Berthold Simonsohn

Berthold Simonsohn (* 24. April 1912 in Bernburg (Saale); † 8. Januar 1978 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Jurist, Hochschullehrer und Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Leben

Simonsohn studierte von 1929 - 1934 Jura und Staatswissenschaften an der Universität Halle und der Universität Leipzig. 1933 wurde er zum juristischen Staatsexamen als Jude nicht zugelassen, jedoch konnte er im Februar 1934 noch promovieren. Simonsohn war vor 1933 Mitglied der SAPD und engagierte sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Ende 1933 erfolgte die erste Verhaftung wegen des Verdachts des Hochverrats. Aus Mangel an Beweisen wurde er nach drei Tagen freigelassen. Von 1939 bis 1942 war er als Bezirksfürsorger für Nordwestdeutschland bei der Reichsvereinigung der deutschen Juden angestellt. Am 19. Juli 1942 wurde er in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er Trude Gutmann (* 1921) kennenlernte, die er kurz vor der bevorstehenden Deportation nach Auschwitz rituell heiratete (die standesamtliche Trauung folgte 1949). Am 19. Oktober 1944 erfolgte die Deportation nach Auschwitz und am 25. Oktober 1944 deportierte man ihn in das Lager Kaufering III bei Augsburg, einem Außenlager des KZ Dachau. Von dort musste er am 26. April 1945 einen dreitägigen Marsch nach Dachau Allach antreten. Am 30. April 1945 befreiten die US-Armee das Lager. Seine Frau Trude Simonsohn überlebte im KZ Groß-Rosen.

Nach der Befreiung arbeitete er von September 1945 bis März 1946 im „Evidenz-Archiv des Repatriierungsamtes“, einer Abteilung des Sozialministeriums in Prag. Die Jahre 1946 bis 1950 verbrachte das Paar in der Schweiz. Dort leitete er zunächst das Sanatorium „Höhwald“, eine Einrichtung der jüdischen Flüchtlingshilfe Davos. Von Wintersemester 1947/48 an studierte er Volkswirtschaft, Soziologie und Geschichte in Zürich.

Im August 1950 kehrte Simonsohn nach Hamburg zurück und übernahm die Stelle eines Rechtsdezernenten der Jüdischen Gemeinde Hamburg.

Am 20. August 1951 beschloss die Mitgliederversammlung des Zentralrats der Juden in Deutschland die Wiedergründung der von den Nationalsozialisten verbotenen Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Simonsohn wurde mit der Gründung und als erster Geschäftsführer mit dem Aufbau der jüdischen Wohlfahrtsorganisation beauftragt, die er bis zum 31. Dezember 1961 leitete. 1962 wurde er auf eine Professur für Sozialpädagogik und Jugendrecht an die Johann Wolfgang Goethe-Universität berufen. Er befasste sich insbesondere mit der Jugendrechtsreform und war Mitverfasser der Denkschrift der Arbeiterwohlfahrt „Vorschläge für ein erweitertes Jugendhilferecht“, Bonn 1970.

1977 wurde er emeritiert. Mit seiner Frau, die in der Jüdischen Gemeinde arbeitete, lebte er bis zum Lebensende in Frankfurt am Main.

Literatur

  • Wilma Aden-Grossmann: Berthold Simonsohn. Biographie eines jüdischen Sozialpädagogen und Juristen (1912–1978). Campus, Frankfurt am Main u. a. 2007, ISBN 978-3-593-38340-8 (Campus-Judaica 23).

Weblinks


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