Bertold Schwarz
Umstrittenes Porträt. Überschrift: BERTHOLD SCHWARTZ, INVENTEUR de l'Artillerie.
Berthold Schwarz auf einem Brunnen am Freiburger Rathaus

Berthold Schwarz (auch Bertold Schwarz, Berthold der Schwarze oder Bertholdus Niger) war ein Freiburger Franziskanermönch und Alchemist des 14. Jahrhunderts. Er soll um 1359 (nach anderen Angaben 1353) durch Zufall das Schwarzpulver entdeckt haben.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Historiker H.J. Rieckenberg sieht in Berthold Schwarz den Konstanzer Domherrn Bertold von Lützelstetten (ein Ort bei Konstanz), der von 1294 bis 1310 Mitglied des dortigen Domkapitels war und als „magister artium Bertoldus“ in den Jahren 1329 bis 1336 vier Mal im Verzeichnis der Pariser Universität vorkommt. Andere Quellen sprechen von einem Konstantin Angeleisen oder Anklitzen, der wegen seiner Tätigkeit als Alchemist nach Prag in ein Kloster flüchtete. Dort soll er 1388 hingerichtet worden sein.[1]

Erfindung des Schießpulvers

Überlieferung

Einer Überlieferung zufolge soll Berthold bei alchemistischen Experimenten in einem Mörser Salpeter, Schwefel und Kohle zerstampft und diesen mit dem Stößel zusammen auf den Ofen gestellt haben, woraufhin er den Raum verließ. Kurze Zeit später habe sich eine Explosion ereignet und die herbeigeeilten Mönche stellten fest, dass der herausgeschleuderte Stößel so fest in einem Deckenbalken steckte, dass er nicht mal nach dem Berühren mit den Reliquien der heiligen Barbara herausgezogen werden konnte. Auf dieses Ereignis soll die Bezeichnung für das Schwarzpulver, der Name „Mörser“ für kurzläufige Steilfeuergeschütze und die Tatsache, dass die heilige Barbara als Schutzpatronin der Artilleristen gilt, zurückgehen.

Quellenauswertung

Es kann aber auch sein, dass er nie wirklich gelebt hat, weil eine Vielzahl von Quellen sich widersprechen und bereits ab 1242 Roger Bacon die Herstellung von Schwarzpulver in einem Brief an den Bischof von Paris und in weiteren Werken, allerdings mit veränderten Zusammensetzungen, sogar als Kinderspielzeug beschrieb. Gartz (2007) sieht daher den Namen Berthold Schwarz lediglich als frühes Sinnbild für das schwarze Schießpulver selbst, in Analogie zu den Anagrammen des Roger Bacon bezüglich der Pulverzusammensetzung. Die früheste Quelle stammt etwa aus dem 11. Jahrhundert von Marcus Graecus. Ein weiteres Buch von etwa 1250, das irrtümlich Albertus Magnus zugeschrieben wurde, ist eine weitgehende Abschrift des Buches von Graecus. Deutsche Ritter verwendeten bei der erfolglosen Belagerung der norditalienischen Stadt Cividale (1331) Feuerwaffen. Entsprechende Abbildungen aus England stammen schon von 1326. Die vorherige Anwendung des Schießpulvers in China und Arabien ist letztlich nicht gesichert. Salpeterhaltige Brandsätze werden zwar im Song-zeitlichen Werk Wu Ching Tsung Yao von 1044 erwähnt. Das Buch ist aber nur in seiner frühesten Kopie von 1550 aus der Ming-Zeit überliefert, daher ist nicht mehr erkennbar, ob die Vermerke zu den Brandsätzen nicht später hinzugefügt wurden.

Ein 1330 erlassenes Gesetz aus der Endphase der Mongolenherrschaft in China, das den Chinesen alle bekannten Waffen durch Aufzählung verbot, erwähnte jedenfalls weder Pulver noch Schusswaffen, die folglich mit hoher Wahrscheinlichkeit unbekannt oder nicht allgemein in Gebrauch waren. Auch hat das Schwarzpulver seinen Namen nicht von Berthold Schwarz, sondern von seiner schwarzen Farbe.

Auf dem Freiburger Rathausplatz findet sich ein achtseitiger Brunnen von Josef Alois Knittel. Er besteht aus gelbem Sandstein und wird von einer Statue von Berthold Schwarz gekrönt. Darauf finden sich folgende Worte:[1]

„dem Doctor, Alchimist und Erfinder des Schießpulvers errichtet im Jahre 1855 zum Gedächtniß der fünften Säkularfeier

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. a b Rosemarie Beck, Roland Meinig: Brunnen in Freiburg, Rombach, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 379300550X, S. 43f

Literatur

  • Jochen Gartz: Die Kulturgeschichte der Explosivstoffe. E.S.Mittler, Hamburg 2007

Weblinks


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