Bernd Förtsch

Bernd Förtsch (* 1962) ist ein deutscher Unternehmer, Finanzberater und Herausgeber, der in der Öffentlichkeit vor allem im Umfeld der Börseneuphorie der Dotcoms und des Neuen Marktes bekannt wurde. Weite Börsenkreise bezeichnen ihn als Blender und Scharlatan. Sein eher unrühmlicher Spitzname ist Mr. Dausend. Aktuell ist er aber weder vorbestraft noch steht er vor Gericht.

Inhaltsverzeichnis

Tätigkeit

Im 1989 von ihm gegründeten Börsenbuchverlag, dem Vorgänger der heutigen Börsenmedien AG, begann Bernd Förtsch 1989 mit der Übersetzung und dem Vertrieb von Börsenbüchern internationaler Bestsellerautoren, darunter Peter Lynch und André Kostolany. 1996 brachte er das Anlegermagazin DER AKTIONÄR auf den Markt, das sich seitdem mit einer wöchentlichen Auflage von 80.000 Stück als eine der wichtigsten deutschen Wirtschaftszeitschriften etabliert hat. Anfangs noch selbst als Chefredakteur tätig, zog sich Förtsch später aus dem Tagesgeschäft zurück, um als Herausgeber zu fungieren. Im Laufe der Zeit erweiterte Förtsch die Angebotspalette der Börsenmedien AG um einige Spezialreports wie den Biotech-Report oder den Open-Market-Report. 1996 veröffentlichte Förtsch mit dem Infotech-Report den ersten deutschsprachigen Börsenbrief zum Thema Internet-Aktien. Im November 2004 brachte er mit DER AKTIONÄR TV eine Sendung ins Fernsehen, die die Idee des AKTIONÄRs auch auf dem Bildschirm umsetzte. Das Format lieferte dem Zuschauer Neuigkeiten aus der Wirtschaftswelt und erklärte Zusammenhänge zwischen Nachricht und Kursentwicklung. Zudem sprachen Experten Empfehlungen aus. Später startete Förtsch unter dem Dach der Börsenmedien AG auch einen eigenen Fernsehsender. Seit August 2006 ist mit dem Deutschen Anleger Fernsehen DAF die jüngste Tochter des Medienkonzerns auf Sendung. DAF ist der erste vollstreamende Fernsehsender im Internet; das Programm des DAF wird zudem seit dem 1. Dezember 2007 auch über Satellit ausgestrahlt.

Auch im Investmentbereich ist Bernd Förtsch als Unternehmer tätig. So hat Förtsch, der 1998 vom Magazin FINANZEN den Titel „Fondsmanager des Jahres“ bekam und für den Fonds DAC UI (Wertentwicklung von der Auflegung 1997 bis zum Hoch im März 2000: 984 Prozent) mit dem Micropal Award von Standard & Poor's ausgezeichnet wurde, unter dem Dach seiner BF Holding Unternehmen aus dem Bereich Investment vereint. Im Jahr 2002 zog er in die "hall of shame" des MANAGER MAGAZIN[1] als einer der größten Geldvernichter der deutschen Fondsindustrie ein. Unter anderem brachte Förtsch im Sommer 2005 die Beteiligungsgesellschaft Nanostart an die Börse. Auch als Berater für den Vermögensaufbau-Fonds HAIG ist er tätig, der 2003 von FINANZEN und der Zeitschrift Euro am Sonntag zum „Fonds des Jahres“ und im Januar 2008 mit dem Fund Award der Euro am Sonntag (1. Platz in der Kategorie „Mischfonds (überwiegend Aktien) im Zeitraum 5 Jahre“) ausgezeichnet wurde. Der Vermögensaufbau-Fonds HAIG hatte zwischenzeitlich eine 5-Jahres-Performance von über 150 Prozent aufzuweisen, welche die Ratingagentur Morningstar mit fünf Sternen bewertete. Im Zuge der Finanzkrise von 2008 ist die 5-Jahres-Performance auf -46 Prozent (Stand: 10. Februar 2009) gesunken, auch das Morningstar-Rating hat sich auf einen Stern verschlechtert.

Bernd Förtsch ist zudem Gründer und Inhaber des im Frühjahr 2006 gegründeten Online-Brokers flatex.

Im Börsenspiel Depotliga tritt er mit seinem Aktiendepot gegen die Depots anderer Börsenexperten an – unter reellen Bedingungen: Die Depots werden mit echtem Geld geführt, das die Mitspieler zur Verfügung stellen. Käufe und Verkäufe werden tatsächlich an der Börse ausgeführt, sind also nicht virtuell. Die jüngste Runde (vom 2. Juli bis zum 14. Dezember 2007) der Depotliga hat Förtsch mit einem Kurszuwachs von 41,3 Prozent gewonnen.

Im Februar 2008 ist Bernd Förtsch die Silberne Bürgermedaille seiner Heimatstadt Kulmbach verliehen worden.

Einfluss auf Börsen und Anleger – öffentliche Kritik

Als umstrittener „Börsenguru“ machte Bernd Förtsch während der bis Frühjahr 2000 dauernden Spekulationsblase durch Empfehlung marktenger Werte von sich reden, deren Kurse zwar schnell anstiegen, aber ebenso schnell wieder ins Bodenlose stürzten. Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen MorphoSys, dessen Aktienkurs von € 31 zum Börsenstart 1999 rasch anstieg. Diese Euphorie wurde maßgeblich von Förtsch angeheizt. Bei einem Kurs von € 360 empfahl er im Februar 2000 die Aktie in der Fernsehsendung 3sat Börse mit einem Kursziel von € 1000 zum Kauf. Nachdem der Kurs bis Mitte März tatsächlich auf über € 430 stieg, kam der rapide Absturz: Im April 2000 notierte MorphoSys bei € 265, im August bei € 165 und erreichte den historischen Tiefstkurs von € 4,77 im Dezember 2002. Die Aktie hat bis heute die Marke von € 100 nicht wieder berührt (siehe dazu auch → Scalping).

Das manager magazin bezeichnete Förtsch als einen der „größten Geldvernichter der Fondsindustrie“ und listete ihn am 30. April 2002 in seiner „Hall of Shame“.

Anfang 2006 ließ Förtsch der Zeitschrift Der Fonds per einstweiliger Verfügung zunächst untersagen zu behaupten, er habe mit einem seiner Fonds, der etwa 90 % an Wert verloren hatte, „totalen Schiffbruch“ erlitten. Das Landgericht Hamburg hob mit Urteil vom 28. Februar 2006 (Aktenzeichen 324 O 2/06) diese Verfügung auf und gestattete der Zeitschrift die Aussage.[2]

Einzelnachweise

  1. http://www.manager-magazin.de/finanzen/rente/0,2828,190295,00.html
  2. http://www.fundanalyzer.de/index.asp?intPageID=9&pkBerichtNr=118556&pkRubrikNr=475&blnArchiv=1 Autopsie 20. März 2007.

Weblinks


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