Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn
Ae 8/8 der BLS vor Spiez
Das Kanderviadukt der BLS bei Frutigen

Die BLS Lötschbergbahn AG ist eine ehemalige, private Bahngesellschaft in der Schweiz. Mit einem normalspurigen Streckennetz von 245 Kilometern Länge gehörte sie zu den grösseren Privatbahnen der Schweiz. Sie unterhielt den Nord-Süd-Verkehr (Güter sowie Rollende Autobahn) über den Lötschberg (Lötschberglinie) und war für den Regionalverkehr im Grossraum Bern zuständig. Sie betrieb auch die Schifffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee. Die BLS Lötschbergbahn AG wurde im Juni 2006 mit der Regionalverkehr Mittelland (RM) zur neuen BLS AG fusioniert, die neue Gesellschaft ist seit dem 27. Juni 2006 operativ.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die BLS wurde am 27. Juli 1906 unter dem Namen Berner Alpenbahngesellschaft BLS (Bern–Lötschberg–Simplon) für den Bau der Lötschberglinie gegründet. Seit dem 24. Juli 1901 fuhr bereits von Spiez nach Frutigen die Spiez-Frutigen-Bahn; diese Bahn wurde am 1. Januar 1907 für SFr. 3'558'680.67 von der BLS übernommen. Die ersten Sprengschüsse am 15. Oktober 1906 kündigten den Baubeginn des Lötschbergtunnel an. Im gleichen Jahr wurde der Simplontunnel der SBB fertiggestellt. 1911 wurde der Lötschbergtunnel (Länge 14'612 m) zwischen Kandersteg und Goppenstein durchstossen. Als auch die Zufahrtsrampen auf beiden Seiten fertig gebaut waren, konnte am 15. Juli 1913 der durchgehende Betrieb von Spiez nach Brig aufgenommen werden.

Die bereits seit der Eröffnung mit 15'000 V und 16 2/3 Hz elektrifizierte und aus 33 Tunneln, 3 Lawinenschutzgalerien sowie 22 Brücken bestehende Lötschberglinie wurde zu einer wichtigen Eisenbahnlinie im internationalen Verkehr, vor allem zwischen dem Elsass und Italien (Domodossola). Die Versuchsstrecke für den elektrischen Betrieb zwischen Spiez und Frutigen war anfänglich für 15 Hz erbaut worden. Die Anlage wurde vor der Eröffnung noch an 16 2/3 Hz angepasst, da anfangs 1913 die Verwaltungen von Preussen, Bayern und Baden sich auf 16 2/3 Hz als Bahnfrequenz festlegten. Diese Änderung konnte ohne grosse bauliche Veränderung vollzogen werden; einzig die Drehzahlregler der Generatoren mussten angepasst werden.

Die Lötschbergbahn betrieb 1913 nicht nur die Lötschberglinie, sondern auch die Linie Scherzligen (Thun)–Spiez–InterlakenBönigen sowie die Dampfschiffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee der Thunerseebahn (TSB). Zwischen der BLS und folgenden Bahngesellschaften bestand immer ein Betriebsvertrag: * die 35 km lange Spiez-Erlenbach-Zweisimmen-Bahn (SEZ), * die 52 km lange Gürbetal-Bern-Schwarzenburg-Bahn (GBS) * die 43 km lange Bern-Neuenburg-Bahn (BN). 1915 kam noch die Linie der Münster-Lengnau-Bahn (MLB) dazu. Der Personal- und Fahrzeugeinsatz wurde auf allen Linien immer gemeinsam getätigt. Einzig beim Rollmaterialeinkauf war zu erkennen, dass es sich um verschiedene Gesellschaften handelt. Sie beschafften sich das Rollmaterial gemeinsam, aber es wurden immer die verschiedenen Bahninitialen angebracht. Der Unterhalt am Rollmaterial wurde hingegen gemeinsam abgewickelt. Diese Bahngesellschaften waren im Mehrheitsbesitz des Kantons Bern, so dass sie alle als Berner Desscretbahnen bezeichnet wurden.

Die BSB-Strecke wurde am 1. Juni 1907 von Bern zur 31 km entfernten Kleinstadt Schwarzenburg geführt. Zwischen Bern Hauptbahnhof und Bern Fischermätteli benutzen beide Bahnen eine 5 km lange gemeinsame Strecke. Der elektrische Betrieb wurde 1920 eingeführt.

Nachdem das Elsass und Lothringen 191] an Frankreich übergingen, wurde die Transitlinie weniger erfolgreich. Doch dank wachsenden Güterverkehrs zwischen Deutschland und Italien und dem Privatreiseverkehr von der Innerschweiz in das Wallis hat die BLS die Krise gut überstanden.

Seit den 1950er Jahren betreibt die BLS eine Autoverladung über dem Lötschberg. Somit konnte der grosse Umweg mit dem Auto über die Genferseeregion vermieden werden.

Seit 1992 ist die Lötschbergbahn durchgehend doppelspurig. Die Arbeiten dazu wurden 1977 aufgenommen. In weiser Voraussicht wurde der Tunnel sowie die Zufahrten beim Bau bereits in den 1910er Jahren für die Doppelspur vorbereitet.

1997 fusionierten die SEZ, GBS, BN mit der BLS zur BLS Lötschbergbahn AG. 2000 haben die SBB und die BLS eine Basisvereinbarung unterzeichnet. Diese legt unter anderem fest, dass die BLS den SBB-Regionalverkehr (S-Bahn Bern) übernimmt und die SBB den Fernverkehr auf dem Lötschberg. Dafür wird die BLS auch an Fernstrecken (nach Zürich, Neuchâtel und sogar an der Eurocity-Strecke nach Amsterdam) beteiligt. Ab dem 12. Dezember 2004 wurde der Vertrag umgesetzt. Die BLS betreibt neu auch die Emmentalbahn zwischen Bern und Luzern.

Am 16. Juni 2007 wurde im Rahmen der NEAT von Frutigen nach Raron der 34,6 km lange Lötschberg-Basistunnel freigegeben.

Betrieb

Datei:BLS Autoverlad.jpg
Autoverlad in Kandersteg
Bahnhof von Kandersteg

Die BLS betreibt den Regionalverkehr im Raum Bern und Luzern (S-Bahn Bern, S-Bahn Luzern (S6) sowie Regio Expresse). Dieser umfasst die Region Bern bis zu den Endpunkten in Neuchâtel, Biel/Bienne, Freiburg im Üechtland/Laupen, Payerne, Schwarzenburg, Thun, Büren an der Aare, Luzern, Langnau/Trubschachen.

Die BLS verlädt Autos zwischen Kandersteg und Goppenstein und zu den Ferienreisezeiten zudem zwischen Kandersteg und Iselle (I) südlich des Simplons.

Ein Inselbetrieb fernab von seinem Stammnetz bildet die ehemalige Münster-Lengnau-Bahn mit dem 8578 m langen Grenchenbergtunnel an der Jurabahn. Weil die Simplonbahn befürchtete, vom Verkehr von Paris abgehängt zu werden, finanzierte sie den Bau dieser Linie, welche die Strecke Moutier-Biel abkürzte.

Die Schifffahrt Thuner- und Brienzersee unter der Obhut der BLS hat fast ausschliesslich touristischen Charakter. Sie fährt vorwiegend im Sommer.

Im Jahr 2001 wurde gemeinsam mit der Railion Deutschland AG und dem Spediteur Ambrogio aus Italien eine Tochtergesellschaft, die BLS Cargo AG gegründet. Das Unternehmen bietet vor allen Dingen im Alpentransit direkte Verbindungen zwischen Frankreich sowie Deutschland nach Italien für den Güterverkehr an. Für den Lastwagentransport wird für die RAlpin AG die Rollende Autobahn angeboten.Das Unternehmen hat seit der Gründung den Güterverkehr der BLS von ca. 300 Mio. Ntkm auf 2.8 Mrd. Ntkm (2005) vervielfacht und im Alpentransit durch die Schweiz 2006 einen Marktanteil von 40% erreicht.

Die Tochtergesellschaft BLS AlpTransit AG konzentriert sich auf rasche Verbindungen im Transitverkehr mit dem Schwerpunkt Lötschberg-Basistunnel.

Rollmaterial (Auswahl)

Re 465-007
Lokomotiven
  • Be 5/7, später Ae 5/7
  • Ae 6/8 201–208
  • Ae 4/4 251–258 (1944–1955), neu Ae 415; vier Stück 1966 zu Ae 8/8 274–275 umgebaut
  • Ae 8/8 271–273 (1959–1963)
  • Re 4/4 161–195 (1964–1983), neu Re 425
  • Re 420 501–512, ex SBB Re 4/4II
  • Re 465 001–018 (1994–1997), Lok 2000
  • Re 485 001–020 (2002–2004), Traxx F140 AC
Triebwagen/Triebzüge
  • ABDe 4/8 741–743 (1945), an OeBB und RVT verkauft
  • ABDe 4/8 746–750 (1954), neu ABDe 535; ausser Dienst
  • ABDe 4/8 751–755 (1964), neu ABDe 535; ausser Dienst
  • Be 4/4 761-763 (1953)
  • RABe 525 001–036 (1998–2005), NINA
  • RBDe 565 721–742 (1982–1992), EAVII

Literatur

  • Claude Jeanmaire: Mit Kohle, Dampf und Schaufelrädern. Verlag für Eisenbahn- und Strassenbahnliteratur, Basel 1971, ISBN 3-85649-009-7 (formal falsche ISBN)
  • Florian Inäbnit, Jürg Aeschlimann: Bern–Neuenburg-Bahn. Die Linie Bern–Neuenburg der BLS. Prellbock Druck & Verlag, Leissigen 2001. ISBN 3-907579-18-6
  • Ulf Degener: Neue Wege im Alpentransit. Umorientierung bei der BLS Lötschbergbahn. In: LOK MAGAZIN. GeraNova, München 41/2002,255, S. 25-26. ISSN 0458-1822
  • W. Brügger: Das Frutigbuch. Heimatkunde für die Landschaft Frutigen. Kapitel "Die Bahnen". Paul Haupt, Bern 1977, S.419-437.

Weblinks


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