Bernauer Strasse
Der Zugang zur 1985 gesprengten Versöhnungskirche war in die Grenzbefestigung mit eingemauert
U-Bahnhof Bernauer Straße nach der Sanierung
Modernisierung der Berliner Mauer an der Bernauer Straße 1980
Gedenkstätte Berliner Mauer

Die Bernauer Straße ist eine Straße im Berliner Bezirk Mitte. Sie markiert die Grenze zwischen den Ortsteilen Gesundbrunnen und Mitte. Benannt ist sie nach der brandenburgischen Stadt Bernau.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Während der Teilung Berlins verlief entlang der Straße die Berliner Mauer. Berühmtheit erlangte die Bernauer Straße durch Fluchtaktionen aus den Fenstern von Häusern im Ostteil Berlins auf die Straße, deren Bürgersteig bereits in West-Berlin lag. Die nach Westen gelegenen Eingänge und Fenster dieser Häuser wurden sukzessive zugemauert, die Dächer mit Sperren versehen. Im Herbst 1961 hatte man die letzten Grenzhäuser dann zwangsgeräumt; die Gebäude wurden in den Jahren nach 1963 schließlich ganz abgetragen, um zu militärisch „übersichtlichen“ Verhältnissen unmittelbar an der Mauer zu kommen. An zehn namentlich bekannte Personen, die ihren Fluchtversuch im Bereich der Bernauer Straße mit dem Leben bezahlten, erinnert heute ein Gedenkstein an der Einmündung zur Swinemünder Straße.

Bekannt ist auch das Foto des jungen Bereitschaftspolizisten Conrad Schumann, der über Stacheldrahtrollen hinweg in das Gebiet des französischen Sektors sprang und dabei seine Maschinenpistole wegwarf. Der Vorfall ereignete sich an der Ecke Bernauer/Ruppiner Straße. In der Bernauer Straße kam es auf Grund der besonderen örtlichen Gegebenheiten in den ersten Jahren der Mauer immer wieder zu Kontakten zwischen den Grenzsoldaten der DDR und West-Berliner Polizisten bzw. Zollbeamten; so gab es beispielsweise Gespräche über die Mauer hinweg oder die Übergabe von Zigaretten.

Von Hauskellern in der Bernauer Straße aus wurden Fluchttunnel in den lehmigen Boden der Bernauer Straße getrieben. Einer endete 1962 in der Schönholzer Straße 7; 29 Ostberliner, von der Großmutter bis zum Kleinkind, krochen damals – von den Grenzwachen unbemerkt – in den Westteil der Stadt. Dramatischer ging es 1964 bei einer weiteren Tunnelunternehmung zu – Endpunkt war die Strelitzer Straße 55 im Osten –, die in zwei Nächten 57 Ostberlinern und Ostdeutschen die Flucht ermöglichte, die aber auch einen Schusswechsel mit den Grenzwächtern provozierte, bei dem der Grenzsoldat Egon Schultz ums Leben kam.

Bis 1980 wurde die gesamte Berliner Mauer „modernisiert“, die provisorische Mauer wich einer Betonplattenkonstruktion mit einer runden Mauerkrone. In der Bernauer Straße wurde 1980 das letzte Teilstück der Berliner Mauer so umgewandelt.

Bis Mitte der 1980er-Jahre stand auf dem Mauerstreifen an der Bernauer Straße die Versöhnungskirche, die am 28. Januar 1985 gesprengt wurde. An ihrer Stelle wurde nach der Wende die Kapelle der Versöhnung errichtet, die ein Teil der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße ist. Dazu gehört auch das Dokumentationszentrum und das nationale Denkmal für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung von den Architekten Kohlhoff & Kohlhoff. Es trägt die Inschrift

„In Erinnerung an die Teilung der Stadt vom 13. August 1961 bis 9. November 1989
und dem Gedenken an die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft“
.

Bis heute zeugt eine breite Schneise auf der Südseite der Bernauer Straße vom einstigen Verlauf der Grenzanlagen.

Der gleichnamige U-Bahnhof der U8 liegt unter der Kreuzung mit der Brunnenstraße. Während der Teilung war er geschlossen und galt als Geisterbahnhof.

2006 wurden die alten Straßenbäume unter starkem Protest der Anwohner für den Umbau der Straße gefällt. Das laute Kopfsteinpflaster wurde gegen eine Asphaltdecke ausgetauscht, Fahrradwege wurden angelegt und die Straßenbahnlinie M10 wurde von ihrer Endhaltestelle am Mauerpark bis zum Nordbahnhof in der Straßenmitte verlängert. Entlang des größten Teils der Bernauer Straße verläuft der Berliner Mauerweg, und auf der Höhe der Schwedter Straße und des Mauerparks wird die Bernauer Straße vom Radfernweg Berlin-Usedom gekreuzt.

Im Juni 2007 wurde eine ausführliche Dokumentation von Resten der Grenzanlagen in der Bernauer Straße vorgelegt, die im Auftrag der Berliner Stadtentwicklungsverwaltung erstellt worden ist.[1]

Am 12. Dezember 2007 wurde ein internationaler Wettbewerb für die Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße entschieden. Als Gewinner gehen die Berliner Landschaftsarchitekten sinai.Faust.Schroll.Schwarz mit ihren Team-Kollegen Winkelmüller und ON architektur hervor.[2]

Literatur

  • Marion Detjen (2005): Ein Loch in der Mauer. Die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland 1961 – 1989. München. ISBN 3-88680-834-3
  • Bettina Effner und Helge Heidemeyer (Hg., 2005): Flucht im geteilten Deutschland : Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde; [Ausstellung Flucht im Geteilten Deutschland, Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde e.V.]. Berlin. ISBN 3-89809-065-5
  • Gisela Helwig (Hg., 1990): Die letzten Jahre der DDR. Texte zum Alltagsleben. Köln: Edition Deutschland Archiv. ISBN 3-8046-8760-1
  • Norbert Nail (1996): Handeln und Sprachhandeln an der Berliner Mauer. Zur frühen Dekonstruktion einer Staatsgrenze. In: Muttersprache 106 (1996), S. 302-307. ISSN 0027-514 X
  • Verein Berliner Mauer Die Berliner Mauer – Ausstellungskatalog Dokumentationszentrum Berliner Mauer. Berlin/Dresden. ISBN 3-930382-80-6

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.umweltruf.de/111/news0.php3?nummer=4152 Reste und Spuren der Berliner Mauer dokumentiert
  2. Präsentation der Wettbewerbsentwürfe

52.53513.3897222222227Koordinaten: 52° 32′ 6″ N, 13° 23′ 23″ O


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