Berswordtaltar

Das Berswordt-Retabel steht im nördlichen Seitenschiff der Marienkirche (Dortmund) und wird nach den Stiftern, der Dortmunder Familie Berswordt, benannt. Die Bilder werden auf vor 1395 datiert und zeigen auf der Außenseite eine Verkündigung an Maria, im Inneren eine auf drei Szenen konzentrierte Passion Christi. Der Maler ist unbekannt, es wurden aber unbeweisbare Spekulationen geäußert, dass es sich um ein Frühwerk von Conrad von Soest handeln könne[1].

Der Name des Altaraufsatzes geht auf die Stifterfamilie Berswordt zurück, deren Wappen sich in den Ecken des Retabels findet. Auch der namentlich unbekannte Maler wird aufgrund dieses Wappens Meister des Berswordt-Retabels genannt, zuweilen in mißverständlicher Verkürzung Berswordt-Meister.

Die linke Tafel zeigt in der Kreuztragung Jesus auf dem Kreuzweg nach Golgatha. Simon von Cyrene wird gezwungen, ihm beim Tragen des schweren Kreuzes zu helfen. Während Knechte der römischen Soldaten ihn vorwärtsprügeln, beweinen ihn einige Frauen.

Die mittlere Tafel fasst in einem volkreichen Kalvarienberg verschiedene Episoden der Kreuzigung zusammen. Sie zeigt den Zusammenbruch von Maria, die von Johannes gestützt wird. Johannes blickt zum Gekreuzigten, der nach dem Johannes-Evangelium die beiden zu Mutter und Sohn erklärt. Zu Füßen des Kreuzes schachern dämonische Gestalten um das Gewand Jesu. Ein römischer Hauptmann erkennt aber im sterbenden Jesus den wahren Sohn Gottes. Sein Bekenntnis ist als Spruchband ausgeführt. Im Zentrum der mittleren Tafel steht das Kreuz mit dem sterbenden Jesus, auch der Stich mit der Lanze in die Seite ist dargestellt. Rechts und links hinter Jesus hängen die mit ihm gekreuzigten Schächer. Die Seele dessen, der bereute, wird von einem Engel, die des Verstockten von einem Teufel geholt.

Die rechte Tafel zeigt die Kreuzabnahme. Auch auf diesem Bild steht das Kreuz im Zentrum. Das Geschehen ist auf wenige Personen begrenzt, anders als in der Szenenfülle des Zentralbildes. Vor dem goldenen Hintergrund leuchten die Gewänder der agierenden Personen rot, golden und grün. Josef von Arimathia hält den Leichnam Jesu im Arm, während andere die blutenden Nägel mit einer Zange aus den Füßen entfernen und den linken Arm vom Kreuz lösen. Die Gestalt Jesu wirkt nicht nur im Bereich des weißen Tuches, das seine Scham bedeckt, verschleiert.

Berswordt-Retabel (vor 1395)
Berswordt-Altar Außenseite

Siehe auch: Marienaltar (Conrad von Soest)

Quellen und Anmerkungen

  1. Horst Appuhn, St. Marien in Dortmund, in: Konrad Lorenz, Die Ev. St. Marienkirche zu Dortmund, a.a.O., S. 24

Literatur

  • Götz J. Pfeiffer: Die Retabelkunst des Meisters des Berswordt-Retabels in Westfalen, in: Albrecht, Uwe/ Bünsche, Bernd (Hgg.): Das Landkirchener Retabel im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloß Gottorf. Akten des internationalen Kolloquiums am 4. und 5. Oktober 2002 in Schleswig, Schloß Gottorf, Kiel 2008, S. 98-112.
  • Andrea Zupancic, Thomas Schilp (Hg.), Der Berswordt-Meister und die Dortmunder Malerei um 1400, Stadtkultur im Spätmittelalter, Bielefeld (Verlag für Regionalgeschichte) 2002, ISSN 1610-403X, ISBN 3-89534-488-5
  • Konrad Lorenz, Die Ev. St. Marienkirche zu Dortmund, Eigenverlag der Mariengemeinde, zahlreiche Abbildungen, Dortmund 1981

Weblinks


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