Berner Zinktafel

Bei der Berner Zinktafel (Zinktafel von Bern-Thormebodenwald) handelt es sich um ein antikes beschriebenes Zinkblech, das in den 1980er in der helvetischen Siedlung Bern-Engehalbinsel gefunden wurde. Das Täfelchen misst 11 mal 14 Zentimeter und wird ins 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus datiert.

Inhaltsverzeichnis

Inschrift

Die vierzeilige Inschrift wurde in griechische Buchstaben geschrieben, die Sprache ist Gallisch.

ΔΟΒΝΟΡΗΔΟ ΓΟΒΑΝΟ ΒΡΕΝΟΔΩΡ ΝΑΝΤΑΡΩΡ     Dobnoredo Gobano Brenodor Nantaror.

Jede Zeile besteht aus einem Eigennamen. Die zweite nennt den keltischen Schmiedgott Gobanos, der bei den Iren als Goibniu und bei den Walisern als Gofannon bezeugt ist. Sein Name bedeutet «Schmied». Der erste Name der Inschrift wird als Beiname des Gottes gedeutet und zwar als «Weltwanderer», zu gall. *dubnos «Welt» (air. domun) und gall.-lat. rēdā «Wagen, Reise» (air. ríad). Es liegt also eine Dedikationsinschrift vor. Stifter ist der Ort Brenodor, der in der dritten Zeile genannt wird. Der vierte Name ist eine Zusammensetzung von gall. *nantu- »Tal« und dem Flussnamen Aare.

Echtheit

Die Echtheit der Inschrift wird bezweifelt, weil die drei prominenten Namen auffällig sind und Zink in der Antike nicht verwendet wurde. Metallurgische Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass das Zink der Tafel verschieden von modernem Zink ist. Es wird spekuliert, dass es vom Abfall von den Schmelzofen stamme, wobei ein Schmied dann die Dedikationsinschrift angebracht hätte.

Die Verwendung griechischer Buchstaben anstelle lateinischer ist bei den Helvetiern zwar selten, aber nicht aussergewöhnlich.

Literatur

  • Rudolf Fellmann: Die Zinktafel von Bern-Thormebodenwald und ihre Inschrift. In: Archäologie Schweiz 14/4 (1991), S. 270-273.
  • Thilo Rehren: A Roman zinc tablet from Bern, Switzerland: Reconstruction of the Manufacture. In: Archaeometry, Band 94, Ankara 1996, S. 35–45.

Weblink


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Geschichte der Stadt Bern — Berner Setzschild aus dem 14. Jahrhundert Die Geschichte der Stadt Bern erzählt über die Stadt Bern, welche erstmals 1208 erwähnt wurde. Inhaltsverzeichnis 1 Name …   Deutsch Wikipedia

  • Engehalbinsel — Karte des helvetisch römischen Vicus Die Engehalbinsel ist eine von der Aare umflossene Halbinsel nördlich der Stadt Bern. Sie war bereits während der La Tène Zeit (5.–1. Jahrhundert v. Chr.) besiedelt. Aus der gallorömischen Epoche wurden u.a.… …   Deutsch Wikipedia

  • Etymologische Liste der Hauptstadtnamen — Diese etymologische Liste der Hauptstadtnamen ist eine Ergänzung zu der etymologischen Liste der Ländernamen. Viele Hauptstadtnamen sind mehr oder weniger identisch mit den Namen ihres Staates (z. B. Panama, Brasília). Andere wiederum sind ein… …   Deutsch Wikipedia

  • Gobanos — oder Cobannos ist der Name des Schmiedgottes bei den Galliern. Sein Name bedeutet »Schmied«. Dem Gott Cobannos wurden mehrere Statuen gewidmet, die in den späten 1980ern zusammen mit einem Bronzegefäss an einem unbekannten Ort in Frankreich… …   Deutsch Wikipedia

  • Goibniu — [ govʴnʴu] (altirisch gobae, gobann „Schmied“), auch Goibhniu oder Gavida, ist eine irische Sagengestalt. Er und seine Brüder Credne und Luchta sind auch bekannt als die drei Götter der Kunst (Trí dée Dána) der Túatha Dé Danann. Er ist ein Sohn… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”