haus in Zukunft als Konzerthaus genutzt werden sollte. Es entstanden: ein großer Konzertsaal mit 1600 Plätzen – dafür wurden der ehemaligen Zuschauerraum und die Bühne zu einem Raum zusammengefasst –, ein Kleiner Konzertsaal mit 400 Plätzen, ein Musikklub mit 80 Plätzen und ein Orchesterprobensaal. Die Entscheidung für die neue Nutzung folgte einerseits praktischen Erwägungen: Ost-Berlin, damals „Hauptstadt der DDR“, verfügte über mehrere renommierte Theater, es fehlte aber ein repräsentativer Konzertsaal, wie ihn West-Berlin mit der Philharmonie besaß. Damit bekam andererseits die Frage durch den Ost-West-Vergleich auch einen politischen Akzent.

Der Gedanke einer modernen Innenraumgestaltung wurde diskutiert und verworfen. Die Räume erhielten eine klassizistische Dekoration in freier Interpretation der ursprünglichen Fassung. Für dieses aufwendige Projekt mussten Spezialisten für Stuckarbeiten und Dekormalerei, Marmorbearbeitung und die Herstellung von Kronleuchtern zum großen Teil erst geschult werden. Als konkretes Vorbild für den Großen Konzertsaal diente der wesentlich kleinere einstige Konzert- und Ballsaal von Schinkel, einzelne Abmessungen wurden um das Vier- bis Fünffache gesteigert. Die Rekonstruktion insgesamt erhielt viel Beifall. Die Fachzeitschrift Bauwelt (13/85) sprach von einer „Nachdichtung Schinkelscher Innenarchitektur“, meinte aber auch, es sei „ein Haus im Stile Schinkels geworden, nicht in seinem Geiste“.

Werner-Otto-Saal

Wegen des großen Interesses an den Angeboten des Konzerthauses wurde ein zusätzlicher Veranstaltungsraum gebraucht. Dafür kam nur der Orchesterprobensaal in Frage, der in einen multifunktionalen Veranstaltungsort umzuwandeln war. Für die Finanzierung konnte ein Mäzen gewonnen werden, nach dem der Saal benannt wurde. Das Architektenbüro Peter Kulka, Köln gestaltete einen sachlichen, glattflächigen Raum mit stark farbigen Stühlen als bewussten Kontrapunkt, jedoch nicht als Widerspruch zur sonstigen Architektur des Hauses - die Absicht war, Schinkels Sachlichkeit und Funktionalität mit heutigen Mitteln wiederzugeben. Technische Besonderheit ist ein Raster von 11 × 12 Podien, die in den Boden eingelassen sind und sich einzeln oder in Gruppen rechnergesteuert anheben lassen, um der unterschiedlichen Nutzung des Raumes gerecht zu werden. Am 28. Februar 2003 war der Werner-Otto-Saal fertig gestellt.

Konzerthaus und Orchester

Wie der Umbau zum Konzerthaus wurde auch der Spielbetrieb von staatlicher Seite intensiv gefördert. Hans Lessing, der erste Intendant, war zuvor Industrieminister gewesen. Als Musik-Manager sorgte er mit Unterstützung der maßgeblichen Institutionen – Kulturministerium und Kulturabteilung des Zentralkomitees der SED – dafür, dass das neue Haus durch Gastspiele international renommierter Orchester und Solisten sehr bald überregionale Bedeutung gewann. Hausorchester war das Berliner Sinfonie-Orchester (BSO). Mit dem Ende der DDR begann für die Musiker und ihre Spielstätte eine kritische Phase. Die Frage, ob es sinnvoll sei, das Konzerthaus und sein Orchester neben der Philharmonie und den Philharmonikern als städtische Einrichtungen zu erhalten, wurde zunächst verneint; man erörterte neue Nutzungskonzepte, dem Orchester und seinem Dirigenten wurde 1991 gekündigt.

Nach heftigen öffentlichen Protesten musste dieser Kurs revidiert werden. Der Musikwissenschaftler Frank Schneider, bis 1990 Direktor des Instituts für Kunstwissenschaften der Akademie der Künste der DDR, wurde 1992 zum Intendanten berufen. Er entwickelte für das Haus ein wissenschaftlich untermauertes neues Profil, zu dem neben der Pflege klassischer Musik verstärkt die Moderne gehörte, eingeschlossen Auftragswerke und Uraufführungen, dazu grenzüberschreitende Aktivitäten zu anderen Kunstgattungen. Die Politik folgte seinen Vorschlägen. Am 22. September 1992 ordnete der Senat das Berliner Sinfonie-Orchester dauerhaft dem Schauspielhaus zu, beide Institutionen erhielten den Status von „nicht rechtsfähigen Anstalten des öffentlichen Rechts als nachgeordnete Einrichtungen der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten“. Das Schauspielhaus wurde 2001 durch Senatsbeschluss umbenannt in „Konzerthaus am Gendarmenmarkt“, das BSO 2006 in „Konzerthausorchester Berlin“.

Aktuell enthält das Veranstaltungsprogramm des Konzerthauses Berlin jährlich rund 550 Veranstaltungen in vier Spielstätten – Konzerte mit prominenten Künstlern aus dem In- und Ausland, thematische Konzertzyklen, alte Musik, Musik der Gegenwart sowie zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche. Das Konzerthausorchester gibt je Saison etwa 100 Konzerte. Darüber hinaus wird das Haus als attraktiver Rahmen für besondere gesellschaftliche Ereignisse genutzt. Intendant Frank Schneider geht 2009 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird am 1. September 2009 Sebastian Nordmann, bisher Intendant der Festspiele in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Orgel im Großen Saal

Bühne des Großen Saales bei einem Konzert

Die Orgel im Großen Saal des Konzerthauses Berlin wurde 1983/1984 von der Firma Jehmlich Orgelbau Dresden erbaut und verfügt auf vier Manualen und Pedal über 74 klingende Register mit insgesamt 5811 Pfeifen. 1994 wurde die Orgel noch durch einige Zusatzregister (Glockenspiel, zwei Zimbelsterne, Vogelgeschrei und Kuckuck) erweitert und erhielt eine neue Setzeranlage mit nun insgesamt 256 Setzerkombinationen. Außerdem steht seitdem neben dem mechanisch angespielten Hauptspieltisch ein elektrischer Podiumsspieltisch zur Verfügung, der je nach Bedarf installiert werden kann.

Die Orgel war hauptsächlich dafür gedacht, Chören und Orchestern bei klassisch-romantischer und zeitgenössischer Musik als Partner zu dienen, war aber von vornherein auch für den solistischen Einsatz vorgesehen. Die Erbauerfirma aus Dresden steht in der Tradition des sächsischen, auf Gottfried Silbermann fußenden Orgelbaus, was in der Berliner Konzerthausorgel mit ihrem weichen Klang seinen Ausdruck findet. Auf dem Instrument ist ein breites Repertoire darstellbar, der Schwerpunkt wurde auf die Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts gelegt. Der in klassizistischen Formen gehaltene Prospekt fügt sich organisch in das Raumganze ein.

Literatur

  • Berger Bergmann, Gerhard Müller (Hrsg.): „Apollos Tempel in Berlin – vom Nationaltheater zum Konzerthaus am Gendarmenmarkt“. Prestel Verlag 2009. ISBN-10: 3791338749. ISBN-13: 978-3791338743.
  • Konzerthaus Berlin – Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Das Buch über Gestern und Heute. Museums- und Galerie-Verlag, Berlin 1994.
  • Goethe-Spuren. Ein Lese-Buch zum Konzertprojekt, Konzerthaus Berlin 1998/1999. Wallstein Verlag, Göttingen 1998.
  • Das Berliner Sinfonie-Orchester. Konzerthaus Berlin und Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2000.

Weblinks

52.51361111111113.3922222222227Koordinaten: 52° 30′ 49″ N, 13° 23′ 32″ O


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