Berufsfachschule in der Schweiz

Die Berufsfachschulen vermitteln den theoretischen Unterricht im Rahmen der dualen beruflichen Grundbildung (Berufslehre). Oft sind ihnen Abteilungen für die höhere Berufsbildung und/oder die berufliche Weiterbildung angegliedert.

Der Begriff Berufsfachschule ersetzt seit 1. Januar 2004 den traditionellen Begriff Berufsschule. Im Volksmund wird auch von Gewerbeschule (für gewerbliche Berufsfachschule) und von KV-Schule (für kaufmännische Berufsfachschule) gesprochen.

Die Berufsfelder in der Schweiz, nach denen sich die Berufsfachschulen gliedern, werden in verschiedene Fachrichtungen eingeteilt. Die Kantone haben dafür zu sorgen, dass die Berufslernenden (Lehrlinge) den vorgesehenen Unterricht besuchen können, sei es, in dem sie für das jeweilige Berufsfeld Berufsfachschulen führen, sei es, dass sie sie in die Schule eines anderen Kantons senden und diesen dafür entschädigen.

Inhaltsverzeichnis

Gewerbliche, industrielle und technische Berufe

z.B. Coiffeur/-euse, Maler/in, Gärtner/in, Automatiker/in, Bauzeichner/in, Landmaschinenmechaniker/in, Schreiner/in, Geomatiker/in, Metallbaukonstukteur/in


Für 1-2 Tage in der Woche besuchen die Lernenden die Berufsfachschule wo sie allgemein bildenden Unterricht (inkl. Sport) und berufskundlichen Unterricht besuchen.

Allgemeine Bildung

Der allgemein bildende Unterricht dauert in der Regel ein halber Tag pro Woche und umfasst Sprache und Kommunikation, Recht und Gesellschaft und Sport. Ziel ist u.a. die Verbesserung der Sozialkompetenz.

Der Lehrplan für die Allgemeinbildung ist für alle Berufe gleich. Dennoch findet der Unterricht in berufsfeldbezogene Klassen statt.

Berufskundliche Bildung

Diese Fächer haben einen sehr engen Praxisbezug zu dem Gelernten im Betrieb (z.B. Berufskunde, Fachrechnen, Warenkunde, Werkstofftechnik usw.).

weiteres

Für Jugendliche mit überdurchschnittlicher Begabung besteht die Möglichkeit, ergänzend die Berufsmittelschule zu besuchen oder auch das Angebot verschiedener Freifachkurse zu nutzen. Diese werden jeweils an den verschiedenen Berufsfachschulen angeboten. Die Kurse können individuell auf den Beruf bezogen oder auf die Allgemeinbildung ausgerichtet sein,z.B. Informatikkurse oder Fremdsprache. Für leistungsschwächere Jugendliche werden an den verschiedenen Berufsfachschulen so genannte Stützkurse angeboten, die eine Hilfestellung für die Lernenden bietet.

Es werden je nach Beruf auch zusätzliche Attestsausbildungen durchgeführt. Für die jeweiligen Berufe müssen auch verschiedene Grundvoraussetzungen erfüllt und verschiedene Anforderungsprofile gestellt werden.

Kaufmännische Berufsfachschulen und Detailhandel

Wichtigste Berufe: Kaufmann/Kauffrau (früher: kaufmännische/r Angestellte), Detailhandelsangestellte/r, Buchhändler/in

Beim Beruf Kauffrau/Kaufmann stehen den Berufslernenden je nach schulischen und persönlichen Voraussetzungen sowie dem Interesse drei Anforderungsprofile zur Auswahl: Kauffrau/ Kaufmann Basisbildung (B), erweiterte Grundbildung (E) und Lehre mit Berufsmaturität (M). Ein Profilwechsel ist bis zum Beginn des 2. Lehrjahres möglich.

Schulische Ausbildung

Die schulische Grundbildung, welche mehrheitlich 2 Tage pro Woche erfolgt, setzt sich aus folgenden Elementen zusammen:

  • IKA: Unterricht in Information, Kommunikation und Administration.
  • W&G: Unterricht in Wirtschaft und Gesellschaft
  • Sprachen: Unterricht in Deutsch sowie je nach Profil in ein oder zwei Fremdsprachen
  • Sportunterricht

Im Profil M findet zusätzlich Unterricht in Mathematik und Geschichte statt und W & G ist unterteilt in Finanz- und Rechnungswesen (FRW) und Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre und Rechtskunde (VBR).

Die Lernenden der Profile B und E besuchen im dritten Lehrjahr die Berufsfachschule nur einen Tag pro Woche, die Lernenden des Profil M in allen Lehrjahren zwei Tage pro Woche.

Die Schulen bieten den Berufslernenden auch Freifächer an. Teilweise werden auch Sprachaufenthalte in England und Frankreich angeboten.

Eine Besonderheit: Träger der kaufmännischen Berufsfachschulen sind in der deutschsprachigen Schweiz meist die regionalen kaufmännischen Verbände. Die anderen Schulen werden grossmehrheitlich von den Kantonen getragen.

Gesundheit und Soziale Berufe

Wichtigste Berufe: Fachfrau/-mann Betreuung (FaBe), Fachangestellte Gesundheit (FaGe)

Die Ausbildungszeit an der Berufsfachschule nach der obligatorischen Schulbildung beträgt 3 Jahre. Für Erwachsene gibt es die Möglichkeit, eine verkürzte Lehre von 2 Jahren zu absolvieren.

Im Bereich der FaGe gibt es verschiedene Möglichkeiten der schulischen Ausbildung. Je nach Berufsfachschule wird der Unterricht in Modulen (Blockkurse) oder an 1.5 Tagen pro Woche (1 Tag Berufskunde, ½ Tag Allgemeinbildung und Sport) durchgeführt. An einigen Schulen sind die Schultage auch auf die Lehrjahre abgestimmt:

  • 1. Jahr: 4 Tage/Woche
  • 2. Jahr: 2 Tage/Woche
  • 3. Jahr: 1 Tag/Woche

Allgemeine Bildung

An den Schulen werden die Themen Turnen/Sport und Allgemeinbildung nach einem eigenen Lehrplan vermittelt.

Berufskundliche Bildung der FaBe

Die Berufskunde wird unterteilt in:

Allgemeine Berufskenntnisse;

  • Begleiten und Betreuen im Alltag,
  • Kommunikation und Zusammenarbeit,
  • Mensch und Entwicklung,
  • Ethik, Berufsrolle, Qualität und Organisation

und Spezifische Berufskenntnisse;

  • Behindertenbetreuung
  • Kinderbetreuung.

Berufskundliche Bildung der FaGe

  • Pflege und Betreuung
  • Lebensumfeld und Alltagsgestaltung
  • Administration und Logistik
  • Medizinaltechnik
  • Berufsübergreifende Berufskunde


Es werden auch zusätzliche Freifachkurse angeboten. Die Lernenden haben auch die Möglichkeit, während der Ausbildung die Berufsmatura zu absolvieren.

Land- und Forstwirtschaft

Landwirt, landwirtschaftliche Spezialberufe

Die Ausbildung zum Landwirt ist traditionell in 2 Teile gegliedert:

  1. Teil: Ein Tag pro Woche Berufsfachschule (Dauer 2 Jahre) mit anschliessender Lehrablschussprüfung 1 (LAP 1).
  2. Teil: Landwirtschaftsschule. Als Aufnahmebedingung gilt eine bestandene LAP1.

Es gibt 2 Varianten, die Landwirtschaftsschule zu absolvieren – entweder als Jahreslandwirtschaftsschule oder als Winterlandwirtschaftsschule mit anschliessender LAP2. Bei Bestehen erhalten die Absolventen das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis.

Allgemeinbildung

Im allgemein bildenden Unterricht wird Sport, Gesellschaft, Sprache und Kommunikation vermittelt.

Fachunterricht

Der Fachunterricht umfasst:

  • Pflanzenbau: allgemeiner Pflanzenbau, Alp- und Berglandwirtschaft und Wahlmöglichkeiten
  • Tierhaltung: allgemein und Wahlmöglichkeiten
  • Landtechnik und Werkstatt
  • Betriebswirtschaft

Aufteilung der Lernenden auf die verschiedenen Fachbereiche

In allen Berufen ist der schulische Bereich ein Bestandteil des Qualifikationsverfahrens. Bei Bestehen der Prüfung erhalten die Berufslernenden ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) bzw. das Eidgenössisches Berufsattest (EBA).

Beschreibung

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bildungswesen in der Schweiz — Das Schweizer Bildungssystem (vereinfacht) Im Schweizer Bildungssystem liegt die Schulungsverantwortung nicht ausschliesslich beim Bund, sondern ist auf Grund des Föderalismus vorwiegend Sache der Kantone. Man unterscheidet folgende Bereiche des… …   Deutsch Wikipedia

  • Schulsystem in der Schweiz — Das Schweizer Bildungssystem (vereinfacht) Im Schweizer Bildungssystem liegt die Schulungsverantwortung nicht ausschliesslich beim Bund, sondern ist auf Grund des Föderalismus vorwiegend Sache der Kantone. Man unterscheidet folgende Bereiche des… …   Deutsch Wikipedia

  • Schultypen in der Schweiz — Das Schweizer Bildungssystem (vereinfacht) Im Schweizer Bildungssystem liegt die Schulungsverantwortung nicht ausschliesslich beim Bund, sondern ist auf Grund des Föderalismus vorwiegend Sache der Kantone. Man unterscheidet folgende Bereiche des… …   Deutsch Wikipedia

  • Bildungssystem in der Schweiz — Das Bildungssystem in der Schweiz (vereinfacht) Das Bildungssystem in der Schweiz liegt auf Grund des Föderalismus vorwiegend in der Verantwortung der Kantone sowie in Teilen in der Verantwortung des Bundes. Man unterscheidet folgende Bereiche… …   Deutsch Wikipedia

  • Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland — Mit Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland wird die bildungsspezifische Benachteiligung von Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet, die über geringe kulturelle, soziale oder finanzielle Ressourcen verfügen. Der… …   Deutsch Wikipedia

  • Berufsfachschule — Berufsfachschulen steht für: einen berufsbildenden Schultyp in Deutschland, siehe Berufsfachschule in Deutschland den Schultyp der dualen Berufsbildung in der Schweiz, ehemals Berufsschule, siehe Berufsfachschule in der Schweiz Staatlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Bildung in Deutschland — Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und… …   Deutsch Wikipedia

  • Bildungssystem in Deutschland — Das Bildungssystem in Deutschland ist vierstufig. Dem Bildungssystem wird bisher der Vorschulbereich nicht zugerechnet, wenn auch einige Ländergesetze dies bereits geändert haben. Nach dem Kindergarten/der Vorschulzeit beginnt der Bildungsweg mit …   Deutsch Wikipedia

  • Bildungsplan (Schweiz) — Ein Bildungsplan ist ein Begriff aus dem Schweizer Berufsbildungswesen. Er wird nach Vorgabe der übergeordneten Bildungsverordnung für jeweils einen Beruf erstellt und definiert die im trialen Ausbildungsmodell entstehenden Schnittstellen… …   Deutsch Wikipedia

  • Bildungsbenachteiligung in Deutschland — Mit Bildungsbenachteiligung in Deutschland wird die bildungsspezifische Benachteiligung von Gruppen in Deutschland bezeichnet, die über geringe kulturelle, soziale oder finanzielle Ressourcen verfügen. Der Begriff impliziert nicht vorsätzliche… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”