Berufsförderungswerk Bad Pyrmont

Das Berufsförderungswerk Bad Pyrmont ist ein Bildungsunternehmen der beruflichen Rehabilitation. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können, können dort einen neuen Beruf erlernen. Das heutige Berufsförderungswerk geht auf eine Einrichtung für Kriegsversehrte zurück, die 1945 gegründet wurde. Der Träger ist die Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation, der auch das Berufsförderungswerk Weser-Ems in Bookholzberg angehört.

Inhaltsverzeichnis

Aufgabe

Das Berufsförderungswerk (BFW) Bad Pyrmont begleitet Menschen von der beruflichen Neuorientierung über die Ausbildung und Qualifizierung bis hin zum Start einer neuen Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Während ihrer Ausbildung werden die Teilnehmer bei Bedarf von Ärzten, Sozialpädagogen und Psychologen betreut.

Berufsfindung

Das BFW bietet mehrere Maßnahmen zur Orientierung an, um eine neue berufliche Perspektive zu entwickeln. Menschen, denen es an einer konkreten Vorstellung fehlt, können sich in einer Berufsfindung (BF) über verschiedene Berufe und damit verbundene Anforderungen informieren. Die Teilnehmer führen praktische Arbeiten und Hospitationen durch, erhalten arbeitspädagogische und psychologische Hilfestellungen und werden arbeitsmedizinisch untersucht. Der Kurs führt zu einem konkreten Berufsvorschlag, der sich auch nach späteren Beschäftigungschancen richtet. An Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung oder einer psychischen Behinderung richtet sich die eigens für sie konzipierte Berufsfindung-Spezial.

Die Arbeitserprobung (AE) hingegen kommt für Menschen in Frage, die einen bestimmten Berufswunsch haben oder in einem konkreten Berufsfeld tätig sein wollen. Während des Kurses werden die intellektuelle und die fachliche Eignung getestet und mit den beruflichen Anforderungen konfrontiert.

Ausbildungsvorbereitung

Für viele Teilnehmer liegt die Schul- und Ausbildungszeit länger zurück. Deshalb absolvieren sie vor dem Beginn einer Ausbildung im BFW Bad Pyrmont oft einen vorbereitenden, meist dreimonatigen Kurs. In diesem sogenannten Reha-Vorbereitungslehrgang (RVL) soll das schulische Wissen aufgefrischt, aktualisiert und ergänzt werden. Schwerpunkte bilden die Fachgebiete Deutsch und Mathematik. Zudem geht es in dem Vorbereitungslehrgang darum, sich wieder in den Lernprozess hineinzufinden und fehlende Schlüsselqualifikationen, wie z.B. Kommunikations-, Organisations- oder Teamfähigkeit, zu erwerben.

Menschen mit psychischen Vorerkrankungen oder psychosomatischen Erkrankungen können im BFW auch das Reha-Vorbereitungstraining (RVT) durchlaufen. Das präventive Stressbewältigungstraining dient ebenfalls zur Vorbereitung auf die spätere Ausbildung. Die Teilnehmer setzen sich gezielt mit Belastungssituationen auseinander. Methoden zu deren Bewältigung werden in realitätsnahen Situationen entwickelt, erprobt und reflektiert.

Ausbildung

Das BFW hat rund 20 Ausbildungen und Qualifizierungen im Programm, die zwischen 6 und 24 Monate dauern. Das Spektrum umfasst kaufmännische und verwaltende Berufe sowie Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen und Berufe der Druck- und Medienindustrie.

Die Ausbildungszeit im BFW ist auf zwei Jahre verkürzt. Jede Ausbildung endet mit der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Neben den anerkannten Ausbildungsberufen können kürzere (6-12 Monate) Qualifizierungen durchlaufen werden, in denen die Teilnehmer ein IHK- oder ein BFW-Zertifikat erwerben. Das BFW Bad Pyrmont bildet nach dem Prinzip der Handlungsorientierung aus. Teilnehmer haben keinen Berufsschulunterricht; auf eine strikte Trennung von Theorie und Praxis wird verzichtet. Stattdessen lernen die Teilnehmer in Lernwerkstätten und -büros, Übungsfirmen oder -praxen. Dort werden praktische und theoretische Ausbildungsinhalte miteinander verzahnt. Außerdem sammeln die Teilnehmer Erfahrungen in Betrieben auf dem ersten Arbeitsmarkt. Zu jeder Ausbildung und Qualifizierung gehört ein mehrmonatiges Praktikum.

Rückkehr in den Arbeitsmarkt

Frühzeitig in der Ausbildung werden die Teilnehmer auf die spätere Jobsuche vorbereitet. Sie absolvieren ein Bewerbertraining und knüpfen im Praktikum Kontakte. Die Teilnehmer werden auch dabei unterstützt, eine vollständige elektronische Bewerbung zu erstellen, mit der sie im Internet auf Stellensuche gehen. Absolventen, die nach der Ausbildung keinen Arbeitsplatz bekommen, können weiter an Bewerbungsseminaren teilnehmen.

Fachdienste

Bei persönlichen Problemen während der Ausbildung können die Teilnehmer die Hilfe von Sozialarbeitern, Psychologen und Ärzten in Anspruch nehmen. Die Mitarbeiter jeder Profession bilden einen Fachdienst. Dabei ist der soziale Dienst meist die erste Anlaufstelle. Die Sozialarbeiter haben häufig eine vermittelnde Funktion. Weiter sind sie die Schnittstelle zwischen dem BFW und den Trägern, welche die Ausbildungen finanzieren.

Die Psychologen kümmern sich in Einzelgesprächen um berufliche und persönliche Probleme der Teilnehmer. In Gruppenangeboten gehen sie Themen wie Prüfungsvorbereitung, Entspannung oder Stressbewältigung an. Der ärztliche Dienst behandelt Reha-Leiden, berät bei gesundheitlichen Problemen und Schwerbehinderten-Angelegenheiten und unterstützt eine gesunde Lebensführung.

Berufe

kaufmännische und Verwaltungsberufe

gewerbliche Berufe

Gesundheits- und soziale Berufe

  • Orthopädieschuhmacher, 24 Monate, HWK-Prüfung
  • Orthopädiemechaniker und Bandagist, 24 Monate, HWK-Prüfung
  • Podologe, 24 Monate, staatliche Prüfung
  • Fachleute für Reha-Technik und Sanitätshauswaren, 10 Monate, BFW-Zertifikat
  • Wellness- und Gesundheitsmanager, 12 Monate, IHK-Zertifikat
  • Berater im Gesundheits- und Sozialwesen, 12 Monate, BFW-Zertifikat

Druck- und Medienberufe

Wohnen und Leben

Die Teilnehmer im BFW Bad Pyrmont, die nicht zwischen Ausbildungsplatz und Wohnsitz pendeln, leben im Internat. Dort wohnen sie in Einzelzimmern, die teilweise speziell für Rollstuhlfahrer und Allergiker ausgestattet sind. Zur Gestaltung der Freizeit gibt es zahlreiche Angebote: Bogenschießen, Badminton und Volleyball, Fitnessraum, Billard, Kicker und Tischtennis, Mediathek, QiGong und Rückenschule, Fernseh- und Aufenthaltsräume, Töpfern, Seidenmalerei und Holzwerkstatt.

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