Bernhard Kampffmeyer

Bernhard Kampffmeyer (* 25. Juni 1867 in Berlin; † 21. April 1942 in Bergisch Gladbach) war ein sozialistischer, mit dem Anarchismus sympathisierender Publizist und Aktivist. Zusammen mit seinem Bruder Paul Kampffmeyer engagierte er sich trotz großbürgerlicher Herkunft in der Arbeiterbewegung und war eine treibende Kraft der Gartenstadtbewegung.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Bernhard Kampffmeyer stammt aus einer großbürgerlichen Familie mit liberalen Einstellungen. Seine Eltern waren der Buchhändler (Johann Georg Eusebius) Theodor (* 14. August 1821, † 6. Juli 1888) und (Marie Emilie) Bertha Kampffmeyer, geborene Schmidt (* 21. Dezember 1828, † 5. Januar 1879).

(Wilhelm Theodor) Bernhard Kampffmeyer war der Bruder von (Albert Theodor) Paul (* 29. November 1864, † 1. Februar 1945), (Martin Heinrich) Theodor (* 7. Mai 1856, † 12. September 1913) und (Theodor Heinrich) Otto Kampffmeyer (* 21. Juli 1858, † 16. April 1926) sowie von (Auguste Bertha) Minna (* 24. November 1849, † 12. November 1910) und Anna (* 28. November 1851, † ??. ?? 1852). Bernhard hatte ein sehr enges Verhältnis mit seinem älteren Bruder Paul Kampffmeyer, mit dem er die gleichen politischen Ansichten teilte und zeitweilig in Friedrichshagen zusammenwohnte.

Sozialpolitisches Engagement

Bernhard war aktives Mitglied der Arbeiterbewegung und der Lebensreformbewegung. In der Volksbühne engagierte er sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft und nahm in einer Reihe von Artikeln anarchistische Positionen ein.

Friedrichshagener Dichterkreis und Neue Gemeinschaft

Zusammen mit seinem Bruder Paul war er neben Gerhart Hauptmann, Frank Wedekind, Erich Mühsam, Fidus, den Brüdern Heinrich und Julius Hart sowie Wilhelm Bölsche und anderen aktives Mitglied im Friedrichshagener Dichterkreis. Ab 1890 war das Haus der Brüder Bernhard und Paul Kampffmeyer in Friedrichshagen einer der regelmäßigen Treffpunkte des Kreises. Wilhelm und Adele Bölsche lebten dort zeitweilig zur Miete.

Aus dem Friedrichshagener Dichterkreis ging das kurzlebige Experiment Neue Gemeinschaft hervor, in dem Bernhard zusammen mit Paul Gründungsmitglied war. Die Neue Gemeinschaft wollte als alternative Lebensform Ideen des Urkommunismus und des Naturalismus sowie Ideale der Gartenstadtbewegung umsetzen.

Publizistische Tätigkeit

Er veröffentlichte zahlreiche kritische Artikel in Zeitschriften wie "Der Sozialist" (Berlin), "Lichtstrahlen" (Berlin, Dresden) und anderen. Er war Mitarbeiter der Volksbühne. Viele seiner Schriften beschäftigen sich mit dem Thema Gartenstadt. Er ist ferner Übersetzer der Schriften des russischen Anarchisten Peter Kropotkin.

Wichtige Publikationen von Bernhard Kampffmeyer sind

  • "Von der Kleinstadt zur Gartenstadt" (1908) und
  • "Von der Gartenvorstadt zur Gartenstadt" (1919).

Gartenstadtbewegung

Für die Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen der Arbeiter engagierte er sich in der im Jahr 1902 gegründeten "Deutsche-Gartenstadt-Gesellschaft" (DGG), die aus der Neuen Gemeinschaft heraus gegründet worden war. Er war Gründungsmitglied und von 1906, nach dem Tod von Heinrich Hart, mehrere Jahre Vorsitzender der DGG. Die DGG war eine der ersten Baugenossenschaften in Deutschland, die sich den Idealen der englischen Gartenstadtbewegung verschrieben hatte. 1909 führte er eine Exkursion der DGG zusammen mit seinem Cousin Hans Kampffmeyer durch, die zu den wichtigsten Gartenstadtanlagen in England führte. Die drei "Gartenstadt-Kampffmeyer", Bernhard, Paul und Hans, werden im Zusammenhang mit der Gartenstadtbewegung häufig verwechselt. Paul wirkte nur am Rande mit, Bernhard war eine der treibenden Kräfte und zeitweilig Geschäftsführer, und Hans war einer der Architekten, die Gartenstadtprojekte umsetzten. Auch sein Bruder Theodor war als Architekt tätig, so z.B. in Berlin die Lampenstadt mit dem Narva-Turm, dessen Arbeiten sich jedoch nicht an den Gartenstadt-Idealen orientierten.

Literatur

  • Kampffmeyer, Paul: Blutsverwandte deutsche Familien im Wandel der Jahrhunderte. Dallmeyer, Greifswald, 1939 (Geschichte der Familie Kampffmeyer)
  • Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Bibliographie der Friedrich-Ebert-Stiftung.
  • Eberlein, Alfred: Die Presse der Arbeiterklasse und der sozialen Bewegungen. Topos Verlag, Frankfurt/M. 1968/70, 4 Bde. und 1 Registerbd.

Weblinks


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