Bertrand de Billy

Bertrand de Billy (* 11. Januar 1965 in Paris) ist ein französischer Dirigent.

Leben

Er wurde in Paris geboren, erhielt dort seine Ausbildung und arbeitete zuerst als Orchestermusiker, sehr bald aber auch als Dirigent mit verschiedenen Orchestern seiner Heimatstadt, bevor er sich entschloss, nach Deutschland zu gehen, um sich seinen Weg als Operndirigent von Grund auf zu erarbeiten. Er begann als Erster Kapellmeister und Geschäftsführender Generalmusikdirektor in Dessau; sein Weg führte ihn danach über Berlin nach Wien, wo er mit der Premiere von Carmen 1994 an der Wiener Volksoper zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte.

Von 1996 bis 1998 war er erster Kapellmeister des Hauses, wo bis heute seine Mozartinterpretationen, aber auch seine musikalische Umsetzung der Harry Kupfer-Produktion von Boris Godunow in Erinnerung geblieben sind. Parallel dazu entwickelte sich sehr rasch eine internationale Karriere. Er trat an den Staatsopern in Berlin, Hamburg und München auf, ebenso ab 1996 an der Wiener Staatsoper, im Royal Opera House Covent Garden, in Brüssels La Monnaie und in der Opéra National in seiner Heimatstadt Paris.

Weitere Engagements führten ihn nach Washington, Los Angeles und an die New Yorker Metropolitan Opera, wo er seit 1997 regelmäßig Gast ist und u. a. die Neuproduktion von Gounods Romeo et Juliette leitete.

Von Herbst 1999 bis Juli 2004 war Bertrand de Billy Chefdirigent des wieder aufgebauten Teatro del Liceu in Barcelona. Er leitete in dieser Zeit insgesamt 16 Premieren, zuletzt Wagners Ring des Nibelungen. 2004 studierte er an der Wiener Staatsoper die fünfaktige Fassung von Verdis Don Carlos ein, 2007 leitete er die Premiere von Massenets Manon mit Anna Netrebko und Roberto Alagna. 2008 dirigierte er die Neuproduktion von Gounods Faust.

Bertrand de Billy war von 2002–2010 Chefdirigent des RSO Wien. Die Zusammenarbeit mit dem RSO Wien begann im Frühjahr 1998 mit Massenets Maria Magdalena beim Festival OsterKlang und setzte sich dann beim Sommerfestival KlangBogen mit den Produktionen Werther, Luisa Miller, Idomeneo, Fidelio und dem Projekt „Verdi-Marathon“ fort. Im Sommer 2006 folgten zum „Mozartjahr“ die Neuproduktion von Don Giovanni und fast parallel die Don Juan Paraphrase Flammen des im KZ ermordeten tschechischen Komponisten Erwin Schulhoff.

Bertrand de Billy hat mit dem RSO Wien zahlreiche CD-Produktionen aufgenommen, unter anderem einen Mozart/da Ponte-Zyklus, d´Alberts Tiefland, Ausschnitte aus Wagners Tristan und Isolde (mit Deborah Polaski und Johan Botha), Klavierkonzerte von Ravel und Gershwin mit Pascal Rogé sowie Schuberts Große Sinfonie in C-Dur. Zuletzt erfolgte eine von der Presse hochgelobte Einspielung von Beethovens Eroica. Im Frühjahr 2008 erschienen ein Mitschnitt von Dukas´ Ariane et Barbe-Bleue mit Deborah Polaski, sowie weitere Beethoven-Symphonien und Tondichtungen von Richard Strauss.

Auf dem Konzertsektor erarbeitete de Billy mit dem RSO Wien eine große Anzahl an Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Komponisten – u.a. von Friedrich Cerha, György Kurtag, Thomas Daniel Schlee, Jarrell, Henri Dutilleux, HK Gruber, Wolfgang Rihm, Staud, Mernier, Romitelli, Widmann, Luciano Berio, B.A. Zimmermann, Olivier Messiaen und Hans Werner Henze. Daneben startete er einen Mahler-Zyklus und setzte Klassiker des 20. Jahrhunderts (Debussy, Ravel, Berg, de Falla, Hindemith u.a.) neben die kontinuierliche Pflege von Klassik und Romantik. Seit 2002 trat Bertrand de Billy mit dem RSO Wien alljährlich bei den Salzburger Festspielen auf.

Im Sommer 2008 dirigierte er bei den Salzburger Festspielen die neue Produktion von Mozarts Don Giovanni mit den Wiener Philharmonikern. Im Oktober 2008 folgte die neue Produktion von Gounods Faust an der Wiener Staatsoper. Im Januar 2009 stand er am Pult des RSO in der neuen Produktion von Debussys Pelleas et Melisande im Theater an der Wien. Ebenfalls in 2009 wurde er mit der Wiener Flötenuhr für die Einspielung der drei Da-Ponte-Opern Mozarts ausgezeichnet.

Er ist Ritter des französischen Ordre national du Mérite und Ordre des Arts et des Lettres, 2010 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Außerdem ist Bertrand de Billy im Vorstand der Europäischen Musiktheater-Akademie.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bertrand de Billy — Saltar a navegación, búsqueda Bertrand de Billy (nacido en 1965 en París), es un director de orquesta francés especializado en dirección de ópera. Su carrera como director de ópera empezó en el Anhaltisches Theater de Dessau, Alemania, en donde… …   Wikipedia Español

  • Bertrand de Billy — Bertrand de Billy, (born 1965 in Paris), is a French conductor. Since autumn 2002 Bertrand de Billy is Chief Conductor artistic director of the Vienna Radio Symphony Orchestra (VRSO).Born and educated in Paris he first played as musician himself… …   Wikipedia

  • Bertrand De Billy — Bertrand de Billy, né à Paris le 11 janvier 1965, est un chef d orchestre français. Biographie Il étudie dès son plus jeune âge la musique classique: cours de solfège et de violon au conservatoire municipal, chant choral au sein d une maîtrise d… …   Wikipédia en Français

  • Bertrand de billy — Bertrand de Billy, né à Paris le 11 janvier 1965, est un chef d orchestre français. Biographie Il étudie dès son plus jeune âge la musique classique: cours de solfège et de violon au conservatoire municipal, chant choral au sein d une maîtrise d… …   Wikipédia en Français

  • Bertrand de Billy — Bertrand de Billy, né à Paris le 11 janvier 1965, est un chef d orchestre français. Biographie Il étudie dès son plus jeune âge la musique classique: cours de solfège et de violon au conservatoire municipal, chant choral au sein d une… …   Wikipédia en Français

  • Bertrand de Fénelon — Le comte Bertrand Alfred Marie de Salignac Fénelon (né le 17 avril 1878 à Paris et mort le 17 décembre 1914 à Mametz) est un diplomate français qui fut un ami proche de Marcel Proust. Sommaire 1 Biographie 2 Notes et références 3 Bibliographie …   Wikipédia en Français

  • Jacques de Billy —     Jacques de Billy     † Catholic Encyclopedia ► Jacques de Billy     (Billi)     A French patristic scholar, theologian, jurist, linguist, and a Benedictine abbot, b. 1535 at Guise in Picardy; d. 25 December, 1581 at Paris. He began his… …   Catholic encyclopedia

  • Jacques de Billy de Prunay — Coat of Arms : Billy de Prunay. Jacques de Billy de Prunay, Jacobus Billius[1]. est né à Guise en 1535 et mort à Paris le 25 décembre 1581, dans la qua …   Wikipédia en Français

  • Jacques de Billy (abbot) — Jacques de Billy (Billi) de Prunay was a French patristic scholar, theologian, jurist, linguist, and Benedictine abbot (1535 December 25, 1581).Born in Guise in Picardy, he began his studies at Paris, completed a course of philosophy and theology …   Wikipedia

  • Billy — ist eine Koseform des englischen Vornamens William bzw. dessen Kurzform Bill (Vorname) der Künstlername einer deutsch serbischen Sängerin, siehe Billy (Sängerin) das Pseudonym eines schweizerischen Lehrers, Aphoristikers und Buchautors,… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”