Bernard Baruch
Bernard Baruch (um 1935)

Bernard Mannes Baruch (* 19. August 1870 in Camden, South Carolina; † 20. Juni 1965 in New York) war ein Finanzier und Börsenspekulant in den Vereinigten Staaten.

Baruch ist heute vor allem für die Lancierung der (in anderem Zusammenhang schon länger bekannten) Formel vom Kalten Krieg zur Charakterisierung des sich als Ergebnis des 2. Weltkrieges aufgetanen Ost-West-Konflikts und als ein Mitbegründer der National Recovery Administration, einem Teil des New Deals, bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Baruch wurde 1870 als zweiter von vier Söhnen des jüdischen Arztes Simon Baruch[1] in Camden, im US-Bundesstaat South Carolina geboren.[2] Nach dem Umzug der Familie nach New York City, 1881, ging Baruch dort zur Schule und besuchte schließlich das stadteigene City College of New York, das er 1889 abschloss.

Danach schlug Baruch eine Laufbahn als Börsenbroker ein, und wurde schließlich Teilhaber der Firma A. Housman and Company. Seine Einkünfte verschafften ihm schließlich die finanziellen Mittel, um die damals sehr teure Genehmigung zum Spekulieren an der New Yorker Börse erwerben. Dort gelang es ihm aufgrund seines händlerischen Geschickes, noch vor seinem 30. Geburtstag, ein gewaltiges Vermögen anzuhäufen. 1903 eröffnete Baruch schließlich eine eigene Maklerfirma im New Yorker Börsenviertel. Bis 1910 stieg er zu einem der anerkannt führenden Männer seines Gewerbes auf, so dass er schließlich in dem Ruf stand, der "König der Wall Street" zu sein. Seine Weigerung als Teilhaber in eines der etablierten Finanzhäuser einzutreten, brachte ihm zugleich die Reputation ein, ein "einsamer Wolf" zu sein.

Baruch als Präsidentenberater

Während des Ersten Weltkrieges beriet Baruch den amerikanischen Präsidenten Wilson in Verteidigungsangelegenheiten und wurde Vorsitzender des Rates für Kriegsindustrie (Chairman of the War Industries Board). 1919 nahm Baruch an der Versailler Friedenskonferenz teil. Durch finanzielle Zuwendung zugunsten der Wahlkampfanstrengungen demokratischer Kongressabgeordneter gelang es Baruch, seine einflussreiche Stellung in der amerikanischen Politik auch über das Ende des Krieges zu befestigen (für Wilsons Präsidentschaftskandidatur hatte er z.B. 50.000 $ Wahlkampfunterstützung geleistet). Unter Franklin D. Roosevelt war Baruch ein Mitglied des sogenannten Brain Trust, jener Denkfabrik, die federführend mit der Ausarbeitung von Roosevelts wirtschaftspolitischen Reformanstrengungen die unter dem Schlagwort des New Deals bekannt wurden, betraut war.

Baruch im Zweiten Weltkrieg

Sir Winston Churchill, und Bernard Baruch im Fond von Baruchs Wagen

Baruch hatte bereits seit den 1920er Jahren mit Winston Churchill in freundschaftlicher Verbindung gestanden und diesen zudem als Verwalter seines Privatvermögens unterstützt. Churchill hielt große Stücke auf Baruchs Fähigkeiten als Finanzier, seit dieser ihn (Churchill) beim Börsenkrach von 1929 durch sein Anlagetalent vor dem Ruin bewahrt hatte. Weitere Aktienempfehlungen, die Baruch ihm gegeben hatte, führten 1938 zur Zahlungsunfähigkeit Churchills. Der britisch-jüdische Bankier Henry Strakosch rettete Churchill aus der Notlage, beglich die Schulden und übernahm dafür die rapide gesunkenen Aktien.[3] In Churchills Auftrag arbeitete Baruch zu Beginn von Churchills Premierministerschaft 1940 an führender Stelle mit an der Aufstellung des Konzepts zur britischen Kriegsfinanzierung. Baruch war unter anderem der Schöpfer des Lend-and-Lease-Systems, das es ermöglichte, die (noch) neutralen Vereinigten Staaten in die britischen Kriegsanstrengungen miteinzubeziehen. Roosevelts Angebot ihn zum Finanzminister zu ernennen schlug Baruch jedoch aus, um stattdessen weiterhin als inoffizieller Berater zu fungieren. Aufgrund seiner freischwebenden, durch keine Ämter oder Institutionen kontrollierte Position in der amerikanischen Politik sprachen Kritiker wie Bewunderer spöttisch davon, das Baruchs Büro sich auf der Sitzbank im Lafayette Park gegenüber dem Weißen Haus befinden würde (die ihm 1960 anlässlich seines 90. Geburtstages gewidmet wurde). Das Bild von Baruch, der auf einer Parkbank sitzt und gesprächsweise große Politik gestaltet, ist heute ein bildlicher Gemeinplatz des amerikanischen kollektiven Gedächtnisses.

Späte Jahre und Nachwirken

1946 wurde Baruch von Harry S. Truman zum Vertreter der Vereinigten Staaten in der Atomenergiekommission der Vereinten Nationen ernannt, wo er noch im selben Jahr den sogenannten Baruch-Plan vorlegte, der die Unterstellung der Atomwaffen unter internationale Kontrolle vorsah.

Am 16. April 1947 prägte er in einer Ansprache die Formel vom Kalten Krieg zur Bezeichnung des sich nach dem Ende des 2. Weltkrieges auftuenden Konflikts zwischen den beiden großen Siegermächten, der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten. Der anwesende Journalist Walter Lippmann griff diese Formel in einem Artikel auf und sorgte so für ihre Popularisierung. Bis an sein Lebensende blieb Baruch als politischer Berater tätig. Er starb 1965 im Alter von 94 Jahren und wurde auf dem Flushing Cemetery in Queens (New York City) begraben. Baruchs Landsitz Hobcaw Barony in South Carolina, wo er unter anderem Churchill, Wilson, General Pershing und Roosevelt als Gäste empfing, ist heute ein Naturschutzgebiet. In Manhattan befindet sich ein Baruch gewidmetes Baruch College.

Werke

  • My Own Story, 2 Bde., New York 1957, ISBN 1-56849-095-X
  • Gute 88 Jahre, München 1958 (deutsche Übersetzung von My Own Story; Übersetzer: Carl Bach)
  • The Making of the Reparation and Economic Sections of the Treaty, 1920.
  • American Industry in War: A Report of the War Industries Board, (hg. von Richard H. Hippelheuser) 1941.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Bernard M. Baruch: Gute 88 Jahre, München 1958, S. 9ff
  2. Baruchs Vater, Simon Baruch, ein Bekenntnisjude, war 1855 aus Posen (damals zu Preußen gehörend) in die Vereinigten Staaten eingewandert. Seine Mutter Belle, geborene Cohen, stammte aus einer Familie von sephardischen Kaufleuten, die in den 1800er Jahren nach New York gekommen waren, wo sie sich im Versand- und Transporthandel betätigten.
  3. Vgl. Stefan Scheil: Churchill, Hitler und der Antisemitismus: die deutsche Diktatur, ihre politischen Gegner und die europäische Krise der Jahre 1938/39, Duncker & Humblot, Berlin 2008, S. 104

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