Bernd Rudow

Bernd Rudow (* 31. Dezember 1947 in Wittenberge) ist ein deutscher Psychologe und Arbeitswissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Abitur an der Erweiterten Oberschule Wittenberge (heute Marie-Curie-Gymnasium) nahm Bernd Rudow das Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin auf, das er 1972 als Diplom-Psychologe mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Ingenieurpsychologie abschloss. Im Anschluss daran forschte und lehrte Rudow bis 1976 an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) zu Themen der Sportpsychologie, besonders zur Spielintelligenz und zur Eignungsdiagnostik.

An der Universität Leipzig am Institut für Arbeitsmedizin begann er mit den Arbeiten zum Stress, die im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte zur Belastungs-, Beanspruchungs- und Gesundheitsforschung in verschiedenen Berufen, wie Lehrer, Erzieherinnen, Sozialarbeiter, Montagearbeiter, ausgebaut wurden.

1981 ging er an die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften in Berlin (Ost). Hier war er bis 1988 in der pädagogisch-medizinischen Forschung vorrangig mit dem Thema „Lehrertätigkeit und Lehrergesundheit“ beschäftigt.

1980 wurde Bernd Rudow an der Technischen Universität Dresden, Sektion Arbeitswissenschaften, zum Dr. rer. nat. promoviert. 1986 folgte die Habilitation an der Universität Leipzig, Sektion Psychologie. 1988 erging der Ruf an die Universität Leipzig zum Hochschullehrer für Pädagogische Psychologie.

Nach der Flucht aus der DDR im Mai 1988 nahm Rudow die Tätigkeit an der Universität Mannheim auf. Hier fand im Jahre 1990 die Ernennung zum Privatdozenten für Psychologie statt. Dann folgten Tätigkeiten als Gastprofessor, Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Lehrbeauftragter an den Universitäten Koblenz-Landau, Bonn, Heidelberg, Augsburg und Zürich.

1995 nahm Bernd Rudow den Ruf auf eine Professur für Arbeitswissenschaften an der Hochschule Merseburg (FH) an. Seitdem ist er vor allem in der angewandten Forschung bemüht, Problemstellungen zur Belastung, Beanspruchung und Gesundheit mit dem Ziel der humanen Arbeitsgestaltung zu lösen. Hierbei arbeitet er mit zahlreichen Unternehmen und Organisationen zusammen, z.B. mit Flughafen Frankfurt AG (Fraport), MVV Mannheim AG, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Krankenkassen (DAK, TK) und vor allem mit der Volkswagen AG.

Aus der jahrelangen Kooperation mit der Volkswagen AG ist das M4-Institut (Mensch-Maschine-Medium-Management) hervorgegangen, dessen Direktor er seit 2003 ist. Zudem gründete Bernd Rudow schon 1992 in Mannheim das Institut für Gesundheits- und Organisationsmanagement (IGO), das 2005 in das M4-Institut integriert wurde.

Zurzeit lebt und arbeitet Bernd Rudow in Viernheim (Rhein-Neckar-Region), Merseburg und Wolfsburg.

Schwerpunkte

Rudows Lehrgebiete umfassen Arbeitswissenschaften, Verhaltenswissenschaften für Ingenieure und technische Betriebswirte, Wirtschaftspsychologie für Betriebswirte, Arbeits- und Ingenieurpsychologie für Wirtschaftsingenieure sowie Seminare oder Workshops zum Stressmanagement, zum Arbeitsschutz, zur Kommunikation, Rhetorik und Präsentation, zum Konfliktmanagement sowie Mobbing und zur Suchtproblematik im Betrieb.

Seine Forschungsgebiete sind „Stress und Stressmanagement“ (seit 1976), „Lehrerarbeit und Lehrergesundheit“ (seit 1978), „Betriebliches Gesundheitsmanagement mit Schwerpunkt Arbeitsschutz“ (seit 1998), „Belastungen und Gesundheit von Erzieherinnen“ (seit 2001), „Arbeit von leistungsgewandelten Mitarbeitern“ (seit 2002) und „Mensch-Computer-Interaktion mit den Schwerpunkten Usability und Nutzererleben“ (seit 2006).

In den letzten Jahren leitete Bernd Rudow folgende Forschungsprojekte:

  • Arbeitsschutz und psychische Belastungen bei Lehrern (Auftraggeber: GEW Baden-Württemberg und Max-Traeger-Stiftung)
  • Arbeitsschutz und psychische Belastungen bei Erzieherinnen (Auftraggeber: GEW Baden-Württemberg, Hans-Böckler-Stiftung, Bundesverband der Betriebskrankenkassen)
  • Arbeitsgestaltung und Stressmanagement bei leistungsgewandelten Mitarbeitern in der Automobilindustrie (Auftraggeber: VW AG)
  • Belastungen und Belastungsmanagement im Motorsport (Auftraggeber: VW-Motorsport GmbH)
  • Evaluation von Steuerungs- und Informationssystemen in der Automobilindustrie (Auftraggeber: VW AG)

Bei der Durchführung der interdisziplinären Projekte arbeitet er vor allem mit der TU Chemnitz (Arbeitswissenschaften, Fabrikplanung), der Universität Oldenburg (Gesundheitspsychologie), der Universität Kassel (Wirtschaftsinformatik) und der Humboldt-Universität Berlin (Ingenieurpsychologie) zusammen.

Ehrungen

  • Forschungs- und Innovationspreis der Hochschule Merseburg (2004)

Veröffentlichungen

Aus den derzeit 110 wissenschaftlichen Publikationen sind u.a. folgende hervorzuheben:

  • Bernd Rudow. Die gesunde Arbeit. Arbeitsgestaltung, Arbeitsorganisation und Personalführung. Oldenbourg Verlag, München (2011). ISBN 978-3-486-58482-0 (344 Seiten)
  • Das gesunde Unternehmen. Gesundheitsmanagement, Arbeitsschutz und Personalpflege in Organisationen. Oldenbourg Verlag, München & Wien (2004). ISBN 3-486-27554-2 (450 Seiten)
  • Die Arbeit des Lehrers. Zur Psychologie der Lehrertätigkeit, Lehrerbelastung und Lehrergesundheit. Huber Verlag, Bern, Göttingen, Toronto, Seattle (1994), (1995). ISBN 3-456-82380-0 (212 Seiten)
  • Der Arbeits- und Gesundheitsschutz im Lehrerberuf. Gefährdungsbeurteilung der Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern. Süddeutscher Päd. Verlag, Ludwigsburg (1999). ISBN 3-922366-37-6. (140 Seiten)
  • Stress and burnout in the teaching profession. European studies, issues and research perspectives. In Huberman, M. & Vandenberghe, R. (Eds.), Teacher Burnout (pp. 38-58). Cambridge University Press, Cambridge, New York, Melbourne (1999).
  • Konzepte, Probleme und Ergebnisse psychologischer Belastungs- und Beanspruchungsforschung – dargestellt im Kontext von Lehrertätigkeit und Lehrergesundheit. Diss. (B) an math.-nat. Fak. der Universität Leipzig (1986)/ Habilitationsschrift an Universität Mannheim (1989). (225 Seiten)
  • Rudow, B. (1980). Psychophysiologische Untersuchungen zum Stressproblem. Dissertation an math.-nat. Fakultät der TU Dresden. (266 Seiten)

Weblinks


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