Berno

Berno (* im 12. Jahrhundert; † 14. Januar 1191 in Schwerin) war der erste Bischof im Bistum Schwerin und wurde „Apostel der Abodriten“ genannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Berno war Mönch des Zisterzienserklosters Amelungsborn bei Stadtoldendorf im Weserbergland. Er begann ab 1155 mit der Mission im Land der Abodriten, dem späteren Mecklenburg. Heinrich der Löwe ernannte ihn zum Bischof von Mecklenburg. Eine bereits vorher beabsichtigte Mission von Bischof Emmehard im Auftrag des Bremer Erzbischofs Hartwig I. von Stade war gescheitert. Emmehard starb 1155.

Am Beginn der Christianisierung hingen die Abodriten noch den wendischen Riten an, eine Missionierung war schwierig. Sie wehrten sich teilweise heftig gegen den christlichen Glauben. 1160 verlegte Berno den Bischofssitz wegen der ständigen Gefährdung von Mecklenburg nach Schwerin. Im selben Jahr unterstellte Erzbischof Hartwig I. mit Zustimmung Heinrich des Löwen das Bistum Schwerin der Metropolitangewalt der Hamburger Kirche. Von Schwerin aus predigte Berno „kräftiger dem Volke, das in der Finsterniß saß, das Licht des Glaubens“.[1]

Heinrich der Löwe hat die Stadt Schwerin am Platz einer Wendensiedlung gegründet. Der Statthalter und spätere erste Graf von Schwerin, Gunzelin von Hagen, sorgte für die nötige Sicherheit, und es entstanden christliche Gemeinden unter der städtischen Bevölkerung. Schon 1164 hatte Berno einige andere Geistliche bei sich. Er selbst reiste persönlich durch das Land, um durch Kirchengründungen, Taufen und Predigten die Christianisierung voranzutreiben und kam dabei bis Demmin.

Der Abodritenfürst Pribislaw ließ sich nach seiner Niederlage gegen Heinrich den Löwen 1164 taufen, um mit seiner Dynastie zu überleben. Trotz gelegentlicher gewalttätiger Reaktionen der Bewohner setzte sich seitdem die Missionierung durch, so dass 1166 bereits die Ausdehnung des Bistums bis an die Mündung der Peene vorgesehen war. Das letzte bedeutende kultische Zentrum der Abodriten und aller anderen noch nicht christianisierten Wenden des südlichen Ostseeraumes lag im Stammesgebiet der Ranen auf Rügen. Deshalb beteiligte sich Berno 1168 gemeinsam mit Pribislaw, der als Lehnsträger Heinrich des Löwen dazu verpflichtet war, an einem Zug zur Zerstörung der heidnischen Kultstätten unter der Führung des dänischen Königs Waldemar I. Der Zug endete mit der Unterwerfung der rügischen Fürsten unter die dänische Lehnshoheit. Massenhaft mussten sich die Rüganer taufen lassen. Der festländische Bereich des unterworfenen Gebietes nördlich des Ryck wurde der Diözese Bernos unterstellt, doch konnte 1178 eine urkundliche Bestätigung der geistlichen Zuständigkeit für die Hälfte der Insel Rügen durch den Papst, wahrscheinlich wegen der Entmachtung Heinrichs des Löwen, nicht durchgesetzt werden.

Am 9. September 1171 weihte Berno den Schweriner Dom, einen Vorgängerbau des heutigen Domes. Große Erfolge hatte Berno mit den Gründungen von Klöstern. Hilfreich waren dabei besonders die Zisterzienser, die 1171 das Kloster Doberan und 1172 das Kloster Dargun gründeten. Am 30. November 1173 weihte Berno den ersten Altar in der Kapelle in Dargun und bestätigte dem Kloster Schenkungen Pribislaws und des pommerschen Fürsten Kasimirs I..

Am 1. Februar 1177 hielt Berno eine Generalsynode in Schwerin ab. Zu Beginn des Jahres 1178 reiste er nach Rom. Papst Alexander III. erteilte ihm im März die Bestätigung seines Bistums und dessen Sprengel. Bereits zum Jahresende 1178 reiste er erneut nach Rom, um dem Päpstlichen Konzil vom 5. bis 18. März 1179 beizuwohnen. Während dieser Reise starb der Mecklenburger Fürst Pribislaw am 30. Dezember 1178 in Lüneburg; sofort traten im Land schwere Unruhen auf. Dabei wurde am 10. November 1179 das Kloster Doberan verwüstet und alle Bewohner umgebracht, das Kloster Dargun wurde von den Mönchen verlassen.

Um Schutz und Sicherheit zu gewinnen, suchte Berno im November 1181 den Hoftag in Erfurt auf. Dort erhielt er am 2. Dezember 1181 eine kaiserliche Bestätigung über sein Stiftsgut. Den Hoftag zu Altenburg 1183 besuchte er ebenfalls und konnte damit seine Stellung sichern. Die Verhältnisse in Mecklenburg beruhigten sich erst später, obwohl das Christentum schon verbreitet war und mit dem nächsten Fürsten Heinrich Borwin I., der seit 1181 herrschte, einen tatkräftigen Fürsprecher hatte. So erfolgte 1186 auch die Wiedererrichtung des Klosters Doberan an anderer Stelle.

Literatur

  • Friedrich Wigger: Berno, der erste Bischof von Schwerin, in: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte 28 (1863), S. 3 ff.
  • Franz Winter: Die Cisterzienser des nordöstlichen Deutschlands I. 1868; S. 82 ff.
  • Ludwig Fromm: Berno. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 467–469.
  • Karl Schmaltz: Kirchengeschichte Mecklenburgs I. 1935
  • Karl Jordan: Die Bistumsgründungen Heinrichs des Löwen – Untersuchungen zur Geschichte der ostdeutschen Kolonisation. 1939
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Berno, erster Bischof von Schwerin. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, Sp. 542.
  • Joachim Wächter: Das Fürstentum Rügen – Ein Überblick, in: Beiträge zur Geschichte Vorpommerns. Die Demminer Kolloquien 1985–1994. Thomas Helms Verlag, Schwerin 1997, ISBN 3-931185-11-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Aus einer Urkunde Friedrich I. von 1170


Vorgänger Amt Nachfolger
- Bischof von Schwerin
1162-1191
Brunward

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