ADJC

Die Armen Dienstmägde Jesu Christi (Ancillae Domini Jesu Christi, Sigel ADJC; auch: Dernbacher Schwestern) sind eine katholische Ordensgemeinschaft, die 1851 durch Maria Katharina Kasper in Dernbach (Westerwald) im Bistum Limburg gegründet wurde. Die Haupttätigkeitsbereiche der Schwestern sind Krankenpflege, Kinderfürsorge, Erziehung und Bildung sowie pastorale Dienste. Das Mutterhaus, Kloster Maria Hilf, befindet sich in Dernbach.

Inhaltsverzeichnis

Maria Katharina Kasper

Katharina Kasper wurde am 26. Mai 1820 in Dernbach bei Montabaur im Westerwald geboren. Ihre Eltern waren Kleinbauern. Trotz schwacher Gesundheit und wenig Schulausbildung war sie aufgeschlossen für ihre Umwelt. In der jungen Frau sprach eine innere Stimme, die sie zu Außergewöhnlichem führte und der sie bedingungslos folgte.

Angerührt durch die Not der armen Bevölkerung setzte sich Katharina mit ganzer Kraft für die Nächstenliebe ein. Und ihr Beispiel zündete – schon 1845 gründete sie einen karitativen Verein, dessen Mitglieder mit ihr Kranke und Verlassene im Dorf pflegten und Kinder betreuten. Aus diesem religiös fundierten Zusammenschluss entstand unter Gutheißung des Bischofs von Limburg, Peter Josef Blum, eine Kongregation.

Am 15. August 1851 nahm er in der Pfarrkirche zu Wirges die Ordensgelübde Katharina Kaspers und ihrer vier Gefährtinnen entgegen. Den Namen der neuen Gemeinschaft empfing Katharina im Gebet am Marienheiligtum, dem Heilborn. Wie die Gottesmutter wollte sie mit ihren Schwestern als Magd des Herrn allen Notleidenden und in ihnen Christus dienen; deshalb nannten sie sich Arme Dienstmägde Jesu Christi.

Die Gemeinschaft fand sehr bald die kirchliche Anerkennung und eine rasche Verbreitung. Die Schwestern sorgten sich um die vielseitig Not der Menschen – sie pflegten Kranke zu Hause und in Krankenhäusern, betreuten Waisen und Behinderte, halfen der arbeitenden und gefährdeten Jugend und unterrichteten in Schulen aller Art. Immer verband sich die Sorge um Leib und Geist mit der um die Seele der Menschen.

1870, als die offizielle und endgültige Approbation durch den Heiligen Vater eintraf, hatten sich schon über 500 Schwestern der Gemeinschaft angeschlossen, und diese hatte sich über Deutschland hinaus auch in den USA, in England, Holland und Böhmen verbreitet. Diese Zahl wuchs bis 1938 auf 4500 an, heute beträgt sie rund 750. Die Häuser in Böhmen gingen durch den zweiten Weltkrieg verloren; dafür erfolgten Neugründungen in Indien, Mexiko, Brasilien und Kenia, jetzt aktuell auch in Nigeria. Maria Katharina Kasper leitete die Gemeinschaft als Generaloberin von ihrer Entstehung bis zu ihrem Tod am 2. Februar 1898.

Entwicklung der Ordensgemeinschaft

Bereits neun Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1860 zählte die Genossenschaft 232 Mitglieder. 1865 war die Zahl auf 430 angewachsen und im Jahre 1900 waren es schon knapp 2.000 Schwestern. Ebenso rasch wie die Mitgliederzahlen anstiegen, breitete sich das Netz der Niederlassungen aus. Bis 1870 war die Genossenschaft bischöflichen Rechts, dann wurde sie vom Heiligen Stuhl approbiert und zu einer Kongregation päpstlichen Rechts erhoben. Damit war der Weg für eine überregionale Ausbreitung frei. Am 3. Juli 1872 gingen die ersten Schwestern nach Nordamerika. In den 30er Jahren erreichte die Schwesternzahl ihren Höhepunkt mit 4346 Schwestern in 341 Niederlassungen. Im Jahre 2004 besteht die Ordensgemeinschaft aus knapp 740 Schwestern, die in Deutschland, den Niederlanden, den USA, Großbritannien, Indien, Mexiko, Brasilien und Kenia tätig sind.

Aufgabenbereiche

Die Schwestern hatten sich anfangs zur Aufgabe gesetzt, die lokale Not der ländlichen Bevölkerung zu lindern. Die typische Art der Niederlassung Ende des 19. Jahrhunderts war ein kleines Haus, meist in einem kleinen Dorf gelegen und von drei bis vier Ordensschwestern bewohnt. Ihr Augenmerk legten sie auf die ambulante Krankenpflege, die Familienpflege und Armenfürsorge sowie das Führen eines Kindergartens. Ein weiterer Schwerpunkt des Ordens lag aber auch in der Erziehung und Bildung junger Mädchen, da dies in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit war. Aus den Ambulanzstationen gingen an vielen Orten Krankenhäuser hervor. Ein Beispiel dafür ist Gangelt, wo 1873 und 1874 ein Krankenhaus errichtet wurde, in dem neben den regulären Kranken 1875 auch „eine arme Geistesschwache“ aufgenommen und behandelt wurde. Daraus entwickelte sich eine Behinderteneinrichtung und ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie.

Von Anfang an wohnten im Mutterhaus auch Waisenkinder mit. Sie wurden in einer privaten Waisenhausschule unterrichtet, die seit 1855 eine staatliche Genehmigung hatte. Die Leitung des Ordens beschloss, eigene Lehrkräfte auszubilden, und eröffnete 1857 ein Lehrerinnenseminar, das mit der höheren Mädchenschule in Montabaur verbunden wurde. Bis 1868 waren 28 Schulen in den Diözesen Limburg, Köln, Paderborn und Trier den Schwestern übertragen worden. 1873 bei Beginn des Kulturkampfes mussten die rund 120 Schwestern im Schuldienst ihre Tätigkeit vorübergehend aufgeben. Die Schwestern eröffneten mehrere Konvente in den Niederlanden, um diese Zeit zu überstehen. Seit 1880 entfaltete die erzieherische Tätigkeit sich wieder. Ein zweiter massiver Einbruch kam mit dem Nationalsozialismus. Die Schulen, Kindergärten und Heime wurden enteignet oder geschlossen, Krankenhäuser als Lazarette eingesetzt.

Ende 1993 gründete die Ordensgemeinschaft der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ die Maria Hilf Kranken- und Pflegegesellschaft mbH, um die bisher ordenseigenen Einrichtungen des Gesundheitswesens wirtschaftlich und organisatorisch unabhängig zu machen. Seit dieser Zeit übernimmt die Maria Hilf Kranken- und Pflegegesellschaft mbH die Aufgabe der Kranken-, Behinderten und Altenversorgung. Gesellschafter dieser GmbH sind jedoch weiterhin die ADJC. Eine bekannte Niederlassung der Dernbacher Schwestern ist das Kloster Tiefenthal in Eltville.

Kritik

In einigen Veröffentlichungen wird dem Orden der Vorwurf gemacht, im Rahmen der Heimerziehung durch Schwarze Pädagogik geschehene Kindesmisshandlungen in 1960er und 1970er Jahren ähnlich wie in den Magdalenenheimen in Irland nicht aufgeklärt zu haben.[1][2][3] In Kinderheimen wie dem Kinderheim St. Josef in Eschweiler, den Heimen in Dilborn (Brüggen) sowie Aulhausen bei Rüdesheim, in denen Dernbacher Schwestern tätig waren oder die von ihnen geleitet wurden, wurden nach Recherchen von Markus Homes, Peter Wensierski und laut Aussagen ehemaliger Heiminsassen wie z. B. von Hermine Schneider Kinder systematisch gebrochen und durch Gewalt gefügig gemacht.[4] Der Orden streitet diese Vorwürfe nach eigenen Recherchen ab.[5]

Literatur

  • Martin Grünewald: Geben ohne zu zählen. Katharina Kasper – ihr Leben und ihr Werk. Echo-Buchverlag, Neuried 1988, ISBN 3-927095-02-8.

Einzelnachweise

  1. Peter Wensierski: Schläge im Namen des Herrn. Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik. Spiegel-Buchverlag in der Deutschen Verlags-Anstalt, München 2006, ISBN 3-4210-5892-X, www.schlaege.com
  2. In den Fängen der Fürsorge. ZDF-Dokumentation, 4. Juni 2008
  3. Hermines Liste: Die Kinder der unbarmherzigen Schwestern in der IMDb
  4. Markus Homes: Heimerziehung: Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes. Books on Demand, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-4780-X
  5. Entscheidung des Landgerichts Aachen vom 12. Februar 2008

Weblinks


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