AEC Routemaster
AEC Routemaster RML 2473 (JJD 473D) der Firma First London auf der Linie 7 am Ladbroke Grove im April 2002.
Ein Routemaster überquert auf Linie 14 den Piccadilly Circus.
Einige Routemaster im Acton Depot.
Routemaster im Linienverkehr im Juni 1993 in London.

Der AEC Routemaster ist ein Doppeldecker-Linienbus, der zwischen 1954 und 1968 von der Associated Equipment Company (AEC) speziell als Stadt- und Regionalbus (Country Bus Coach) für London Transport hergestellt wurde. Die erste Fahrt eines Routemasters in London fand am 8. Februar 1956 statt. Die letzte reguläre Fahrt fand am 5. Dezember 2005 statt und gilt als das Ende der Routemaster-Ära in London. Seitdem verkehren nur noch auf Teilstrecken der Buslinien 9 und 15 in der Londoner Innenstadt regelmäßig Busse dieses Typs („Heritage Routemaster“). Fast 50 Jahre prägten die Fahrzeuge das Stadtbild und gelten bis heute als ein Wahrzeichen Londons („Take a trip on a London landmark“ − („Mach einen Ausflug in einem Londoner Wahrzeichen“) − Aufschrift auf einigen der Heritage Routemaster). Die Fahrzeuge wurden teils durch moderne Niederflur-Doppeldecker, teils durch in Deutschland hergestellte Gelenkbusse des Typs Mercedes-Benz O 530 Citaro von EvoBus ersetzt, die für den in Großbritannien herrschenden Linksverkehr als Rechtslenker hergestellt werden.

Inhaltsverzeichnis

Die Routemaster-Ära

Die ersten Fahrzeuge der Routemaster-Serie waren 8,4 Meter lang (genannt RM) und gingen zwischen 1959 und 1962 in Betrieb. Die letzten Fahrzeuge waren bis zu 9,1 Meter lang (genannt RML). Die beiden Varianten sind in der Seitenansicht durch das zusätzliche, kleinere Fenster des RML leicht unterscheidbar. Im Jahr 1968 kam der letzte Routemaster aus der Fabrik. Einige Fahrzeuge waren grün (GreenLine = Schnellbusse und für London Country), zu bestimmten Jubiläen auch silber- oder goldfarben lackiert, nach der Privatisierung auch in anderen Farben. Die populärste Farbgebung der Routemaster ist wohl das für London typische Rot, das auch heute noch für Busse in der Innenstadt Londons vorgeschrieben ist. Es war eine Haltbarkeit von 17 Jahren vorgesehen, allerdings sind viele der Busse deutlich älter. In den 50 Jahren, die die Serie nun besteht, hat sich an den Fahrzeugen jedoch einiges geändert. Mehrmals bekamen die Routemaster neue Motoren: 1962 und 1963 stattete man einige Busse mit Leyland-Maschinen aus. Zwischen 1990 und 1994 wurden von der noch aus 502 Wagen bestehenden RML-Flotte 500 Fahrzeuge mit neuen Iveco-Motoren ausgestattet. Bei den RMs erhielten etwa 100 Fahrzeuge einen neuen Motor. In den letzten Jahren erhielten die Busse nochmals neue emissionsärmere Motoren z.B. von Scania, außerdem wurde die Inneneinrichtung aufgefrischt (u. a. neue Innenbeleuchtung). Die Routemaster-Serie gilt als die letzte eigens für London konzipierte Busserie.


Rückzug aus dem Geschehen und das Ende der Routemaster-Ära

Auf vielen Londoner Linien wurde ab den 1970er Jahren Fahrzeuge eingesetzt, bei dem nur noch eine Person pro Wagen benötigt wurde („Einmannwagen“). Man wollte dem Personalmangel begegnen und erhoffte sich außerdem eine Kostenersparnis. Da der Haltestellenaufenthalt jedoch stark verlängert wurde, weil die Fahrer nun Fahrkarten kontrollieren und verkaufen mussten, wurde das neue System vorerst nur auf weniger stark belasteten Linien eingesetzt; in der Innenstadt blieb man bei den Schaffner-Wagen. Der Vorteil der in der alten klassischen Bauweise (Motor vorn, offener Heckeinstieg) konstruierten Routemaster lag darin, dass in der Londoner Innenstadt mit ihrem Stop-and-go-Verkehr die Fahrgäste auch zwischen den Haltestellen einfach aus- und zusteigen konnten („Hop on a bus“). Da die Routemaster jedoch nicht behindertengerecht sind, sah man sich aufgrund einer EU-Richtlinie nun gezwungen, auch auf den letzten Linien Fahrzeuge mit Niederflurtechnik einzusetzen und die alten Busse auszumustern. Viele Wagen, besonders die kürzeren RMs, wurden schon vorher verkauft. In den 1980er Jahren wurden einige Wagen sogar verschrottet, andere gingen an Unternehmen in England und Schottland, von denen sie teilweise später wieder zurück gekauft wurden. Heute sind die alten Wagen beliebte Attraktionen nicht nur bei den Liebhabern.

Auf den letzten zwanzig Londoner Linien wurde zwischen 29. August 2003 und 9. Dezember 2005 der Betrieb nach und nach eingestellt:

Linie Strecke Verkehrsunternehmen Letzte Fahrt am... Reihenfolge
6 Aldwych − Kensal Rise Metroline 26. März 2004 5. (mit Linie 98)
7 Russell Square − East Acton Station First 2. Juli 2004 7.
8 Bow Church − Victoria Station Stagecoach 4. Juni 2004 6.
9 Aldwych − Hammersmith London United 3. September 2004 9. (mit Linie 73 / 390)
11 Liverpool Street Station − Fulham Broadway London General 31. Oktober 2003 2.
12 Notting Hill Gate − Dulwich Plough London Central 5. November 2004 10.
13 Aldwych − Golders Green London United 21. Oktober 2005 14.
14 Tottenham Court Road Station − Putney Heath London Central 22. Juli 2005 13. (mit Linie 22)
15 East HamPaddington Station Stagecoach 29. August 2003 1.
19 Finsbury Park Station − Battersea Bridge Arriva London 1. April 2005 12.
22 Piccadilly Circus − Putney Common London Central 22. Juli 2005 13. (mit Linie 14)
23 Liverpool Street Station − Westbourne Grove First 14. November 2003 3.
36 Queens Park − New Cross Arriva London 1. April 2005 11.
38 Clapton Pond − Victoria Station Arriva London 28. Oktober 2005 15.
73 Tottenham − Victoria Station Arriva London 3. September 2004 9. (mit Linie 9 / 390)
94 Trafalgar Square − Acton Green London United 23. Januar 2004 4.
98 HolbornWillesden Metroline 26. März 2004 5. (mit Linie 6)
137 Oxford Circus − Streatham Hill Arriva London 9. Juli 2004 8.
159 Marble Arch − Streatham Station Arriva London 9. Dezember 2005 16. (und letzte)
390 Marble Arch − Archway Metroline 3. September 2004 9. (mit Linie 9 / 73)


Zukunft

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson hat versprochen, die Doppeldecker wieder einzuführen. Laut Johnson ist damit zu rechnen, dass moderne, neue Routemaster ab Ende 2011 wieder durch London fahren.[1][2]

Routemaster Heritage Routes

Aufgrund zahlreicher Proteste gegen die Stilllegung der Routemaster auf den Londoner Buslinien wurde von Transport for London beschlossen, einige Routemaster auf zwei Linien einzusetzen. Diese Linien werden als „Routemaster Heritage Routes“ bezeichnet und sind jeweils verkürzte Versionen der bestehenden Linien (siehe Tabelle oben), die jetzt von Niederflurwagen bedient werden:

(täglich von 09:30 bis 18:30 im 15-Minuten-Takt / Zum Einsatz kommen Routemaster der Firma First)
(täglich von 09:30 bis 18:30 im 15-Minuten-Takt / Zum Einsatz kommen Routemaster der Firma East London)

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. http://diepresse.com/home/panorama/welt/439073/index.do
  2. http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-38235.html

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