Bertram von Minden
Meister Bertram: Grabower Altar (1375–1383), Szene: Die Erschaffung der Tiere
Anbetung der Könige, Detail des Petri-Altars von Meister Bertram, auf der Berliner Weihnachtsbriefmarke von 1982

Bertram von Minden, auch bekannt als Meister Bertram (* um 1340 in oder bei Minden (Westfalen); † 1414 oder 1415 in Hamburg), war einer der bedeutendsten Maler der Gotik. Der Ortsteil Bierde von Petershagen an der Weser gilt auch als Geburtsort von Meister Bertram, da dessen Bruder, Cord van Byrde, vermutlich im Namen den Herkunftsort der Familie trug. Seine genaue Lebenszeit ist unbekannt. Man vermutet, dass er eine Ausbildung bei den Hofkünstlern Kaiser Karls IV. in Prag genossen hat.

Inhaltsverzeichnis

Leben

1367 wurde er als Bertram Pictor erstmals in Hamburg genannt, wo er bis zu seinem Tode als Meister tätig blieb. Er leitete eine große Werkstatt, in der Maler und Bildschnitzer tätig waren, um verschiedenste Aufträge auszuführen. Für die Stadt Hamburg und für Privatpersonen besorgte er das Fassen, Firnissen und Restaurieren von Skulpturen, bemalte Dokumenten- und Satteltaschen sowie einen Leuchterbaum oder Hängeleuchter. Bertram erhielt die wichtigsten künstlerischen Aufträge der Zeit in der Hansestadt, so auch den Hauptaltar der St. Petri-Kirche, der ersten Pfarrkirche Hamburgs. Der Altar gilt als sein Hauptwerk und wird heute Grabower Altar, genannt (s.u.). Das Datum seiner Fertigstellung ist mit 1383 überliefert. In Bertrams erstem Testament von 1390 ist von einer geplanten Pilgerfahrt nach Rom die Rede. Ob diese Pilgerfahrt tatsächlich stattfand, ist durch Schriftdokumente nicht belegbar. Jedoch möchten einige Kunsthistoriker Bertrams stilistische Weiterentwicklung auf diese Italienreise zurückführen. 1410 verfasste Meister Bertram ein weiteres Testament, in der er seine noch unmündige Tochter Gesa bedenkt. Daraus ist zu folgern, dass seine Ehefrau kurz vorher verstorben sein muss, da er im vorausgegangenen Testament seine Ehefrau als Erbin einsetzte. Die letzte überlieferte Urkunde Bertrams stammt von 1410.

Ausbildung und stilistische Entwicklung

Bertrams Arbeiten lassen sich dem Stil der Internationalen Gotik zuordnen. Durch die stilistische Verwandtschaft mit den Gemälden Meister Theoderichs in der Burg Karlstein bei Prag kann man eine Herkunftslinie von der Böhmischen Malerei her ziehen. Einige Kunstwissenschaftler halten einen längeren Aufenthalt Bertrams in Prag für wahrscheinlich.

Auch zur westfäischen Kunst besteht eine Beziehung, was wegen seines westfälischen Geburtsortes nicht verwundert. Verwandt mit Bertrams Stil ist etwa der "Passionsaltar" aus Osnabrück im Kölner Wallraff-Richartz-Museum.

Die Tier- und Landschaftsdarstellungen auf seinen Gemälden zeigen eine große Nähe zur französischen Buchmalerei, die damals tonangebend war. In der Bertram-Forschung wird immer wieder die Frage aufgeworfen, ob und inwieweit jemand, der nach damaliger Auffassung dem Handwerkerstand angehörte, Zugang zu solchen Büchern haben konnte.

Werk

Seit 1900 ist der sogenannte Grabower Altar im Besitz der Hamburger Kunsthalle. Im 18. Jahrhundert wurde er, weil er den Hansestädtern vielleicht nicht mehr modern genug schien, nach Grabow abgegeben – hierdurch blieb er von dem verheerenden Brand von 1842, der auch die St. Petri-Kirche zerstörte, verschont. Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark erwarb den Altar um 1900 für die Hansestadt und brachte ihn nach Hamburg zurück. Das Werk zeigt im Mittelschrein Skulpturen von Heiligen, die manchmal auch Bertram selbst zugeschrieben wurden; die Flügel zeigen den berühmten, ikonographisch sehr reichen und eigenständigen Bilderzyklus (u. a. die Schöpfungsgeschichte), der eine durch Hell-Dunkel-Abstufungen erreichte Plastizität der Figuren in Tradition Cimabues und Giottos mit reichen Naturbeobachtungen im Detail kombiniert (vgl. die abgebildete Erschaffung der Tiere).

Der 1394 (?) wohl für die heute nicht mehr vorhandene Hamburger St.-Johannes-Kirche angefertigte Passionsaltar, (Niedersächsischen Landesmuseum) in Hannover, zeigt einen, vom Grabower Altar ausgehend, weiterentwickelten Stil, insbesondere, was die Architekturen betrifft.

Daneben wird Meister Bertram oder seiner Werkstatt auch der "Buxtehuder Altar" (um 1400) in der Hamburger Kunsthalle zugeschrieben sowie der "Harvestehuder Altar" (um 1410) sowie der "Apokalypsenaltar" im Londoner Victoria and Albert Museum.

In Hamburg ist nach ihm die Meister-Bertram-Straße an der Stadtteilgrenze zwischen Barmbek-Nord und Ohlsdorf benannt.

Literatur

  • Georg Christian Friedrich Lisch: Der Altar der Kirche zu Grabow in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 38 (1873), S. 200 - 208Digitalisat
  • Alfred Lichtwark: Meister Bertram. Hamburg 1905.
  • Jens Christian Jensen: Über die Bildschnitzkunst von Meister Bertram. In: Der Wagen 1957, 46–56, ISSN 0933-484X.
  • Jens Christian Jensen: Meister Bertram. Quellen und Untersuchungen. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 44 (1958), 141–203, ISSN 0083-5587.
  • Christian Beutler: Der Hochaltar von Sankt Petri. Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-596-23912-5.
  • Uwe M. Schneede (Hrsg.): Goldgrund und Himmelslicht. Die Kunst des Mittelalters in Hamburg. Ausstellungskatalog Hamburger Kunsthalle 1999, ISBN 3-933374-48-0.
  • Stephanie Hauschild: Der Petri-Altar von Meister Bertram. Hamburg 2002, ISBN 3-922909-65-5

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