Bernhard Lauer

Bernhard Lauer (* 1954 in Britten) ist Leiter des Brüder Grimm-Museums Kassel und Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft.

Er besuchte die Volksschule in Britten und machte 1973 sein Abitur am Staatl. Realgymnasium Merzig (Saar). Von 1973 bis 1983 studierte er in Marburg, Gießen, Moskau, Belgrad und Bukarest Slawische und Romanische Philologie und promovierte über den russischen symbolistischen Dichter Fedor Sologub. Anschließend wurde er durch Vermittlung des Marburger Slawistik-Professors Hans-Bernd Harder (Präsident der Brüder Grimm-Gesellschaft) Mitarbeiter der Veranstaltungsgesellschaft 200 Jahre Brüder Grimm, die für Ausstellungen, ein vierbändiges Katalogwerk und weitere Projekte im Zusammenhang mit den zweihundertsten Geburtstagen der Brüder Grimm (4. Januar 1985 und 24. Februar 1986) zuständig war. Zwischenzeitlich nahm er eine Hochschulassistentur an der Philipps-Universität Marburg wahr. Im August 1989 wurde Lauer als Nachfolger von Dieter Hennig Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel und ungefähr zur selben Zeit, ebenfalls als Nachfolger von Hennig, Leiter des Brüder Grimm-Museums Kassel.

Inhaltsverzeichnis

Tätigkeit

Lauer hat an vielen verschiedenen internationalen Aktivitäten und Ausstellungen zu den Brüdern Grimm mitgewirkt, unter anderem in Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kroatien, Litauen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweiz, Spanien, Taiwan, Tschechien und den Vereinigten Staaten. In seiner Amtszeit in Kassel, wurden unter anderem auf Antrag des Vorstandes der Brüder Grimm-Gesellschaft die Handexemplare der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen zum Weltdokumentenerbe der UNESCO erklärt, das historische Palais Bellevue in dem das Brüder Grimm-Museum untergebracht ist, saniert und die kritische Edition von Werken und Briefwechseln der Brüder Grimm in der „Kasseler Ausgabe“ gestartet. Außerdem ist er als Autor und Herausgeber wissenschaftlicher und populärer Publikationen (siehe Linkverzeichnis) zu den Grimms im In- und Ausland und in vielen Sprachen aktiv.

Im Sommer 2005 gründete Bernhard Lauer „in Anlehnung an Johann Gottfried Herders ‚Kritische Wälder‘ in Kassel den Verlag ‚Neue Kritische Wälder‘, der sich besonders mit kulturellen Grenz- und Übergangsräumen in Europa beschäftigen will.“ [1]

Kritik

Schon wenige Jahre nach Lauers Amtsübernahme wurde Kritik an seiner fachlichen Eignung sowie an den restriktiven Nutzungsbedingungen des von ihm geleiteten Grimm-Museums laut. Es kam zu Zerwürfnissen mit namhaften Wissenschaftlern, u. a. dem Nestor der Grimm-Forschung, Ludwig Denecke, oder dem Wuppertaler Germanisten Heinz Rölleke. Nach Lauers Versuch, im November 2005 gleichzeitig das Amt des Präsidenten und Geschäftsführers der Brüder-Grimm-Gesellschaft zu übernehmen, wurde die bis dahin wissenschaftsintern vorgetragene Kritik öffentlich gemacht. Namhafte Germanisten und Vertreter des kulturellen Lebens (neben Rölleke z. B. Claudia Brinker-von der Heyde und Andreas Gardt von der Universität Kassel, Alan Kirkness von der Universität Auckland, Neuseeland, oder der Kommunikationswissenschaftler und Kulturberater Klaus Siebenhaar) forderten die Brüder Grimm-Gesellschaft und die Stadt Kassel zu Veränderungen auf.

Lauer wird unter anderem vorgeworfen, angekündigte oder als erschienen beworbene Publikationen nicht veröffentlicht zu haben[2].

Ein weiterer Vorwurf lautet, Lauer habe mit der Bezeichnung eines Schreibsekretärs des Grimm-Schwagers Ludwig Hassenpflug aus den Beständen des Brüder Grimm-Museums Kassel als Die „Märchenwerkstatt“ der Brüder Grimm u. a. auf der EXPO in Hannover und in einer Veröffentlichung suggeriert, dieser wäre von den Brüdern Grimm verwendet worden [3].

Ebenso wird ihm vorgeworfen, die Überlieferungs- und Eigentumsverhältnisse der Kasseler Handexemplare Grimmscher Werke verfälscht zu haben[4]. Zu den Eigentumsverhältnissen hat die Grimm-Gesellschaft ein Gutachten des Vorsitzenden Richters am Hessischen Verwaltungsgerichtshof Eckehart Blume veröffentlicht; die Stadt Kassel, die Universität Kassel und das Land Hessen haben jeweils eigene Rechtsstandpunkte erarbeitet, deren Argumentation bisher nicht im Einzelnen veröffentlicht ist. Auf Veranlassung der Stadt Kassel befinden sich die Handexemplare seit Anfang 2007 in einem Banktresor. Der hessische Kultusminister Udo Corts[5] kündigte im Februar eine baldige Klärung an.

Veröffentlichungen in Presse[6], Funk und Internet sind auf die kritischen Diskussionen eingegangen.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Homepage des Verlags „Neue Kritische Wälder“
  2. Liste der diskutierten Titel
  3. Weitere Informationen zum Thema „Märchenwerkstatt“ der Brüder Grimm
  4. Dokumentation zur Überlieferungs- und Eigentumsgeschichte
  5. Antwort von Minister Corts auf eine parlamentarische Anfrage
  6. Matthias Schulz: Ammenmärchen aus Kassel. In: Der Spiegel. Nr. 18, 2006, S. 178-180 (online).

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