Berlocken

Berlocken (aus dem Französischen Breloques, Anhängsel) sind kleine Kostbarkeiten oder kleine Schmuckgegenstände aus Metall, Elfenbein, Porzellan, Edelstein oder anderen wertvollen Materialien.

Zwischen der Zeitenwende und der Wikingerzeit (800-1050 n. Chr.) wurde in Nordeuropa sehr spezielle Anhänger insbesondere anfangs teilweise aus Gold hergestellt. Die älteste (als Typ I) Form, die dem 1. Jahrhundert n. Chr. angehört, hat ein einfacheres Dekor und fast kugelrunde Form. Dieser Typ ist in Skandinavien durch Funde nicht belegt. Die etwas jüngere Form (Typ II), mit einer fast flachen, umgekehrten Birnenform, und die jüngste (Typ III), die umgekehrte Birnenform, sind in Südskandinavien durch Funde belegt. Sie waren derart gebräuchlich, dass von allen Anhängern aus der Region die birnenförmigen Berlocken etwa 60 % des Fundmaterials ausmachen. Die Konzentration auf Skandinavien ist deutlich, doch kennt man diese Berlocken auch aus Deutschland, Polen und Tschechien. Die jüngere Form der Berlocken (etwa 70-210/220 n. Chr.), haben zumeist ein fast gänzlich von aufgelegten Golddrähten bedecktes Oberteil. Berlocken fand man fast nur in Frauengräbern. Doch es sind zwei Gräber aus Jütland bekannt, bei denen der Bestattete vermutlich ein Mann war. Beide Gräber enthalten die ältere Form der Berlocken. Es ist möglich, dass der frühe Typ sich noch nicht zum reinen Frauenschmuck entwickelt hatte, den die jüngere Form darstellt.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kommt eine neue Generation auf, die als Anhänger und Ziergehänge am Uhrband oder an der Uhrkette (Chatelaine), aber auch am Charivari getragen wird. Auch Uniformen wurden mit Berlocken verziert.

Eine moderne Form dieser Art Schmuck ist das Bettelarmband. Als Trachtenschmuck gibt es Berlocken vor allem im Alpenraum noch heute.

Die Berlocken kommen im Novellenkranz "Das Sinngedicht" von Gottfried Keller vor.

Literatur

  • Kent Andersson: Gold des Nordens. Skandinavische Schätze von der Bronzezeit bis zu den Wikingern. Theiss. Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2184-8

Weblinks

  • [1] Berlocken in Finnland

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  • Berlocken — (v. fr. Breloques), 1) Kleinigkeiten, Spielwaaren von Metall, Elssubeln, Porzellan u. dgl.; 2) Ziergehänge an das Uhrband …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Berlocken — (franz. Breloques), Kleinigkeiten, Spielwaren von Metall, Elfenbein, Porzellan u. dgl.; dann Ziergehänge am Uhrband oder an der Uhrkette, üblich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrh …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Berlocken — (frz. breloques), zierliche Schmuckgegenstände von Metall etc., bes. an der Uhrkette getragen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Berlocke — Berlocken (aus dem Französischen Breloques, Anhängsel) sind kleine Kostbarkeiten oder kleine Schmuckgegenstände aus Metall, Elfenbein, Porzellan, Edelstein oder anderen wertvollen Materialien. Sie wurden ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts …   Deutsch Wikipedia

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