Berosus der Chaldäer

Berossos, auch Berosos (akkadisch Bêl-re'ušunu) war zwischen 258 v. Chr. und 253 v. Chr. als babylonischer Priester des Gottes Bēl und Marduk Leiter des Esagila-Tempels. Bekannt ist er als Verfasser eines historischen Werkes in griechischer Sprache.

Leben und Werk

Berossos war ein Zeitgenosse Alexanders des Großen und verfasste die Geschichte der Chaldäer in griechischer Sprache in drei Bänden, die unter den Titeln Babylõniká und Chaldaika bekannt ist. Überliefert ist dieses Werk nur in sekundären Quellen und in Auszügen bei Alexander Polyhistor (welcher wiederum in der armenischen Fassung von Eusebius Chronik zitiert wird), bei Flavius Josephus, bei Abydenos, sowie bei Juba.

Das besondere an dieser Chronik war die Verbindung mesopotamischer und griechischer Tradition zur Stützung der Seleukidenherrschaft. Band I widmet sich der Geographie Babyloniens, wobei Berossos sich an der hellenistischen Ethnografie orientiert, der Kosmogonie und dem Fischmenschen (Synonym für Weiser) Oannes als Kulturbringer. Band II beschäftigt sich mit 10 vorsintflutlichen Königen, schildert Flutberichte (nach der aus Uruk übernommenen babylonischen Tradition), sowie den nachsintflutlichen Dynastien und den Weisen bis zu Nabu-nasir im 8. Jhd. v. Chr.. Band III schildert schließlich die assyrische Fremdherrschaft (nach babylonischer Tradition nur aus babylonischem Blickwinkel) seit Tiglat-pileser III., deren Niedergang, die Zeit des Chaldäers Nebukadnezar II., die Perserherrschaft bis zur griechischen Eroberung.

Berossos' Geschichtswerk stützt in vielen Aussagen sowohl die heutigen Funde archäologischer Natur als auch die antiken Keilschrifttexte. Er gilt für die mesopotamische Geschichte und Kultur als glaubhafter als Herodot. In späteren Jahren soll Berossos (laut Vitruv, Seneca, Plinius und Flavius Josephus) eine Astrologenschule auf der Insel Kos geleitet haben und in der Akademie in Athen wissenschaftlich tätig gewesen sein.

Literatur

  • Fragmente der griechischen Historiker (FGrHist) no. 680 (Originaltext).
  • Paul Schnabel: Berossos und die babylonisch-hellenistische Literatur. Berlin 1923.
  • Stanley Mayer Burstein: The Babyloniaca of Berossus. Malibu, CA 1980 (2. Aufl.).
  • Gerald P. Verbrugghe/John M. Wickersham: Berossos and Manetho, introduced and translated. Native traditions in ancient Mesopotamia and Egypt. Ann Arbor 1996 (ND 2000).

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